Zurück in die Zukunft: Deutschrap steckt im 80er Film

Der Film "Zurück in die Zukunft" ist ein absoluter Klassiker. Der legendäre Titel scheint darüber hinaus auch immer öfter das Motto im Deutschrap zu sein. Viele Künstler blicken musikalisch mindestens dreißig Jahre in den Rückspiegel, um ihr Soundbild voranzubringen. Stagnation gilt schließlich als die kreative Bankrotterklärung.

Ob Chartüberflieger oder Untergrund – an allen Ecken blitzen die Achtziger hervor. Synthesizer-Ausflüge, übergefühlige Gitarreneinsätze oder kühle Elektroexperimente drängen in so manchen Songs nach vorne. Retro ist schick und die Sounds so unterschiedlich wie die Rapper, die sie für sich entdeckt haben. Also Augen auf! Es könnte bald noch viel mehr aus dieser Richtung kommen.

Capo ft. Nimo – Lambo Diablo GT

Allein dass der Song des Jahres unserer Hiphop.de-Awards über den Achtziger-Film funktioniert, zeigt wie sehr diese Ästhetik schon im Hier und Jetzt angekommen ist. Capo und Nimo fahren den "Lambo Diablo GT" und pumpen das Miami-Feeling in die Welt hinaus. Zwischen alten Spielhallenautomaten und Schnauzbärten fühlt sich der Beat des Dreiergespanns SOTT, Veteran und Zeeko hörbar wohl. Eine Neuauflage des überaus erfolgreichen Rezepts gab es bereits in "Mon Cheri". Auch hier: Süße Harmonien, glitzernde Romantik, Kitsch und Glamour. Willkommen in einem verruchten Jahrzehnt!

Bausa – FML

Einer, der sogar vor seinem Soundentwurf warnt, ist Bausa. Sein Musikvideo zu "FML" sei laut Einleitungshinweis kein Rap mehr. Nach Deutschraps größtem Single-Erfolg aller Zeiten "Was du Liebe nennst" legte er keinen Track gleicher Machart nach. Der Baui hat seinen eigenen Kopf und der hat Bock auf abgefahrene Gitarren und epische Saxophonsoli in verrauchten Clubs. Auf dem passenden Tape "Powerbausa" ist sowieso jeder Stil zu Hause. Da erinnert das Cover an ein Metalalbum und die Trap-Nummer "Unterwegs" mit Capital Bra an düsterste Ecken der Großstädte. Das geht alles im Baui-Universum und dazu zählt auch die Stilbandbreite, die in Zeiten zurückreicht, in denen viele Fans noch nicht geboren waren. Dafür muss der Hörer bereit sein.

Haiyti – Serienmodell

Für die Musik von Haiyti auf "Montenegro Zero" muss der Konsument ebenso eine Zeitreise in Kauf nehmen. Die Kitschkrieg-Produktionen bieten der Hamburgerin die Bühne für allerlei Spielerein, die an die Neue Deutsche Welle erinnern. Dabei fällt ein Track wie "Serienmodell" besonders auf, der ein wenig die Pionierarbeit von Kraftwerk auf dem Feld der elektronischen Musik durchschimmern lässt (auch wenn Haiyti um einiges melodischer vorgeht). Das gefühlte "Future-Déjà-vu" der Platte berappt die Querdenkerin selbst in "Sunny Driveby". Diese Wortschöpfung gibt zumindest eine ungefähre Definition ihres Sounds, der wie die Künstlerin trotzdem nur bedingt greifbar bleibt.

Cro – Unendlichkeit

Wann legt er endlich seine Maske ab? Darum kreist seit Jahren sehr viel mediale Aufmerksamkeit, wenn es um Cro geht. Was der Chimperator-King bereits abgelegt hat, sind irgendwelche musikalischen Scheuklappen. Die Hook seines Hits "Unendlichkeit" könnte ohne weiteres von der norwegischen Pop-Band a-ha stammen. Inwiefern genau das Werk des "Take on me"-Trios auf die Platte "Tru." eingewirkt hat, ist nicht überliefert. Die Höhen und die Melodik des Refrains hätten aber genauso in die Diskografie der erfolgreichen Band um Morten Harket gepasst.

Love Hotel Band – Diamant

Yung Hurn macht sowieso, was er will. Daher wirkt es total logisch, dass er schon in den Achtzigern gewildert hat. Sein Projekt um die Love Hotel Band mag zwar ironisch rüberkommen, aber trifft dennoch mit der Komposition aus Ton und Bild voll ins Schwarze. Die auffällig verschmuste Show-Band lässt bei "Diamant" kaum Stilwünsche offen und sprengt auch durch die schauspielerischen Einlagen jede Emotionsskala (Lars Eidinger weiß, dass er gemeint ist). Das, was die Jungs abziehen, ist unangepasst und transportiert gleichzeitig unaufgeregt den Swagga von vor 30 Jahren.

KaynBock – Knarre

Eher unter dem Radar agiert KaynBock. Vielleicht war er seiner Zeit einfach ein Stück voraus, als er 2016 die EP "Herzscherz" droppte. Die Songs, die Frisur, die Videokonzepte – alles atmet den Geist der Achtziger. Wenn es nicht daneben stehen würde, wäre es schwer zu glauben, dass unter anderem Joshimixu für diesen Flash verantwortlich ist. Der von ihm produzierte Vorabtrack "Knarre" machte allzu deutlich, wie es funktioniert, einen stimmigen Vibe einzufangen. KaynBock, der als Member der fast schon legendären neuen Reimgeneration auf der größeren Bühne auftauchte, meint es definitiv ernst. Das ist wie eine gute Magnum-Folge und das ist exakt der Spirit, der heute bereits so gut funktioniert.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Cro releast "C" & sorgt für Fragezeichen
Cro
C

Cro releast "C" & sorgt für Fragezeichen

Von Michael Rubach am 31.07.2020 - 13:58

UPDATE vom 1. August:

Cro bleibt weiter unberechenbar. Sein ursprünglich in der Nacht zum Freitag unter dem Titel "C" releaster Track wurde zu "C#1" ausgebaut. Mit dem Producer IAMNOBODI ist darüber hinaus ein Feature-Gast an Bord. Der jetzige Track klingt zudem weitaus ausgereifter als die zunächst online gegangene Version. Ein zusätzliches Video ist darüber hinaus in Cros Insta-Feed zu finden. Es zeigt mutmaßlich Cro bei er Entstehung des Songs.



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


©️ @thisiscro

Ein Beitrag geteilt von ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ (@thisiscro) am

UPDATE vom 31. Juli:

Cro hat einen weiteren Teaser auf Instagram veröffentlicht und tritt damit Spekulationen über ein mögliches Karriereende entgegen. Dabei wandelt sich die ursprünglich auf einem Grab platzierte Botschaft "RIP" zu einem "TRIP". Es ist ein zusätzlicher Mosaikstein in Cros aktueller Kampagne, die heute Nacht durch den Instrumental-Track "C" ausgebaut wurde.



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


life’s a trip @thisiscro

Ein Beitrag geteilt von ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ (@thisiscro) am

Original-Meldung vom 31. Juli:

Über Nacht ist ein neuer Track von Cro namens "C" aufgeploppt. Dabei handelt es sich allerdings um keine Single im klassischen Sinne. Vielmehr hören wir drei Minuten lang diffuse Sounds. Damit führt Cro eine noch undurchsichtige Kampagne fort, die er unter der Woche eingeleitet hat.

"C": Cro releast geheimnisvollen neuen Song

Cros Instrumental-Track wabert einfach so dahin. Für eine klassische Rap-Performance bietet das Stück keine sonderlich gute Grundlage. Eine Stimme, die über die Geräuschkulisse hinweg etwas erzählt, ist schon weitaus besser vorstellbar. Doch nichts dergleichen passiert. Nach wenigen Minuten ist der Ausflug in diese Klangwelt vorüber – ohne, dass ein einziges Wort gefallen wäre. Auch ein Blick auf Social Media hilft nicht weiter. Keine Erklärung. Kein Statement. Nichts.

Das Cover zur Single zeigt einen Sternenhimmel mit einem leuchtenden C. Auf die üblichen Playlisten wird es der Rapper mit diesem Move kaum abgesehen haben. Dafür heizt er munter weiter die Gerüchteküche an. Cro setzt so nahtlos fort, was er vor wenigen Tagen begonnen hat. Das Begräbnis seiner Pandamaske und ein mystischer Rückblick auf die bisherige Laufbahn ließen die Fans vornehmlich irritiert zurück. Viele dieser bewusst gesetzten Zeichen deuten auf einen Abschied hin.

Das Internet spekuliert bereits eifrig über ein Karriereende des erfolgreichen Musikers. Was genau Cro dieser Tage vorhat, ist auch mit dem heutigen Release unklar. Wohin sein Weg führen wird, bleibt vorerst ein Rätsel. Wann es zur Auflösung kommt, haben wir nicht zu entscheiden. Es scheint jedoch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich aus den einzelnen Puzzlestücken etwas großes Ganzes zusammensetzt.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!