Von Takt32 über Laas bis G-Hot: Fler vergleicht Ghostwriter

 

Fler geht seit Jahren offen damit um, dass seine Songs zu Teilen mit Unterstützung entstehen. Unterschiedlichste Akteure der Deutschrapszene waren schon an Flizzys Seite, um Hilfestellung auf dem Weg zum fertigen Track zu geben. Welche Stärken und Schwächen die jeweiligen Ghostwriter ausmachen, hat der Berliner gegenüber Ssynic in einem Interview ausgebreitet.

Fler schildert Ghostwriter-Erfahrungen

Takt32 ist ein viel beschäftigter Mann. Er treibt fortlaufend seine Solokarriere voran, gehört zum Team von badmómzjay und schreibt gegenwärtig für Fler. Was der Maskulin-Boss besonders zu schätzen weiß, ist die Professionalität, mit der Takt32 an diesen Job herangeht – ganz unabhängig vom Auftrag.

"Es gibt so Typen wie Takt. Die sind sehr, sehr professionell und die haben ein sehr gesundes Ego. Das heißt: Takt kann mit irgendwelchen YouTubern in einem Raum sitzen [...] und dann sitzt der mit denen wie ein Pädagoge und kann mit denen umgehen. [...] Er kann mit mir super gut umgehen. Er ist super diplomatisch, super ausgeglichen, super erwachsen."

Auch kenne Takt die Berliner Hiphop-Historie und die Geschichte von Fler. Er bringe so Sichtweisen ein, die anderen abgehen würden. Der Kiezkunst-Artist sei darüber hinaus diszipliniert und konstant.

Sentino könne man sich Flers Aussagen nach eher als das Gegenteil vorstellen. Beide Rapper gerieten in der Vergangenheit immer wieder aneinander. So beschwerte sich Sentino in der Öffentlichkeit über Fler und erklärte, dass dieser ihn nicht angemessen für seine Mitarbeit an dem Album "Atlantis" bezahlt hätte. Auf solche Beef-Storys kommt Fler gegenüber Ssynic nicht zu sprechen. Er hebt stattdessen Sentinos künstlerische Fähigkeiten hervor.

"Sentino hat mir eher bei den Hooks geholfen. Wir haben so'n bisschen gevibed und wollten diesen Hitfaktor rauskitzeln. Der Typ ist crazy, behindert, Künstler. Aber dem gibst du dann ne Flasche Jacky Cola und auf einmal kommt dann 'Unterwegs' raus  unbezahlbar."

Laas ist bekanntermaßen im Camp von Shirin David angekommen. Das Album "B*tches brauchen Rap" trägt auch seine Handschrift. Ebenfalls ist bei Laas die enge Zusammenarbeit mit Shindy verbrieft. Zuvor arbeitete Fler mit ihm zusammen.

"Laas ist jemand, der sehr, sehr viel Content hat und sehr, sehr krasse Lines hat. Den musst du aufs Wesentliche reduzieren. Dass der später mit Shindy schreiben konnte, das entstand nur durch die Ausbildung mit mir. Laas war früher kein Ghostwriter. Viele Grüße an Laas."

Fler (jetzt auf Apple Music streamen) ergänzt, dass Laas einst Probleme gehabt hätte, "einen richtig klaren Song" zu schreiben. An dieser Stelle sei Fler dann mit Input gekommen. Laas habe eine Fülle anderer Qualitäten mitgebracht. So könne dieser sehr gut "rausballern", sei super lyrisch und ein richtiges "Reimemonster".

Bei G-Hot, der früher prominent auf diversen Maskulin Mixtapes sowie DJ Tomekks Hit-Single "Jump Jump" (2005) in Erscheinung getreten ist, sieht Fler in Bezug auf Songwriting ein größeres Strukturproblem.

"G-Hot ist leider sehr, sehr beschränkt. Also das ist nicht böse gemeint. Also sehr einseitig. Der kann dir nur Reime sagen und Punchlines. Der hat aber keine Flows. Der hat keine Ahnung von Pattern und von der Songstruktur. Der versteht noch nicht, wenn er Sachen sagt, die zu dumm klingen. Der hat Berliner Ignoranz, aber manchmal ist es zu plump. [...] Er kann keine Hooks. Er weiß nicht, wo der Song anfängt und aufhört."

Fler betrachtet seine Rolle bei der Zusammenarbeit mit Ghostwritern als eine Art "Dirigent". Er müsse letztlich die Struktur schaffen und versuchen, den "goldenen Moment" hervorzuholen. Den ersten Satz schreibe er zudem selbst, um überhaupt eine Richtung vorzugeben.

Das gesamte Gespräch zwischen Fler und Ssynic kannst du nachfolgend sehen. Nach circa 80 Minuten geht es um die unterschiedlichen Ghostwriter.

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