T.I., Soulja Boy & mehr: Rapper rufen zum Boykott gegen Gucci auf

Dass Gucci bei Rappern dies- und jenseits des Atlantiks hoch im Kurs steht, hat jeder Fan längst mitbekommen. Ob Lil Pumps "Gucci Gang", Capital Bras Auskünfte über seine Garderode ("Nur noch Gucci", "Gucci Pulli L") oder ein einfach Blick auf Instagram – die italienische Luxusmarke ist omnipräsent in der Rapwelt. Ein neues Produkt sorgt nun aber für beachtlichen Gegenwind.

Guccis Balaclava-Pullover steht in der Kritik

Ausgerechnet im Black History Month hat Gucci den Balaclava-Rollkragenpulli auf den Markt gebracht, der viele an die Stereotypisierung von Schwarzen durch das Blackfacing erinnert:

Im 19. Jahrhundert malten sich für die so genannten Minstrel Shows weiße Menschen das Gesicht schwarz an und amüsierten ihr weißes Publikum, indem sie die Sprache und Tänze der Afroamerikaner karikativ darstellten und so rassistische Klischees verstärkten und festigten.

Europäische Modedesigner scheinen entweder bewusst mit der Provokation zu spielen oder einfach nicht zu verstehen, warum Blackfacing ein sensibles Thema für die schwarze Community ist. Das neue Kleidungsstück von Gucci, das im Rahmen einer Entschuldigung der Marke schon wieder aus den Sortimenten in Stores und im Netz genommen wurde, ist kein Einzelfall. Prada sorgte erst im Dezember mit einer Figur an einer Tasche für Aufregung.

T.I., Soulja Boy, Young Thug & mehr mit Boykott gegen Gucci

Den Backlash gibt es nun (trotz der Entschuldigung von Gucci) unter anderem aus der Rapszene. Besonders T.I., der sich emotional und engagiert gegen Kanye West positionierte, als dieser mit wirren Aussagen und Support für Donald Trump Schlagzeilen machte, möchte ein deutliches Zeichen setzen. Er teilt auf Instagram eine Agenda für die nächsten drei Monate mit seinen fast zehn Millionen Followern: Nichts von Gucci kaufen, nichts von Gucci tragen und diese Agenda weiter verbreiten. Außerdem erklärt er in einem Statement, die Entschuldigung abzulehnen, und will die Marke durch einen weitreichenden Boykott spüren lassen, wie wichtig die schwarze Community als Käufergruppe ist:



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


@gucci As a 7 figure/yr customer & long time supporter of your brand I must say...Y’all GOT US f*cked UP!!! APOLOGY NOT ACCEPTED!!!! We ain’t going for this “oops my bad I didn’t mean to be racist and disrespectful towards your people” sh*t!!! Y’all knew wtf y’all was doin and WE AINT GOING FOR IT!!! We ALL GOTTA Stop buying,wearing,and supporting this piece of sh*t company And ALL PIECE OF SH*T COMPANIES UNTIL THEY LEARN TO RESPECT OUR DOLLARS & VALUE OUR BUSINESS!!!! Our culture RUNS THIS SH*T!!! We (People of color) spend $1.25 TRILLION/year (but are the least respected and the least included)and if we stop buying ANYTHING they MUST correct any and ALL of our concerns. That’s THE ONLY WAY we can get some RESPECT PUT ON OUR NAME!!!! I Don’t Give a F*ck if I gotta wear Target brand sh*t.... #F*ckGucci

Ein Beitrag geteilt von TIP (@troubleman31) am

Young Thug verschreibt sich laut seiner Insta-Story eine Gucci-Pause und auch bei Soulja Boy gehörten Bandanas der italienischen Brand lange Zeit quasi zum guten Ton. Auf Instagram wendet auch er sich gegen seine langjährige Lieblingsmarke und erklärt in einem Video: "Ich bin schockiert und entsetzt und ich fühle mich nicht respektiert." Er habe mehrere Hundertausende Dollar für Gucci-Produkte bezahlt, aber das sei jetzt vorbei. Demonstrativ hält er ein Fendi-Stirnband in die Kamera:



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


@gucci

Ein Beitrag geteilt von Soulja Boy (Young Drako) (@souljaboy) am

Support für schwarze Designer

Sowohl T.I. als auch Waka Flocka Flame nutzen die Geschichte, um den Fokus auf schwarze Designer zu verschieben. Während T.I. seit gestern diverse Marken unter dem Hashtag #BlackOwned supportet, wendet sein Kollege aus Atlanta sich in einer Videobotschaft an seine Fans. Ebenso wie der Def Jam-Gründer Russel Simmons wollen sie so die Position schwarzer Marken in der weiß dominierten Modewelt stärken.



Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


I spent many years in the fashion industry i helped redefine it ..we created a billion dollar grossing company with phat farm and baby phat I’m proud to say that i helped some hip hop entrepreneurs and their companies follow suit like Rocawear Apple bottom and many others i found them their partners and mentored them during their launches One day Macy’s began buying all of our top brands We thought that was a breakthrough or a “good sign” (Being accepted by our oppressor who hated and looked down on us ) Then they discounted us all and intentionally killed all the black businesses that we fed ... thousands of shops ...billions of gross dollars going to the independent (mostly black) shop owners There were thousands of young black and white kids in fashion looking up to Damon John, Sean John, Kimora and all of the young black designers white kids where buying our brands causing an even greater threat , they were all studying THEIR fashion and building hundreds of companies that were distributed by the mostly independent shop owners that were in biz because of us and supporting us long before Macys bought and discounted the top 15 designers.. IT WAS INTENTIONAL DELIBERATE AND INCREDIBLY EFFECTIVE THEY KILLED THAT FASHION REVOLUTION .. i grew up and i lost a taste for clothes that were basically cheap to make but too expensive for my brothers ...but they were defining me as a SMALL man needing a “status symbol” i realized that it was embarrassing to wear them and my community members couldn’t afford to look as stupid as i did ...... When are we gonna wake up take off the horrible DEAD ANIMAL sh*t and the shiny crap and realize where the true shine lives Let’s instead focus on the things that serve our community and really bring us happiness Fuxk the fashion industry and the elitist backwards and hurtful mentality that it represents When you wake up and realize that it’s not what’s on u but it’s what’s in you that defines you ... you will let go of a sickness that separates you from your brothers and sisters ...and ultimately separates you from Gods Grace

Ein Beitrag geteilt von Russell Simmons (@unclerush) am

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Von Clark Senger am 21.05.2019 - 14:09

Update: Mittlerweile haben Fridays for Future zu dem Konflikt mit Chefket Stellung bezogen. Was genau sie geschrieben haben, könnt ihr hier nachlesen.

Chefket kritisiert die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future nach einem abgesagten Gig, mit dem er sich nach eigenen Angaben unentgeltlich an einer Demonstration beteiligen wollte. Der Grund für das Veto gegen den Auftritt: seine Zusammenarbeit mit Xatar im Rahmen des Remix' zu "Rap & Soul".

Absage wegen Xatar-Feature: Chefket kritisiert Fridays for Future

Auf Instagram teilt Chefket seine Gedanken zur Absage sowie ein Foto einer Nachricht mit der Begründung. Darin heißt es:

"Die Begründung des Vetos liegt darin, da Chefket in Vergangenheit mit Xatar zusammengearbeitet hat, was gegen mehrere ethische Wert von fridays for future verstößt." [sic]

Da wir bislang auf unsere Anfrage keine Antwort vom FFF-Team bekommen haben, können wir über die exakten Gründe nur mutmaßen. Natürlich denkt man als geneigter Rapfan schnell an Xatars kriminelle Vergangenheit: Körperverletzung in der Playboy Mansion samt anschließender Flucht nach Mexiko, der berüchtigte Goldraub und die anschließende Haftstrafe, die Ende 2014 frühzeitig beendet wurde.

Aber: Selbst wenn man den vermeintlichen Lebenswandel von Xatar, der sich unter anderem durch ein Benefizkonzert am Bau eines Waisenhauses im Nordirak beteiligte, ausblenden möchte, ist die Begründung der FFF-Bewegung schwer nachvollziehbar.

Chefket steht für sehr viel mehr als eine Zusammenarbeit mit Xatar und spricht in seinen Texten über viele wichtige Themen unserer Gesellschaft. Seine Blickwinkel sollten mit denen einer vorwiegend links-grünen und zukunftsorientierten Bewegung eigentlich in großen Teilen übereinstimmen. Einen Künstler über eine einzige Kollabo zu definieren, wird ihm ebenso selten wirklich gerecht, wie jemanden auf seine Verfehlungen aus der Vergangenheit zu reduzieren. Chefket dazu auf Instagram:

"Es ist eine dunkle Future für die Kids, wenn gute Musik wegen einem Features verboten wird."

Rassistische Gründe für die Entscheidung?

Chefket scheint außerdem zu denken, dass rassistische Gedanken zur Absage geführt haben könnten. Er betitelt sein IGTV-Video mit "White Days for Future" und gegenüber rap.de stellt er Fragen, die rassistische Motive suggerieren sollen. Er meint, die Bewegung würde mit zweierlei Maß messen, und setzt die Zusammenarbeit von Henning May und K.I.Z. mit seinem gemeinsamen Song mit Xatar ins Verhältnis, um seinen Punkt zu verdeutlichen.

"Wieso gibt es dieses Problem nicht beim weißen Mehrheitsboy Henning May? Weil K.I.Z. als Kunst gesehen wird und Xatar nicht? Da wird mit zweierlei Maß gemessen.Oder liegt es daran, dass der Türke so schlau ist und eventuell ein Vorbild für deutsche Jugendliche sein könnte?" [sic]

Dass K.I.Z. und Xatar sowohl musikalisch als auch persönlich ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, die in der Öffentlichkeit dementsprechend anders rezipiert werden, lässt er dabei außen vor. Auch dass er die Jugendbewegung, die das (ökologische) Schicksal der Welt nicht den lethargischen und profitorientierten Politikern überlassen will, trotz seiner anfänglichen Zusage jetzt als "richtig, richtig bescheuert" bezeichnet, ließ uns fragend eine Augenbraue hochziehen.

Auf Nachfrage erklärt Chefket uns, insbesondere das Schweigen der Verantwortlichen lasse sie nun schlecht aussehen. Niemand von Fridays for Future habe sich bei ihm gemeldet.

"Eine Entschuldigung hätte gereicht. Aber dafür ist man sich zu fein. Sie sollen mal ihre Begründung rechtfertigen und mir erklären gegen welche ethischen Werte ich verstoße" [sic]

Auf die Frage, ob er wirklich rassistische Beweggründe hinter der Absage vermutet:

"Einen Song bei dem es um Rap&Soul geht in den Dreck zu ziehen. Was soll das? Wenn sie Max Herre wegen einem XATAR Feature ausgeladen hätten wäre das für niemanden nachvollziehbar. Bei mir scheinbar schon. Warum? Vor allem gibt es bald einen Auftritt von Swiss der auch mit BLOKKMONSTA Features hat. Da ist es dann scheinbar egal" [sic]

Er weiß aber auch, dass es unfair wäre, alle Anhänger von Fridays for Future über einen Kamm zu scheren. Die richtige Kommunikation der Gegenseite wäre hier womöglich der major Key gewesen, um Missverständnisse – sofern es sich denn um solche handelt – zu vermeiden oder aus dem Weg zu räumen. Wie denkt ihr über die Sache?


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)