Frauenverachtung in Raptexten: Initiative will Hate Speech bekämpfen

Gewalt gegenüber Frauen ist in den letzten Jahren mehr und mehr aus dem Privaten in die Öffentlichkeit gebracht worden. Die Initiative #unhatewomen setzt diesen Weg konsequent fort und knöpft sich die Inhalte von Rapmusik vor – auch Sprache ist schließlich eine Form Gewalt.

Frauen lesen Texte von Gzuz, Al-Gear, Farid Bang & mehr

In einem reduzierten Setting tragen verschiedene Frauen Textzeilen deutscher Rapstars vor. Ohne Flow oder Kontext erscheint diese Darbietung unwahrscheinlich hart und soll mutmaßlich genau diese Wirkung entfachen.

Einen doppelten Boden gibt die oftmals zur Schau gestellte Einstellung von Al-Gear oder Gzuz auch nicht wirklich her. Gerade wenn Schläge, Vergewaltigungsfantasien ohne einen erkennbaren Filter in erfolgreichen Tracks auftauchen, zieht sich der Magen zusammen. Diese hirnverbrannten Ansichten zu benennen und als solche herauszuarbeiten, schaffen die Macher von #unhatewomen mit einfachen Mitteln.

#unhatewomen: Guter Ansatz – fehlende Differenzierung

Doch nicht jeder hervorgeholte Text trifft ins Schwarze. Wir müssen hier zwischen zwar grenzwertigem, aber klarem Humor und ernstzunehmendem S*xismus differenzieren – insbesondere mit Blick auf die Hörer. Finch Asozial wird (auch aus Eigeninteresse) wohl kaum "Glassplitter" ins Gleitgel mischen. Und ebenso ist bei anderen Rappern die Ironie oftmals eindeutig. Wer allerdings den Postillon oder die Titanic für Fake News verantwortlich machen will, wird sich ebenfalls an allen möglichen Deutschrappern und ihrem S*xismus abarbeiten können.

K.I.Z in eine blutrünstige Hassband zu verwandeln, weil sie in "Ein Affe sound ein Pferd" die "Messerklinge in die Journalisten-Fresse" rammen, wäre ähnlich fatal. Solche selbstredend brutalen Auszüge führen zu keinen mordlüsternen Hörern. Pipi Langstrumpf-Referenzen und viele weitere moralfreie Übertreibungen lassen stets erkennen, dass die "menschenverachtende Untergrundmusik" auf sarkastischen Beinen steht. Bei K.I.Z hat die Bild seinerzeit reflexartig eine Gruppe linksradikaler Gewaltverherrlicher heraufbeschwören wollen. Solche Kurzschlüsse sollte #unhatewomen vermeiden.

Bild über #wirsindmehr: Wieso die Hass-Debatte um K.I.Z gefährlich ist

Die #wirsindmehr-Veranstaltung, die am Montag in Chemnitz stattfand, wurde überwiegend als das gefeiert, was sie war: eine Party gegen Rassismus und alle Formen von Menschenfeindlichkeit, die allerdings nur ein Anfang sein kann. Es waren Momente, die den Fans vor Ort und denen, die vor den Streams hockten, Hoffnung gaben.

Die Sprache im Rap war schon immer hart. Dieses Element des künstlerischen Spiels sollte nicht in Abrede gestellt werden. Da, wo sich der Witz jedoch nicht erschließt oder direkt im Hals stecken bleibt, ist es allzu richtig, den Finger in die Wunde zu legen. Diese Hate Speech kann fortan mit #unhatewomen ins Visier genommen werden. Ziel sei die "Bekämpfung und Strafverfolgung von Hasskriminalität gegen Frauen und Mädchen im Internet", wie es auf der Website der Initiative heißt.

Solche sprachlichen Grenzüberschreitungen sind gerade im deutschen Rap sicher keine Einzelfälle. Wo diese Grenze letztendlich liegt und wo der Humor ausgereizt ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Dabei kann auch #unhatewomen nicht helfen. Dafür macht die Kampagne ein offensichtliches Problem sichtbar und trägt hoffentlich dazu bei, die Sensibilität bei der Hörerschaft zu erhöhen. Durch die gewählten Beispiele erweckt die Initiative hier und da einen pauschalisierenden Eindruck, wo ein wenig mehr Differenzierung nötig gewesen wäre.

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Drogenbesitz, Körperverletzung & mehr: Gzuz mal wieder vor Gericht

Drogenbesitz, Körperverletzung & mehr: Gzuz mal wieder vor Gericht

Von Till Hesterbrink am 24.06.2020 - 13:41

Die Strassenbande sitzt mal wieder im Gerichtssaal, zumindest einer von ihnen. Nachdem Anfang des Monats Maxwell dran war, musste sich gestern Gzuz vor dem Amtsgericht in Hamburg verantworten. Allerdings ein wenig verspätet, denn der Prozess sollte eigentlich schon im Februar beginnen. Da war der Gazo aber nicht aufgetaucht und musste für sein Versäumnis eine Kaution von 100.000 € zahlen. Vorgeworfen wird ihm eine Vielzahl an Vergehen, unter anderem Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Körperverletzung.

Gzuz mit 187-würdigem Auftritt im Gericht

"He, ist nicht mehr dasselbe, ich kann machen, was ich will, nix passiert/
Mein Anwalt ist hier die Nummer eins, ich sitz' im Gerichtssaal, bin frisch rasiert" (Bonez MC - Waffen)

Frei nach diesem Motto kam Gzuz in typischer 187-Manier ins Amtsgericht:

Mit den Seiten auf Null und dem Versace-Pulli übergeworfen, erschien der 31-Jährige munter gelaunt zum Verhandlungsauftakt. Ein Mittelfinger hier, ein 187-Gangzeichen da, Kristoffer Klaus war trotz der Berge an Vorwürfen nicht aus der Fassung zu bringen. Das Einzige, was ihn zu beunruhigen schien, waren das Fehlen von Atemschutzmasken und der Mangel an Sicherheitsabstand zwischen den Presseleuten, trotz Corona-Auflagen: "Hier ist schlimmer wie im Puff, Jungs."

Sein Anwalt ging die ganze Sache ein wenig ruhiger an und stellte zu Beginn einen neunseitigen Befangenheitsantrag gegen den Richter Johann Krieten, da dieser trotz geringen Tatvorwurfs besonders hart gegen Gzuz vorgegangen sei. Als Sahnehäubchen gab es dann noch eine Anzeige gegen den Richter, wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung, als Folge auf den Haftbefehl für Gzuz, nach dessen versäumtem Gerichtstermin.

Lange Liste an Anklagepunkten gegen Gzuz

Wie der Spiegel berichtet, wird Gzuz zum Beispiel vorgeworfen, einem weiblichen Fan eine Backpfeife gegeben zu haben, als diese ein Selfie machen wollte. Oder der Diebstahl einer Sauerstoffflasche aus einem nicht verschlossenen Rettungswagen. Beide Taten sollen nach Angaben seines Anwalts jedoch unter massivem Einfluss von Alkohol stattgefunden haben. Außerdem soll Gzuz an Silvester eine Schreckschusswaffe abgefeuert haben, obwohl ihm das Führen jeglicher Art von Waffen untersagt sei.

Im schlimmsten Fall droht Gzuz am Ende der Verhandlung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Maxwell war bei seinem Prozess vor knapp drei Wochen mit einer relativ milden Geldstrafe von knapp 20.000 € davongekommen.

Gerichtsurteil: Maxwell von der 187 Strassenbande muss 20.000 € zahlen

187-Mitglied Maxwell ist vom Amtsgericht St. Georg in Hamburg zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt worden. Der 27-jährigen Rapper wurde wegen Waffen- und Drogenbesitz angeklagt. Die Stuttgarter Nachrichten berichten, dass die Richterin sämtliche Vorwürfe im Wesentlichen bestätigt sehe. Hintergrund: Im April 2018 wurde Maxwells Wohnung - nachdem ein Verdacht auf gewerbsmäßigen Drogenhandel bestand - von Polizisten gestürmt.


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