Das sind Kanye Wests Pläne als Präsident

Wie Kanye West vor einigen Tagen bekanntgegeben hat, will er seine Ankündigung aus 2015 in die Tat umsetzen und für das Amt des US-Präsidenten kandidieren. Anlässlich dazu hat er dem Forbes-Magazin ein Interview gegeben, in dem er über seine politischen Einstellungen, seine Ziele und natürlich seinen ehemaligen Support für Donald Trump gesprochen hat.

Wer also wissen will, was die USA (und den Rest der Welt) erwarten könnte, wenn Kanye tatsächlich antreten und gewinnen sollte – wir erzählen es euch. Spoiler Alert: Von wilden Verschwörungstheorien, uninformierten und erzkonservativen Meinungen sowie neoliberalen Vorstellungen für das perfekte - gottgeleitete - Amerika ist alles dabei.

The "Birthday Party": Kanye über Donald Trump, den MAGA-Hut & Joe Biden

Kanye West will 2020 als US-Präsident kandidieren

Kanye West möchte offenbar noch dieses Jahr US-Präsident werden. In einem Tweet am gestrigen Unabhängigkeitstag erklärte Ye mit dem Hashtag #2020Vision, dass er wohl vorhat, dieses Jahr für das Amt zu kandidieren, das momentan Donald Trump innehat. Kanye schwebt nicht viel weniger vor, als das "Versprechen Amerikas" zu verwirklichen.

Wer sich wundert, wie Kanye sein etwas verspätetes Vorhaben angehen möchte: Mit Unterstützung von Kim und Elon Musk hat Kanye bereits eine grobe Wahl-Kampagne ausgeklügelt. Unter der "Birthday Party" (Geburtstags-Partei) will er als Einzelkandidat ins Rennen (er bezeichnet es lieber als Gehen) steigen. Immerhin sei es Jedermanns Geburtstag, wenn Kanye gewählt wird.

Er würde weder Kandidat der Demokraten noch der Republikaner sein wollen. Ersteres, weil er sich nicht mit der demokratischen Partei in den USA gemein machen wollen würde, letzteres, weil Trump Kandidat der Republikaner sei. Gegen diesen hätte er grundsätzlich nichts:

"Trump ist einer der wenigen Präsidenten der letzten Jahre, der Gott im politschen Diskurs mit einbezogen hat."

('Trump is the closest president we’ve had in years to allowing God to still be part of the conversation.') 

Den MAGA-Hut hätte er aber hauptsächlich als Protestsymbol aufgesetzt. Er äußert sich im Laufe des Interviews sehr kritisch zu Joe Biden, der gesagt haben soll, dass Schwarze Bürger, die nicht für ihn wählen würden, nicht Schwarz seien. Die Einstellung, alle Schwarzen in den USA müssten Demokraten sein, empfindet Kanye als eine Form von Rassismus und systematischer Kontrolle durch Weiße. Deshalb habe er mit dem Hut ein Zeichen setzen wollen. Das und sein Gefallen an Trump-Hotels und den angeblichen Saxofonen in der Hotel-Lobby.

Inzwischen habe der Rapper und Designer Trump als Kandidaten abgeschrieben. Grund dafür sei der Umstand, dass Trump zu Beginn der Black Lives Matter-Proteste in einen Bunker gegangen ist. Er prophezeit übrigens düstere Aussichten für Biden:

"Ich sage nicht, dass Trump mir im Weg steht, er könnte Teil meines Weges sein. Und Joe Biden? Komm schon, Mann. Du weißt schon: Obama ist was Besonderes. Trump ist was Besonderes. Wir sagen, Kanye West ist was Besonderes. Amerika braucht besondere Menschen, die das Land anführen. Bill Clinton? Etwas Besonderes. Joe Biden ist nichts Besonderes."

('I’m not saying Trump’s in my way, he may be a part of my way. And Joe Biden? Like come on man, please. You know? Obama’s special. Trump’s special. We say Kanye West is special. America needs special people that lead. Bill Clinton? Special. Joe Biden’s not special.')

Dabei verkennt Kanye, dass der höchste Regierungsposten eines Landes mehr abverlangt als eine auffällige Persönlichkeit und Internet-Coolness-Punkte. Anders zu denken, bedeutet im Grunde erstmal nichts, wenn man seine Gedanken nicht rational begründen kann – und über keine politische Kompetenz verfügt.

"Sie wollen uns Chips einpflanzen": Kanye über Corona-Impfungen, Anti-Abtreibung & die Todesstrafe

Was seine Einstellung zu gesellschafts- und gesundheitspolitischen Thematiken angeht, erklärt sich der bekennende Christ vieles über biblische Grundprinzipien – und erinnert dabei gewaltig an religiöse Fanatiker. So erzählt der Chicagoer, der laut eigener Aussage selbst im Februar am Coronavirus erkrankt sei, dass er einer Impfung gegen COVID-19 sehr kritisch gegenüberstehe. Er wiederholt dabei die alte Leier der Impfgegner-Bewegung und äußert, dass angeblich viele Kinder geimpft worden seien, die anschließend an Lähmung leiden würden.

"Sie wollen uns Chips einpflanzen, sie wollen uns alle möglichen Dinge antun, damit wir die Tore des Himmels nicht überqueren können. Entschuldigung, wenn ich sage sie, dann meine ich jene Menschen, die den Teufel in sich haben. Und das Traurige ist, das Traurigste an der ganzen Sache ist, dass wir es nicht alle in den Himmel schaffen, dass es manche unter uns geben wird, die es nicht schaffen."

('They want to put chips inside of us, they want to do all kinds of things, to make it where we can’t cross the gates of heaven. I'm sorry when I say they, the humans that have the Devil inside them. And the sad thing is that, the saddest thing is that we all won’t make it to heaven, that there’ll be some of us that do not make it.') 

Zum Thema Abtreibung hat der "Jesus Is King"-Rapper wohl genug informative Texte gelesen. Er erklärt, dass er Pro-Life (Die Anti-Abtreibungs-Bewegung in den USA) sei, weil er der Bibel folge. Seinen eigenen Twist bringt er in die ganze Sache, als er erläutert, wie Planned Parenthood von White Supremacists in die US-Städte platziert wurde, um Teufelswerk anzurichten.

Auch vor seiner biblischen Erleuchtung, betrachtete Kanye die Verhütungs- und Abtreibungs-Hilfsorganisation übrigens mit fragenden Augen:

"I never understood Planned Parenthood. 'Cause I never met nobody planned to be a parent in the hood" 

– Kanye auf The Joy. 

Der allwährenden Debatte zur Todesstrafe begegnet er mit der ultimativen Antwort von Gott höchspersönlich: "Du sollst nicht töten." ('Thou shalt not kill.')

Wie Kanye gegen Polizeigewalt & Rassismus vorgehen will

Auch die Themen Black Lives Matter und Polizeigewalt sind im vierstündigen Interview nicht zu kurz gekommen. Auf seiner To-Do-Liste stünde das Ziel, Polizeigewalt zu beenden – mithilfe eines polizeifreundlichen Ansatzes. Wie Kanye erklärt, seien Polizisten auch nur Menschen.

Als Beispiel nennt er den Fall von George Floyd, im Zuge dessen auch ein Schwarzer Beamter inhaftiert wurde. Dieser war damals auf seiner ersten Schicht überhaupt und habe aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage sowie der persönlichen Überforderung mit der Situation nicht handeln können. Um solchen Vorfällen ein Ende zu bereiten, möchte er sinnlose Gesetze außer Kraft setzen. Welche das seien, erklärt er nicht. 

Weiterhin widmet er sich dem durchaus umstrittenen Black History Month (Monat der Schwarzen Geschichte), der in den USA im Februar stattfindet und sich mit der Diskriminierung und Ungleichbehandlung von Schwarzen Menschen sowie der Geschichte der afroamerikanischen Gemeinschaft in den USA (und anderen westlichen Ländern) beschäftigt. Er bezeichnet diesen als Torture P*rn (Gewaltp*rnografie) und erläutert - etwas unverständlich - dass eine positive Entwicklung am Laufen ist, die durch den Black History Month nur gebremst werden würde.

In Deutschland wurde der Monat das erste Mal in den 90er Jahren von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) ins Leben gerufen.

Wenn ich auf meine Schulzeit zurückblicke, realisiere ich eines: Die Geschichte von Schwarzen Menschen ist abstinent. Weder May Ayim, die Dichterin, Autorin und Aktivistin, die sich bereits in den 80er Jahren gegen Rassismus und für eine afrodeutsche Identität aussprach, noch die deutsche Kolonialgeschichte auf dem afrikanischen Kontinenten finden einen Platz in den Schulbüchern.

#2020Vision: "Die Chemikalien im Deo hindern uns dabei, Gott zu dienen."

Allerdings ist Kanye auch selbst bewusst, dass er ein Newcomer im Politik-Game ist. Er zeigt sich dazu bodenständig und gibt ehrlich zu, noch nicht alle Teile des Puzzels zusammenzuhaben. Über Steuern würde er sich ebenfalls noch informieren wollen – mithilfe von Experten, die gleichzeitig Gott dienen. Was ihm darüberhinaus noch wichtig ist: die Chemikalien in unserer alltäglichen Kosmetik. Namentlich Zahnpasta und Deo. Diese Partikel würden unsere Fähigkeit, Gott zu dienen, beeinflussen. 

Und zur wichtigsten Frage der Stunde – mit seiner Kandidatur will Kanye keine Promo für sein angekündigtes Album "God's Country" machen. Wenns darum geht: Er würde sein Album gratis verteilen. Letztendlich ginge es Kanye um den Spaß und die richtigen Menschen: 

"Lasst uns auch Spaß haben, sobald ich Präsident bin. Die ganze Rassismus-Diskussion hinter uns lassen. Lasst uns [Reparationen leisten und] die Menschen mit 40 Acker Land und einem Maultier ermächtigen. Etwas Land geben, das ist der Plan."

('When I’m president, let’s also have some fun. Let’s get past all the racism conversation, let’s empower people with 40 acres and a mule, let’s give some land, that’s the plan.')

Kanye knüpft mit seinen Wünschen für die USA an christlich-konservativen Ansichten an und ignoriert getrost Fakten – gerade im gesundheitspolitischen Bereich. Auch fällt der Rapper auf hirnrissige Verschwörungstheorien rein, die er in seinem Interview als vertretbare Meinungen verkaufen will. Seine Pläne sind eine Ansammlung an weitschweifigen Aussagen und verqueren Vorstellungen von der Welt, gepaart mit einer großen Prise Größenwahnsinn.

Das mit Abstand einzige, was man tatsächlich aus diesem Interview mitnehmen kann, ist die Tatsache, dass die Hautfarbe eines Menschen keine Vorgabe für eine politische Meinung ist. Jeder kann alles wählen. Idealerweise sollte die eigene Recherche entscheiden, wo man sein Kreuz am Wahltag setzt. Recherche, die Kanye, der laut eigener Aussage noch nie gewählt haben soll, wohl übersprungen hat.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Kanye West: Kim Kardashian reicht offiziell die Scheidung ein

Kanye West: Kim Kardashian reicht offiziell die Scheidung ein

Von Michael Rubach am 21.02.2021 - 16:25

Die Ehe von Kanye West und Kim Kardashian ist endgültig nicht mehr zu retten. Die vierfache Mutter hat die Scheidungspapiere eingereicht. Das hatte TMZ zuerst von einer gut unterrichteten Quelle erfahren. Laut dem Forbes Magazin gilt diese Meldung als bestätigt.

Kanye West & Kim Kardashian: Trennung, aber kein Scheidungskrieg

Nach sieben Jahren Ehe geht das Celebrity-Paar getrennte Wege. Diesem Schritt gingen viele Spekulationen und Gerüchte um ein vorzeitiges Eheaus voraus. Streit soll es unter den Noch-Eheleuten aktuell nicht geben. So haben wohl Kanye und Kim das gemeinsame Sorgerecht für die vier Kinder beantragt.

Bei der Aufteilung der gemeinsamen Besitztümer soll ebenfalls eine Einigung in Sicht sein. Nach Informationen von Forbes bleiben sowohl Kanyes Yeezy Brand als auch Kim Kardashians Beauty-Marke KKW Beauty durch eine Vorvereinbarung von dem bevorstehenden Split unberührt.

Das hieße allerdings nicht, dass es nicht dennoch um Millionenbeträge ginge. Immobilien, Kunstgegenstände, Fahrzeuge und Schmuck im Wert von 70 Millionen Dollar müssten aufgeteilt werden. Für einen reibungslosen Ablauf hat Kim Kardashian Star-Anwältin Laura Wasser engagiert. Diese vertritt aktuell auch Dr. Dre in seinem Scheidungsprozess.

Kanye West glaubt zu wissen, woran die Ehe gescheitert ist

Gegenüber dem People Magazin soll sich jemand aus Kanyes Umfeld zu der Situation geäußert haben. So sei der US-Star aktuell an einem Punkt, an dem er verstärkt sein vergangenes Verhalten reflektiere. Dabei frage sich Kanye vermehrt, was gewesen wäre, wenn er andere Entscheidungen getroffen hätte. Vor allem die Kandidatur zur Wahl des US-Präsidenten bewerte er im Nachhinein als ausschlaggebend für das Scheitern der Ehe.

"Er glaubt, dass der Präsidentschaftswahlkampf der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. [...] Davor gab es Hoffnung. Danach keine mehr. Es hat ihn seine Ehe gekostet."

("He thinks that the Presidential run was the straw that broke the camel's back. [...] Before that, there was hope. After that, none. It cost him his marriage.")

Noch während des Wahlkampfes von Kanye richtete sich Kim Kardashian an die Öffentlichkeit. Sie bat um Rücksicht und Verständnis für die mitunter bizarren Auftritte des US-Rappers. Es sei für sie selbst "extrem schwierig und schmerzlich" damit umzugehen. Dies war zugleich einer der wenigen Momente, in dem die Influencerin darauf hinwies, dass Kanye unter einer bipolaren Störung leidet.

Kanye Wests Twitter-Meltdown: Eine bipolare Störung ist kein Witz

Seit Kanye West seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl bekanntgegeben hat, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Statements, Auftritte, Postings - Kanye sendet (und löscht) seine schwer greifbaren Botschaften in einer Taktung, der man nur noch bedingt folgen kann. Am kommenden Freitag soll sein neues Album "Donda" erscheinen - und ein Film, wie er nun eilig in die Welt heraustwitterte.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!