Fler droppt Sklaven-Line gegen Jalil, aber will sie nicht rassistisch meinen

Dass Fler auf seinem neuen Album "Atlantis" auch Lines gegen den ehemaligen Homie und Kollabopartner Jalil rappt, überrascht sicher die wenigsten Hörer. Die Art und Weise sorgt allerdings für mehr als ein fragendes Stirnrunzeln.

Fler nennt Jalil auf "Atlantis" einen Sklaven

Der zweite Part im Song "Mood" ist offenbar größtenteils an den Ex-Maskuliner addressiert. Fler stellt zunächst seinen jahrelangen Support und vermeintlichen musikalischen Einfluss in den Mittelpunkt:

"Du warst drei Jahre dabei, danach vorbei / Auf Wiedersehen und goodbye / Denkst du, jetzt kommt deine Prime? / Wie die Airline Setzt deine Ziele zu high / Wer gab dir Push wie der Whitey? / Holte dich damals zurück aus den 90s"

So weit, so gut. Bars über die persönlich Historie miteinander, etwas Selbstbeweihräucherung – Attitude wie in einem Battle eben. Danach geht es unter die Gürtellinie, indem Fler Jalil als Sklaven bezeichnet:

"Doch du warst zu Pinky, ich Brain / Im Apple Store warst du ein Slave / Bei mir dann Django Unchained"

Mit der Wortwahl kann er zwar auch ungerechte Bezahlungen bei Apple oder in unserer Gesellschaft generell meinen und in diesem Hinblick würde die Line auch funktionieren. Einen dunkelhäutigen Kollegen als Sklaven zu betiteln, deutet nichtsdestotrotz auf rassistische Denkmuster hin, die im Hinterkopf ablaufen. Gleichzeitig inszeniert Flizzy sich selbst implizit als den gönnerhaften Retter Dr. King Schultz (in "Django Unchained" gespielt von Christoph Waltz), der Django im Film aus einem Sklavenzug befreit und anschließend mit ihm zusammenarbeitet, während sich eine Freundschaft entwickelt. Der Vergleich ist bewusst provokant formuliert und die Reaktionen darauf können Fler nach 20 Jahren Deutschrap nicht überraschen.

Jalil reagiert überrascht

Jalil hat den Front in dieser Form wohl nicht kommen sehen. Laut seiner IG Story sind er und Fler sich vor der Albumabgabe bei einem persönlichen Treffen respektvoll begegnet. Erst kürzlich, nach Flizzys Entlassung aus der U-Haft, sollen sie noch telefoniert haben. Fler hätte noch genug Zeit gehabt, seine Worte zu überdenken, so Jalil, der außerdem daran erinnert, dass er sich bei den Rassismusvorwürfen Anfang 2019 schützend vor seinen damaligen Homie stellte.

Jalils Einordnung der Sklaven-Line auf dem neuen Album: "Hättest gleich N**ga sagen können. Wäre der gleiche Effekt gewesen."

Flers Erklärungsversuche auf Instagram

Auf Instagram geht es dann auch weiter: Dort bezeichnet Fler diejenigen, die ihm letztes Jahr Rassismus vorgeworfen haben, als Idioten. Er meint, Jalils Einsatz damals wäre nur dagewesen, um "wieder den souveränen Mann zu spielen". In seinen Augen hätte "jeder loyale Typ" nichts gesagt, anstatt einen Freund in Schutz zu nehmen.

Hinzu kommt seine Anschuldigung, Jalil hätte Rocker geschickt, die ihm aufgelauert hätten. Zur "Slave"-Zeile liefert er nur eine sehr dürftige Erklärung, mit der er zumindest andeuten will, dass die Wortwahl nichts mit der Hautfarbe zu tun hätte: "Du bist für mich genau so ein 'Slave' wie Bushido einer ist!"

Danach schließt er mit dem Scheinargument, er könnte gar kein Rassist sein, weil er Jalil mehr geholfen hätte als es jemals jemand anders tun würde. Einmal ganz deutlich: Wir halten Fler nicht per se für einen Rassisten. Aber drei Jahre Zusammenarbeit mit Jalil funktionieren nicht als lebenslange Freikarte für Lines, die zumindest einen rassistischen Hintergrund haben – und das ist bei Zeilen, die die Black History bewusst als Angriffspunkt nutzen, eben der Fall.

Einen kleinen Throwback in den Januar 2019, als Fler von der schwarzen Community scharf kritisiert wurde und Jalil ebenfalls seine Meinung teilte, findet ihr hier:

Nach Rassismusvorwürfen gegen Fler: Neue Statements von Jalil, Telson & Sylabil Spill

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Fler rudert zurück: Jalil-Diss "unangebracht und nicht feinfühlig"

Fler rudert zurück: Jalil-Diss "unangebracht und nicht feinfühlig"

Von Michael Rubach am 01.04.2020 - 10:58

Fler steht wieder einmal im Kreuzfeuer der Kritik. Gegenüber allen, die ihm in den letzten Tagen Rassismus unterstellt haben, räumt er nun ein, mit seiner "Slave"-Line gegen Jalil übers Ziel hinausgeschossen zu sein. In einem Instagram-Post zeigt er sich geläutert und kündigt an, den Part gegen Jalil neu schreiben zu wollen.

Fler: "Rassismus hat auf Atlantis keinen Platz!"

Nach mehreren rhetorischen Fragen, die allesamt wohl auf die Geschehnisse der letzten Tage und Flers persönliche Lage anspielen sollen, kommt der Berliner zum Punkt. Er gesteht sich ein, dass er auf dem Track "Mood" die Grenzen der bloßen Provokation verlassen hat. Das Wort "Sklave" in einem Diss gegen einen dunkelhäutigen Kollegen zu verwenden, sendet auch an jugendliche Hörer eine fatale Message. Fler spricht in diesem Kontext von einem "bösen Beigeschmack", den er nun erkenne.

"Die Wortwahl bei dem Diss gegen Jalil war unangebracht und nicht feinfühlig. Das Wort Sklave im Zusammenhang mit Farbigen hat einfach einen zu bösen Beigeschmack Aufgrund der Schwarzen-Geschichte." [sic]



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Wenn eine Gruppe von Leuten Dich als einzelnen unterdrückt bist du ein Opfer. Wenn du danach zur Polizei rennst, weil Du alleine bist und sie in der Mehrzahl, bist auch wieder das Opfer...? Aber wenn du nicht zur Polizei gehst, kein Schutzgeld zahlen willst und deswegen natürlich auch keinen Rücken hast... bist du das aller grösste Opfer!??? Wenn du Streetrap machst und sagst du hast ein schweres Leben ist alles fake und gelogen...? Wenn du das selbe machst und Schutzgeld zahlst bist aufeinmal eine der Realste in der Szene...? Die Wortwahl bei dem Diss gegen Jalil war unangebracht und nicht feinfühlig. Das Wort Sklave im Zusammenhang mit Farbigen hat einfach einen zu bösen Beigeschmack Aufgrund der Schwarzen-Geschichte. Deswegen hab ich beschlossen die 2.Stophe von MOOD neu zu schreiben. Es gibt 1000 andere Angriffsflächen bei Jalil die ich sportlich als Rapper angreifen kann. Rassismus hat auf Atlantis keinen Platz! #atlantis

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Dem attackierten Jalil schmeckte die Wortwahl des Tracks auch ganz und gar nicht. Er entgegnete kurz nach Release von "Mood", Fler hätte "gleich N**ga sagen können". Der von Fler in seiner Klarstellung benutzte Begriff des "Farbigen" ist leider ebenfalls nicht unproblematisch. Er geht auf Rassentheorien zurück und findet als Selbstbezeichnung in der Black Community keine Anwendung. An dieser Stelle Fler Absicht zu unterstellen, erscheint jedoch unangebracht. Dafür macht er generell zu deutlich, dass er seinen Diss neu bewertet hat.

Eine bewusste Entscheidung von Fler war hingegen sein Interview bei TV Strassensound. Dort vertiefte er mit seinen Aussagen den Graben zwischen sich und der schwarzen Community. Manuellsen, Künstler der Bantu Nation, Mortel und viele mehr positionierten sich daraufhin gegen Fler. Sugar MMFK droppte gestern noch einen Part, um klarzumachen, dass Flizzy sich keine weitere "Frechheit" erlauben solle.

Bantu Nation vs. Fler: Sugar MMFK teilt in neuem Part aus

Da Fler seine Lyrics inzwischen offenbar für unangebracht hält, möchte er sie nicht unverändert stehen lassen. Er kündigt an, die zweite Strophe des Tracks "Mood" umzutexten. Das hieße jedoch nicht, dass er nicht weiter auf Konfrontationskurs mit Jalil bleiben würde. Es gebe "1000 andere Angriffsflächen bei Jalil". Sein Statement beschließt er mit dem Satz:

"Rassismus hat auf Atlantis keinen Platz!"

Neben diesem Schauplatz im Fler-Universum ist die On-Off-Beziehung mit Sentino aktuell belastet. Letzterer beklagte sich über ausbleibende Zahlungen für die Mitarbeit an "Atlantis" und lieferte einen Disstrack, der vor allem durch seine extreme Homofeindlichkeit auffällt:

Sentino frontet Fler wegen angeblich unbezahlter "Atlantis"-Lyrics

Fler und Sentino dissen sich aktuell wieder mal gegenseitig - und zwar auf sehr unangenehme Art und Weise. Sentino frontet Fler in einer Disstrack-Vorschau, die vor Homofeindlichkeit nur so trieft. Fler postet als Antwort ein Video, das Sentino offenbar auf der Flucht zeigt, worauf der ebenfalls schon wieder reagiert hat.


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