Fler über Bushido-Diss: "Krieg, kein Entertainment"

Nachdem der Streit zwischen Bushido und Fler mit dem Track "No Name" einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, stand Fler der FAZ nun für ein Interview zur Verfügung. Dabei ging es um die Härte, die Fler in den Beef hineingebracht hat, seinen Blick auf journalistische Arbeit, Capital Bra und Clan-Kriminalität.

Ist Fler mit "No Name" zu weit gegangen?

Wenn es nach Flizzy geht, lautet die Antwort: Nein. Für ihn sei die Auseinandersetzung mit Bushido schlichtweg "kein Entertainment" mehr, sondern "Krieg". All das, was mit Bushido in der Vergangenheit vorgefallen sei, legitimiere für Fler seine drastische Vorgehensweise. Angesprochen auf die Kinder Bushidos, die in "No Name" im Mittelpunkt einer Dissline stehen, rudert er zumindest leicht zurück. Fler hatte dort in Zweifel gezogen, dass Bushido der leibliche Vater der Kinder sei.

"Ich hätte vielleicht genauer sein und von einem Kind sprechen sollen. Ich wollte nur unterstreichen, dass seine Frau schon viele Männer hatte."

Fler über Capital Bras Situation & sein Verhältnis zu Arafat Abou-Chaker

Eine Gleichsetzung von Bushidos möglicher Zusammenarbeit mit der Polizei und Capital Bras Struggle mit Großfamilien kann Fler nicht nachvollziehen. Eine Aussage von Capital Bra bei der Polizei sei dessen "gutes Recht" – falls diese überhaupt so erfolgt sei, wie es die Bild behauptet. Laut Fler bringe die Polizei Capital Bra durch Statements gegenüber dem Springer-Blatt in Gefahr.

Angesprochen auf seine eigenen Verbindungen zu Arafat Abou-Chaker, der aktuell unter anderem für räuberische Erpressung und Freiheitsberaubung angeklagt ist, wählt Fler wohlwollende Worte. Es sei seit langer Zeit alles in Ordnung. Fler schlägt sich unverblümt auf die Seite von Bushidos ehemaligem Geschäftspartner.

"Ich habe mich schon vor zehn Jahren mit Arafat vertragen. Und jetzt ist er einfach zu 100 Prozent im Recht. Bushido will sein Geld sichern und erzählt deswegen der Polizei irgendwelche Horrorgeschichten über seinen alten Geschäftspartner."

Junge aus der City #maskulin

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Flers Auffassung von Journalismus

Das Gespräch offenbart zudem Flers sehr eigentümliche Sicht auf journalistische Berichterstattung. Einiges deutet auf ein verworrenes Verständnis von Meinungsfreiheit hin. Journalisten würden sich über ihn "profilieren" und ihn "niedermachen". So eine Art und Weise lasse er sich nicht gefallen. Dabei spricht er vielen Kollegen das Recht ab, seine Kunst einzuordnen. Die meisten würden nicht über die nötige Kompetenz verfügen. Eine Autorin dürfe in einem konkreten Fall beispielsweise nicht darlegen, dass seine Texte sexistisch seien.

"Nein, das ist nicht ihr Recht. Sie ist nicht qualifiziert dafür, weil sie keine Ahnung von Hip-Hop hat."

Den Personen, die heutzutage über Hiphop schreiben, stehe zu großem Teil kein "Mitspracherecht" zu. Der bloße Konsum von Rap befähige sie nicht dazu, mitzumischen. Einen musikalischen Sachverstand spricht Fler der deutschen Gesellschaft daraufhin ebenfalls ab. Als Beispiel führt er die Karriere von Bushido an.

"Die Leute in Deutschland haben so wenig Ahnung von Hip-Hop, dass sie denken, Bushido würde heute noch gut rappen. Dabei ist seine Musik seit 2007 scheiße. Hör dir das doch mal an. Das klingt alles gleich. Kein Mensch rappt mehr so, die ganze Welt will Rhythmus, zu dem man abgehen kann, und nicht dieses Kopfnicken. Den eigentlichen Kampf, den ich kämpfe, führe ich gegen dieses Land, gegen diese Musikkultur."

Flers Prioritäten & eine düstere Vision

Erst heute hat Fler den Titel seines neuen Albums abgeändert und das Release auf 2020 verschoben. Ebenfalls am heutigen Tag gingen Bilder des neuen Drops seiner Modemarke Ghetto Sport online. Mode und Rap existieren in Flizzys Leben parallel zueinander. Die Reihenfolge scheint für Fler eindeutig:

"Zuerst kommt das Modelabel, danach meine Musik."

GHETTO SPORT Sonntag! @defshop #maskulin

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Zuletzt hatte Fler seinen Streit mit Bushido auf ein 2Pac-Biggie-Level gehoben (tragischer Ausgang bekannt). Auf Nachfrage hält Fler diesen Vergleich keineswegs für eine Übertreibung. Stattdessen mahnt er Probleme auf Seiten des Staates an.

"Deutschland denkt, dass Amerika nur im Fernsehen stattfindet. Aber es gab eine vergleichbare Entwicklung hier in Deutschland. Wir haben eine große Kriminalität auf der Straße und eine Regierung, die damit nicht umgehen kann. Und jetzt wird mit Schlüsselfiguren Symbolpolitik gemacht. Ihr werdet es erst begreifen, wenn es zu spät ist. Wenn ich sterbe, kannst du diese Aufnahme den Leuten geben."

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"Das ist auch eine Anti-Haltung": Marteria verteidigt New-Wave-Hiphop

"Das ist auch eine Anti-Haltung": Marteria verteidigt New-Wave-Hiphop

Von Till Hesterbrink am 19.10.2021 - 15:46

Marteria hat am Freitag sein neues Soloalbum "5. Dimension" veröffentlicht. Im exklusiven HYPED Videointerview auf Apple Music mit Aria spricht der Rostocker über den Entstehungsprozess seines neuen Werkes, das Leben im Corona-Lockdown und erklärt, warum niemand Hiphop als Jugendkultur etwas vorschreiben kann.

Marteria verteidigt New-Wave-Hiphop

Während des Interviews spricht Marteria (jetzt auf Apple Music streamen) darüber, dass er es für extrem wichtig hält, sich immer weiterzuentwickeln. Er könne aus diesem Grund auch die Leute nicht verstehen, die New-Wave-Hiphop verurteilen würden. Niemand hätte das Recht, einer Jugendkultur vorzuschreiben, was sie zu klingen habe.

Wohl mit Blick auf Lil Pumps kontroversen Breakout-Hit "Gucci Gang" führt Marteria aus, dass auch ein Song, bei dem der Künstler 70 Mal "Gucci" sagt, politisch sein kann und Kunst ist. Immerhin würden damit auch Emotionen transportiert und hervorgerufen.

"Das ist auch eine Anti-Haltung. Das ist wie eine Graffiti-Terrorline die Straße lang. Das ist natürlich absoluter Wahnsinn und alle sind angepisst, dass so eine schwarze Line die ganze Straße lang geht. Aber es ist trotzdem Kunst. [...] Es ist immer Betrachtungsweise, wie man etwas sieht. Manchmal lohnt es sich, ein bisschen noch mal drüber nachzudenken."

Er selber komme vor allem durch seinen mittlerweile 14 Jahre alten Sohn mit neuer Musik in Verbindung. Er freue sich immer, wenn dieser ihm Sachen zeigen würde, die er aktuell feiert, so wie OMG oder Yin Kalle. Diese Einflüsse hälfen ihm auch bei der Entstehung von Marteria- und Marismoto-Songs.

Das ganze Videointerview mit Marteria könnt ihr euch hier anschauen:

Marteria droppt neues Album "5. Dimension"

Nach gut drei Jahren ohne Veröffentlichung erschien am Freitag endlich Marterias neues Album "5. Dimension". Thematisch geht es dabei viel um das vermeintlich selbstzerstörerische Feierngehen und Partynächte, deren Ausgang noch unklar ist.

Auch darauf versucht Marten einen neuen Blickwinkel zu eröffnen: Ob es nicht eigentlich viel selbstzerstörerischer sei, jeden Tag um Punkt 18:00 Uhr am Küchentisch mit der Käsestulle zu sitzen und das Leben zu verpassen.

Das neue Album entstand unter anderem auch während der Zeit im Corona-Lockdown, die Marteria zu Teilen gezwungenermaßen auf Barbeidos verbrachte.

Hört hier in das Album rein:


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