Enissa Amani antwortet mit eigenem Talk-Format auf "Die letzte Instanz"-Eklat

Comedy-Star Enissa Amani hat vor einer Woche ebenfalls mit großer Fassungslosigkeit auf die Rassismus-Diskussion in der WDR-Talkshow "Die letzte Instanz" geblickt (hier Reaktionen aus der Deutschrapszene). Knapp sieben Tage später hat sie selbst eine eigene Talkshow aus dem Boden gestanzt, die bereits am morgigen Dienstag um 18 Uhr auf YouTube Premiere feiern soll. In "Die beste Instanz" kommen Menschen zu Wort, die sich mit Rassismus und diskriminierender Sprache aus ganz unterschiedlichen Gründen besser auskennen dürften als einschlägig bekannte Showmaster und Schlagersänger.

Enissa Amani bringt "Die beste Instanz" als Reaktion auf absurden Rassismus-Talk

Warum stellt Enissa Amani kurzfristig eine Talkshow auf die Beine? In den letzten Jahren hat sich die Künstlerin immer mehr zur politischen Aktivistin entwickelt. Wie sie den Talk bei "Die letzte Instanz" empfunden hat, ist auf ihrem Insta-Profil zu sehen. Ihr Statement zählt dort fast zwei Millionen Aufrufe. Ausschließlich weiße Menschen, die mit Kärtchen darüber entscheiden, ob gewisse Begriffe rassistisch seien oder nicht: Das kann offenbar nicht nur wütend machen, sondern auch Energie freisetzen. Die Comedian nutzt ihre Reichweite nun für Aufklärungsarbeit.

Für den Talk über die Macht von Sprache hat sich Enissa Amani eine illustre Runde zusammengestellt. So wird Natasha A. Kelly den Blickwinkel einer Schwarzen Frau offenbaren. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin ist auch die Bundesvorsitzende der Hiphop-Partei Die Urbane. Gianni Jovanovic agiert als Roma-Aktivist. Was an dem Namen einer Paprikasauce unter anderem problematisch ist, hat er hier einfach und nachvollziehbar dargelegt:

Ebenfalls am Start ist Nava Zarabian, die auf eine Hiphop.de-Vergangenheit zurückblicken kann und inzwischen als Bildungsreferentin bei der Bildungsstätte Anne Frank tätig ist. Fehlen noch zwei Herren: Mohamed Amjahid arbeitet als Journalist und hat 2017 das Buch "Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein" herausgebracht. Max Czollek hat sich als Lyriker einen Namen gemacht. Er hat aber auch ein Praxishandbuch zum Thema "Social Justice und Diversity" herausgegeben. Auf diesem Gebiet ist er darüber hinaus als Ausbilder im Einsatz.

Mit der Gastgeberin Enissa Amani soll in dieser Konstellation bei "Die beste Instanz" aus einer weniger naiven Haltung heraus über Alltagsrassismus diskutiert werden. Den Trailer zur Show kannst du hier sehen:

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Rassistischer Übergriff in Erfurter Straßenbahn: Maestro mit starkem Statement

Rassistischer Übergriff in Erfurter Straßenbahn: Maestro mit starkem Statement

Von Alina Amin am 28.04.2021 - 15:00

Maestro hat am gestrigen Abend seine Reichweite genutzt, um ein Video zu besprechen, das seit einigen Tagen im Internet kursiert. In dem kurzen Clip wird eine Szene aus einer Erfurter Straßenbahn gezeigt, in der ein 40-jähriger Mann einen syrischen Jugendlichen aufs Übelste rassistisch angeht und gewalttätig wird. Der Vorfall ist über den letzten Tag viral gegangen und wird inzwischen von zahlreichen Medienportalen aufgegriffen. Maestro hat sich in einem etwa zehn Minuten langen YouTube-Video zu dem Vorfall geäußert. Die Message ist klar: "Man darf nicht wegschauen".

Maestro will auf rassistischen Übergriff in Erfurt aufmerksam machen

Zunächst erklärt der YouTuber und Rapper, was in dem Video überhaupt passiert ist. So habe der Mann den Jugendlichen erst angefangen, rassistisch zu beleidigen und ist dann dazu übergegangen, den Jungen anzuspucken. Sodann trat er ihm mehrere Male ins Gesicht. Das Opfer reagierte während des ganzen Überfalls nicht. 

Maestro stellt zunächst das Offensichtliche klar: Was in Erfurt passiert ist, ist absolut ekelhaft. Sodann erklärt er, dass solche Übergriffe Ergebnis von dem Schubladendenken und den Kategorisierungen sind, die in der Deutschen Gesellschaft vorherrschen.

"Wieso zieht ihr Linien und Grenzen? Haben wir nicht genug gelernt von der Geschichte? Dass Mauern ziehen und Linien ziehen und niemals Frieden und Segen mit sich bringt?"

Im Anschluss darauf bezieht er sich konkret auf die Aussage des Täters im Video, der erklärt, dass Deutschland sein Land sei und auch auf das Denken von denjenigen, die der Meinung seien Menschen mit Migrationshintergrund sollen in ihr Herkunftsland zurück.

"Das ist nicht dein Land. Das ist unser Land"

Auch über Zivilcourage und Solidarität spricht er. Zunächst stellt Maestro diejenigen zur Rede, die sich für ihre eigenen Familienmitglieder oder Freunde einsetzen würden, aber nicht für Fremde – insbesondere, wenn diese Fremden Migrationshintergrund haben. Er kritisiert, dass man sich in der Gesellschaft an denjenigen bereichern würde, die unliebsame Jobs verrichten, diese aber nie als richtigen Teil der Gemeinschaft sehe.

Um Integration ginge es vielen Rassisten dabei nicht. So erklärt Maestro, wie er selbst ein Positivbeispiel für Integration sei und dennoch tagtäglich rassistischen Anfeindungen zum Opfer fiele. Auch in seinem Alltag wirke sich dies aus: So könne er nicht mal eine Wohnung finden.

Abschließend zweifelt er die Zivilcourage der Gesellschaft an und und stellt klar: 

"Jeder der zugut und sich denkt ja, ist passiert ist Mitschuld."

Er fordert seine Zuschauer dazu auf, sich für andere einzusetzen und Zivilcourage zu zeigen. Am Ende sei man immerhin eine Gemeinschaft. Man dürfe nicht weggucken – egal worum es geht. 

TW: Gewalt 

Übergriff in Erfurter Straßenbahn: Mann festgenommen

Bei dem Video handelt es sich um Geschehnisse vom vergangenen Freitag. Durch die Videoaufnahmen und Zeugenaussagen der weiteren Insassen der Bahn konnte der Mann zügig identifiziert werden. Nach dem Übergriff gelang dem Mann zunächst die Flucht. Am Montag soll er dann festgenommen worden sein. Ihm werden gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung vorgeworfen. Er ist der laut der Polizei als Drogenkonsument sowie wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten bekannt. 


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