"Die Urbane": Deutschlands erste Hiphop-Partei feiert heute ihre Gründung

Politik ist oft langweilig/unattraktiv, weil nicht leicht zugänglich. "Politikverdrossenheit" heißt das dann in Debatten. In Berlin macht jetzt eine Gruppe von Aktivisten mobil, daran hoffentlich etwas zu ändern – mit einer Hiphop-Partei. Realtalk.

Bereits im Februar berichteten wir über die Ambitionen von B-Boy Raphael Hillebrand und seinem Team. Heute ist die Gründungs-Jam in Berlin. Offiziell existiert die Partei seit dem 1. Mai und heute will man Unterschriften und Mitglieder sammeln und die Gründung feiern – mit Rap, Tanz, Graffiti und DJs. Klassischer Hiphop also. Für die Werte der Kultur will die Partei einstehen.

Heute: Kick-Off-Jam "Die Urbane. Eine HipHop ...

DIE URBANE. EINE HIP HOP PARTEI. - KICK-OFF-JAM" +++ DABEI SEIN & MITGLIED WERDEN +++ Ihr fragt Euch: Meinen die das ernst? Japp, meinen wir. Wir brauchen aber Eure Unterstützung. Es geht nicht darum, "Yo!" zu schreien und das Parteiprogramm zu taggen.

Das erste große Ziel ist bereits eine Zulassung für die Bundestagswahl im September. Ein kleiner Auszug aus der Beschreibung zur Gründungs-Jam:

"Politik ist nur ein Wort dafür, etwas zu tun, was die gesamte Gesellschaft betrifft, sie beinflusst und hoffentlich voranbringt. Das tun wir sowieso, mit der HipHop-Kultur. Wir haben vielleicht ähnliche Ziele wie andere Parteien, die sich für ein besseres und friedvolles Miteinander einsetzen, aber unsere Lösungsansätze sind anders. Unsere Erfahrungen mit der Gesellschaft sind anders. Wir sind keine typischen Politker*innen. Wir sind in direktem Kontakt mit allen Perspektiven, wir sind Teil davon."

Die inhaltliche Richtung wurde schon vor einigen Wochen grob vorgegeben:

- "Kreativität als Alternative zur Gewalt"

- "Hybride Kultur als Entwurf einer neuen Gesellschaft"

- "Demokratie frei von Lobbyismus"

- "Wir lehnen die Nutzung der Atomenergie zu zivilen und militärischen Zwecken ab"

- "Kreativität im Bildungssystem"

Wir sind gespannt, wie das Projekt sich entwickelt. Du kannst Die Urbane auf Twitter, Facebook und Instagram verfolgen. Um 19 Uhr wird das Parteiprogramm vorgestellt.

Ab 16 Uhr im Cassiopeia (RAW Gelände)!

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Stuttgarts Rap-Ikonen vereinen sich gegen "Querdenker 711"

Stuttgarts Rap-Ikonen vereinen sich gegen "Querdenker 711"

Von HHRedaktion am 08.11.2020 - 16:23

Covid-19 bringt Deutschland weiter außer Atem. Erst gestern zeigte sich in Leipzip mal wieder, dass sich auf den Corona-Demos nicht nur Menschen herumtreiben, die Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung üben wollen. Rechtsextreme mit Hitlerbärtchen auf ihrer Maske, "Reichsbürger*innen" und Verschwörungstheoretiker*innen ziehen die nachvollziehbaren Sorgen vieler Menschen in den Dreck und versuchen, die aufgeheizte Situation für sich zu vereinnahmen. In Stuttgart wehrt sich dagegen ein Zusammenschluss etlicher Persönlichkeiten, zu denen auch viele Rapper zählen.

Kolchose wehrt sich gegen "Querdenker 711"

Ins Leben gerufen wird die Initiative von der Kolchose, einem lockeren Zusammenschluss von Künstler*innen, der in den 90ern gleichbedeutend mit der Stuttgarter Rapszene war. Die Vorwahl 0711 war und ist bis heute so eng mit dem Kollektiv und seinen Überzeugungen verknüpft, dass sie sich gegen die Vereinnahmung wehren wollen, die den Eindruck der stillen Zustimmung einer ganzen Stadt vermittelt.

Auf der Website kolchose.tv ist ein offener Brief zu lesen:

"In den 1990er Jahren, der goldenen Ära der deutschen Hip-Hop-Kultur, wurde aus 0711, der Vorwahl Stuttgarts, ein Symbol für eine weltoffene, verbindende und tolerante Stadt. Seit Dekaden steht 0711 für ein Stuttgart der Solidarität und der Gemeinschaft, für ein Konzept von Stadt, [in dem] Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Hintergründe friedlich miteinander leben. Die Inhalte und Bestrebungen der Initiative 'Querdenken 711' stellen diese Idee von Gemeinschaft in Frage. Die Initiative benutzt und gebraucht ein Symbol, das für das Überwinden von Grenzen und Unterschieden steht, für ihre spalterischen Zwecke. In Zeiten, in denen unsere Demokratie zerbrechlich wirkt, gefährden die sogenannten 'Querdenker 711' den sozialen Frieden."

Zu den Unterzeichner*innen gehören Max Herre, Kaas, Maeckes, Jopez (Jugglerz), Chimperator-Chef Sebastian Andrej Schweizer, Mitglieder von Fanta 4 und den Massiven Tönen sowie andere Kulturschaffende, Unternehmer*innen, Journalist*innen, Menschen aus der Gastronomie und, und, und. Es sind also viele dabei, die selbst unter den Maßnahmen teils existenziell leiden:

"Die Corona-Maßnahmen kritisch zu hinterfragen, ist wichtig. Auf Demos Seite an Seite mit Reichskriegsflaggenträgern zu marschieren, ist dagegen untragbar."

Das Zitat zeigt auch, dass man bei diesem Reizthema – und ganz generell bei vielen gesellschaftlichen Phänomenen – Graustufen erkennen muss. Das Bild ist nicht nur schwarz oder nur weiß. Kritisch zu sein und sich gleichzeitig von denjenigen abzugrenzen, deren Ideologien nicht ansatzweise mit der eigenen Einstellung vereinbar sind, ist ein möglicher Weg. Auch wenn es nicht der gemütlichste sein mag.

Das komplette Statement und die Liste aller Unterzeichner*innen findet man auf kolchose.tv.


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