"Du Ehrenloser": Capital Bra reagiert auf Disstrack von King Khalil

UPDATE vom 1. August:

King Khalil hat sich öffentlich sei Capital Bra für seinen Disstrack entschuldigt.

Nach Disstrack: King Khalil entschuldigt sich bei Capital Bra

Original-Meldung vom 31. Juli:

Früher zusammen bei Team Kuku, heute an unterschiedlichen Fronten des Deutschrap-Spektrums: Capital Bra und King Khalil haben offensichtlich Beef. Nachdem in der Nacht zum Freitag ein King Khalil-Track mit dem vielsagenden Titel "Bra" online ging, meldet sich der Bratan höchstselbst via Insta-Story und zeigt sich enttäuscht bis wütend.

King Khalil disst offenbar Capital Bra auf "Bra"

King Khalil und Capital Bra verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Beide Berliner Rapper veröffentlichten eine Zeit lang ihre Musik über Team Kuku. In ihrer Historie tauchen auch zahlreiche Kollabo-Tracks auf (beispielsweise "Kreide", "Geld machen", "Zweistellige Haftstrafen" oder "Fluchtwagen glänzen"). Als Capital Bra schließlich im Juni 2018 seine Trennung von Team Kuku bekanntgab, verlief das Ganze nicht ohne Zwischentöne. Von einem öffentlichen Streit konnte jedoch nie die Rede sein.

Fast zwei Jahre später nennt King Khalil seinen ehemaligen Wegbegleiter Capital Bra nicht beim Namen. Dennoch ist ziemlich offensichtlich, an wen er seine Botschaft adressiert. So spielt er in der Hook mehrfach mit dem für Capital so prägnanten "Bra".

"Nur damit du weißt, du warst schon damals nicht real / Weil du singst bei den Bullen, macht es 'Bra' aus dem Jeep"

Auch fallen zahlreiche Anspielungen auf einen Verrat. Zudem wirft King Khalil seinem Kontrahenten vor, sich nur auf das Geld zu fokussieren.

"Kein Platz für Verräter, die Strafe ist Krieg / Freunde werden Feinde auf der Jagd nach Profit"

Capital Bra kontert mit Ansage aus der Türkei

Der Bratan hat von den rauen Lines aus Deutschland Wind bekommen und lässt eine Antwort aus dem Bett heraus folgen. Er hält sich wohl aktuell in der Türkei auf. Hierbei präsentiert sich Capital sichtlich irritiert von der Wortwahl und dem Zeitpunkt des Disses. Daraufhin geht er in die Offensive über und bewertet unter anderem die Darsteller im Clip zu "Bra". Ebenso erklärt er, dass er sein erstes Musikvideo nach der Rückreise nach Deutschland am Kottbusser Tor filmen werde. Schlussendlich bezeichnet er King Khalil noch als "Ehrenloser", da dieser den heutigen religiösen Feiertag missachtet habe.

"Ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt, wahrscheinlich nicht. King Khalil hat mich gedisst. Voll krass, aber er hat mich  P*ç genannt und [...] mir fehlen die Worte. Erstmal: Heute ist Bayram, heute ist ein heiliger Tag. Zweitens: Wie lange wir uns schon kennen und du beleidigst einfach meine Eltern. Plus: Jedes Mal in dem Video sind irgendwie zwei Glatzköpfe, die zeigen Mittelfinger. Die sehen aus wie meine Eier, verstehst du? Schöne Grüße nochmal! Damit du weißt: Wenn ich aus der Türkei wiederkomme, mein erstes Video werd' ich Kottbusser Tor drehen, verstehst du? Du kannst kommen, du kannst zugucken. Und schäm dich was, du Ehrenloser. Du bist ein Ehrenloser. Mach mir nicht ein auf Moschee, auf richtig Moslem, du bist ein Ehrenloser."

Es scheint, als sei bei diesem Beef das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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Bushidos "Leben und Tod des Kenneth Glöckler": 5 Lines, die heute ganz anders klingen

Bushidos "Leben und Tod des Kenneth Glöckler": 5 Lines, die heute ganz anders klingen

Von Paul Kruppa am 22.11.2020 - 16:14

Wer, wenn nicht Bushido weiß: "Zeiten ändern dich" – und so wirkt der vermeintliche Realtalk auf früheren Disstracks einige Jahre später gar nicht mehr so real. Mit "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" zog Bushido 2013 gefühlt die komplette Szene auf seine Seite. Zu hart und zu brachial ging Bushido mit Kay und seinem Abgang aus Berlin ins Gericht. Den Einfluss von Arafat Abou-Chaker hob Bushido damals noch lobend hervor. Er sei eine Art "Vater" für Kay One gewesen.

Ziemlich genau sieben Jahre später treffen sich Bushido und Arafat Abou-Chaker regelmäßig vor einem Richter. Nur sehr hartgesottene Sonny Black-Jünger dürften weiterhin bedenkenlos hinter der legendären "Ehrenmann"-Line stehen, mit der Bushido seinen Kay-Diss beendete. Auch an einer Reihe anderer Aussagen hat der Zahn der Zeit genagt.

Das Leben mit LKA-Beamten

"Früher war es 'F*ck die Polizei' oder Louis V / Heute sind es LKA-Beamte und Security"

2013 tat Bushido einiges dafür, Kay Ones Widersprüche aufzuzeigen. So lässt sich Kay One auf einem Track wie "Bis die Polizei kommt" (2010 von den Ordnungshüter*innen nicht wirklich irritierten – selbst auf der Polizeistation will er durchziehen und sagt: "Wir saufen weiter". Nach dem Bruch mit ersguterjunge nahm Kay jedoch Polizeischutz in Anspruch. Auch beim Dreh zu "Deutschland sucht den Superstar" wurde er damals von Personenschützern des Landeskriminalamtes begleitet, wie der Tagesspiegel berichtete.

Spätestens seit Bushido als Nebenkläger vorm Berliner Landgericht aussagt, ist gut dokumentiert, dass auch der 42-jährige Rapstar öffentliche Termine nicht mehr alleine wahrnehmen kann. Im Gerichtssaal sind Beamte anwesend, die für seine Sicherheit sorgen sollen. Dieser Personenschutz ist inzwischen derart zur Routine geworden, dass Bushido laut Spiegel vor Gericht lachen muss, wenn er rückblickend davon erzählt, dass Arafat Abou-Chaker ihn einst vor dem LKA beschützen sollte.

Der angebliche Sklave

"Ich bin angeblich Sklave der Familie Abou-Chaker / Schäm dich – Arafat war so was wie dein Vater"

Kay One hatte seinerzeit in Interviews mehrfach dargelegt, dass Bushido von Arafat Abou-Chaker wie ein Sklave oder Schoßhündchen behandelt worden sei. Für solche Äußerungen sollte Kay sich nach dem Geschmack von Bushido ausdrücklich schämen. Er forderte stattdessen Respekt für Arafat Abou-Chaker ein.

Inzwischen hat sich die Situation vollends ins Gegenteil verkehrt. Bushido beschreibt vor Gericht umfangreich, wie sehr Arafat Abou-Chaker von ihm finanziell profitiert habe. Er schildert ein Abhängigkeitsverhältnis und zieht als Vergleich eine "Zwangsheirat" heran. Schon 2018 auf dem Track "Mephisto" vermittelte Bushido den Eindruck, dass Kay mit seiner damaligen Einschätzung nicht so weit daneben gelegen haben könnte. Unter anderem ist dort von einem "Teufel und Diktator" die Rede, der "keinen Einwand" akzeptieren würde.

Bushido - Mephisto [Video]

Hund oder einer von uns?

"Er sagte nur: 'Der Junge ist jetzt einer von uns.' / 'Und einen von uns behandelt keiner wie 'nen Hund.' – yeah"

Um zu untermauen, wie sehr sich Arafat Abou-Chaker im Berliner Umfeld für Kay One eingesetzt habe, kramte Bushido auf "Leben und Tod des Kenneth Glöckler" eine kurze Anekdote hervor. Sein ehemaliger Geschäftspartner soll mit einer Ansage dafür gesorgt haben, dass sich keiner mehr über Kay lustig macht. Wer als Teil des EGJ-Teams gilt, werde respektiert und geachtet.

Schenkt man Bushidos Aussagen in einem Stern-Interview von vor zwei Jahren glauben, ließ Arafat Abou-Chaker ausgerechnet seinen Geschäftspartner Bushido jedoch sehr wohl spüren, wenn er mit Entscheidungen nicht einverstanden war. Dieser sei damals zu seiner Ehefrau zurückgekehrt. Laut Bushido beleidigte ihn Arafat daraufhin: "Er nannte mich einen Hund".

Schwindende Freiheit

"Wenn ich will, geh' ich spazieren am Alexanderplatz / Eine Freiheit, die du als ein Informant nicht hast"

In "LuTdKG" schaute Bushido auch auf die möglichen Konsequenzen, die Kay Ones Verhalten im Alltag mit sich bringen könnte. So sei ein einfacher Spaziergang nicht mehr drin. Schließlich habe Kay mit der Polizei zusammengearbeitet. Als Informant sei die Freiheit eingeschränkt.

In diesem Jahr agiert Bushido selbst wie eine Art Kronzeuge. Er sagte bereits an etlichen Prozesstagen gegen Mitglieder der Familie Abou-Chaker aus – zusätzliche Gerichtstermine werden folgen. Vom einstigen Gangstermythos ist nichts mehr übrig. Dass sich Bushido im Herbst 2020 allein und ohne Weiteres über den Alexanderplatz bewegen kann, ist ziemlich schwer vorstellbar.

Der "31er" kommt ins Spiel

"31er, hör zu, eine Line macht dich nicht cool / Deine Techno-Junkie-Fans seh'n so scheiße aus wie du"

Bushido trat mit seinem Kay One-Diss wohl das gesamte 31er-Ding los. Die Bezeichnung "31er" ist seither gleichbedeutend mit Verräter*in. Dabei geht es in dem entsprechenden Paragraphen eigentlich um die Möglichkeit von Strafminderung, insofern gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen wurde. Und das eint Bushido und Kay One: Es ist nicht bekannt, dass sie wegen solcher Delikte je strafrechtlich aufgefallen wären. Das juckt jedoch kaum jemanden und so begegnen wir einem "31er" immer wieder in Deutschraptracks.

Der sogenannte "Judas-Paragraf" flog Bushido im Januar 2019 musikalisch um die Ohren. Capital Bra und Samra machten mit "F*ck 31er" deutlich, dass sie sich nicht mehr als Teil des EGJ-Camps begreifen und Kooperationen mit der Polizei ablehnen. Das Blatt hat sich gewendet. Was Bushido einst an Kay One verachtete, wirft die Szene ihm nun vor.

Joker Bra ft. Samra - fick 31er [Video]


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