Ali Bumaye spricht über EGJ, Arafat Abou-Chakers Verhaftung & sein neues Label

Mit dem ersten größeren Bruch bei EGJ ist es relativ ruhig um Ali Bumaye geworden. Kürzlich meldete sich Ali mit seiner neuen Single "Jordan Elephant" auf einem frischen YouTube-Kanal zurück. Auf dem Channel des Komiker-Duos Ost Boys beantwortete der Ex-ersguterjunge einige Fragen zu seinem Neustart in 2019.

Er spricht dabei über seinen Umgang mit den Turbulenzen bei egj und äußert sich auch zu der Verhaftung von Arafat Abou-Chaker.

Ali Bumaye: EGJ-Bruch & neues Label S44

Das Ende der Geschäftsbeziehung von Arafat Abou-Chaker und Bushido sorgte für eine gewisse Verwirrung über die Situation der Signings egj. Nachdem Shindys vertragliche Angelegenheiten geklärt zu sein scheinen, ist weiterhin ziemlich undurchsichtig, wie es um Laas steht. Die rechtliche Konstellation zwischen Bushido, Capital Bra und Samra ist nochmal ein eigenes Thema für sich.

Ali Bumaye gibt rückblickend zu, dass ihm zunächst nicht klar war, ob und wie er seine musikalische Laufbahn fortsetzt (ab Minute 00:58).

"Ich wusste nicht, wie es weiter geht".

Ali hat sich am Ende doch für das Weitermachen entschieden und arbeitet nun mit dem Label S44 zusammen. Die Menschen, mit denen er dort kooperiert, seien "alles Freunde". Ali Bumaye erklärt, für was S44 steht. Die Zahl repräsentiere den Berliner Stadtteil Neukölln und das "S" stehe für Spinne.

Angesprochen auf seine alte Labelheimat zeigt sich Ali keineswegs verärgert oder verbittert. Von öffentlichen Statements oder Ansagen hält er nichts.

"Ich möchte über niemanden etwas Negatives sagen aus der alten Gang. Ich habe mit niemandem ein Problem. Jeder soll machen, was er möchte. [...] Ich wünsche jedem nur das Beste."

Ali Bumaye zu den Vorwürfen gegen Arafat Abou-Chaker

Arafat Abou-Chaker wurde vor ungefähr zwei Wochen verhaftet. Er soll eine Kindesentführung sowie eine Säureattacke auf Bushidos Ehefrau geplant haben, schreibt der Spiegel. Ali empfindet diese heftigen Anschuldigungen als vollkommen unzutreffend (ab Minute 02:36).

""Was Fakt ist, ist das jemand unschuldig im Gefängnis sitzt. Das kränkt mich. [...] Jeder, der mit diesem Mann irgendwo fünf Minuten gesessen hat, der weiß, dass dieser Vorwurf absoluter Quatsch ist. [...] Kinder entführen - willst du mich ver*rschen?! [...] Dieser Mann sitzt gerade unschuldig im Gefängnis."

Da Ali Bumaye mit Arafat Abou-Chaker verwandt ist, steht er dem gesamten Sachverhalt nicht gerade neutral gegenüber. Ali ergänzt zudem, dass er es "traurig" finde, dass Menschen wegen Problemen in der Rapwelt in den Knast gehen würden.

Er sei allen "dankbar", die er bisher während seiner musikalischen Laufbahn kennenlernen durfte. Seine aktueller Track "Jordan Elephant" stamme auch noch aus der Zeit als gemeinsam an einem egj-Sampler gearbeitet wurde (Minute 08:30).

Das ganze Q&A mit den Ost Boys und Ali Bumaye kannst du hier sehen:

ALI BUMAYE - ÜBER BUSHIDO, MERO, WANN ER LETZTES MAL STECKENBLIEBEN | OST BOYS Q&A

ABONNIEREN: http://bit.ly/OSTBOYSAbo ALLE FOLGEN: http://bit.ly/ostboysall OST BOYS SHOP: http://bit.ly/ostboys-shop NACH EINER LANGEN PAUSE GIBT ALI BUMAYE EIN EXKLUSIVES INTERVIEW ÜBER BUSHIDO, SAGT SEINE MEINUNG ZU MERO UND ERZÄHLT ÜBER SEINE PLÄNE.

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Bushido, Casper, Apache 207: Stickles beispiellose Producer-Karriere

Bushido, Casper, Apache 207: Stickles beispiellose Producer-Karriere

Von Michael Rubach am 05.05.2021 - 11:43

Vor mehr als 15 Jahren wird Bushido bei einem Gig in Linz ein Demotape in die Hand gedrückt. Die kurze Aufforderung: "Hier, hör dir das mal an!" Diese Ansage kommt von Stickle. Heute produziert der Österreicher unter anderem für Yung Hurn, Apache 207, Bausa und Pashanim. Mit dem neu gegründeten Label November Eleven hält er inzwischen selbst nach Talenten Ausschau. Zeit für einen Blick auf einen der vielseitigsten Producer in der deutschen Raplandschaft, der trotz aller Gold- und Platinplatten wohl weiterhin ohne übermäßig viele Selfie-Anfragen zum Einkaufen spazieren kann.

Beatlefield: Stickle landet in Berlin & bei Bushido

Bei ersguterjunge starten und bei den angesagtesten Acts der Gegenwart rauskommen: Das ist nicht jedem vergönnt. Stickle hat diesen wilden Ritt durch die Szene erfolgreich hinter sich gebracht. Gemeinsam mit Chakuza verschlägt es ihn 2005 zu Bushidos Label ersguterjunge. Der EGJ-Chef stellt das österreicherische Gespann auf dem Song 2006 "Nemesis" noch so vor:

"D-Bo ist mein bester Freund / Saad ist wie mein Bruder / Seit heute in Berlin: Stickle und Chakuza"

Beide Berliner Neuankömmlinge bilden das Produzententeam Beatlefield. Alben wie "Staatsfeind Nr.1", "Das Leben ist Saad" oder diverse ersguterjunge-Sampler entstehen in jener Zeit. Die Juice schreibt damals, dass "Beatlefield fast allen EGJ-Releases ihren charakteristischen Soundstempel aufgedrückt" hätten. Auch Chakuzas Rapsolokarriere ist eng mit Stickle verwoben. Sein bis heute erfolgreichster Track "Eure Kinder" aus dem Album "City Cobra" geht beispielsweise auf die Arbeit mit Stickle zurück.

Dennoch werden die Verträge nicht verlängert. Stickles und Chakuzas EGJ-Engagement endet 2010. Auch von Künstlerseite gibt es offenbar keine Bestrebungen die Zusammenarbeit fortzusetzen. Es sei "irgendwo eine logische Konsequenz" gewesen, dass man getrennte Wege geht, erklärt Chakuza bei uns zu jener Zeit in einem Kurz-Interview. Zwischenzeitlich ist übrigens ebenso ein gewisser RAF Camora Teil der Beatlefield-Crew, zu deren festem Kern darüber hinaus PR-Berater Hamadi gehört.

Übermäßige Nebengeräusche, wie sie in der jüngeren Vergangenheit zum Standard wurden, sind beim damaligen Abschied aus dem EGJ-Lager nicht zu vernehmen. Das wirkt geradezu stellvertretend für Stickles Karriere im Allgemeinen. Er scheint immer dort zu sein, wo etwas Großes entsteht, aber macht sich nicht viel aus dem einsetzenden Rampenlicht. Gelegenheiten zum Abheben liefert sein Werdegang im Überfluss.

Prägender Sound: Stickles Arbeit mit Casper & Yung Hurn

Nach der EGJ-Phase ist Stickle an einer Platte beteiligt, die im Nachhinein als Game-Changer für Deutschrap eingeordnet werden kann. Caspers "XOXO" vereint Indie-Gitarren und große Gesten, ohne an die Holzhammer-Crossover-Welle um die 2000er zu erinnern. Stickle ist Teil des Producer-Teams des Albums, welches Rapfans und das Feuilleton gleichermaßen für sich vereinnahmt. Die Magie entsteht im Beatlefield Studio in Kreuzberg, das als die Krabbe in Erinnerung bleiben sollte. Stickle und Casper finden zusammen, da sich Letzterer nach seinem Berlin-Umzug neu ausrichtet. Bei einem Studioreport sagt Casper:

"Und dann hab ich halt Stickle kennengelernt, weil ich 'nen DJ gesucht hab für meine Live-Show, als wir auf Band umgestellt haben."

Auch Chakuzas Soloalbum "Magnolia", das musikalisch einen ähnlichen Spagat versucht, ist mit Stickles Sound-Vision verknüpft. Bei der Auftaktsingle "Ascheregen" zum folgenden Casper-Album "Hinterland" hat Stickle neben Konstantin Gropper und Markus Ganter ebenfalls seine Finger im Spiel. Doch dieser Übergang von allerlei ersguterjunge-Produktionen zu Caspers Indie-Boombast ist für den Linzer nicht das Ende einer musikalischen Reise. Er scheint sich einfach treiben zu lassen. Dabei landet er auch mal mit Schauspielstar Matthias Schweighöfer im Tonstudio. Das Resultat ist der Popsong "Fliegen", der im Zusammenhang mit dem Kinofilm "Der Nanny" veröffentlicht wird.

In den folgenden Jahren taucht Stickle permanent an der Seite von Yung Hurn (diesen Artist auf Apple Music streamen) auf. Das komplette Album "1220" des Wiener Süßgotts ist von Stickle produziert. Wie er am Rande eines Konzerts die Fertigstellung der Platte beschreibt, stellt man sich die Arbeit mit Yung Hurn ungefähr auch vor:

"Es hat tatsächlich eine gewisse Zeit gedauert, bis wir in Fahrt gekommen sind. Am Anfang war es ein wenig undefiniert und wir wussten nicht, ob wir schon am richtigen Weg zum Album sind und ob es was wird. Dann ging es aber auf einmal ziemlich schnell und das Ding war fertig."

Sogar House im Retro-Stil zählt zu Stickles Repertoire. Den Track "Popo" produziert er zusammen mit Yung Hurn. Die Vibes mit dem Landsmann stimmen augenscheinlich. Auch dessen Alter Ego K. Ronaldo wird für Rave-Ausflüge von Stickle versorgt. Es erklärt sich fast von selbst, dass Stickle zu den Mitbegründern der Love Hotel Band gehört.

Dass der Linzer gewissermaßen als Verbindungsglied zwischen Bushido und Yung Hurn funktioniert, wirkt im Nachhinein regelrecht absurd. Sein Faible für experimentelle Sounds und Elektro lässt sich jedoch schon früh erahnen. In einem alten Interview auf Rap-As.com auf seine musikalischen Vorlieben angesprochen, sagt er: "Durch die Bank. Ich höre sehr viele Elektro-Sachen in letzter Zeit. Sachen, wo Rapmucke kombiniert ist, mit Elektrosachen."

Apache 207, Pashanim & Co: Stickle macht die Hits

Auf der Erfolgsleiter geht es in der jüngsten Vergangenheit weiter steil bergauf. Mindestens mit "200 km/h" – kannste Apache 207 fragen. Mit dem Überflieger der letzten Jahre connectet Stickle gleich mehrfach für gemeinsame Tracks. Auf "Boot" oder "Nicht wie du" bedient er dabei ganz unterschiedliche künstlerische Facetten des Hitgiganten. Hier gilt erneut: Der so vielseitige Producer ist bereits vor dem großen Hype am Start.

Der Song des Jahres 2020 bei den Hiphop.de Awards geht ebenfalls mit einem Stickle-Beat einher. "Airwaves" sowie der kaum weniger populäre Pashanim-Track "Hauseingang" gehen aufs Konto des österreichischen Producers. Er scheint immer dort aktiv zu sein, wo sich gerade etwas zusammenbraut. Nebenher schüttelt er stilsicheren Rap-Pop aus Ärmel. "2012" von Bausa und Juju: ein Stickle-Beat. Der Werdegang des Musikers ist von jeder Menge richtigen Entscheidungen und einem ausgeprägten Gespür für das nächste große Ding gepflastert.

Es wirkt folgerichtig, dass Stickle nun von sich aus aufstrebenden Künstler*innen die Möglichkeit eröffnet, mit ihm am Sound der Zukunft zu arbeiten. Zur Gründung des Label Joint Ventures November Eleven mit Four Music erklärt er:

"Ich freue mich sehr darauf, zusätzlich zu meiner bisherigen Rolle als Produzent spannende Newcomer ab sofort auch als Creative Director gemeinsam mit dem Team von Four Music beim Aufbau ihrer Karriere unterstützen und fördern zu können."

Mit Nikan hat Stickle bereits den ersten Artist unter seine Fittiche genommen. Ob dieser Stickle eigenhändig ein Demotape übergeben hat oder einen ganz anderen Weg wählte, ist nicht überliefert.

nikan - Northface [Video]

Der Düsseldorfer Newcomer nikan ahnt "Northface". Dazu droppt er locker Ansagen: "Ich will Schmuck auf meinem Zahn und ne Baddie nachts im Arm". Der hypnotische Beat wurde von Stickle und Andrewextendo produziert. nikans ""All In / Plan A""-EP soll im Frühjahr erscheinen.


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