Deutschrap und die Fernsehwelt: Was ein Dieter Bohlen-Disstrack & Provokationen der Geissens gemeinsam haben

Das Verhältnis zwischen Rap und dem deutschen Fernsehen ist nicht immer einfach. Wer vor ein paar Wochen Zeuge wurde, wie Barbara Schöneberger Olexesh anmoderiert hat, der weiß, was gemeint ist.

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Der peinlichste TV-Moment der jüngsten Vergangenheit? Bitteschön. Verrenkte Finger, Sch-Laute und "Check it out" = Rap! Barbara Schöneberger weiß Bescheid

Neben den ewigen "Jojojo"-Verrenkungen und oberflächlichen Darstellungen bringt die Fernsehpräsenz auch etwas Gutes mit sich. Es können Zielgruppen erschlossen werden, die mit der Rap-Welt ansonsten keine Berührungspunkte finden. Die Besetzung der DSDS-Jury ist zum Beispiel jährlich ein Thema im Rap-Kosmos. 2012 wollte Bushido gerne Teil des Castings-Formates sein. Vier Jahre bekam Farid Bang ein Angebot, aber lehnte es nach eigener Aussage ab. Ein Mitwirken hätte aus der Sicht des Bangers "schädlich" für seine Karriere sein können.

Bisher hat sich nur Kay One nachhaltig in die Welt von RTL & Co gewagt. Für ihn steht nicht nur ein Jury-Engagement bei DSDS zu Buche. Auch Shows mit ihm als Hauptattraktion wie zum Beispiel "Prinzessin gesucht" liefen bereits auf dem Tochtersender RTL2. Kay scheinen die Auftritte im Privatfernsehen nichts auszumachen. Sido hingegen steht mit den DSDS-Prinzipien im Konflikt. Er sagt in einem Interview für das Casting-Format X Factor, dass er RTL regelmäßig eine Abfuhr erteile:

"Ich werde jedes Jahr von DSDS gefragt, ob ich da in der Jury sitzen möchte und ich sage immer 'Nein'. In diesem Umfeld möchte ich nicht stattfinden, da wird Musik nicht ernst genommen. Mir tun die Leute da leid."

Die Absagen und das Fernbleiben von etablierten Deutschrapstars ermutigte Hustensaft Jüngling wohl zu einer eher wenig ernstgemeinten Anfrage. Er hakte direkt beim Jury-Boss Dieter Bohlen nach, ob er eine freie Stelle besetzen könne. Die Antwort fiel kurz aus:

Der Konter folgte sofort. Hustensaft Jüngling releaste mit "Alter Mann" einen kompletten Disstrack gegen Dieter Bohlen:

Alter Mann - Hustensaft Jüngling (Dieter Bohlen DISS)

Hinweis: Der Track ist reine Satire, der Inhalt fiktiv und dient rein zu Unterhaltungszwecken. MMHJTV Channel abonnieren: http://ytb.li/MMHJTV "Der erste Rapper mit Abitur": http://hustensaftjuengling.fty.li/DERMA Folgt, liked und besucht Hustensaft Jüngling außerdem in allen Sozialen Netzwerken http://hustensaftjuengling.fty.li/social Spotify: http://spoti.fi/2HMGq4N Merchandise: http://www.gloup.store

Dieses absichtliche Übertreiben zählt sowohl beim Jüngling als auch bei RTL zum Standardrepertoire. Zwischen den drastischen Aussagen eines Dieter Bohlens zu manchen Casting-Kandidaten und einem ebenso künstlich überzogenen Track von Hustensaft Jüngling sind nicht allzu viele Unterschiede festzustellen. Sie tun es wohl beide für die Unterhaltung des Publikums.

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Mit ein wenig mehr Promifaktor wäre Hustensaft Jüngling wahrscheinlich eine hervorragende Wahl für die nächste Jury-Besetzung. Schließlich wollen sowohl der Sender als auch der Rapper von der Zusammenarbeit profitieren. Noch ist es aber wohl so, dass Dieter Bohlen der deutlich bekanntere Charakter ist (auch wenn Hustensaft Jüngling das sicherlich anders bewerten würde).

Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad verliert die Präsenz im Dunstkreis des Fernsehens an Stellenwert. Das musste im Herbst 2017 Pro7-Moderator Thore Schölermann feststellen.Als der Moderator Farid Bang bei einer Filmpremiere mit ein wenig Humor entgegentreten will, entsteht schnell eine unangenehme Situation. Farid Bang reagiert auf ein paar Kommentare sichtlich genervt. Da sein Publikum größer als das von Pro7 sei, lässt er Schölermann einfach stehen. In Zeiten der Selbstvermarktung über Social Media liegt Farid mit seiner Einschätzung wohl richtig – zumindest, wenn es um ein Publikum geht, das mit dem Internet aufgewachsen ist.

Mit welchen Menschen man sich teilweise im Privatfernsehen herumschlagen muss, demonstrieren allzu oft die Geissens. Ihre offensichtliche Fremdenfeindlichkeit zeigt sich nach der umstrittenen Vergabe des Echos an Kollegah und Farid Bang. Für Carmen Geiss ist Farid Bang in einem Facebook-Statement aus dem Frühjahr nicht mehr als ein "kranker Mensch" und "Deutsch-Hasser". Ihr Mann Robert hält sich im selben Atemzug mit AfD-Rhetorik nicht zurück.

Auch während der Debatte um Mesut Özil und seinen Nationalmannschaftsrücktritt prallen Farid Bang und die Geissens aufeinander. Vor ein paar Tagen teilt der Banger Musik-Chef auf Facebook einen Clip, der zeigt, dass die RTL2-Familie sich auf Farid eingeschossen hat. In großer Runde machen dort die Geissens Wortwitze mit "Bang" und bekannten Reinigungsmitteln. Ziel dieser irritierenden Jokes ist offensichtlich Farid Bang:

Farid Bang

Carmen Geiß arbeitet weiter an ihrer Anticybermobbing Kampagne, die gute Dame wird auch in den Wechseljahren nicht müde #saynotobotox

Allein durch den Kommentar von Farid scheint die Promostrategie aufzugehen und dieses Mal profitieren wohl eher die Fernsehgesichter. Schließlich startet im Herbst eine neue Staffel des RTL2-Formats "Die Geissens - Eine schrecklich glamouröse Familie".

Im Gegensatz zu Hustensaft Jüngling bietet sich Farid Bang kein wirklicher Vorteil, wenn er noch mehr Zeit investiert, um auf die Provokationen zu antworten. Ein Disstrack steht zwar weiterhin im Raum, aber hier wären wohl eher die Geissens Nutzließer als der Düsseldorfer Rapper. Sein Publikum würde dadurch vermehrt auf die Inhalte der Geissens aufmerksam werden. Dass Fans oder Zuschauer der Geissens sich ernsthaft mit Farid auseinandersetzen, ist weitaus weniger vorstellbar.

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Kommentare

"Die Besetzung der DSDS-Jury ist zum Beispiel jährlich ein Thema im Rap-Kosmos."
Äääh... nein. Das macht Ihr gerade zum Thema. Leider. Und seid damit wieder dem Tiefpunkt einen großen Schritt nähergekommen. Geissens, Bohlen, RTL: Herzlichen Glückwunsch! Dazu noch den unsäglichen Farid und die degenerierte Truppe um Hustensaft & Co.
Ganz ehrlich: Ist Euch das nicht selbst unangenehm, über so einen Rotz zu schreiben, anstatt mal interessante Newcomer vorzustellen oder gute Alben zu rezensieren? Nur so ein Gedanke. Bussi!

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Apache 207 kein Rapper? Was Farid Bang dazu sagt

Apache 207 kein Rapper? Was Farid Bang dazu sagt

Von Alina Amin am 25.02.2021 - 16:47

Apache 207 ist schon nach den ersten Jahren seiner Rap-Karriere in den obersten Rängen der hiesigen Szene angekommen. Mit seinen melodischen Hits erreicht er regelmäßig astronomische Zahlen und gilt aktuell als einer der erfolgreichsten Künstler des deutschsprachigen Musikmarkts. Trotz dessen findet die Diskussion, ob der Ludwigshafener tatsächlich Rapper sei, in der Deutschrap-Community kein Ende. Jetzt äußert sich auch Farid Bang zu dem omnipräsenten Thema.

Farid Bang über die Frage, ob Apache 207 ein Rapper ist

Farid Bang stellt in seiner Instagram-Story infrage, was ein Künstler sei, der seine Texte nicht schreibt, wenn man schon davon ausginge, dass Apache kein Rapper sei. Die Debatte um Apaches Rapqualitäten wird weit über die YouTube-Kommentarspalten hinaus geführt.

Viele Größen der Deutschrapszene scheint die Frage umzutreiben, ob Apache 207 als Rapper zu betrachten ist. Für Bonez MC stand Ende 2020 fest: "Künstler kein Rapper". Auch Fler kommt in einem Interview bei 16bars zu dem Ergebnis, dass Apache "in dem Sinne kein Rapper" sei. Die Musik des 2-Meter-Hünen bedient sich hörbar verschiedensten Einflüssen.

Daran, dass Apache 207 rappen kann, dürfte jedoch kein Zweifel bestehen. Farid fragt sich nun, worauf es hinausliefe, wenn Apaches Musik durch dessen Herangehensweise nicht mehr als Rap durchginge.


Foto:

Instagram / @faridbangbang

Der Banger stellt in den Raum, ob dies nicht mindestens gleichbedeutend damit wäre, jemanden aus dem Rapgenre auszuschließen, wenn die Lyrics zugeliefert werden. Er zieht damit einen Vergleich zu einem ebenso ausgiebig diskutierten Thema, dem Ghostwriting.

Ende letzten Jahres wurde die allgegenwärtige Diskussion wieder aufgerollt, nachdem Shirin David ihre "Babsi Bars" veröffentlichte. Es ging damals einerseits um Credits, andererseits auch um die generelle Praktik des Ghostwritings. Viele Rapfans vertreten die Position, dass Rap-Künstler*innen auch selbst für ihre Lyrics verantwortlich sein sollten. Dennoch gehört es inzwischen zur gängigen Praxis, dass Rap-Texte in Gemeinschaftsarbeit entstehen. Wie Farid das selbst sieht, erklärt er in seiner Story nicht.

Apache selbst hat zu dem Thema eine klare Haltung. Ob andere Leute ihn als Rapper bezeichnen oder nicht, scheint ihm gleichgültig zu sein. In seinem Song "28 Liter" erklärt der 23-Jährige:  

"Egal, ob du mich einen Rapper nennst, du Piç, darauf pfeif' ich"


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