Realness aus dem Herzen Berlins: Das YA & Mashkal-Textinterview

New Wave und poplastige Hiphop-Tracks erobern aktuell die Charts und Herzen vieler Raphörer. Doch für manch einen geht dabei die Kernessenz von Hiphop zu schnell flöten: Echte Musik und echte Geschichten auf harten Beats.

Die zwei SLS Music-Künstler YA & Mashkal liefern genau das – absolute Realness aus dem Herzen Berlins. Das Duo hält aktuell die Fahne für den harten Straßensound aus der Hauptstadt so hoch, wie es nur geht. Hier ist Ice Cube noch der Onkel, vor dem man Respekt hat und Teil eines Labels zu sein heißt bedingungslose Bruderschaft. Eben Hiphop in seiner absoluten Urform.

Die beiden haben uns freundlicherweise ein kleines Textinterview gegeben und über ihre musikalischen Einflüsse sowie den aktuellen Stand von Straßenrap in Deutschland gesprochen und erklärt, warum es auch nicht schlimm ist, wenn man ihre Songs im ersten Moment noch nicht feiert.

YA & Mashkal: Das Textinterview

Was geht Jungs? Geil, dass das mit dem Interview geklappt hat. Stellt euch doch am besten erst mal vor und erzählt ein bisschen, wer ihr seid.

Mashkal: Mein Name ist Hamudi und ich komme aus Neukölln, habe aber auch viel Zeit in Kreuzberg verbracht. Auf den Streets nennt man mich Mashkal. Das bedeutet so viel wie Stress oder Ärger. Mehr will ich zu mir nicht erzählen, den Rest hört ihr in meinen Lyrics.

YA: Nennt mich einfach direkt YA. Ich bleibe eher bedeckt, aber was ich zu meiner Person sagen kann: Neuköllner, der jagt, um zu überleben. Wie Mashkal schon gesagt hat, den Rest hört ihr in den Songs.

Ein Kollege hat mich vor nicht allzulanger Zeit auf euch und den Song “Maybach” aufmerksam gemacht. Er meinte zu mir: "Gib dir diese beiden Newcomer!". Wenn man sich eure Spotify-Seiten anschaut, merkt man aber schnell “Newcomer” passt eigentlich überhaupt nicht. Euer erstes Release erschien dort schließlich bereits vor gut zwei Jahren. Danach war es aber erst mal eine Zeit ruhig. Wie kam es, dass man so lange auf neue Musik warten musste?

YA: Danke erst mal an dein Kumpel, dass er echte Musik fühlt. Das wissen wir sehr zu schätzen. Und ja, du hast Recht, Newcomer wäre ein unpassender Begriff in unserem Fall. Die Bezeichnung alte Hasen im Rapgame würde eher passen.

Mashkal: Die Insider wissen Bescheid, wovon die Rede ist.

YA: Warum war es ruhig um uns? Du weißt doch, "Dubai Urlaub".

Euer erster Track auf Spotify "Bronx" war ja auch direkt gemeinsam mit dem guten Hasan K. Wie kam es dazu? Es bekommt ja schließlich nicht jeder direkt Unterstützung von einer Legende.

YA: "Bronx" war ja nicht wirklich unser erster Track. Den ersten Track habe ich mit Hasan und Gringo schon 2004 recorded, als wir das alte Royal Bunker-Studio am Görlitzer Park beschlagnahmt hatten. Schöne Grüße an Staiger und K.I.Z an der Stelle. Wie ihr daran merkt, kennen wir uns schon etwas länger. Das ist auch eine Sache, die ich an dem Label SLS Music feiere. Es ist ein enger Kreis von Leuten, die sich seit dem Sandkasten kennen und jeder für jeden bis zum Schluss geht. Egal was kommt!

Mashkal: Egal was kommt!

Der Song war ja auf dem ersten SLS Music Labelsampler. Wie ist generell das Verhältnis der Künstler bei SLS so? Ist das einfach ein übergeordnetes Label oder sehr ihr euch als richtig Crew?

YA: Es gibt einmal Signings und einmal Brüder. SLS-Signings sind wir nicht. Also sind wir Brüder und so ist auch das Verhältnis.

Mashkal: Zwischen uns steht kein Stück Papier.

Also kann man bald auch mal wieder was von euch gemeinsam mit z.B. Gringo erwarten?

YA: Gringo liebt Mashkals Rap, also lasst euch überraschen.

Mashkal: YA hatte schon das Vergnügen auf "Laga Luga", "Vier Vier" und "Vier Vier 2". Der Charakter Gringo kam übrigens das erste Mal überhaupt zum Einsatz, bei einem Song von YA, Gringo und Hasan aka HK.

"Immer real, so wie alle uns kennen. F*ck dein 50k Video-Clip, wir machen Oldshool mit Cannon"

Um mal auf die Musik zu kommen: Ihr habt neulich die Ode an die Oldschool „Ice Cube Is My Amo“ rausgehauen. Ich würde jetzt behaupten, eigentlich jeder Künstler auf SLS, unter anderem ihr, macht aber auf ganze eigene Art auch krass modernen Sound. Wie würdet ihr den YA & Mashkal-Sound beschreiben? Seid ihr eher alte Schule oder gehört ihr doch irgendwie auch zur New Wave?

Mashkal: Wir sind aufgewachsen mit unter anderem der Musik von Deathrow, Michael Jackson, Stevie B, Master P, Sir Rap-A-Lot, Tha Dogg Pound, Tupac, Gank Move, Mack10, DJ Quick, DMX, Ruff Ryders, Group Home sowie noch ganz vielen mehr. Und natürlich eben von unserem Amo Ice Cube. Warum wir ihn Amo nennen? Er ist crazy, aggressiv und hat immer ne Wumme dabei, so wie Onkels halt. (Lacht)

YA: Wo wir uns sehen, Old oder New School? Ich sag mal so, wir sind RAW. Das ist ein komplett neuer Stil. Eine neue Ära zwischen Old und New School. Das ist eine Mischung aus Straße, Monotonie und Vibe. Es geht nur ums Fliegen auf den Beats. Ob On- oder Off-Beat, ob guter Mix oder schlechtes Master, wir geben ein f*ck drauf. Hauptsache der Vibe stimmt! Pur, roh und ungestreckt.

Dabei ist Zeitlosigkeit das A und O. Es kann sein, dass du das Lied zum ersten Mal hörst und es nicht verstehst, es vielleicht sogar nicht mal feierst. Aber dann hörst du es zufällig am Hermannplatz aus einem vorbeifahrenden schwarzen Benz. Spätestens dann bist du abhängig.

Es ist doch meistens so, wenn du ein Lied sofort feierst, ist es nicht zeitlos. Was sich einfach anhört, ist tiefgründige Arbeit. Auch ein einfacher Bass, der nur zwei Mal vorkommt in einem Track muss sitzen. Das hat Jaydon Jam, der übrigens das Album zusammen mit CK PRO produziert hat, geschafft, top umzusetzen.

Guckt man sich die aktuellen Charts und Playlists an, ist düsterer/echter Sound wie eurer eher rar gesät. Wie bewertet ihr den aktuellen Stand von “Straßenrap” in Deutschland? Kriegt harter Sound zu wenig Liebe?

YA: Es wäre nicht schlecht, wenn die Streaming-Portale uns mehr in die Playlisten einfügen würden. Wir reden hier von Rap aber was wir meistens in den Rap-Playlisten hören, ist kein Rap. Vielleicht sollten wir mal 'ne eigenen Playlist erstellen.

Mashkal: Der Stand von deutschem Straßenrap? Früher waren alle Dealer, heutzutage wollen alle Rapper werden.

YA: Heute haben Rapper Fußballer-Status.

Mashkal: Besser als dealen oder?

YA: Liebe geben diejenigen, die sich mit uns identifizieren können. Und das können leider die wenigsten.

Das schließt ja nahtlos an eine der wohl heißgeführtesten Debatten im Deutschrap an: die Frage nach "Realness". Wie definiert ihr "Real" für euch und welchen Stellenwert hat es, real zu sein?

YA: Jeder kann seine Show abziehen, aber eine Show ist das Gegenteil von Realität. Eine Show endet irgendwann, die Realität bleibt ein Leben lang.

Mashkal: Wenn er seine Show gut abzieht, sei ihm gegönnt.

Etwas, dass ich in der Form eher selten gesehen habe, aber übelst feiere: Ihr postet konsequent unter euren YouTube-Videos immer eure Lyrics. Wie kam es dazu? In diesen Lyrics stehen außerdem auch immer die Übersetzungen für bspw. Zeilen auf Arabisch. Wie wichtig ist es euch, dass eure Fans euch nicht nur auf musikalischer Ebene fühlen, sondern auch wirklich verstehen?

Mashkal: Hey, das trägt doch was zur Integration bei! (lacht)

YA: Wir machen das wegen Genius, weil die unsere Texte immer komplett fail übersetzen. (lacht auch)

Mashkal: Aber der Hauptgrund ist, dass das so ein Ding von unseren Jungs ist: Wir legen Wert auf Lyrics. Uns ist es wichtig, dass unsere Zuhörer verstehen, was wir erzählen.
Nicht jeder weiß, was Kafa lesh, Chapta oder Green Mama in unserer Welt bedeutet. Vielleicht sollten wir mal ein Lexikon releasen.

Viele Rapper sagen ja, dass sie einen krassen abturn auf die deutsche Szene haben. Ist das bei euch ähnlich oder gibt es hier Leute (außerhalb von SLS), die ihr krass feiert?

YA: Abturn, mabturn. Jeder kann machen, was er will. Jeder ist herzlich willkommen. Solange er cool ist, ist alles cool. Wir messen gute Musik nicht an den Klickzahlen. Wenn die Musik gut ist, ist sie gut.

Mashkal: Wer uns respektiert, wird auch respektiert. Wir sind keine Hater. Wir gönnen jedem und da spreche ich im Namen von allen hier.

Absolut ehrenhaft! Wenn ihr jetzt in eure Zukunft schaut, was geht dieses Jahr noch ab? Gibt es vielleicht schon feste Pläne für Releases über die ihr bereits sprechen könnt – Album, EP, Labelsamper 2?

YA: Aktuell arbeiten wir schon an dem zweiten Album "RUFF". Das Album "RAW" kommt Mitte dieses Jahres. Dafür gibt es noch insgesamt drei weitere Videos. Aus dem Hause SLS erwartet euch natürlich noch der "Labelsampler 2", der dieses Jahr erscheinen wird so Gott will, wir gesund bleiben und nix dazwischen kommt natürlich.

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Kendrick Lamar: Insider-Infos zur Arbeit am neuen Album

Kendrick Lamar: Insider-Infos zur Arbeit am neuen Album

Von Till Hesterbrink am 15.04.2021 - 13:22

In den letzten Monaten gab es immer mal wieder aus den unterschiedlichsten Richtungen Teaser zu einem neuen Album von Kendrick Lamar. Der Pulitzer-Preis-Gewinner selbst hält sich bislang äußerst bedeckt, was Infos zu einem kommenden Projekt angeht. Nun hat Top Dawg Entertainment-Sound Enigneer MixedByAli mit Complex gesprochen, unter anderem über ein neues Kendrick Album.

Neues Album von Kendrick Lamar noch 2021?

MixedByAli sprach mit Complex über die Art, wie Kendrick Lamar arbeite. Dieser habe trotz seines Erfolgs und dem bereits erlangten Status trotzdem eine unglaubliche Arbeitsethik. Er wäre immer pünktlich und aufgeschlossen, ganz neue Dinge auszuprobieren. Dadurch würde er auch alle um sich herum auf ein neues Level anheben.

"Wie er arbeitet, so was habe ich noch nie zuvor gesehen. Der Aufnahmeprozess, der Gedankenprozess, während er ein Album erstellt. Solche Dinge lassen Leute wie mich großartig bleiben. Seine Arbeitsethik zu sehen. Man würde erwarten, dass jemand wie Kendrick zu Hause sitzt und sich ausruht. Nein, er kommt immer pünktlich."

"How he works, I've never seen it before. The recording process, the thought process of piecing an album together and sequencing it. Things like that is what keeps guys like me great. Watching his work ethic. You would expect someone like Kendrick to be at home and sitting back. No, he still comes in on time and is punctual."

Ob noch dieses Jahr mit einem neuen Kendrick Album zu rechnen sei, wollte der Engineer nicht so wirklich verraten. Nur zu einem verschwörerischen "Es ist möglich, man weiß nie." ließ er sich hinreißen.

Da zeigte sich TDE-Chef Punch im Januar dieses Jahres schon zuversichtlicher. Auf die Frage der Moderatorin Karen Civil, ob die Leute bald Neues von Kendrick hören könnten, antwortete dieser, dass es bald so weit sei. Allerdings hieß es bereits im Oktober des letzten Jahres von Punchs Seite aus, dass Fans "Bald, bald" mit neuer Musik rechnen könnten.

Auch Labelkollege Ab-Soul ließ im Januar auf Twitter verlauten, dass Kendrick Lamars Album auf dem Weg sei und wohl noch 2021 erscheinen solle.

Das Release des letzten Werks auf Albumlänge "Damn" liegt mittlerweile knapp vier Jahre in der Vergangenheit.

Warum Kendrick Lamar so lange für ein Album braucht

Im letzten Jahr gab Kendrick dem i-D-Magazine gemeinsam mit seinem Cousin Keem ein Interview. Dort erklärte der Ausnahmekünstler, dass vor allem die Kreation eines ganz neuen Sounds für ihn jedes Mal wieder eine Herausforderung sei. Darüber würde er teilweise ein ganzes Jahr nachdenken.

Passend dazu erklärte MixedByAli im Complex-Interview, dass Fans auch auf dem kommenden Album etwas ganz neues und frisches erwarten können.

"Ich würde sagen, dass jedes Album, welches nach 'Good Kid' erschienen ist, ein ganz eigenes Gefühl transportiert hat. Freut euch also auf jeden Fall darauf, dass Kendrick sich wieder in der kreativsten Form ausdrücken wird."

"I would say, every album that he has dropped since 'Good Kid' has come with a different feeling. So just look forward to Kendrick obviously expressing himself in the most creative way."

Gefängnis verbietet Kendrick Lamar & wird verklagt

Ein Häftling des Emyan Gefängnisses in Arizona klagt gegen ein im Knast herrschendes Verbot von Kendrick Lamar-Musik. Er musste die Beamten eine CD des Rappers konfiszieren lassen, da das Gefängnis die Musik als potenziell schädlich einstuft. Nachdem er im Bezirksgericht gescheitert war, geht es nun vors Berufungsgericht, wie KJZZ berichtet.


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