Trettmann kündigt neues Album an: Sound, Inhalt, KitschKrieg, Jamaika & Songwriting (Interview)

Es ist der unvergleichliche Tretti, der beim Openair Frauenfeld an unserem Tisch Platz genommen hat! Im Interview mit Aria, Jonas und Clark kündigt er sein neues Album für den 13. September an und spricht bereits über einige Details zum Sound, dem Songwriting und den Themen auf dem heiß erwarteten Nachfolger des Albums des Jahres 2017 ("#DIY"). Dass auch beim neuen Werk wieder das Kitschkrieg-Team an den Reglern und im Studio dabei war, versteht sich von selbst.

Außerdem hatte unser Trio Props für die jüngste Tretti-Kollabo "Villa auf der Klippe" mit Max Herre im Gepäck und es gibt etwas lockeren Festival-Smalltalk. 13. September – stay tuned!

23.07.2019 - 15:43

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Hype, Absturz, Nummer 1: Montez' Weg an die Spitze

Hype, Absturz, Nummer 1: Montez' Weg an die Spitze

Von Michael Rubach am 24.08.2021 - 16:27

Montez blickt vergangene Woche sichtlich ungläubig in die Handy-Cam. Er hat es geschafft. Sein Track "Auf & Ab" ist die neue Nummer eins in den deutschen Single-Charts. Nach einer kleinen Ewigkeit im Game ist der Bielefelder an der Spitze angekommen. Es ist die erste eigene Nummer-1-Single. Hinter den Kulissen sorgt er seit längerer Zeit für die Hits anderer Artists. Die Geschichte von Montez zeigt, dass es sich lohnt, am Ball zu bleiben. Ganz so wie sein Erfolgssong ist nämlich auch die Karriere von Montez (jetzt auf Apple Music streamen) ein ziemliches Auf und Ab.

Montez: Von Bielefeld auf die Deutschrap-Map

Das Montez Talent hat, wissen Beobachter*innen der Szene seit mehr als einem Jahrzehnt. Mit "Punchlines eines Melancholikers" releast er schon 2010 ein Mixtape. Auf der Feature-Liste gibt sich neben einigen Homies aus der Heimat auch Manuellsen die Ehre. Der Titel des Tapes ist dabei Programm. Montez rappt über seine Gefühle. Eingängige Melodien gehören seit jeher zu seiner künstlerischen DNA.

Bei einem Newcomer Contest von Hiphop.de und der Juice sticht er 2011 die Konkurrenz aus. Da ist er gerade mal 16 Jahre alt. Unter anderem Kool Savas, Azad und Melbeatz waren sich einig: Der Sieg muss an Montez gehen. Noch im gleichen Jahr erscheint das Debütalbum "Karneval". Der Bielefelder Junge geht in der Folgezeit mit dem King of Rap auf Tour und spielt auf der Hauptbühne vom Splash! Festival – es läuft. Auf der 2012er Version des SAV-Tour-Classics "Warum rappst du?" zieht Montez eine kurze Zwischenbilanz:

"Jeden Abend tausend Leute, ich war nicht mal in den Charts"

Nach all diesen Hochgefühlen fällt Montez jedoch in ein Loch.

Erst abwärts ...

Es geht damals alles ziemlich schnell. Vielleicht zu schnell. Zwei, drei Jahre verschwindet Montez weitestgehend von der Bildfläche. Ihn plagen Depressionen, Panikattacken und Schreibblockaden. Er hat sein Leben auf eine Karriere als Rapper ausgerichtet. Es gibt keinen Plan B, keine Ausbildung, nur einen miesen Realschulabschluss, der ihm kaum Zukunftsalternativen bietet.

Montez struggelt und zieht sich zurück. Nur mit Mühe nimmt er wieder am Leben teil. Er hadert mit sich und hält sich mit Jobs irgendwo zwischen Lieferdienst und Wettbüro über Wasser. Der Musik bleibt er dennoch treu. 2015 erscheint mit "Für immer und eh weg" (2015) ein neues Album über Vegas Label Über die Grenze – nicht weniger als ein Abbild dieser dunklen Phase.

Der Nachfolger "So macht die Sonne das auch" (2017) steht im Rückblick bereits für den Aufbruch in eine bessere Zeit. Ein Track wie "Nie mehr schreiben" zeigt Montez' ausgeprägtes Gespür für eingängige Pop-Melodien.

Privat geht eine Beziehung in die Brüche. Montez beschließt, ein neues Kapitel seines Lebens mit einem Ortswechsel zu verknüpfen. In einer veränderten Umgebung kann Montez seine Stärken schließlich mehr und mehr in Zählbares umsetzen.

... dann an die Spitze

Es verschlägt Montez 2018 nach Berlin. Takt32 hilft beim Ankommen in der pulsierenden Großstadt. Es stellt sich heraus, dass Montez' Fähigkeiten als Songwriter begehrt sind. Der erste eigene Auftrag mündet direkt in einem Nummer-1-Album. Die Industrie wird wieder auf ihn aufmerksam. Im September 2020 unterschreibt Montez bei Universal. Im All Good Podcast erzählt er, dass er in den letzten Jahren an 100 bis 150 Song-Releases mitgearbeitet habe. Geschrieben hat er noch viel mehr. Montez brennt. Selbst wenn er nicht in der ersten Reihe steht – er merkt, dass sich sein Hustle auszahlt.

"Ich arbeite seit zwei, drei Jahren durch. [...] Wenn man so viel Hunger in sich hat, dann muss das einfach gestillt werden. Gerade wenn man in so einem Modus ist, wo du merkst: Jetzt hol ich mir endlich das, was ich meiner Meinung nach schon seit zehn Jahren verdient hab. [...] Mein Hunger ist so groß, weil ich weiß, ich will nie wieder dahin zurück, wo ich mal war."

Er gehört zum Team um badmómzjay, die vollkommen offen damit umgeht, dass ihre Tracks in gemeinschaftlichen Sessions entstehen. Auch Montez' eigene Rapkarriere nimmt wieder Fahrt auf. Mit Producer Aside an seiner Seite veröffentlicht er 2019 die EP "Kokon". Mit dem Produzenten wohnt er inzwischen in einer WG und sagt über ihn, dass er das "fehlende Puzzleteil" in der Montez-Welt gewesen sei.

Die Schreibblockaden sind vergessen. Frischen Output bringt Montez kontinuierlich – egal ob solo oder als Kollabopartner. Er ist gleich mehrfach auf Vegas Album "Locke" (2020) vertreten. Auch der Nachfolger "069" (2021) fährt Montez auf. Er liefert die Hook für den Track "Am Boden bleiben". Die Parts bringen Vega und einer der berühmtesten Bielefelder Rap-Acts überhaupt: Casper. Zusammen mit Elif entsteht mit "Immer wenn ich gehen will" ein Track über eine toxische Beziehung. Bereits hier ist Montez ein Chart-Einstieg vergönnt (#73).

Mit "Auf & Ab" ist ihm nun der große Wurf gelungen. Seine Connections zu allerlei bekannten Personen dokumentiert der Video-Clip. Katja Krasavice, Bozza, Nico Santos – man bekommt eine Idee davon, wo Montez überall seine Finger im Spiel hat. Allein 2021 ist er als Songwriter mehrfach auf Platz eins der Charts gelandet.

Selbst mit diesem durchschlagenden Erfolg ist ein wenig Struggle verbunden. Auf Anhieb entert "Auf & Ab" die Pole Position nämlich nicht. Es gehört wohl dazu, dass Montez ein bisschen Anlauf benötigt, um ganz oben anzukommen. Nun grüßt er von der Spitze, rotiert auf Tiktok und steht auf den vorderen Plätzen der großen Playlists. Seine melancholischen Gedanken verpackt er 2021 immer seltener in Punchlines. Stattdessen: mehr Pop und noch mehr Mut zum Gesang. Er kann heute ohne Existenzängste genau das machen, wonach er sich fühlt. Allein dafür hat sich alles gelohnt.


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