Blackfishing und Feminismus: Shirin David reagiert auf Kritiker

Shirin David ziert diesen Monat das Titelbild des Spiegel Bestseller-Magazins und hat dem Heft für die Coverstory ein Interview gegeben. In dem Gespräch setzt sie sich mit ihrer Rolle als Frau in der Musikindustrie auseinander und den wiederkehrenden Vorwürfen der kulturellen Aneignung.

"'Feminismus' ist der Begriff, den wir Frauen nutzen müssen, um gehört zu werden"

Für Shirin sei Feminismus primär Selbstbestimmung, sagt sie. Dabei wäre es egal, welchen Wünschen eine Frau folgt: Feminismus kann laut der Musikerin genauso durch einen Bikini ausgedrückt werden, wie durch einen Rollkragenpulli.
Ihre Erläuterung im Interview ist sicher auch eine Reaktion auf Kritiker*innen, die ihr vorwerfen, jungen Menschen durch viel nackte Haut und eine stark sexualisierte Selbstdarstellung ein problematisches Frauenbild zu vermitteln.

"Jede Frau darf machen, was sie möchte, ohne verurteilt zu werden […] Und ich selbst liebe nun mal ein bestimmtes Frausein."

Außerdem erklärt Shirin, dass es nicht ihre Manager seien, die sie dazu bewegen würden, sich freizügig zu zeigen, im Gegenteil: Häufig würde ihr geraten, sich mehr anzuziehen und auch die Bewertungen auf Youtube würden dies widerspiegeln. Für sie sei es jedoch eine Form der Selbstbestimmung, sich so zu zeigen, wie sie es will.

Shirin David zeigt sich nackt auf "Supersize"-Cover & setzt feministisches Statement

Shirin David wird mit Blackfacing-Vorwurf konfrontiert

Im weiteren Verlauf des Gespräches werden die anhaltenden Vorwürfe der kulturellen Aneignung, also die Bereicherung an Errungenschaften und Eigenheiten anderer Kulturen, besprochen. Diese und die Vorwürfe, dass Shirins extrem dunkler Selbstbräuner Blackfacing (bzw. Blackfishing) gleiche, werden jedoch relativ schnell abgetan: 2014 hätte sich noch keiner über ihre Cornrows beschwert. Dabei wird die Möglichkeit außer Acht gelassen, dass den Vorwürfen 2014 lediglich noch kein Gehör geschenkt wurde.
Immerhin behauptet Shirin David einsichtig zu sein und erklärt, dass sie mittlerweile verstanden habe, warum Leute sich durch ihr Handeln angegriffen fühlen.

"Durch das Internet haben wir die Möglichkeit, mehr zuzuhören, wenn andere für ihre Kultur kämpfen. Ich höre zu. Heute verstehe ich, wenn das Leute sauer macht."

Ob sich diese Aussage bewahrheitet, bleibt fragwürdig. Die Kritik, dass Shirin David ihre Hautfarbe durch Make-Up und Selbstbräuner manipulieren würde, kam bereits 2019 nach ihrem Song "On Off" mit Gims das erste Mal groß auf. Die aktuellen Vorwürfe schließen daran nahtlos an:

Von Youtube zu Pop zu Rap: Shirin Davids Karriere im Wandel

Ein weiterer Aspekt, der zur Sprache kommt, ist der Wandel ihrer Musik. Während ihr erstes Album "Supersize" noch sehr poplastig war, wird es auf ihrem kommenden Werk deutlich wilder zur Sache gehen, sagt sie. Zu Beginn ihrer Musikkarriere musste sie stärker darauf achten, dass alles Radiotauglich sei, mittlerweile ist das egaler geworden. Für das Standing in der Szene habe ihr das Haftbefehl-Feature dabei auf jeden Fall geholfen, sagt sie.

Trotzdem sei sie weiterhin ein beliebtes Ziel für (teils berechtigte) Kritik:

"Die warten auf meine Fehler. Aber ich bin mir gerade meiner sehr sicher: Ich bin Shirin. Gegen jegliche Norm."

Haftbefehl ft. Shirin David - Conan x Xenia [Video]

Einige langjährige Haftbefehl-Fans waren nicht grade erfreut, als bekanntgegeben wurde, dass Shirin David als Gast auf "Conan x Xenia" das erste Feature auf "Das weisse Album" sein wird. Die ehemalige YouTuberin, die jetzt primär als Musikerin wahrgenommen werden möchte, passt für die meisten Hörer nicht neben das Azzlackz-Oberhaupt, das deutschem Straßenrap seit 2010 ein neues Gesicht gegeben hat.

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"Diskriminierung & Racial-Profiling": Boosie Badazz will Instagram verklagen

"Diskriminierung & Racial-Profiling": Boosie Badazz will Instagram verklagen

Von Till Hesterbrink am 19.09.2020 - 12:28

Boosie Badazz hatte es sich, wie so viele, während der Corona-Pandemie zum Hobby gemacht, auf Instagram mit seinen Fans live zu gehen. Dabei war jedoch das ein oder andere Mal nackte Haut zu sehen, sodass sein Account gesperrt wurde. Nun ereilte seinem neuen Account ein ähnliches Schicksal und wie HiphopDX berichtet, scheint Boosie gewillt, diesen Streit im Gerichtssaal auszufechten.

Boosie Badazz: Neuer Instagram Account mit Live-Verbot

Nachdem sein Account gesperrt wurde, sah sich Boosie scheinbar gezwungen, ein neues Instagram-Profil anzulegen mit dem passenden Namen "@boosienewig". Als er sein Comeback mit einem Live-Stream feiern wollte, wurde dieser umgehend von Instagram beendet. Sein Account scheint mittlerweile mit einem Live-Verbot belegt zu sein.

Wenn es das eine soziale Netzwerk nicht mehr bringt, dann geht es halt zum nächsten. Auf Twitter ließ Boosie sich über seine Instagram-Sperrung aus und vermutete, dass die Entscheidung auf Diskriminierung zurückzuführen sei:

"Ich habe einen neuen Account angelegt, @boosienewig, und die haben meinen Livestream direkt gestoppt, als The Shade Room ihn gepostet hat. Ich hab nichts gepostet oder bin live gegangen, das ist Diskriminierung/Racial-Profiling und so weiter. Ich werde dagegen klagen. Ich rufe jetzt Drew an."

Mit "Drew" scheint Drew Findling gemeint zu sein, der Anwalt des Rappers.

Boosie Badazz: "Ruft Mark Zuckerburger an"

Als Boosies ursprünglicher Account letzten Monat gelöscht wurde, tat er das, was wahrscheinlich jeder vernünftige Erwachsene in seiner Position getan hätte: Er wandte sich an den Facebook-Chef und Instagram-Besitzer Mark Zuckerberg persönlich.

Via Twitter veröffentlichte der Rapper mit eigenem OnlyFans-Profil ein Video, welches an Zuckerberg gerichtet war. Auch wenn es an der korrekten Aussprache des Namens noch ein wenig haperte.

"Mark Zuckerburger, ich muss mit dir reden. Ich weiß nicht, was ich getan habe, aber ich brauche mein Instagram zurück! [...] Ich hab jedem gesagt 'Ruft Mark Zuckerburger an. Markiert ihn. Sagt ihm, er soll meine Schwester anrufen. Wir müssen reden.' Ich brauche mein Instagram!"

("Mark Zuckerburger, i need to talk to you. I don't know what i did, but i need my Instagram back. [...] I told everybody, 'Call Mark Zuckerburger. At him right now. Tell him call my sister. We need to talk.' I need my Instagram!")

Doch der Milliardär schien nicht erreichbar zu sein. Aus diesem Grund fuhr Boosie härtere Geschütze auf und versuchte Zuckerberg mit Geld zu locken. Er bot dem Mann mit einem geschätzten Vermögen von knapp 100 Milliarden Dollar ganze 100.000 Dollar für die Reaktivierung seines Accounts.

Doch auch der Bestechungsversuch blieb erfolglos. Bis heute ist Boosies originaler Instagram-Account gesperrt.


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