Murda Beatz erklärt Rapper vorschnell für tot

Stirbt ein Rapper oder jemand aus dem Rap-Kosmos, hagelt es meist Beileidsbekundungen aus allen Ecken. So auch am Wochenende für den vermeintlich verstorbenen Rapper Fivio Foreign aus Brooklyn. Der einzige Haken an der ganzen Sache: Fivio erfreut sich weiterhin bester Gesundheit.

Murda Beatz erklärt Fivio Foreign für tot

Alles fing wohl damit an, dass der Star-Produzent Murda Beatz den Emoji der betenden Hände und ein blaues Herz postete, gemeinsam mit einem Tweet, in welchem bloß "Damn Fivio" stand. Bevor er über den tatsächlichen Gesundheitszustand des Rappers informiert werden konnte, öffnete der Produzent offensichtlich hektisch das nächste soziale Netzwerk. Kurz nach seinem Tweet postete der Kanadier nämlich auf Snapchat: "Rap game f*cked up rip Fivio".

Ein weiterer Produzent kam glücklicherweise zur Rettung. Kenny Beats schritt ein und stellte auf Twitter klar, dass Fivio am Leben und wohlauf sei.

Wohl um jegliche Gerüchte um seinen Tod direkt im Keim zu ersticken, veröffentlichte der junge Rapper kurzerhand ebenfalls ein Video. In diesem ist zu sehen, wie er sich (komplett lebendig) eine Hummerplatte genehmigt.

Wie es zu der Annahme kam, dass Fivio gestorben sei, ist unklar. Murda entschuldigte sich kurz darauf bei Twitter und sagte, er hätte von einem Freund aus Atlanta falsche Informationen über eine Schießerei erhalten.

Der totgeglaubte Rapper war wohl zu diesem Zeitpunkt in Atlanta und es scheint wirklich eine Schießerei gegeben zu haben. Mit dieser hatte Fivio wohl aber nichts zutun.

Trotz der Entschuldigung wollten viele Rapfans im Internet Murda Beatz sein Verhalten nicht einfach so durchgehen lassen. Nicht nur, dass er vorschnell falsche Informationen verbreitete, stieß vielen sauer auf. Er postete auch wenige Minuten nach seinen Beileidsbekundungen ein Bild von seinem Essen. Einige Fans schlussfolgerten daraus, dass der Tod seines Kollegen ihn wohl nicht so sehr betrübt haben könne, wenn er so kurz danach stolz sein Festmahl teilte.

Fivio Foreign: Drake Kollaborateur und einer von Pop Smokes besten Freunden

Fivio Foreign ist einer der aktuell aufstrebendsten Künstler aus Brooklyn. Vor dessen Tod war er sehr gut mit Pop Smoke befreundet, über welchen er kürzlich in einem Interview sagte, dass er alles von ihm gelernt habe. Allerdings sei sein Ziel, nur ein Album aufzunehmen und damit zur Legende zu werden. Als Beispiel für einen Künstler, bei dem das geklappt hätte, nennt er den ebenfalls aus New York stammenden Notorious B.I.G.

Auf Biggies Level ist Fivio wohl noch nicht aber auf einem guten Weg, einer der großen Rapstars zu werden. Neben seiner Freundschaft zu Pop Smoke schaffte er es Anfang des Jahres auf ein Album, des aktuell größten Rappers der Welt: Drake. Zusammen mit Sosa Geek war er auf "Dark Lanes Demo Tape" vertreten.

Drake ist derweil mal wieder in aller Munde. Zusätzlich zu dem Gemunkel über einen anstehenden Song mit Bruno Mars, beeft sich der 6 God in den letzten Wochen mit Dancehall-Künstler Mavado:

Drake lässt Diss von Dancehall-Star nicht auf sich sitzen

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Posthume Alben: Der schmale Grat zwischen letzter Ehre und Geldmacherei

Posthume Alben: Der schmale Grat zwischen letzter Ehre und Geldmacherei

Von Leon Schäfers am 23.07.2021 - 17:01

Am vergangenen Wochenende haben gleich zwei neue posthume Releases das Licht der Welt erblickt. Auf der einen Seite wurde mit "Faith" das zweite posthume Album von Drill-Rapper Pop Smoke veröffentlicht. Am Tag darauf erschien "Archiv", das erste Projekt des deutschen Hiphop-Duos SAM nach dem Tod von Samson Wieland, der der Rapper des Duos war. Die bis dato unveröffentlichte Musik des jeweils verstorbenen Künstlers wurde bei den beiden Alben jedoch grundverschieden behandelt und aufgearbeitet. Das lässt eine in der Musikwelt – in den vergangenen Jahren vor allem im Hiphop – anhaltende Debatte über das moralische Grunddilemma posthumer Musik wieder aufflammen: Wie sollte man mit unreleaster, oftmals auch unfertiger Musik verstorbener Artists umgehen? Und wo verläuft die schmale Grenze zwischen ehrenvoller Würdigung und dreistem Cash Grab?

"Archiv" von SAM: Das Musterbeispiel eines posthumen Releases

Das Duo SAM setzte sich aus den beiden Brüdern Samson und Chelo Wieland zusammen. Am 9. November 2018 ist Samson Wieland jedoch überraschend im jungen Alter von 28 Jahren verstorben. Im letzten Jahr wäre er 30 Jahre alt geworden. Pünktlich zu seinem Geburtstag am 17. Juli wurde damals ein Remix des Tracks "Da wo du herkommst" mit Künstlerinnen und Künstlern aus seinem engeren Kreis veröffentlicht.

Auch in diesem Jahr hat Chelo seinem verstorbenen Bruder zum Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht: "Archiv", ein posthumes Album mit bis dato unveröffentlichter Musik der beiden.

Chelo, der in dem Duo für die Beats und die Produktion zuständig war, kündigte das Projekt relativ kurzfristig via Instagram an. Dort widmete er Samson ein paar Zeilen und schrieb auch etwas über den Entstehungsprozess des Albums:

"Ich habe deine alten Kopfhörer aufgesetzt und dann ging über mir die Sonne auf. Leider kannst du nicht mehr miterleben, wie dieses Album veröffentlicht wird. Wir haben alles roh und unverstellt gelassen: Den Sound, deine Aufnahmen, damit die HörerInnen nochmal nachempfinden können, wie es für mich war, mit dir arbeiten zu dürfen, dein Feuer, deinen Spaß mitzuerleben. Danke für alles."

Chelo war vor Kurzem außerdem zum Interview mit Aria bei HYPED Radio zu Gast, wo er einen noch tieferen Einblick in die Arbeiten an dem Projekt gegeben hat. Bei einem Blick auf die Tracklist fällt schnell auf, dass viele Songs noch mitsamt ihrer Versionsnummer releast wurden. Das deutet an, dass die Tracks zwar noch nicht in ihrer finalen Fassung waren, deswegen aber auch noch genauso klingen, wie die beiden es sich damals zusammen ausgemalt hatten. Lediglich Mix und Master wurden im Nachhinein von Chelo erledigt.

Damit zeigt "Archiv", wie posthume Alben in ihrer ehrwürdigsten Form möglich sind: Angefertigt mit dem Wissen, dass der verstorbene Künstler es genauso gewollt hätte. Zwischen Samsons Tod und Albumrelease liegen nun mehr als zweieinhalb Jahre; eine vorschnelle Veröffentlichung im Sinne des Kommerzes kann hier niemandem vorgeworfen werden. Hinter dem Projekt stecken eine Menge Gedanken und Emotionen. Das Album erhält entsprechend viel Liebe – nicht nur von Fans, auch von nahestehenden Leuten aus der Szene.


Foto:

Screenshot - Instagram (https://www.instagram.com/samswelt/)

Neues Pop Smoke-Album sorgt für gemischte Gefühle

Im direkten Vergleich dazu fällt das Feedback zu "Faith" von Pop Smoke eher negativer aus. Der Nachfolger von "Shoot for the Stars, Aim for the Moon", das im letzten Sommer releast wurde und einen riesigen kommerziellen Erfolg erzielte, ist am vergangenen Freitag erschienen. In dieser Woche wurde sogar die Deluxe-Version mit vier weiteren Tracks nachgeliefert. Das komplette Album ist nun also insgesamt 24 Songs stark.

Ende Juni wurde der Ankündigungstrailer zum neuen Pop Smoke-Album ins Internet gestellt. Steven Victor und Rico Beats, die für das Management von Pop Smoke zuständig waren (und sind), bestätigten in dem Zeitraum ebenfalls die aufkommenden Gerüchte um das neue Projekt und produzierten unter Fans einen gewissen Hype. Schaut man sich auf Twitter um, macht es aber den Anschein, als würde das Album dem Hype nicht gerecht werden.

50 Cent, der als Co-Executive Producer maßgeblich am Erfolg des ersten posthumen Albums beteiligt war, hatte vor Albumrelease bereits angekündigt, nicht an "Faith" mitzuarbeiten. Wieder mal zeigt der Blick auf die Tracklist, warum er sich gegen die Arbeit an dem zweiten posthumen Album entschieden haben könnte. 

Wie Fans schon kritisierten, ist die Featureliste sehr lang ausgefallen. Das war bei "Shoot for the Stars, Aim for the Moon" zwar auch der Fall, jedoch wirkten die Songs dort weitaus fertiger und ausgefeilter. Auf dem neuen Album beinhaltet jeder Track maximal eine Hook und einen Verse von Pop Smoke, in den meisten Fällen wird die restliche Laufzeit des Tracks mit anderen Artists aufgefüllt, nicht wie beim Vorgänger erweitert. Die Featureliste liest sich dadurch zwar ziemlich stark, hinterlässt aber trotzdem einen faden Beigeschmack. Denn selbst wenn das Album mit besten Intentionen produziert worden ist – es ist fraglich, ob Pop Smoke dieses Feature-Fest so gedroppt und für gut befunden hätte. Und genau ab dem Zeitpunkt, wo man dies nicht hundertprozentig beantworten kann, sollten die Verantwortlichen und Nahestehenden darüber nachdenken, ob die Musik unter diesen Umständen überhaupt veröffentlicht werden sollte.

Viele Fans beziehen sich nun außerdem auf ein älteres Interview von Pop Smoke, in dem er begründet, warum er auf seinen Projekten nicht viele Featuregäste haben wollen würde. Ein Projekt wie "Faith" würde damit im Kontrast zu seinen Werten als Musiker stehen. Der Ausschnitt ist hier etwa ab 9:20 zu sehen:

Das erste posthume Album von Pop Smoke, an dem auch 50 Cent mitwirkte, wurde von Fans noch deutlich besser aufgenommen.

Unterschiedliche Herangehensweisen für posthume Rap-Alben

Der Vorwurf der "Resteverwertung" gegenüber dem Team von Pop Smoke ist leider kein Einzelfall im Hiphop. Gerade in den letzten Jahren sind viele Rapper in oftmals sehr jungem Alter von uns gegangen. Lil Peep, XXXTentacion, Mac Miller, Juice WRLD, Nipsey Hussle, DMX – die Liste hört hier bedauerlicherweise nicht auf. Die Frage nach der Legacy des Künstlers müssen sich die Hinterbliebenen aber in jedem Fall stellen. Oftmals werden die Herangehensweisen jedoch kritisch beäugt.

In der teils hörbaren Unfertigkeit der Tracks erinnert das neue Pop Smoke-Album an die beiden posthumen Alben von XXXTentacion: "Skins", das noch in seinem Todesjahr 2018 erschienen ist und "Bad Vibes Forever", das 2019 als sein letztes Album erschienen ist. Zu letzterem wird in den sozialen Medien gerade auch der Vergleich mit "Faith" gezogen.

Generell verlief das Wahren der Legacy des umstrittenen Künstlers ziemlich problematisch: Neben den eher skizzenartigen posthumen Releases wurde beispielsweise das Auto, in dem er erschossen wurde, in einem Museum ausgestellt. Eine ziemlich makabere Aktion. Des weiteren steht Cleopatra Bernard, die Mutter von X, in starker Kritik. Nicht nur verhielt sie sich fragwürdig, als sie auf dem Instagram-Account ihres toten Sohnes live ging, um einen neuen Song zu promoten – sie musste auch gegen ihre eigene Familie vor Gericht gehen, da ihr vorgeworfen wurde, das Erbe ihres Sohnes unrechtmäßig zu verteilen.

Die reine Quantität von Releases kann ebenso den Anschein erwecken, Geldmacherei auf Kosten eines verstorbenen Künstlers zu betreiben. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Westcoast-Legende 2Pac, von dem es mittlerweile weitaus mehr Output gibt, der nach seinem Tod herausgekommen ist.

Wenn sich aber ein posthumes Release als Positivbeispiel herauskristallisiert hat, dann ist das wohl "Circles" von Mac Miller. Das Album diente als Komplementärwerk zu "Swimming", das im August 2018 und damit noch kurz vor Mac Millers Tod erschienen ist. An beiden Alben hatte der Rapper zu seinen Lebzeiten zusammen mit Producer Jon Brion gearbeitet. Leider konnte er nur den Release des ersten Albums mitbekommen. In einem Interview mit Vulture erzählt Jon Brion unter anderem davon, wie ihn die Familie von Mac Miller bat, die übrigen Songs durchzuhören und "Circles" fertigzustellen.

"Ganz ehrlich, während ich daran gearbeitet habe, habe ich sie [die Familie] genauso stark im Hinterkopf behalten wie Mac. Ich habe auf das Studio gewartet, in dem ich arbeiten wollte, um alle extra Songs durchzuhören und alle Dateien zu bekommen. Das dauerte ein paar Monate. [...] Ich habe schrecklich langsam gearbeitet. Es klingt vielleicht komisch, aber die einzelnen Arbeiten an jedem Song dauerten länger als sonst, da ich versucht habe, einen Weg zu finden, so wenig wie möglich an den Songs verändern zu müssen."

("It's quite honestly them as much as Mac that I kept in my mind while I was working. I waited for the studio I wanted to work in to become available to listen through the extra songs and to get all their files. That took a few months. [...] I worked painfully slowly. It may sound odd that this took longer on some individual jobs for each song than it normally would, because I was trying to figure out the way to change it as little as possible.")

Ähnlich wie bei "Archiv" von SAM wurde hier also die oberste Priorität darauf gelegt, dass das Album so klingt, wie es sich der Künstler vorgestellt hätte. Die Familie von Mac Miller geht ohnehin sehr behutsam mit dem Vermächtnis ihres verstorbenen Sohnes um: So haben sie sich zuletzt gegen eine Biographie über ihren Sohn ausgesprochen und den Titel eines Films mit Machine Gun Kelly kritisiert, der nach dem Mac Miller-Song "Good News" benannt werden sollte.

Posthume Alben: Ein Fazit

Ja, es klingt absurd: Viele Musikerinnen und Musiker, nicht nur im Hiphop, erlangen ihren großen Hype erst nach ihrem Tod. Doch auch wenn so vielleicht ein paar Parts, Verses und Melodien nie die Welt erblickt hätten: Wenn die Situation es erfordert, bedeutet weniger manchmal eben mehr. Nicht unbedingt mehr Geld, dafür aber mehr Respekt und Würde. Posthume Releases mussten in der Vergangenheit, müssen in der Gegenwart und auch in der Zukunft immer eine gute Balance zwischen Fanservice und Ehre finden. Dass diese Gratwanderung auch gut und würdevoll geschehen kann, zeigen nun etwa die hier positiv erwähnten Releases von Mac Miller und SAM.

Je nach Situation sollte man den Hinterbliebenen manche Fehltritte dennoch nicht zu stark verübeln. Sie haben nicht nur mit Trauer zu kämpfen, es lastet auch eine Menge Druck auf ihnen. Während sich die Öffentlichkeit fragt, wie die unveröffentlichte Musik verwertet wird, gibt es für die Familien auch in Bezug auf das Erbe rechtlich eine ganze Menge zu klären. Wie dies in einzelnen Familien geschieht, hatten wir bereits in einem früheren Artikel thematisiert:

Wie das Erbe von Mac Miller, Michael Jackson, Nipsey Hussle & mehr geregelt wird

Mac Miller hat zu Lebzeiten offenbar ziemlich exakt darüber nachgedacht, was nach seinem Tod geschieht. Das ging aus einem Artikel von TMZ hervor. Der im September 2018 verstorbene Rapper ließ Vermögenswerte von insgesamt 11 Millionen Dollar an seine Freunden sowie seine Familie verteilen. So soll ein Homie fast alle elektronischen Geräte aus Mac Millers Besitz geerbt haben.


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