Deutschrap Top 20: Die meistgeklickten Videos im Januar 2019

Im letzten Jahr warfen wir schon früh einen Blick zurück. Ein Vergleich mit dem gleichen Artikel zum Januar 2018 zeigt: Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Am 1. Februar 2018 gab es gerade mal acht Deutschrap-Videos aus dem Januar, die die Millionenmarke erreicht hatten. Dieses Jahr sind es bereits 18 – drei weitere stehen kurz davor. Während die Spitzenposition des Januars 2018 bei 4,5 Millionen Views lag, ist der Wert 2019 mehr als dreimal so hoch.

In diesem Artikel schauen wir, wer und was das Jahr bislang rein zahlentechnisch dominiert hat. Zuvor noch ein Nachtrag zu 2018:

187 Strassenbande - HaifischNikez Allstars

13,3 Mio | 28. Dezember | prod. Jambeatz

Durch die Veröffentlichung im letzten Jahr läuft das Video der 187 Strassenbande zwar außer Konkurrenz, aber zweifelsohne hat "HaifischNikez Allstars" mit einem überragenden Gzuz-Part einen Platz in diesem Artikel verdient. Ein Großteil der Klicks ist erst 2019 dazugekommen und nur wenige Tage trennen den Song vom aktuellen Kalenderjahr.

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Top 20 Deutschrap-Videos 2019

20. Gringo & Bonez MC - Dschinni

1,0 Mio | 24. Januar | prod. Goldfinger

Sowohl von Gringo als auch von Bonez können wir dieses Jahr Alben erwarten. Neben dem Bonez Soloalbum, das RAF als Executive Producer begleiten wird, sind sowohl "Gringo City 2" als auch ein SLS-Sampler angekündigt worden. Die gemeinsame Single "Dschinni" sprengt zwar keine Skalen und bricht keine Rekorde, aber holt dennoch in kurzer Zeit eine Million Views und ist auch mit einem Lyric-Video ein guter Start ins neue Kalenderjahr für die beiden Rapper.

19. Luciano ft. Fredo - Money

1,0 Mio | 25. Januar | prod. Nathaniel

Luciano international Part 1: Für die Jagd nach dem Mula hat der Berliner sich auf seinem aktuellen Album Verstärkung aus London geholt. Obwohl Luciano zuvor durchaus ein Faible für dreckigen Grime erahnen lassen hat, nutzt er diese Kollabo für einen eher ruhigeren Song.

18. Joker Bra ft. Gringo, Hasan K & Kalazh44 - Press Press

1,3 Mio | 29. Januar | prod. Goldfinger

Capi spielt das Spiel nach seinen eigenen Regeln. Sein neuestes Werk mit der Unterstützung der SLS-Artists Gringo, Hasan K, Kalazh44 und Produzent Goldfinger ist nur auf YouTube erschienen und dort hat es keinen Titel. Nennen wir die Nummer einfach mal "Press Press". Aus Gründen. Als Joker Bra tobt er sich deutlich aggressiver als in den Capital-Singles aus und droppt hier am Ende noch eine Ansage an Spotify. Das Video ist der jüngste Eintrag unter den 20 erfolgreichsten Clips bislang.

17. Kool Savas ft. Nessi - Deine Mutter

1,7 Mio | 20. Januar | prod. Kool Savas, Abaz, Nessi, X-plosive

Für die zweite Single aus seinem kommenden Album "KKS" hat Essah gleich ein ganzes Festival-Lineup aus den unterschiedlichsten Ecken der Szene zusammengetrommelt. Ob Tua, Audio88, Megaloh, Curse, Fler, PA Sports, Massiv oder Rooz – etliche bekannte Gesichter nehmen in Herr Schmidtkes Klasse Platz. Savas zeigt, dass man nicht unbedingt einen großen Hype braucht, um die Millionenmarke in kurzer Zeit zu knacken, auch wenn die poppige Hook hier sicher geholfen haben könnte.

16. King Khalil ft. Sami & Payman - Ti Amo

2,0 Mio | 18. Januar | prod. Me.Lit

Aus Capital Bras Windschatten hat der YouTube-Kanal von Team Kuku über eine Million Abos mitnehmen können. Davon profitieren jetzt seine alten Kollegen wie King Khalil, der mit Sami und Payman auf Platz 16 landet und in unter zwei Wochen schon die 2-Millionen-Marke erreicht.

15. Nash ft. Azet - Crack, Koks, Piece Unternehmen

2,1 Mio | 3. Januar | prod. Lucry

Seit die KMN Gang 2016 endgültig im kollektiven Bewusstsein der Szene angekommen ist, hat einzig Nash noch kein eigenes Projekt vorgelegt. Ob sich das 2019 ändern könnte, steht derzeit noch in den Sternen, aber immerhin bekommen Fans auf der nächsten elften KMN Street EP eine neue Zusammenarbeit des Rappers mit seinem Kollegen Azet präsentiert. Auch ohne Musikvideo läuft es auf YouTube gut für "CKPU".

14. Luciano ft. Kalash Criminel - Weiß maskiert

2,2 Mio | 8. Januar | prod. Harry Charles Gough

So machen internationale Kollabos Spaß: Für manche zählte die deutsch-französische Kombo mit Kalash Criminel direkt nach Release zu den Highlights von Lucianos aktuellem Album "L.O.C.O.". Auch durch die Neugier einiger Fans des Albinos aus dem Pariser Vorort Sevran kann das Video sogar knapp anderthalb nach der Veröffentlichung des Albums noch schnell Klicks auf YouTube sammeln.

13. Farid Bang - #niemalsantäuschen

2,6 Mio | 11. Januar | prod. Luyo

Lange und aufwendig bewarb Farid Bang, der sich in letzter Zeit mehr aufs Single-Geschäft zu konzentrieren scheint, im Vorfeld seinen neuen Song. #niemalsantäuschen wurde zum Running Gag in seiner Insta-Story und zum Motto, das er seinen Fans und Kollegen mit auf den Weg geben wollte. Für das Cover gönnte er sich eine Uhr, deren Preis etliche Rolis in den Schatten stellt. Über den geschmacklichen Aspekt dieser Entscheidung lässt sich jedoch diskutieren. Mit dem lateinamerikanisch inspirierten Instrumental und YouTuber Mois im Video hat er klicktechnisch bereits seine Kollabo mit The Game aus dem letzten November ("Nurmagomedow" mit 2,2 Millionen Views) abgehängt.

12. Capo ft. Nimo & Juju - Lambo Diablo GT (Remix)

3,0 Mio | 3. Januar | prod. SOTT, Veteran & Zeeko

Bei den Hiphop.de Awards 2017 wurde "Lambo Diablo GT" von Capos Album "Alles auf Rot" als Song des Jahres ausgezeichnet. Nun haben er und Nimo einen Remix mit Juju veröffentlicht, die derzeit ihr Solodebüt vorbereitet. Obwohl es neben ihrem Part keine Neuerungen gibt, lässt die Neuauflage Songs starker Konkurrenten hinter sich und schafft es sogar fast in die Top 10 des Januars.

11. Capital Bra - Prinzessa

3,5 Mio | 24. Januar | prod. Beatzarre & Djorkaeff

Nachdem zuvor drei härtere Tracks unter Capis Alter Ego Joker Bra auf dem gleichnamigen Kanal veröffentlicht wurde, erschien dort mit "Prinzessa" eine Nummer, die in einer entspannteren Situation vielleicht über Bushidos Kanal gedroppt worden wäre. Das kurze Gastspiel bei EGJ scheint aber definitiv zu Ende zu sein und so ist es nur logisch, dass der Nachfolger von "One Night Stand" auf dem eigenen Kanal zu finden ist. Dass er nicht auf die Unterstützung der Big Player angewiesen ist, könnte "Prinzessa" nun eindrucksvoll unter Beweis stellen: Auch ohne eine Platzierung in den Spotify-Playlists oder die Veröffentlichung auf Bushidos Kanal schießen die Streams und Views in die Höhe und der Bratan findet sich in den Midweek Charts auf Platz 1 wieder. Wo auch sonst ...

10. Kontra K - Warnung

4,3 Mio | 18. Januar | prod. The Cratez

Die Erfolgsformeln, die bei Kontra Ks jährlichen Alben zuletzt gegriffen haben, haben 2019 offenbar nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. In einem Video, für das wie gewohnt Shaho Casado an den Farbreglern gedreht hat, grenzt der Berliner sich trotz seiner goldenen Schallplatten deutlich von "den reichen 10 %" ab und lobt sich die Loyalität und Echtheit der Menschen in seinem Umfeld. Sicher die subversivsten Lyrics in dieser Liste zwischen Gucci-Pullis und Lamborghinis.

9. Nimo & Capo - Shem Shem & S*x

4,3 Mio | 10. Januar | prod. SOTT & DTP

Einen Einblick in den exzessiven Alltag im Leben von Capo und Nimo bekommen wir derzeit auf jeder neuen Single aus dem Kollaboalbum "Capimo". Es dreht sich fast ausschließlich um die schönste Sache der Welt, Groupies und nächtelange Gönnjamin-Aktionen. Musikalisch wird sich mit 80er-Einflüssen an der "Capimo"-Blaupause orientiert, deren Remix ein paar Plätze weiter hinten gelandet ist als diese Single.

8. Joker Bra ft. Milonair - Gucci Pulli L

4,7 Mio | 19. Januar | prod. Benihanaboibeats

Gucci Bra ist auch 2019 noch dem Designerlabel seiner Wahl treu. Auf seiner Feature-Reise durch die Szene hat er mal wieder einen Halt in Hamburg eingelegt und Milonair mitgenommen. Für ihn ist "Gucci Pulli L" schon jetzt der zweiterfolgreichste Clip auf YouTube nach "Bleib mal locker lan" mit Hafti und Hanybal.

7. Azet & Zuna - Wenn die Sonne untergeht

5,0 Mio | 17. Januar | prod. Lucry

Selten hört man Azet und Zuna so aggressiv wie in der dritten "Super Plus"-Single. Dass der Tag für das Duo erst nach Sonnenuntergang richtig Fahrt aufnimmt, war schon durch diverse Singles zuvor klar, aber deutlicher als hier wird es nicht mehr. Das Video zum Song wurde in Panama City aufgenommen.

6. Samra - Instinkte

5,2 Mio | 14. Januar | prod. Lukas Piano

Auch wenn seine Lage nach Capis Statement unklar bleibt, steht eins fest: Samra ist einer der heißesten Newcomer zurzeit und hat zu Recht den Hiphop.de Award 2018 in der entsprechenden Kategorie abgeräumt. Sein Debütalbum ist zwar nicht für 2019 bestätigt, aber alles andere wäre eigentlich eine Überraschung. Dass die Hörerschaft ebenfalls heiß ist, zeigen natürlich auch die Zahlen auf YouTube, die klar für den jungen Berliner sprechen. Lukas Piano hat ihm mal wieder einen minimalistischen Beat mit Streichern auf den Leib geschneidert, den Samra nach allen Regeln der Kunst bearbeitet. 

5. Fero47 - Jaja

6,3 Mio | 10. Januar | prod. Sinch & Typhoon

In den Kommentaren auf Facebook, YouTube und Instagram machen einige, die den Kontakt zur sich ständig erneuernden Szene verloren haben, es sich deutlich zu leicht. Hier werden Mero, Sero El Mero und Fero gerne in einen Topf geworfen, weil sie über die sozialen Medien bekanntgeworden sind und ähnliche Künstlernamen haben. Wenn bei "Jaja" nach einer Minute der Song richtig losgeht, kann man aber schnell unterscheiden, wer hier grade rappt. Dass er wie Mero über schnellen und melodiösen Flow funktioniert, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Mit seiner Stimme hat Fero47 ganz klar das Potenzial, in Erinnerung zu bleiben. Der nächste Hype hat gerade erst begonnen.

4. Joker Bra - Lecker Lecker

6,8 Mio | 3. Januar | prod. Lucry

Apropos Hype: Wo dieses Wort derzeit auftaucht, ist der Bratan nicht weit. "Lecker Lecker" ist bis dato wohl einer seiner verrücktesten Songs und diese Feststellung beschränkt sich nicht auf die Frisur im Video. Musikalisch geht Joker Bra durchaus experimentelle Wege und führt seine Fans so an neue Sounds heran, während Capi für Leichtbekömmliches sorgt. Erfolgreich ist ohnehin alles, was der Junge grade anfasst.

3. Joker Bra ft. Samra - f*ck 31er

6,9 Mio | 22. Januar | prod. DJ Desue

Capitals fünfter und letzter Eintrag unter den aktuellen Top 20 auf YouTube wird mit Samra und dem Beat eines Klassiker geteilt. Das ehemalige EGJ-Duo hat sich DJ Desues "Nie wieder"-Instrumental geschnappt und mit jeder Menge Energie wechseln sie sich innerhalb der Parts immer wieder ab. Abgesehen von der Konstellation profitierte der Song anfangs auch vom Timing. Nur wenige Stunden nach Capis Aufsehen erregendem Statement bei Instagram ging das Video online, das sicher mal unter einem anderen Titel geplant war.

2. Shindy - Dodi

7,4 Mio | 10. Januar | prod. Nico Chiara, OZ & Shindy

Kann man nach etwas mehr als zwei Jahren schon von einem Comeback sprechen? In der heutigen Zeit vermutlich schon und damit hat Shindy bislang das Comeback des Jahres geliefert. Im ersten neuen Song richtet er sich nur implizit an seinen ehemaligen Mentor Bushido, aber trotzdem schaffte er es, bei den Fans für Vorfreude zu sorgen, die das Release von "Dodi" wie eine kleine Sensation wirken ließ. "The quality is back", schreibt Shindy auf Instagram und viele Hörer stimmen ihm zu. Maşallah, mach nochmal!

1. Mero - Hobby Hobby

14,3 Mio | 17. Januar | prod. Josh Petruccio

Unangefochten und mit beeindruckendem Vorsprung liegt aber Mero ganz vorne. Wer den jungen Rüsselsheimer nach dem Erfolg mit "Baller los" als One-Hit-Wonder abstempeln wollte, bekommt mit "Hobby Hobby" ein schwer zu konterndes Gegenargument geliefert. Mit Rapskills und einem Talent für Gesang hat Mero derzeit beste Chancen, Deutschraps nächster Superstar zu werden.

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Deutschraps Aufstieg: Eine Geschichte in Nummer-1-Hits

Deutschraps Aufstieg: Eine Geschichte in Nummer-1-Hits

Von Michael Rubach am 19.03.2019 - 16:45

Deutschrap boomt seit Jahren. Was man nur für ein Gefühl halten könnte, schlägt sich auch in Zahlen nieder. Viele Rapper sind dort angekommen, wo einst nur Schlagerstars und internationale Künstler standen – wer dieser Tage auf die Charts schaut, kommt an Deutschrap nicht vorbei.

Der Aufstieg eines Genres lässt sich eindrucksvoll anhand der Nummer-1-Singles nachvollziehen. Wir haben uns die Spanne von 1991 bis 2018 angeschaut und ein paar statistische Fakten herausgearbeitet. Um einen abgeschlossenen Zeitraum analysieren zu können, verzichten wir auf das laufende Jahr 2019. Am Ende des Artikels gehen wir noch kurz auf die aktuellen Chartentwicklungen ein.

Damit die Sache nicht übermäßig kompliziert wird, erlauben wir uns in der folgenden Infografik einen kleinen Kniff: Ein Feature-Beitrag auf einem Track zählt nicht als eigenständiger Nummer-1-Song (Beispiel: Capital Bra kommt in dieser Statistik auf sieben Nummer-1-Hits. Sein Feature auf dem Bushido-Song "Für euch alle" fällt aus der Wertung – der Track gilt in diesem Fall als #1 von Bushido). Dieser Schachzug dient einzig und allein der Übersichtlichkeit und soll keineswegs die künstlerische Leistung und den Erfolg der jeweiligen Artists abwerten oder schmälern.

1991-2018: 27 Nummer-eins-Songs

Infografik zu Nummer-1-Hits
Foto:

Eigene Darstellung
Infografik zu Nummer-1-Hits

In den Jahren nach der Wende ist Deutschrap noch fast nicht existent. Die Fantastischen Vier sind erwiesenermaßen die Ersten, die kommerziell mit ihrem Rap Erfolge feiern. 1995 holen sie mit "Sie ist weg" die Pole Position in den Charts.

Tic Tac Toe und Sabrina Setlur machen 1997 zu einem erfolgreichen Jahrgang. Dann folgt über zehn Jahre hinweg das große Nichts. Erst Azad erobert mit der Unterstützung von Adel Tawil und der "Prison Break Anthem" mal wieder den Thron. Dabei ist Azad der erste Rapkünstler, der es auf die #1 schafft und dessen Kredibilität von niemandem in der Szene angezweifelt wird.

Weitere fünf Jahre später lässt sich die Etablierung eines eher poppigen Rapentwurfs beobachten. Marteria, Cro und Sido führen hier - teilweise sogar mehrfach (Cro) - die Charts an. Rap zieht mehr und mehr in den Mainstream ein.

Nachdem die Tür erneut aufgestoßen ist, gibt 2017 ausreichend Hinweise, wohin die Reise geht. Sowohl Battlerap von Kollegah und Farid Bang ("Sturmmaske auf") als auch eine Ballermann-taugliche Version von Rap, wie Kay One sie mit "Senorita" anbietet, können auf der #1 landen. Nicht zu vergessen ist Bausa, der mit "Was du Liebe nennst" eine Diamantsingle vom Stapel lässt.

Deutschrap hat den Musikmarkt verstanden

Die sich mehrenden Erfolgsmeldungen hängen eng damit zusammen, dass Deutschrap sich am Markt nie statisch verhalten hat. Mit dem Einzug der Premium-Boxen schaffen es Rapper mit ihren Alben, eine hohe Chartplatzierung zu ergattern. Ab 2011 landen Deutschrapalben regelmäßig auf Spitzenpositionen und verfestigten so das Bild eines wachsenden Genres.

Wie groß Streaming einmal werden könnte, war sicherlich nicht im Detail absehbar – Deutschrap hat hier dennoch frühzeitig auf das richtige Pferd gesetzt. Abseits von Melodien und jenseits jeglicher Radiotauglichkeit konnte ein Antipop-Track wie "Sturmmaske auf" die #1 holen – so ein Move wäre vor der Streaming-Zeit wohl nicht möglich gewesen. Vor 2017 sind Nummer-1-Songs generell noch eine absolute Seltenheit. Inzwischen macht Streaming den Großteil des Umsatzes auf dem Musikmarkt aus – und Deutschrap profitiert.


Foto:

Bundesverband Musikindustrie | GfK Entertainment

Capital Bra als Symbol des Streaming-Booms

Allein für das Jahr 2018 können stolze 14 Nummer-1-Songs verzeichnet werden. Das sind mehr als doppelt so viele Songs dieser Sorte wie in allen hier betrachteten Jahren zuvor. Deutschrap ist zu einer unausweichlichen Mainstream-Erscheinung angewachsen. Kein anderes Genre kann eine solche Dominanz für sich beanspruchen.

Nummer-1-Hits pro Jahr
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Eigene Darstellung
Nummer-1-Hits pro Jahr

Eine der Hauptakteure bei diesem Siegeszug ist Capital Bra. Der unermüdliche Bratan kommt nach unserer Auslegung auf sieben Nummer-1-Hits. Das entspricht mehr als einem Viertel aller Nummer-1-Erfolge überhaupt. Capitals permanenter Output passt perfekt in diese Zeit und zu der Art und Wiese wie Musik konsumiert wird.

Anteil einzelner Künstler an Nummer-1-Hits
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Eigene Darstellung
Anteil einzelner Künstler an Nummer-1-Hits

Durch die Rundung auf ganze Zahlen ergibt sich eine geringe Abweichung von den 100 Prozent. Die Verhältnismäßigkeit bleibt davon unberührt.

2019 – und die Dominanz ist ungebrochen

In diesem Jahr scheint sich die starke Tendenz noch weiter zu bestätigen. In den ersten Wochen (Stand: 19.03.2019) sind die Singlecharts fest in der Hand von Deutschrap. Mit Shindy, Mero, Eno, Capital Bra, KC Rebell und Shirin David können sich insgesamt schon wieder sechs Vertreter Deutschraps ganz oben auf dem Siegertreppchen platzieren. Sollte sich dieser eingeschlagene Weg auch nur annährend fortsetzen, pulverisiert 2019 die Marke von 2018 spielend. Es ist nicht wegzudiskutieren: Deutschrap ist das prägende Genre auf dem hiesigen Musikmarkt.

GIB IHM IST GERADE IN DER ZWEITEN RELEASE WOCHE AUF PLATZ 1 DER DEUTSCHEN SINGLE CHARTS GECHARTET! MEINE ERSTE NUMMER 1 SINGLE - DER IST FÜR EUCH UND VOR ALLEM FÜR ALLE WEIBLICHEN ACTS IN DEUTSCHLAND UND GANZ BESONDERS FÜR ALLE RAPPER + BITCHES DIE NIE GEGÖNNT HABEN !!! DANKE

356.2k Likes, 3,156 Comments - Shirin David (@shirindavid) on Instagram: "GIB IHM IST GERADE IN DER ZWEITEN RELEASE WOCHE AUF PLATZ 1 DER DEUTSCHEN SINGLE CHARTS GECHARTET!..."


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