Nura gibt Titel und Release Date ihres 1. Buchs bekannt

Nura teasert schon länger ihre Buchveröffentlichung an, nun ist es offiziell: "Weiß du, was ich meine? Vom Asylheim in die Charts" soll am 3. August erhältlich sein und ist schon jetzt auf Amazon vorbestellbar. Neben einschneidenden Karriere-Erfahrungen ist vor allem der Lebensweg der 31-jährigen Rapperin Thema des Buchs. 

Nuras Vergangenheit in "Weiß du, was ich meine?"

Das Cover zeigt Nura in traditioneller Kleidung sowie Schmuck und lässt schon erahnen, welche Themen sie für uns niedergeschrieben hat. Erstmals spricht sie in voller Länge über ihre Flucht-Erfahrungen und familiären Konflikten. Außerdem erzählt sie über ihr reges Engagement in der LGBTQ*-Szene und - selbstverständlich - von ihrem erfolgreichen Karriereweg. 

Nura will "die Wahrheit" erzählen

Ende März hat Nura, zum einjährigen Geburtstag ihres Debüt-Albums "Habibi", preisgegeben, dass sie an einem Buch arbeite. Einen kleinen Einblick in die Stimmung des Werks gab es da bereits: Die SXTN-Trennung, ein jahrelanger Rechtsstreit und ihr Kennenlernen mit Farid Bang – das sind einige Aspekte ihrer Berufslaufbahn, mit denen sie sich auseinander gesetzt hat. Dabei will sie hauptsächlich ihre "Wahrheit" transportieren. Auf Instagram bedankt sich Nura bei allen Mitwirkenden, ihrer Familie und natürlich ihren Fans.

Das Buch könnnt ihr hier für 15,99 € vorbestellen. 

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Der Spiegel hat Rapper nach ihrem angeblichen Sexismus-Level sortiert

Der Spiegel hat Rapper nach ihrem angeblichen Sexismus-Level sortiert

Von Clark Senger am 27.07.2020 - 17:33

Rapper rappen immer wieder frauenfeindliches Zeug. No News. Alle Jahre rückt diese Tatsache mehr oder weniger intensiv im Fokus großer Medienhäuser. Gestern veröffentlichte der Spiegel einen Artikel zu einer Untersuchung von etlichen Songtexten aus unterschiedlichen Dekaden. Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen.

Sexismus im Deutschrap: Spiegel erstellt Top 10 Rankings

Die Grafiken sollen Aufschluss über durchaus interessante Fragen geben. Welche Rapper*innen äußern sich am häufigsten sexistisch? Welche am intensivsten? Wie hat sich die Situation in den letzten drei Dekaden entwickelt? Wer kommt in seinen Song gut ohne Sexismus aus?

Als Grundlage für die vermeintlichen Antworten dient ein Datensatz von etwa 29.200 Songs. Diese wurden auf mehr als 300 Schlüsselworte und Varianten ebendieser geprüft. 

"Die reine Analyse des sexistischen Vokabulars kann bei Weitem nicht alle sexistischen Songs aufspüren. Stichprobenartig fanden sich allerdings in den meisten Songs mit subtilen sexistischen Zeilen auch beiläufig eingeflochtene Schlüsselwörter" (– Spiegel-Erläuterung zur Methodik)

Die Ergebnisse einer solchen Studie hängen maßgeblich mit der Methode zusammen, mit der untersucht wird. Gerade ein so komplexes Problem wie Sexismus lässt bei einer empirischen Analyse keine uneingeschränkt validen Ergebnisse zu. Subtiler Sexismus, Ironie oder vermeintlich sexistische Wörter, die in ihrem inhaltlichen Kontext nicht als solche einzuordnen wären, sind schwer bis unmöglich maschinell zu erfassen. Und auch einem Menschen können bei der Interpretation von Texten etliche Ausrutscher passieren – das werden die meisten aus der Schule wissen.

Die erste Grafik soll zeigen, welche Rapper*innen am häufigsten sexistisches Vokabular in ihren Songs benutzen:

Dass die Ergebnisse keine qualitativen Unterschiede zwischen der Benutzung bestimmter Begriffe machen, sehen informierte Raphörer auch in der zweiten Grafik, die sich mit der Frequenz sexistischer Begriffe pro Song beschäftigt:

Pole Position für SXTN: 7,6-mal pro Song sollen bei Juju und Nura als Duo sexistische Begriffe verwendet haben. Keine ganz große Überraschung bei einer Debüt-EP namens "Asozialisierungsprogramm", die bereits in der Tracklist mit "Hass Frau" eine Orgi-Referenz parat hält.

Frauen in der Szene: Empowerment durch explizite Lyrics?

Dass solche Lyrics bei den beiden anders zu deuten sind als im Normalfall bei männlichen Rappern, erwähnt auch der Spiegel-Autor:

"Rapperinnen nutzen sexistische Begriffe gezielt, um die Bedeutungshoheit über sie zu erlangen. Ein Beispiel hierfür ist SXTN. [...] Es waren die ersten Frauen mit einer wirklich großen Reichweite, die diese Begriffe für sich beanspruchten. Einige Feministinnen lehnen die Texte ab, weil sie sexistischen Bilder reproduzieren."

Bei der Einordnung hat die geschätzte Kollegin Salwa Houmsi dem Spiegel-Autoren geholfen. Sie führt den Zuwachs neuer Frauen im Game auch auf Juju und Nura zurück und glaubt, "dass SXTN unfassbar viele Frauen empowered haben". Ein Blick auf die Szene 2020 offenbart zumindest, dass derzeit mehr Frauen als je zuvor mit beiden Beinen im Spotlight der Rapwelt stehen.

Endgame: Wie Rapperinnen Deutschraps Sexismus therapieren

Captain Marvel, Black Widow, Nebula, Scarlet Witch und Gamora. Man könnte meinen, im Marvel-Universum werden Filme aktuell frei nach dem Motto „The future is female" produziert.

Sexismuswelle zur Jahrtausendwende

Eine weitere Grafik zeigt, wie sich das Vorkommen der als sexistisch eingestuften Vokabeln über die Jahre entwickelt haben soll. Hier liefert die Methodik wohl das stichhaltigste und aussagekräftigste Ergebnis: Ab 1999 war nichts mehr wie zuvor.

Savas und Taktloss brachten als Westberlin Maskulin kompromisslosen, bewusst expliziten Rap in die Hauptstadt und schufen ihre eigenen Regeln für ein Genre, das zuvor in Deutschland eher von vermeintlich lieben Jungs geprägt wurde. Aggro Berlin, Orgi, Frauenarzt und Co starteten um die Jahrtausendwende herum ebenfalls ihre Rapkarrieren. Von 1998 bis 2005 verzehnfachte sich der Anteil von Songs mit sexistischen Begriffen von 3 % auf das All-Time-Maximum von 30 %.

Den bislang deutlichsten Rückgang kann man von 2018 auf 2019 sehen. Von 26 % ging es runter auf 18 %. Das könnte beispielsweise an mehr Frauen im Game liegen, an Labels, die sich vor Release genauer anschauen, was die Künstler*innen so in ihren potenziellen Chart-Hits rappen, an einer tatsächlichen Veränderung zum Positiven oder etwa an einem Wandel in der Qualität von sexistischem Content. Die qualitative Ebene ist halt die Schwäche einer Untersuchung, die auf dem Zählen von Wörtern basiert.

Der Spiegel-Artikel kontextualisiert aber zumindest einige der Ergebnisse. Es ist kein klassischer Alle-Rapper-sind-blöd-Text, auch wenn genau das am Ende bei einigen genre-fernen Lesern hängenbleiben wird. Es wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass Sexismus selbstverständlich kein exklusives Problem der Rapwelt ist und einige Acts auch gut ohne bestimmte Begriff klarkommen. Unter anderem wird die Sprach- und Medienwissenschaftlerin Heidi Süß zitiert:

"Die ganze Gesellschaft hat ein Sexismusproblem. Im Rap findet nichts statt, was es nicht auch woanders gibt."

Reaktionen von Juju, Frauenarzt, OG Keemo & Schwartz

Schon kurz nach der Veröffentlichung erreichten die Neuigkeiten über unliebsame Top-10-Platzierungen einige Rapper. Juju, die im Artikel ohnehin recht gut dasteht, freute sich auf Twitter:

Frauenarzt liefert mit seinem Tweet gleich neues Material für die Statistik. Wobei unklar ist, ob Schw*nzlutschen per se als sexistischer Begriff in der Analyse als sexistischer Begriff gewertet würde. Er fühlt sich durch die Methode der Untersuchung offenbar nicht fair behandelt und findet die Wortwahl "Zelebrierung von Sexismus" unpassend:

OG Keemo nimmt Platz #8 mit Humor und peilt sarkastisch die Pole Position für 2021 an. Danach hält er es ähnlich wie Frauenarzt:

Fler, den der Spiegel als Artikelbild benutzt, scheint zufrieden mit den Ergebnissen zu sein. Er taucht in keiner Top-10-Liste auf und teilte den entsprechenden Screenshot in seiner Insta Story.

Schwartz aus dem Hirntot-Camp belegt Platz #5 in der Statistik der meisten sexistischen Begriffe pro Song. Er erinnert an die Story der 2 Live Crew, die mit ihren expliziten Lyrics und dem kompromisslosen Miami Bass Sound unter anderem maßgeblichen Einfluss auf Frauenarzt hatte.

Sein Tweet deutet an, dass sich in den vergangenen 30 Jahren, in denen Hiphop omnipräsent in Popkultur, Charts und alltäglichem Leben war, nicht verändert hätte. Ganz so drastisch dürfte es nicht sein. Sich einem komplexen Thema wie Sexismus im Rap, bei dem die Grenzen zwischen Kunstfreiheit und Kunstfreiheit als Tarnung für misogyne Kacke fließend sind, über Wortzählerei zu nähern, ist durchaus eine Idee. Aber vermutlich nicht die beste.


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