Nach jahrelanger Kritik: US-Rapperin ändert ihren Künstlernamen

Mulatto, die selbsternannte "Queen of da Souf", erhält bereits seit Beginn ihrer Karriere immer mal wieder starke Gegenreaktionen aufgrund ihres Künstlerinnennamens. Als Kind eines Schwarzen Vaters und einer weißen Mutter gilt sie als "mixed" und hat sich daher auch für den Namen Mulatto entschieden. Das wird jedoch aufgrund der Begriffsherkunft von vielen Menschen als problematisch und unsensibel angesehen.

Ursprung der Bezeichnung "Mulatto"

Das Wort wird laut dem Duden vom spanischen Wort "mulate" abgeleitet und bedeutet Maultier, die Kreuzung zwischen Pferd und Esel. Lange Zeit wurde "Mulatto" (oder deutsch: Mulatte) als Bezeichnung für Personen benutzt, die einen Schwarzen und einen weißen Elternteil haben. Der mittlerweile veraltete Begriff ist negativ konnotiert, da er hauptsächlich als rassistische Beleidigung galt: Das Schwarze Elternteil sollte den Esel symbolisieren, während das weiße Elternteil das Pferd darstellte.

Die 22-jährige Künstlerin ist sich der Geschichte ihres umstrittenen Künstlernamens bewusst:

"Originally, it was a derogatory term. But I took that negative energy and turned it into something positive. That's why my name is Mulatto."

("Ursprünglich war es ein abfälliger begriff. Aber ich habe die negative Energie genommen und sie in etwas Positives umgewandelt. Das ist der Grund dafür, warum mein Name Mulatto ist.")

Auch andere Künstler wählen diesen Begriff ohne negative Konnotation zur Selbstbezeichnung. Man nehme OG Keemos berühmtes Intro "Vorwort" als Beispiel:

"Dicka, glaub mir, kaum ist der Mulatto angetroffen

Ist der Schampus schneller angebrochen als dein Wangenknochen"

Genug von der Kritik an der "unsensiblen" Namenswahl

Jahrelang hat die Atlanta Rapperin ihren Namen verteidigt und musste sich ständig in Interviews oder auf Social Media Plattformen erklären. Nicht nur Rücksichtslosigkeit wurde ihr vorgeworfen. Ihr Name soll angeblich auch Schwarze Frauen mit heller Haut glorifizieren, was Colorism vorantreibe.

Colorism bezeichnet die Diskriminierung von Personen mit einem dunkleren Hautton, üblicherweise unter Personen derselben ethnischen Gruppe. In diesem Kontext profitiert eine Schwarze Person mit hellerer Haut von Colorism, während eine Schwarze Person mit dunklerer Haut aufgrund von Vorurteilen oder Stereotypen benachteiligt wird.

Die Künstlerin selbst bestreitet diese Art von Vorwürfen jedoch und hofft, dass solche "falschen Erzählungen" aufhören.

Für sie ist ihr Name lediglich eine Möglichkeit, um sich selbst ausdrücken zu können. Damit fühlt sie sich aber oft missverstanden.

"You get to a point where [the name] is not worth it anymore. I don’t know. Your intention is kind of being misinterpreted."

("Du kommst an einen Punkt, an dem [der Name] es nicht mehr wert ist. Ich weiß nicht. Deine Intention wird irgendwie falsch interpretiert.")

Abkürzung als neuer Künstlername

Im Januar bestätigte Mulatto, dass sie ihren Namen ändern wolle. Grund dafür sei vor allem die Tatsache, dass sie sich nicht mehr falsch verstanden fühlen möchte. Sie selbst kenne zwar ihre Intentionen, aber andere Menschen würden niemals aufhören, ihr Vorwürfe zu machen.

Nun kam die geplante Namensänderung. Sie hat sich jedoch nicht komplett neu erfunden: Vor kurzem benannte sie sich auf allen Streamingplattformen zu "Latto" (jetzt auf Apple Music streamen) um und kündigte gleichzeitig einen neuen Release unter ihrem neuen Namen an.

Die Namensänderung ist nun jedoch ein kontroverses Thema: Die einen sind froh darüber, dass sie sich die Kritik zu Herzen genommen hat. Andere hingegen hätten sich gewünscht, dass sie zu ihrer Entscheidung steht und dritte bezeichen ihre Namensänderung als "performativ", da Latto nur eine Abkürzung sei und nach wie vor dieselbe Bedeutung trage.

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Jan Böhmermann und Haftbefehl reichen sich die Hand in "Bürgermeister"

Jan Böhmermann und Haftbefehl reichen sich die Hand in "Bürgermeister"

Von Alina Amin am 05.12.2020 - 15:30

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"Alle Hände nach oben! Wer ist erste Gewalt? / Wer repräsentiert, kontrolliert, wer regiert? / Ich bin Bürgermeister, Mama! Ich mach das Gesetz!"

Haftbefehl und Jan Böhmermann schließen Frieden in "Bürgermeister"

Absolutes Highlight des Clips ist der Cameo-Auftritt von Haftbefehl, der doch recht überraschend kommt. Immerhin verbindet die beiden eine vermeintliche Animosität, welche mit dem ersten "Polizistensohn"-Video begann. Böhmermanns Kunstfigur orientierte sich schon damals deutlich am Sound von Hafti und parodiert seitdem seinen Stil. Hinzu kommt, dass viele Fans Haftbefehls "CopKKKilla" als direkte Antwort zum ersten Polizistensohn-Skit "Ich hab Polizei" sahen – auch wenn dies sich nicht bewahrheitete

Zum finalen Video der Reihe schließt sich auch hier der Kreis: Hafti und Böhmermann geben sich zum Ende des Videos die Hand. Ein Co-Sign von Haftfbefehl also.

Böhmermann bei ZDF-Royale über Polizeigewalt und Rassismus

Der "Soundtrack zum Wahljahr 2021" wurde im Anschluss an eine ZDF-Royale Sendung gezeigt. Zuvor beschäftigte sich der Polizistensohn mit den strukturellen Problemen in der deutschen Polizei. Er sprach in dem Zusammenhang über Rassismus in den Polizeibehörden sowie Racial Profiling und kritisierte den Umgang der Politik und Behörden mit Polizeigewalt scharf. 


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