Nach Missbrauchsvorwürfen: Octavians Label beendet Zusammenarbeit

Eigentlich hätte heute Octavians Debütalbum "Alpha" erscheinen sollen. Doch dazu ist es nicht gekommen. Das Label des UK-Rappers erklärt gegenüber Pitchfork, dass die Zusammenarbeit beendet sei. Dem vorausgegangen sind Missbrauchsvorwürfe, die eine ehemalige Freundin des Musikers erhoben hatte.

Octavian streitet Vorwürfe ab

Octavians Ex-Freundin hatte gestern auf Social Media erklärt, dass sie jahrelang "physischen, verbalen und psychischen Missbrauch" ausgesetzt gewesen sei. Um ihren Anschuldigungen Nachdruck zu verleihen, postete sie diverse Fotos und Videos. In einer der Aufnahmen ist eine weinende Frau zu hören, die darum fleht, nicht weiter verletzt zu werden. In einem Statement beschreibt Octavians Ex, wie der Rapper das erste Mal im April 2020 körperlich gewalttätig geworden sein soll.

"Nachdem er mich unter Druck gesetzt hatte, eine Abtreibung einzuleiten, griff er mich zum ersten Mal an, trat mir in den Bauch, sorgte für eine aufgeplatzte Lippe, griff mich mit einem Hammer an und drohte mich zu töten."

Octavian habe seine Handlungen später mit "Bad Karma" gerechtfertigt. Außerdem soll er laut ihren Ausführungen Geld angeboten haben, damit die Sache nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Auf Instagram begründet die Frau, warum sie kurz vor dem angedachten Release von "Alpha" über die Misshandlungen spricht. Niemand solle zu diesem Mann aufschauen.

Der Beschuldigte ließ das alles so nicht stehen. Er tat die Vorwürfe in diversen Insta-Storys als Lügen ab und erklärte, dass seine Ex ganz bewusst mit den Anschuldigungen gewartet hätte. Sie wolle seine Karriere und nicht zuletzt sein "Leben ruinieren." Er selbst werde "Beweise" vorlegen, dass die Missbrauchsvorwürfe nicht der Wahrheit entsprechen.

Wie The Guardian herausstellt, wurden bereits Anfang des Jahres solche Anschuldigungen gegenüber Octavian erhoben. Damals habe er in seiner Insta-Story eingeräumt, dass er "schlimme Dinge aus Wut und Frustration" getan habe. Dies sei "komplett falsch" gewesen. Später soll er dann wiederum erklärt haben, manipuliert worden zu sein. Auf seinem Instagram-Profil ist aktuell noch das Cover zu seinem Album "Alpha" zu sehen – inklusive der Aussage, dass sich um Mitternacht "alles ändern" werde. Damit sollte er recht behalten.

Label trennt sich von Octavian

Octavians Label Black Butter ist offenbar nicht gewillt, die erneuten Anschuldigungen einfach so hinzunehmen. Die Verantwortlichen haben "die Entscheidung getroffen, nicht weiter mit Octavian zu arbeiten. Außerdem werde man "sein Album nicht veröffentlichen". Stattdessen schlägt das Label vor, dass sich Octavian in Behandlung begibt: "Wir dulden keinerlei häuslichen Missbrauch und haben Octavian vorgeschlagen, derzeit professionelle Hilfe zu suchen."

Ebenfalls hat ein Presseteam, das für den US-Markt zuständig ist, bestätigt nicht mehr mit dem Rapper zusammenzuarbeiten. Auch eine PR-Agentur hat sich auf Anfrage von Pitchfork geäußert und die Trennung von Octavian bekanntgegeben.

"Nachdem diese Anschuldigungen ans Licht gekommen sind, haben wir alle Arbeiten mit Octavian eingestellt, da wir missbräuchliches Verhalten weder dulden noch unterstützen können."

Der Song "Papi Chulo" von Octavian und Skepta ist diese Woche auch dank TikTok-Power in Deutschland auf dem Vormarsch. Als Vorabsingles zu "Alpha" releaste Octavian zudem einen Kollabosong mit Future sowie einen gemeinsamen Track mit Gunna und SAINt JHN.

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Ano verteidigt Samra, Shirin David reagiert mit Statement

Ano verteidigt Samra, Shirin David reagiert mit Statement

Von Paul Kruppa am 21.06.2021 - 18:53

Die Diskussion um die Missbrauchsvorwürfe gegenüber Samra setzt sich fort. Shirin David hatte diese bereits letzte Woche zeitnah aufgegriffen. Daraufhin folgte eine immer breitere mediale Berichterstattung (hier die Reaktionen aus der Szene). Eine schriftliche Erklärung sowie ein Video-Statement des Beschuldigten liegen inzwischen auch vor.

Der Hannoveraner Rapper Ano (vormals Anonym), der bei Samras Label Cataleya Edition unter Vertrag steht, legt dahingehend nach. Er spricht dabei Shirin David direkt in seiner Insta-Story an. Diese geht darauf ein und schildert ihre Erfahrungen, nachdem sie die Anschuldigungen zu der mutmaßlichen Vergewaltigung geteilt hat.

Samra-Singing Ano wendet sich an Shirin David

Ano leitet seinen Post mit mehreren Clown-Emojis ein. Er erklärt, dass Shirin David "dieser Lügnerin eine Plattform geboten" habe. Auch schreibt er der Rapperin eine Vorbildfunktion zu. Dieser würde sie nicht nachkommen, da sie im aktuellen Fall "Lügen" und "Fehlinformationen" unterstütze. Aus Anos Sicht handele es sich bei der angeblich Betroffenen um eine Frau, "die Vergewaltigung vortäuscht." Er stellt sich damit auf die Seite seines Labelkollegen, der ebenfalls vehement bestritten hat, etwas mit einer Vergewaltigung zu tun zu haben.

Auch die Motive für Shirin Davids Postings im Zuge der Missbrauchsvorwürfe glaubt Ano zu kennen. Diese stünden im Zusammenhang mit einem zukünftigen Single-Release. Ebenfalls betrachtet es Ano als Widerspruch, dass Shirin David "mit zahlreichen OPs" ihren Körper verändert habe und gleichzeitig die Botschaft verbreite, dass "jede Frau sich selbst lieben soll [,] wie sie ist." Shirin Davids bisherige Karriere-Achievements sollten ihr laut Ano aberkannt werden.

"Und das nur um deinen kommenden Song zu promoten und den Hype der Medien mitzunehmen. [...] Man sollte dir all deine Auszeichnungen abnehmen, denn deine Fassade bröckelt genau so wie dein Make-Up bei diesem Wetter! Aber Gott ist groß und die Wahrheit wird dich schneller einholen als dir lieb ist."

Samra hat dieses Statement in seiner Story geteilt.


Foto:

Screenshot via instagram.com/samra

Shirin David über "Anrufe von bekannten Großfamilien"

Shirin David spricht in ihrer Story, bei der sie auf namentliche Nennungen verzichtet, von "Attacken", denen sie in den letzten Tagen ausgesetzt gewesen sei. Den Personen, die nun die Konfrontation mit ihr suchen, würden nicht erkennen, um was es in der Sache gehe.

"Was die Menschen, die gerade auf mich losgehen nicht verstehen, ist, dass ich aus tiefstem Herzen hoffe, dass dieser Vergewaltigungsvorwurf nicht stimmt. Das würde nämlich bedeuten, dass es ein Opfer, eine misshandelte Frau weniger auf dieser Welt geben würde und dass es ebenfalls einen Vergewaltiger weniger geben würde."

Sie werde beleidigt und "dafür verurteilt", wie sie ihr Selbstbestimmungsrecht über sich und ihren Körper ausübe. In den verbalen Angriffen erkenne sie "Pseudo Aktivismus" und "Misogynie" (Hass von Männern gegenüber Frauen). Außerdem erzählt die Künstlerin, dass ihr in einer weiteren Story unterstellt worden sei, dass sie die ursprünglichen Posts im Zuge der Anschuldigungen nicht selbst erstellt habe.

Darüber hinaus kommt Shirin David auf angebliche Geschehnisse hinter den Kulissen zu sprechen. So habe ihr Management Drohnachrichten sowie Anrufe von "einer bekannten Großfamilie" erhalten.

"Obwohl es 4 Tage für ein Statement des beschuldigten Künstlers gebraucht hat, hat mein Management noch am Abend des Posts über die fehlende Berichterstattung zu dem Vergewaltigungsvorwurf Droh-Nachrichten und Anrufe von einer bekannten Großfamilie bekommen. Die Prioritäten hier scheinen also absolut klar zu sein. Bevor sich der Beschuldigte äußert, versucht er lieber mich stumm zu stellen."

Die Rapperin hebt die Themen Missbrauch und Gewalt gegenüber Frauen auch noch einmal auf eine übergeordnete Ebene und stellt Fragen in den Raum, die sich aktuell in Bezug auf die Deutschrapszene stellen lassen. Verbunden mit dem Hashtag #deutschrapmetoo haben sich in den vergangenen Tagen zahlreiche mutmaßlich Betroffene zu Wort gemeldet. Ein Instagram-Account, um die Betroffenen zu vernetzen, wurde ebenfalls ins Leben gerufen.

"Wieviele weitere Frauen haben sich zu ähnlichen Vorfällen geäußert? Und ihr wollt allen ernstes behaupten, dass jeder dieser Vorwürfe eine Falschanschuldigung ist? Ihr wollt behaupten, dass all diese Frauen die Strapazen und Demütigungen, die mit einem Vergewaltigungsvorwurf einhergehen, auf sich nehmen, einfach weil sie nichts besseres zu tun haben?"

Zum Schluss ihres Statements hebt Shirin David hervor, dass bei ihrem öffentlichen Engagement keine persönlichen Interessen im Vordergrund stehen:

"Hier geht es nicht um ein persönliches Problem oder politischen [sic] Spielchen. Hier geht es auch nicht um Feminismus. Hier geht es um das grundlegende Menschenrecht gewaltfrei und selbstbestimmt leben zu können."


Foto:

Screenshots via instagram.com/shirindavid


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Screenshots via instagram.com/shirindavid


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