Jigzaw reagiert auf rechte Hetze der AfD

Kollegah-Signing Jigzaw hat vor Kurzem Deutschland verlassen, um einer Abschiebung zu entgehen – und zwar freiwillig. Die menschenfeindlichen Rechten der AfD haben sich darüber in einem hetzerischen Beitrag ausgelassen, der an Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten ist. Darauf reagiert der Rapper auf sehr emotionale Weise. Soll heißen: Wütend.

AfD beleidigt Kollegah-Signing Jigzaw

Die AfD hat sich in einem Social Media-Post über Jigzaw lustig gemacht. Offensichtlich und unverhohlen freuen sich die rechtsextremen Politiker darüber, dass Jigzaw Deutschland in Richtung Türkei verlassen hat. Dabei drehen sie sich die Sachen so hin, wie es ihnen in den Kram passt.

Beispielsweise schreibt die AfD, Jigzaw sei "in den Flieger gesetzt" worden. Das soll zwar offensichtlich nach Abschiebung klingen, war aber keine. Wie zum Beispiel auf Instagram zu sehen war, ist Jigzaw freiwillig und eigenständig ausgereist. Wenn er von irgendwem in den Flieger gesetzt wurde, dann von seinem Labelboss Kollegah und dessen Begleitug.

In dem Beitrag der AfD wird Jigzaw dann noch als "Kasper", "Macheten-Experte" und "verhinderter Lyriker" bezeichnet. Seine Fans werden "jugendliche Klatschhasen" genannt – was auch immer das heißen soll, wir sind uns sicher, dass es nicht wohlwollend gemeint ist.

2018 ich holte mir mein Hype, und Verkauf aus der Türkei, digital im Deitschen Reich ! #Alpha #Jigzaw #Realtalk #Vorhergesagt ;)

42.3k Likes, 915 Comments - STAATSFEIND NR 1 (@jigzaw) on Instagram: "2018 ich holte mir mein Hype, und Verkauf aus der Türkei, digital im Deitschen Reich ! #Alpha..."

So reagiert Jigzaw auf die Ausfälle der AfD

Jigzaw hat gestern dann auf seine ganz eigene Art auf die menschenverachtende Stimmungsmache des AfD-Bundesverbandes reagiert. In seiner Instagram-Story ließ er seiner Wut gegenüber der Partei und deren rechtsextremistischem Gedankengut freien Lauf.

Er schießt dabei selbst zwar stellenweise über das Ziel hinaus und wird beleidigend, trifft mit seinen Aussagen aber trotzdem den Kern der Sache: In Deutschland sitzt eine offen rechtsextremistische, menschenfeindliche Partei im Bundestag. Allzu viel können die Wähler aus der Vergangenheit dieses Landes nicht gelernt haben.

In der Instagram-Story von Jigzaw hat der Rapper sich aus der Türkei zu Wort gemeldet, direkt an die AfD gerichtet und unter anderem Folgendes gesagt:

"AfD sind richtige H*rensöhne, aber richtige H*rensöhne. Ich glaube, dieses Land hat immer noch nichts gelernt. [...] Ihr kennt mich Leute, bei mir gibt es kein Nazi und Religion. Mensch ist Mensch."

"Ich verstehe das nicht, wie kann wieder eine Partei wie AfD in eine verf*ckte Regierung? Das Land hat nichts gelernt."

"Ihr habt damals alle Juden vergast, deren Kinder vergast, Ihr habt Z*geuner und Homosexuelle vergast. [sic] Ich bin euer Staatsfeind Nummer 1. Das ist für meine Familie und für die Söhne Israels."

Vor Jigzaws Ausreise: Festnahme in Hagen am Wochenende

Kurz vor seiner heutigen Ausreise Richtung Türkei hat Jigzaw am Wochenende einen weiteren Eintrag in seine Polizeiakte bekommen. Sein letzter Videodreh wurde am Samstag von der Polizei aufgelöst und der Rapper wurde für kurze Zeit von der Hagener Polizei festgenommen.Jigzaw: Festnahme bei Videodreh in Hagen

Jigzaw spricht im Interview ausführlich über seine Ausreise

Jigzaw war erst vor Kurzem bei uns im Interview zu Gast. Dort hat er ausführlich mit Aria über seine Reisepläne in der Türkei gesprochen und sich vorsichtig optimistisch gezeigt.

Mit etwas Glück könne er bald schon wieder für Konzerte und ähnliches nach Deutschland einreisen. Wie es überhaupt dazu kam und wieso er sich für die Ausreise entschieden hat, erklärt er ebenfalls.

Jigzaw im Interview: Abschiebehaft, Türkei, Kollegah, Alpha-Sampler, Haftbefehl, Nimo & "Jiggi"

️Heute hat Jigzaw Deutschland verlassen und sich auf den Weg in die Heimat seiner Vorfahren gemacht. Wäre er nicht selbst ausgereist, hätte ihm die Abschiebung gedroht. Im ausführlichen Interview mit Aria erzählt das Kollegah-Signing, wie es so weit kommen konnte und wieso er nicht großartig mit seinem Schicksal hadert.

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Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Von Clark Senger am 01.02.2020 - 14:41

Der iranische Rapper Amirhossein Maghsoudloo aka Amir Tataloo ist mehreren Medien wie der New York Times und ZDF Heute zufolge in der Türkei festgenommen worden. Der Iran soll den regierungs- und gesellschaftskritischen Musiker per "Rote Ausschreibung" von Interpol mit dem Ziel der Auslieferung suchen lassen haben. Die türkischen Sicherheitskräfte haben offenbar auf diese Ausschreibung reagiert und Tataloo in Istanbul in Gewahrsam genommen.

Iranischer Rapper Amir Tataloo: Festnahme in der Türkei

Wie geht es weiter für Amir Tataloo? Laut Informationen der NY Times befindet er sich derzeit in einer Haftanstalt für Immigranten ohne Papiere in Ost-Istanbul. Die nächsten Schritte sind unklar, aber die Auslieferung und ein Prozess im Iran, dem er schon länger ein Dorn im Auge ist, wäre sicherlich die schlechteste Option für den Rapper.

Der offizielle Vorwurf der iranischen Behörden lautet, Maghsoudloo würde in seinen Texten zum Drogenkonsum aufrufen. Laut Produzent MarG Lotfabadi, der bei der Festnahme vor Ort war, sei dies kein Thema gewesen – die türkischen Sicherheitskräfte hätten sich lediglich auf die "Rote Ausschreibung" bezogen.

Eine Petition auf change.org fordert die Türkei auf, Tataloo freizulassen und ihm seine Papiere zurückzugeben. Im Sekundentakt kommen neue Unterschriften dazu, aktuell liegt die Petition bei über 460.000 Supportern. Seine Fans und Unterstützer befürchten, dass ihn im Iran kein fairer Prozess erwarten würde. 2016 berichteten wir bereits, als der Rapper zu fünf Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Damals gab es keine nähere Begründung der iranischen Nachrichtenagentur, aber bei der Festnahme wurden ihm laut ORF "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" vorgeworfen.

Urteil gegen iranischen Rap-Star Amir Tataloo gefällt

Für die Festnahme durch die Moralpolizei, die bereits im Sommer erfolgte, nennt ORF die "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" als Grund.

Der 2019er-Bericht von Human Rights Watch über den Iran füttert die Annahme mit konkreten Beispielen. So sollen zum Beispiel am 8. September drei kurdische Männer durch die Autoritäten exekutiert worden sein, nachdem sie in "unfairen Prozessen" verurteilt wurden. Außerdem sollen mindestens 208 Mitglieder der religiösen Minderheit der Derwische in Prozessen veruteilt worden sein, die ihre Grundrechte verletzen.

Petition auf change.org will Prozess im Iran verhindern

Der Iran unterdrückt unbequeme Meinungen gegen das strenge, konservative Regime mit besonderer Härte. Für Amir Tataloo, der mit 2,6 Millionen Abonennten auf Instagram zu den bekanntesten iranischen Influencern gehört, bedeutet das nichts Gutes. Obwohl der Rapper 2015 mit einem nationalistischen Song den Staatsapparat zu unterstützen schien und 2017 während des Präsidentschaftsrennens sogar an der Seite von Ebrahim Raisi zu sehen war, war es immer höchst zweifelhaft, ob diese Moves aus freien Stücken passierten. Immerhin wurden ihm danach Konzerte im Ausland erlaubt – offenkundig im Rahmen einer ungeliebten Allianz zweier Streitparteien, die durch Gefälligkeiten voneinander profitierten.

Nachdem er den Iran 2018 Richtung Türkei verließ, verfasste er wie schon einige Jahre zuvor kritische Songs und Beiträge in den sozialen Medien. Beispielsweise mit einer feministischen Botschaft:

Nahid Siamdoust, Dozentin an der Yale University und Autorin eines Buches über politische Musik im Iran, sprach mit der NY Times über den Fall Tataloo. Sie sagt:

"Er war mittendrin und machte danach sehr beleidigende Kommentare über das gesamte Establishment. [...] Eines seiner neuesten Musikvideos zeigt ihn, wie er vor einem iranischen Gericht erklärt, warum er niemals zurückkehren wird."

Die Rede ist vom Video zu "Jahanam", das erst gut zwei Wochen alt ist und heute wie eine bittere Vorahnung wirkt. Die Lyrics des Songs sind depressiv, pessimistisch und verzweifelt. Im Clip wird der Rapper von einem iranischen Gericht verurteilt und baumelt nach knapp fünf Minuten am Strick. Kein Happy End.


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