Jigzaw im Interview: Abschiebehaft, Türkei, Kollegah, Alpha-Sampler, Haftbefehl, Nimo & "Jiggi"

️Heute hat Jigzaw Deutschland verlassen und sich auf den Weg in die Heimat seiner Vorfahren gemacht. Wäre er nicht selbst ausgereist, hätte ihm die Abschiebung gedroht. Im ausführlichen Interview mit Aria erzählt das Kollegah-Signing, wie es so weit kommen konnte und wieso er nicht großartig mit seinem Schicksal hadert. Sein Blick in die Zukunft in der Türkei ist nahezu optimistisch.

Außerdem geht es um sein kommenden Album "Jiggi", das am 5. Juli über Kollegahs Label Alpha Music Empire veröffentlicht wird. Das Release feiert und beobachtet Jigzaw dann aus der Ferne. Mit Aria hat er auch über die teils überraschenden Gäste auf "Jiggi" und sein persönliches Verhältnis zu Rappern wie Nimo, Mortel, Haftbefehl und mehr gesprochen.

03.06.2019 - 19:33

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Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Von Clark Senger am 01.02.2020 - 14:41

Der iranische Rapper Amirhossein Maghsoudloo aka Amir Tataloo ist mehreren Medien wie der New York Times und ZDF Heute zufolge in der Türkei festgenommen worden. Der Iran soll den regierungs- und gesellschaftskritischen Musiker per "Rote Ausschreibung" von Interpol mit dem Ziel der Auslieferung suchen lassen haben. Die türkischen Sicherheitskräfte haben offenbar auf diese Ausschreibung reagiert und Tataloo in Istanbul in Gewahrsam genommen.

Iranischer Rapper Amir Tataloo: Festnahme in der Türkei

Wie geht es weiter für Amir Tataloo? Laut Informationen der NY Times befindet er sich derzeit in einer Haftanstalt für Immigranten ohne Papiere in Ost-Istanbul. Die nächsten Schritte sind unklar, aber die Auslieferung und ein Prozess im Iran, dem er schon länger ein Dorn im Auge ist, wäre sicherlich die schlechteste Option für den Rapper.

Der offizielle Vorwurf der iranischen Behörden lautet, Maghsoudloo würde in seinen Texten zum Drogenkonsum aufrufen. Laut Produzent MarG Lotfabadi, der bei der Festnahme vor Ort war, sei dies kein Thema gewesen – die türkischen Sicherheitskräfte hätten sich lediglich auf die "Rote Ausschreibung" bezogen.

Eine Petition auf change.org fordert die Türkei auf, Tataloo freizulassen und ihm seine Papiere zurückzugeben. Im Sekundentakt kommen neue Unterschriften dazu, aktuell liegt die Petition bei über 460.000 Supportern. Seine Fans und Unterstützer befürchten, dass ihn im Iran kein fairer Prozess erwarten würde. 2016 berichteten wir bereits, als der Rapper zu fünf Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Damals gab es keine nähere Begründung der iranischen Nachrichtenagentur, aber bei der Festnahme wurden ihm laut ORF "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" vorgeworfen.

Urteil gegen iranischen Rap-Star Amir Tataloo gefällt

Für die Festnahme durch die Moralpolizei, die bereits im Sommer erfolgte, nennt ORF die "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" als Grund.

Der 2019er-Bericht von Human Rights Watch über den Iran füttert die Annahme mit konkreten Beispielen. So sollen zum Beispiel am 8. September drei kurdische Männer durch die Autoritäten exekutiert worden sein, nachdem sie in "unfairen Prozessen" verurteilt wurden. Außerdem sollen mindestens 208 Mitglieder der religiösen Minderheit der Derwische in Prozessen veruteilt worden sein, die ihre Grundrechte verletzen.

Petition auf change.org will Prozess im Iran verhindern

Der Iran unterdrückt unbequeme Meinungen gegen das strenge, konservative Regime mit besonderer Härte. Für Amir Tataloo, der mit 2,6 Millionen Abonennten auf Instagram zu den bekanntesten iranischen Influencern gehört, bedeutet das nichts Gutes. Obwohl der Rapper 2015 mit einem nationalistischen Song den Staatsapparat zu unterstützen schien und 2017 während des Präsidentschaftsrennens sogar an der Seite von Ebrahim Raisi zu sehen war, war es immer höchst zweifelhaft, ob diese Moves aus freien Stücken passierten. Immerhin wurden ihm danach Konzerte im Ausland erlaubt – offenkundig im Rahmen einer ungeliebten Allianz zweier Streitparteien, die durch Gefälligkeiten voneinander profitierten.

Nachdem er den Iran 2018 Richtung Türkei verließ, verfasste er wie schon einige Jahre zuvor kritische Songs und Beiträge in den sozialen Medien. Beispielsweise mit einer feministischen Botschaft:

Nahid Siamdoust, Dozentin an der Yale University und Autorin eines Buches über politische Musik im Iran, sprach mit der NY Times über den Fall Tataloo. Sie sagt:

"Er war mittendrin und machte danach sehr beleidigende Kommentare über das gesamte Establishment. [...] Eines seiner neuesten Musikvideos zeigt ihn, wie er vor einem iranischen Gericht erklärt, warum er niemals zurückkehren wird."

Die Rede ist vom Video zu "Jahanam", das erst gut zwei Wochen alt ist und heute wie eine bittere Vorahnung wirkt. Die Lyrics des Songs sind depressiv, pessimistisch und verzweifelt. Im Clip wird der Rapper von einem iranischen Gericht verurteilt und baumelt nach knapp fünf Minuten am Strick. Kein Happy End.


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