Jay-Z & die NFL: Deshalb wird der Deal kritisiert, das muss passieren

Jay-Z und die NFL haben in der vergangenen Woche die Bombe platzen lassen: Dass diese beiden Major Player zusammenarbeiten, hätten wohl die Wenigsten erwartet. Aber nun ist es so: Jay-Z kooperiert mit der National Football League und soll unter anderem auch die Halbzeit-Show des Super Bowl planen. Der Mega-Deal stößt allerdings auf sehr viel Kritik. Wir klären, wieso das so ist und was Jay-Z tun kann beziehungsweise muss, um seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Jay-Z & die NFL geben Kooperation bekannt

Jay-Z macht weiter Paper: Der Rapper gilt als erster Hiphop-Milliardär und dürfte durch den überraschenden Deal mit einer der größten Sportorganisationen weltweit wohl nicht ärmer werden. Ganz im Gegenteil. Wie viel Geld hier geflossen ist, wird aber nicht verraten.

Darum geht's: Jay-Z soll der NFL salopp gesagt dabei helfen, das Image der Football-Liga aufzupolieren. Der Deal zwischen Jay-Z, Roc Nation und der NFL umfasst offenbar unter anderem Hilfestellung bei vielen unterschiedlichen Entertainment-Deals. Jay-Z wird offiziell der neue "live music entertainment strategist" der Organisation, wie zum Beispiel die New York Times schreibt.

Aber Jay-Z soll der NFL auch dabei helfen, ein Social Justice-Kampagne auf den Weg zu bringen. Wie der Name schon sagt, geht es dabei um mehr soziale Gerechtigkeit. Und genau da liegt das Problem: Bisher ist die NFL nicht gerade dafür bekannt, sich besonders sozialverträglich zu verhalten.

Stattdessen ist die Organisation in letzter Zeit vor allem durch ihren fragwürdigen Umgang mit Colin Kaepernick und dessen Protesten negativ aufgefallen – und dadurch, dass einige der Besitzer offen die weltfremden bis sexistisch-rassistischen Ansichten des amtierenden US-Präsidenten supporten. Oder dadurch, dass Spieler wegen Cannabis-Konsum ausgeschlossen werden, aber die deutlich schwerwiegenderen Vergehen anderer keinerlei Problem darstellen.

Genialer Marketingmove: Wie Nikes Kampagne Donald Trump & US-Patrioten triggert

Nike hat zum 30. Geburtstag des weltbekannten Slogans "Just Do It" eine neue Kampagne vorgestellt. Colin Kaepernick, der weltweit Bekanntheit erlangte, als er sich bei der Hymne vor den Spielen hinkniete, um auf Rassismus in den USA aufmerksam zu machen, ist das Gesicht der neuen "Just Do It"-Kampagne.

Es hagelt Kritik: NFL will sich offensichtlich bessern, aber kann das so klappen?

Die Symbolkraft des Deals mit Jay-Z und Roc Nation kann wohl kaum unterschätzt werden. Die NFL gibt sich mit der geplanten Kampagne für mehr soziale Gerechtigkeit anscheinend Mühe, die Fehler der Vergangenheit auszubügeln. Auch wenn das natürlich ziemlich widersprüchlich wirkt und vor allem Jay-Z momentan viel Kritik dafür einstecken muss. Dem Rapper, Medien-Mogul und Vorzeige-Kapitalist wird jetzt zum Beispiel vorgeworfen, das Ganze nur des Geldes wegen und nicht um der Sache willen zu tun.

Was ist mit Colin Kaepernick? Die wohl größte Ungereimtheit bei dem Ganzen dürfte sein, dass Colin Kaepernick nicht involviert ist. Es wirkt bitter, ironisch und tragisch gleichzeitig: Der berühmte Sportler findet wegen seiner friedlichen Proteste gegen Polizeigewalt immer noch keinen Job innerhalb der Football-Liga, die jetzt eine Kampagne für mehr soziale Gerechtigkeit plant. An der er nicht beteiligt wird. Jay-Z gibt zwar zu Protokoll, mit Colin Kaepernick gesprochen zu haben, bleibt sonst aber vage dazu.

Nessa Diab, die Partnerin des Sportlers, macht ihrem Unmut allerdings dafür umso öffentlicher Luft. Ihren Aussagen zufolge scheint es keinen Raum dafür zu geben, dass Colin Kaepernick noch an der Social Justice-Kampagne der NFL beteiligt wird, was wohl ohne Frage die glaubwürdigste Wiedergutmachung und ein wirklich beeindruckendes Statement der NFL gewesen wäre. So hinterlässt die Ankündigung und der Deal mit Jay-Z aber einen ziemlich üblen Nachgeschmack bei vielen.

Nessa Blasts JAY-Z and Roc Nation's NFL Deal: 'I Don't Care Who You Are-Wrong Is Wrong'

Nessa Diab refuses to let JAY-Z off the hook. The media personality took to Hot 97 on Wednesday to criticize Roc Nation and the NFL's newly inked partnership, which aims to improve the league's live music entertainment strategies as well as its social justice initiatives.

Jay-Z und die NFL müssen jetzt liefern

Zählt allein schon der gute Wille? Die Kritik an Jay-Z und dessen Kooperation mit einer so kritikwürdigen Organisation wirkt natürlich nachvollziehbar. Aber immerhin besteht auch die Chance, dass die NFL und Jay-Z es schaffen, das Ruder rumzureißen und tatsächlich etwas zu verändern.

Jay-Z und die NFL haben jetzt die einmalige Gelegenheit, es ihren Kritikern und den Zweiflern zu beweisen. Sollte es der NFL gelingen, sich hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit zu ändern, wären das großartige Neuerungen. Dafür müssen jetzt aber natürlich Taten folgen.

Was haltet ihr von dem Deal und den Ankündigungen?

Will Smith & Jay-Z produzieren Serie über Bürgerrechtsbewegung

Bereits 2015 wurde von den Plänen gesprochen, dass Jay-Z und Will Smith gemeinsam eine Serie über die Ermordung von Emmett Till produzieren möchten. Erst jetzt berichten einige Nachrichtenportale von weiteren Details ihres Vorhabens. Die Serie wird über das amerikanische Fernsehnetzwerk "ABC" statt wie zunächst geplant von "HBO" ausgestrahlt werden.

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Minneapolis ändert Polizeigesetz: Black Lives Matter-Proteste zeigen Wirkung

Minneapolis ändert Polizeigesetz: Black Lives Matter-Proteste zeigen Wirkung

Von Alina Amin am 06.06.2020 - 14:42

Nach der Tötung von George Floyd durch einen weißen Polizisten demonstriert die ganze Welt in Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung gegen Rassismus. Derweil befinden sich die Proteste in den USA weiterhin auf einem Höhepunkt. Einsatz und Aktivismus unzähliger Menschen tragen nun erste Früchte: Minneapolis ändert als Reaktion seine Polizeigesetze. Andere US-Städte planen nachzuziehen.

Nach dem Tod von George Floyd: Minneapolis ändert Polizeigesetz

Der Bürgermeister der Stadt Minneapolis, Jacob Frey, hat auf Twitter angekündigt, dass er in Einwilligung des Stadtrats eine "Einstweilige Anordnung" abgesegnet hat, die mit sofortiger Wirkung den Würgegriff aus den polizeilichen Befugnissen verbannt. Außerdem dürfen die Beamten künftig Verdächtige nicht mehr am Nacken festhalten und sind ferner dazu verpflichtet, jegliche Überschreitung dieser Grenzen durch ihre Kollegen unter Strafandrohung zu melden. Weitere Änderungen sollen noch folgen.

Anstoß dieser Maßnahme ist laut Frey das Ziel, dem systematischen Rassismus in den US-amerikanischen Polizeistrukturen entgegenzutreten und endlich politische Verantwortung zu übernehmen. 

Gesetzesänderungen in New York und Kalifornien: Andere ziehen nach

Auch ganze andere Staaten nehmen eine Reform ihrer Polizeigesetze in Angriff: Laut Standard hat der Governeur von New York seinem Bundesstaat bereits einen Vorschlag zum Ausschluss des Würgegriffs in der Polizeipraxis vorgelegt. Auch soll die Einsicht in Polizeiakten zukünftig transparenter gestaltet werden. Der kalifornische Gouverneur wolle das Trainingsprogramm der Polizisten überarbeiten. 

Auch wenn sich hierbei die Frage stellt, ob diese Änderungen die lange Historie rassistisch motivierter Polizeigewalt durchbrechen können, scheinen sie schon mal der erste Schritt in die richtige Richtung zu sein.

Unter dem Hashtag #blacklivesmatter können wir online unser Bewusstsein und das Bewusstsein anderer zum Thema Polizeigewalt und Rassismus stärken. Wer sich darüber hinaus zur Thematik der Bewegung weiterbilden will, wird hier fündig: 

Black Lives Matter: So kannst du dich über Rassismus informieren & helfen

Aufgrund der anhaltenden Proteste in Amerika ist das Thema Rassismus aktuell wieder so stark im Fokus der Öffentlichkeit wie lange nicht mehr. Der Mord an George Floyd durch einen Polizisten scheint der Tropfen gewesen zu sein, der das berühmte Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Wieso #alllivesmatter nicht hilft, sondern kontraproduktiv ist

Der Schwarze George Floyd wurde in den USA von Weißen Polizisten getötet. Seitdem protestieren Menschen auf der ganzen Welt gegen Rassismus und Polizeigewalt. Sie eint die Bewegung und das Hashtag #blacklivesmatter. Der Gedanke dahinter ist eigentlich klar und eindeutig: Schwarze sind genauso viel wert wie alle anderen auch, sie spielen eine genauso wichtige Rolle.

Auch in Deutschland sind rassistisch motivierte Polizeigewalt und struktureller Rassismus große Probleme. Während wir in Solidarität mit den Protesten in den USA stehen, sollten wir weiterhin auch die Lage im eigenen Land hinterfragen: 


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