Gucci & Balenciaga machen Rap zu Fashion

Erst wurde gemunkelt, dann angekündigt und nun ist sie tatsächlich da: Die Kollaboration zwischen den beiden Luxus-Modehäusern Gucci und Balenciaga. Mit dem Aufstieg der Streetwear wurden zwar Kooperationen zwischen Luxus- und Streetwear-Brands zur Normalität – man denke beispielweise and Louis Vuitton und Supreme. Hier aber handelt es sich um das erste Mal, dass sich zwei High-Fashion-Brands zusammentun. Und wie man sich vorstellen kann, könnte der Hype größer nicht sein.

Gucci x Balenciaga: Drip und Logomania

In Zeiten, in denen die Streetwear x High Fashion Kollabo gang und gäbe ist, kann man Hypebeasts kaum noch schocken. Selbstverständlich muss da eine neue Idee her – am besten etwas nie Dagewesenes. Es ist also ein kluger Schachzug, Brand-Kooperationen komplett neu zu denken und zu verbinden, was eigentlich nicht zusammengehört. Denn Gucci und Balenciaga zählen zu den großen Modehäusern, die für gewöhnlich von einer klar abgesteckten und alleinstehenden Marken-Identität leben. Dass sie diese Identitäten nun, zu Guccis 100. Jubiläum, gegenseitig "hacken", wie die Brands selbst es nennen, ist neu. 

Gucci und Balenciaga sind in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch die Adaption von Streetwear durch deren Chefdesigner Alessandro Michele (Gucci) und Demna Gvasalia (Balenciaga), zu den gehyptesten High Fashion Marken aufgestiegen. Damit haben sie aber auch an Exklusivität verloren, was die Hype-Kurve dann zeitweise wieder absinken ließ. Mit der gemeinsamen Kollektion kämpfen sie sich zurück aufs Trend-Radar. Und das schaffen sie nicht zuletzt durch auffälligen Schmuck mit Co-Branding (icy Looks unserer favorite Flex-Rapper incoming) und All-over-Logoprints, ebenfalls von beiden Marken.

Gucci "Aria" greift Rick Ross' "Green Gucci Suit" auf

Die Gucci-Obsession der Rap-Welt schlug sich in den letzten Jahren bekanntlich nicht nur in den Looks der Rapper, sondern sogar in deren Musik nieder. Für den zur Kollektion gelaunchte Fashion-Film, der in Covid-Zeiten basically einfach eine Fashion Show ohne Zuschauer ist, wurde ein raplastiger Soundtrack gewählt. Eröffnet wird die Show – wie könnte es anders sein – von Lil Pumps "Gucci Gang".

Als ein Model in grünem Anzug den Laufsteg betritt, geht die Musik ganz plakativ zu "Green Gucci Suit" von Rick Ross featuring Future über. Dieser bildhafte Move fasst die Kollektion ganz gut zusammen: Sie ist absolut in your face und dadurch zwar nicht besonders zeitlos, dafür aber ganz klar Hype und wird sicherlich für kurze Zeit überall zu sehen sein. Auf "Green Gucci Suit" folgen noch zwei weitere Hiphop-Songs, nämlich "Gucci Flip Flops" von Bhad Bhabie und Lil Yachty und "Gucci Coochie" von Die Antwoord und Dita Von Teese.

Der Fashion-Film zeigt so einmal mehr, dass Designer-Drip und Hiphop einfach zusammengehören – und das von den großen Modehäusern mittlerweile sogar genutzt wird.

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"Satans-Schuh" von Lil Nas X: Nike ruft alle Exemplare zurück

"Satans-Schuh" von Lil Nas X: Nike ruft alle Exemplare zurück

Von Alina Amin am 10.04.2021 - 17:21

Vor knapp zwei Wochen releaste Lil Nas X gemeinsam mit der Streetwear-Marke MSCHF den "Satans-Schuh". Dabei löste der Sneaker mit Menschenblut nicht nur bei der breiten Internet-Community eine Debatte aus – auch Nike schien nicht begeistert zu sein von der Kollaboration. Erst distanzierten sie sich vom kontroversen Release, dann flatterte die Klage ins Hause Lil Nas X x MSCHF.

Grund: Der Schuh führe zu erheblichen Verwechselungen und Vermischungen im Markt, die an dem Image von Nike nagen würden. Deshalb gehe der Sportartikelhersteller wegen Markenrechtsverletzung gegen die Kollabo vor.

Nach Nike Klage: Die Satans-Schuhe müssen zurückgegeben werden

Der Rechtsstreit ergab sich letzten Endes als gar nicht mal so dramatisch wie manch einer erwarten würde. Das Kollektiv MSCHF, das Nike gegenüberstand, einigte sich nämlich mit dem Weltkonzern auf einen Deal: Die Käufer der 665 Schuhe sollen diese zurückgeben und würden den Kaufpreis erstattet bekommen. Der 666-ste Sneaker sei noch im Besitz von MSCHF und sollte eigentlich von Lil Nas X verlost werden. Diese Aktion wird selbstverständlich nicht mehr stattfinden.

Gleiches gilt übrigens auch für die Jesus-Schuhe, die 2019 rauskamen. Für beide habe man sich keine Erlaubnis seitens Nike eingeholt. Ziel sei es, die unchristlichen Sneaker aus dem Verkehr zu ziehen. Der Anwalt der Streetwear Marke MSCHF erklärte laut The Verge in einem Statement, dass das Kollektiv "zufrieden" sei mit diesem Ergebnis. Es habe nämlich den Zweck der ganzen Aktion schon erreicht: Ein künstlerischer Kommentar über "die Absurdität der von einigen Marken praktizierten Kollaborationskultur und die Bösartigkeit der Intoleranz".

Zur Rückgabe können die Käufer übrigens nicht gezwungen werden. Fraglich ist also, wie viele der Schuhe tatsächlich an das Kollektiv zurückgehen und inwieweit diese exklusiven Modelle in ihrem Wert steigen – und dann illegal weiterverkauft werden.

Nike vs. Lil Nas X: Das Ausnutzen eines Machtmonopols?

Kurz nach dem Release der Schuhe, die passend zu Lil Nas Xs' ebenfalls kontroversen Video zu "Montero (Call Me By Your Name)" erschienen, wollten Internetuser nicht nur den Rapper, sondern direkt auch Nike boykottieren. Dass der Konzern nichts mit dem Schuh zu tun hatte, war vielen dabei egal. Es handelt sich bei dem Sneaker nämlich um ein Custom-Modell des Nike Air Max 97. Das heißt, nur Lil Nas X und die Streetwear Mark MSCHF sind für das veränderte Design des Sneaker-Klassikers verantwortlich.

Wegen der lauten Kritik ging Nike ohne zu zögern rechtlich gegen MSCHF vor. Lil Nas X erklärte, dass er den Rechtsstreit als Angriff auf die Meinungsfreiheit verstehe.

Bis vor Kurzem mussten sich unabhängige Designer keine Erlaubnis fürs Customizing einholen. Durch das Verfahren zwischen Nike und MSCHF könnte sich das nun ändern. Kritiker befürchten, dass dieses zukünftig als Präzedenzfall gelten könne und großen Marken die Macht gebe, gegen kleinere Designer vorzugehen, die ihre Werke neu interpretieren.


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