"Extremer Narzisst": D-Bo sagt umfangreich im Bushido-Prozess aus

 

Der 74. Verhandlungstag im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder hielt ein in der Deutschrapszene bekanntes Gesicht bereit. EGJ-Gründer D-Bo trat in den Zeugenstand. Was er dort auch über Nebenkläger Bushido zu sagen hatte, haben unter anderem die Bild und Watson aufgegriffen. Spoiler: Bushido kommt dabei nicht gut weg – und war erneut nicht bei der Verhandlung anwesend.

Bushido kündigt Freundschaft mit D-Bo

D-Bo und Bushido haben nicht nur das Label ersguterjunge gegründet, sondern auch zusammen gewohnt. Fast 20 Jahre später kann von einer freundschaftlichen Beziehung keine Rede mehr sein. D-Bo wird von der Bild so zitiert:

"Vor drei Jahren kündigte mir Bushido die Freundschaft. Wenn er bekam, was er brauchte und man nicht mehr so nützlich für ihn war, gab’s ’ne Ansage. In Beziehung zu anderen Menschen macht er eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf."

D-Bo sei 2018 noch zu Bushidos 40. Geburtstag eingeladen worden. Doch weil der heutige A&R Director von iGroove auch nach dem Zerwürfnis bei EGJ mit Arafat Abou-Chaker den Kontakt gehalten haben soll, sei die Freundschaft in die Brüche gegangen. Für D-Bo sei Bushido gemäß Watson ein "extremer Narzisst", der "manipulativ" vorgehe und "keinen inneren Ruhepol" besitze.

Arafat als Bushidos "Beschützer & Imagegeber"

Hinter Bushidos damaligen Abgang bei Aggro Berlin sah D-Bo laut Watson finanzielle Motive: "Bushido war mit Aggro Berlin unzufrieden, er hat realisiert, dass er allein mehr Geld verdienen kann."

Arafat Abou-Chaker habe dann für eine Möglichkeit gesorgt, den bestehenden Vertrag mit dem Label mit dem Sägeblatt aufzulösen. Über "eine Schelle" bei den Gesprächen rund um Bushidos Vertragsauflösung konnte D-Bo jedoch nichts berichten. Dafür über den Deal zwischen Bushido und dessen Geschäftspartner:

"Für Arafat war das Geldaufteilen wie Kindergeburtstag. Er sagte zu Bushido: 'Du 50 Prozent, der Anwalt 20 Prozent, ich 30 Prozent.' Hiphop war ihm fremd."

Arafat habe für die notwendige Sicherheit gesorgt. Bushido wäre streitlustig gewesen. Ohne Arafat Abou-Chaker "hätte er nicht überlebt", fügte D-Bo laut Bild hinzu. Arafat habe für Bushido mehrere Rollen ausgefüllt, wie wiederum Watson herausstellt:

"Beschützer, Imagegeber. Arafat war für ihn ein großer Bruder, ein Mentor."

Arafat sei außerdem aus allen Wolken gefallen, als D-Bo ihn darüber informierte, dass auf Tour "viel Schwarzgeld" mit Merchandise-Artikeln gemacht werde. Bushido hätte sich rechtfertigen müssen, warum er Geld an Arafat vorbei eingenommen hatte.

Bei der berühmten Generalvollmacht sei für Bushido der praktische Nutzen ausschlaggebend gewesen. Dieser habe schlichtweg keine Lust gehabt, "ständig für Unterschriften vorbeizukommen".

Der Richter sah in der Zeugenaussage von D-Bo eine "Lobeshymne auf Arafat". Der 44-Jährige entgegnete Watson zufolge, dass er "nichts Schlechtes" mit diesem erlebt habe. Er könne zudem nicht bestätigen, dass er sich irgendwann von Bushidos ehemaligen Geschäftspartner unter Druck gesetzt gefühlt habe.

Auf eine SMS von Bushido zu einem angeblich geplanten Säureangriff habe D-Bo außerdem nicht reagiert. Warum? Er sei "nicht davon ausgegangen, dass es der Wahrheit entspricht". Das gilt auch für den Vorwurf mit der halb vollen Wasserflasche, mit der Bushido von Arafat geschlagen worden sein will. Er habe diese Geschichte "selbst nicht geglaubt", erklärte D-Bo. Arafat könne es jedoch nicht leiden, "wenn man ihn für dumm verkauft."

D-Bo fasste auf Instagram den Tag mit der mehrstündigen Zeugenaussage so zusammen:

"Naja… Ich hoffe mal, ich bin damit jetzt durch, der Prozess endet in den nächsten 250 Jahren dann endlich mal und alle Beteiligten können sich wieder etwas anderem widmen."

Die Anklage gegen Arafat umfasst schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue. Vor ein paar Monaten zog der Richter eine Zwischenbilanz. Der Prozess soll am 8. August fortgesetzt werden.

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