Berliner Polizei zieht mit Rap-Video Spott auf sich

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich neben Privatpersonen auch Großkonzerne und Institutionen gerne Rap zunutze machen, um die breite Masse und eine junge Zielgruppe zu erreichen. Auch die Berliner Polizei schreckt davor nicht zurück und hat sich mit einer lokalen Initiative zusammengeschlossen, um in Form eines Tracks ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung zu setzen.

"Füreinander da!" wurde am vergangenen Mittwoch veröffentlicht und ist Teil des Projekts "Kiezbezogener Netzwerkaufbau" (KbNa). Das offenbar professionell produzierte Musikvideo zeigt uniformierte Polizisten, die zusammen mit Aktivisten und Kiezbewohnern rappen. Über 60 Prozent der Bewohner des Berliner Problembezirks Wedding haben ausländische Wurzeln. Umso wichtiger ist ihnen und den Ordnungshütern des Polizeiabschnitts 36 in Berlin-Gesundbrunnen der erklärte "Abbau gegenseitiger Vorurteile und Berührungsängste".

KBNA - Füreinander da!

Yousef, ein waschechter Weddinger, kam damals vor fast 10 Jahren auf die Wache unseres Abschnitts 36 - und hatte eine Idee. Ein gemeinsames Projekt zwischen Kindern des Soldiner Kiez und der Polizei, bei dem sie sich kennenlernen und ins Gespräch kommen - rechtzeitig und unbelastet, auch mal über Alltägliches und nicht erst, wenn es schon zu spät ist.

Nachdem ein waschechter Weddinger vor 20 Jahren auf die Wache des Abschnitts kam, entwickelte er gemeinsam mit der Polizei das Projekt. Die Idee dabei ist, dass Kinder des Soldiner Kiez mit der Polizei ins Gespräch kommen, um über alles zu reden, was sie bewegt. Im Zuge dessen werden unter anderem Kochkurse, Fußballturniere, Feste und Theaterspiele veranstaltet, um gegenseitige Scheu voreinander abzulegen und Vertrauen zu schaffen.

Leider klingt das Ganze in der Theorie schöner als in der Praxis: 

"Ich arbeite bei der Polizei, aber trotzdem kann ich auch dein Homie sein / Wir machen Fußballturniere mit den Jugendlichen / So können wir alle Probleme auch im Guten schlichten"

Neben unangenehmen Zeilen wie diesen hinterlassen auch pseudo-melancholische Bilder eine Gänsehaut aus Fremdscham. Umso makaberer wird der Track vor dem Hintergrund des tatsächlichen Alltags und der hohen Kriminalitätsrate in Wedding. Denn der wirkliche Ablauf im Arbeitsleben eines Berliner Polizisten lässt sich bedauerlicherweise nicht mit ein bisschen Singsang und Spielen auf dem Bolzplatz bewältigen. Regelmäßig macht der Bezirk Schlagzeilen, weil er sich vor Straftaten kaum retten kann.

So endet die Umsetzung einer guten Intention in gekünstelter Harmonie und aufgezwungener Coolness. Auch die Community ist fassungslos. Das Like-Dislike-Verhältnis spricht klare Worte. Knapp 85 Prozent aller Votes sind Dislikes und fast 90 Prozent der Kommentare unter dem YouTube-Video fallen kritisch aus. Von den Zuschauern hagelt es Unverständnis: 

Obwohl es ein paar wenige positive Resonanzen gibt, behält das Musikvideo einen bitteren Beigeschmack. Eine Kooperation der Polizei mit zivilgesellschaftlichen Netzwerken ist durchaus sinnvoll und vorbildlich. Mit einem solchen Ergebnis tut sich der sogenannte "Freund und Helfer" jedoch absolut keinen Gefallen. Es wirkt, als würden wahrhaftige Probleme unter den Teppich gekehrt und echte Anliegen der Bewohner nicht ernst genommen. Eine multikulturelle Idylle ist für viele zwar die Wunschvorstellung, aber noch lange keine Realität. So zu tun, als gäbe es sie bereits, wirkt einfach nur heuchlerisch und unauthentisch. 

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