Bad Bunny schreibt mit Playboy-Cover Geschichte

Latin-Trap und Reggaeton sind vor allem in spanischsprachigen Ländern maximal large. Mit Bad Bunny hat einer der größten Künstler auf diesem Feld nun einen historischen Move vollbracht. Er ziert ganz allein das aktuelle Cover der US-Ausgabe des Playboy. Also des Magazins, das eigentlich vornehmlich die Körper von weiblichen Bunnys in Szene setzt.

Bad Bunny beerbt Hugh Hefner

Der Musiker aus Puerto Rico, der allein auf Spotify monatlich auf mehr als 40 Millionen Hörer verweisen kann und Anfang des Jahres noch beim Super Bowl aufgetreten ist, kommt gleich mit zwei Versionen eines Digital-Covers an den Start. Doch damit nicht genug: Er ist nach dem verstorbenen Gründer Hugh Hefner überhaupt der erste Mann in der Geschichte des Magazins, der ohne weibliche Begleitung auf dem Cover posiert. In der Vergangenheit fanden schon Herren wie Bruno Mars oder Seth Rogen den Weg aufs Titelbild – jedoch nie solo.

Auf dem ersten Cover zeigt Bad Bunny Zähne. Diese sind mit Playboy-Stickern verziert. Ebenso haben die Lippen und die Augenpartie ein paar der klebenden Bunnys abbekommen. Dazu rockt Bad Bunny Nagellack und eine Sonnenbrille.

Das zweite Cover hebt die Mundpartie des Rappers hervor. Auch hier haben die Macher mit den Bunny-Stickern gearbeitet. Die Fotos hat Stillz geschossen. Der Fotograf aus Kolumbien ist an der Seite von Bad Bunny seit längerer Zeit für das Kreative zuständig.

Bad Bunny ist sein Impact kaum bewusst

In seiner Musik und mit seinem Auftreten setzt Bad Bunny seit jeher auf einen Kontrast zu einem altbackenen Rollenverständnis. Das Bad Bunny-Universum ist bunt, wild und frei von Stereotypen. Außerdem ist er sich nicht zu schade, politisch seine Stimme zu erheben. Die Bühne bei Jimmy Fallon nutzte er vor wenigen Monaten, um sich für die Rechte von Transmenschen starkzumachen.

Er macht einfach, wonach ihm der Sinn steht. Der Name seines zweiten Soloalbums "Yo Hago Lo Que Me Da La Gana" ("Ich tue, was ich will") ist Programm. Welche Türen er damit für die LGBTQ+-Szene öffnet, falle ihm immer nur auf, wenn sich jemand bei ihm bedanke. Wie er dem Playboy erklärt, betrachtet er die Kultur des Reggaeton als integrativ wirkenden Platz für alle. Egal, wie man sich kleidet, wen man liebt oder woher man kommt.

"Es gibt nichts Schlimmeres als irgendwo zu sein und das Gefühl zu haben, dass du nicht dazugehörst. Ich habe versucht sicherzustellen, dass sich jeder als Teil der Kultur des Reggaeton fühlt. Ich möchte sicherstellen, dass sie das Gefühl haben, jemanden dort zu haben, diesen Freund, der für sie eintreten kann."

("There’s nothing worse than being somewhere and feeling like you don’t belong. I’ve been trying to make sure everybody feels part of the culture of reggaetn. I want to make sure they feel that they have someone there, that friend that can stand up for them.")

Die komplette Cover-Story von Bad Bunny kannst du hier lesen. Eindrücke vom Shooting sind ebenfalls online:

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Kommentare

Ich denke in der Reggaeton Szene trifft man nur nette Menschen, allein wenn man sich Interviews von J Balvin, Ozuna oder eben auch Bad Bunny ansieht, merkt man einfach das sie durch und durch gute Menschen sind. Und die Aktion das er sich für Transmenschen stark macht ist top, wenn man als Star Reichweite hat sollte man sie definitiv auch für etwas gutes nutzen

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Rolling Stone-Cover: Entscheidung gegen Joy Denalane & Ilgen-Nur zeigt, dass sie Recht haben

Rolling Stone-Cover: Entscheidung gegen Joy Denalane & Ilgen-Nur zeigt, dass sie Recht haben

Von David Molke am 03.08.2020 - 19:06

Beinahe hätte der Rolling Stone etwas wirklich Revolutionäres getan und nicht nur eine, sondern gleich zwei Frauen auf das Cover gepackt. Aber das war dann wohl doch zu krass. Stattdessen geht das Magazin lieber auf Nummer sicher und entscheidet sich für das gefühlt siebenhunderste Bruce Springsteen-Cover. Obwohl es offenbar bereits ein Cover-Shooting mit Joy Denalane und Ilgen-Nur gegeben hat und obwohl die beiden Musikerinnen im Interview in dieser Ausgabe sogar genau diese Problematik ansprechen: Der Rolling Stone in Deutschland hat ein Repräsentations- und damit ein Sexismus- sowie ein Rassismus-Problem. Das einzig Positive an der Cover-Entscheidung ist somit, dass es zeigt, wie sehr die beiden Frauen richtig liegen.

Joy Denalane & Ilgen-Nur sprechen im Rolling Stone über Unterrepräsentation, Rassismus & Sexismus...

In der aktuellen, deutschen Rolling Stone-Ausgabe gibt es ein Interview mit Joy Denalane und Ilgen-Nur. Sie sprechen darin unter anderem darüber, wie positiv überrascht sie seien, vom Rolling Stone so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Gleichzeitig kritisieren sie die Unter-Repräsentation von Frauen und BIPoc, wenn es um das Cover geht (via: Übermedien).

Joy Denalane erklärt beispielsweise, sie habe den Rolling Stone in Deutschland immer als "ein sehr männliches, weißes Magazin wahrgenommen". Ilgen-Nur gibt zu Protokoll, es sei schon seltsam gewesen, dass "nie eine Frau mit Gitarre auf dem Cover eines Magazins" zu sehen sei, und das bereits seit vielen Jahren.

Das Gespräch dreht sich ebenfalls um Rassismus und explizit auch darum, wozu der Rolling Stone nun bereit zu sein scheint. Joy Denalane kann sich nicht nur darüber freuen, dem Rolling Stone dieses Interview gemeinsam mit Ilgen-Nur zu geben:

"Ich empfinde es als ambivalent. Einerseits finde ich es toll, [...] Gleichzeitig denke ich: Warum erst jetzt? Und warum gerade Leute wie wir? Auf der Skala von BIPoC sind wir ja tatsächlich eher die Light-Skin-Fraktion […]"

"Light-skinned und white-passing: Ist das das Äußerste, wozu der Rolling Stone jetzt bereit ist? Es gibt tolle Artikel [...] es gab auch Cover mit Prince. Aber die meisten sind dann leider nur posthume Geschichten: Miles Davis, Bob Marley, Jimi Hendrix … Gary Clark Jr. war auch nie auf dem Cover des Rolling Stone."

"Auch die Unterrepräsentanz von Frauen ist mir immer wieder aufgefallen. Weil es nicht im Entferntesten widerspiegelt, was die Musiklandschaft zu bieten hat. Man muss jetzt eben beobachten, wie das weitergeht. Ob die momentane Aufmerksamkeit für Diversity Teil einer Zäsur ist oder nur eine schnelle Anpassung an das Weltgeschehen oder das eigene schlechte Gewissen."

...sie kommen dann aber doch nicht auf das Cover

Die beiden Künstlerinnen sind während des Gesprächs offenbar noch davon überzeugt, dass das Interview die Cover-Story der Rolling Stone-Ausgabe werden soll. Anscheinend wurde das im Vorfeld auch so kommuniziert, zumindest soll von einem Cover-Shooting die Rede gewesen sein.

Das dann auch stattgefunden hat und wohl ziemlich aufwändig war. Dabei ist dann sogar der Entwurf eines Covers herausgekommen, der Joy Denalane und Ilgen-Nur auf dem Rolling Stone-Cover zeigt, wie es in einer besseren Welt hätte aussehen können: Mit Gitarre und allem Drum und Dran.

Letztlich hat sich die Redaktion des Rolling Stone dann aber doch noch dagegen entschieden. Auf eine Nachfrage von Übermedien hin vor allem deshalb, weil die Verantwortlichen nicht davon überzeugt gewesen wären, dass das Bild kraftvoll genug war. Stattdessen wurde ein 45 Jahre altes Bruce Springsteen-Bild genommen.

Dessen Album hatte Geburstag und das Foto sei relativ selten, weshalb von Anfang an mit dieser Alternativ-Möglichkeit geplant worden sei. Den beiden Musikerinnen Joy Denalane und Ilgen-Nur wurde das aber wohl nicht so eindeutig kommuniziert, wie es scheint.

Das zeigt, wie sehr sie mit ihrer Kritik am Rolling Stone Recht haben

Anstatt die Chance und vielleicht auch die Gunst der Stunde zu nutzen oder einfach nur mal ein bisschen fortschrittlich zu sein, entscheiden sich die Menschen beim Rolling Stone für das genaue Gegenteil.

Statt BIPoC-Künstlerinnen auf das Cover zu nehmen, wird es wie fast immer ein alter, weißer Mann. Besonders ironisch wirkt das natürlich angesichts dessen, was die beiden Frauen im Magazin selbst kritisieren.

Jetzt könnten wir uns natürlich freuen, dass die beiden immerhin überhaupt dort stattfinden und ihre Kritik äußern können. Nur scheint sie leider nicht durchzudringen oder irgendwelche Veränderungen auszulösen.

Aus einem kraftvollen Cover-Statement wird so nur ein mutloser Rückgriff auf Althergebrachtes, auf langweilige, ewiggestrige Traditionen und die vermeintlich sichere Bank. Wenn das Axel Springer-Blatt auch in Zukunft Bestand haben will, dürfte das zu wenig sein.


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