Akon City: Milliarden-Deal für Akons Stadt im Senegal

Wer am Anfang noch dachte, Akon City wäre ein (äußerst aufwändiger) Joke, wird eines Besseren belehrt. Die Stadt, die den Namen des Musikers trägt, soll laut aktuellen Plänen bis 2030 fertiggestellt werden. Grade trocknet die Tinte auf einem Deal über mehrere Milliarden Dollar, der ein Meilenstein für das Vorhaben im Senegal ist.

6-Milliarden-Deal für Akon City

Für stolze sechs Milliarden Dollar wird sich das amerikanische Consulting- und Engineering-Unternehmen KE international, das ein ähnlich ambitioniertes Projekt in Kenia namens Mwale Medical and Technology City (MMTC) umsetzt, um den Bau der Stadt kümmern. Bakri & Associates Development Consultants aus Dubai soll für die Architektur der Stadt verantwortlich sein.

Die Vision hinter Akon City

Die Stadt soll hohen gesundheitlichen und infrastrukturellen Standards entsprechen und einer klar zukunftsorientierten Philosophie folgen. Zudem soll Akon City im Bereich Umweltschutz und Energieversogung die LEED-Kriterien (Leader in Energy and Enviromental Design) als zweites Projekt in Afrika nach MMTC erfüllen. Das Bauprojekt in der Nähe der Hauptstadt Dakar soll in etwa einer Dekade beendet werden mit dem Ziel, eine komplette cryptocurrency City entstehen zu lassen.

Gegenüber BusinessInsider sagte Akon, dass die Kryptowährung ein sicheres Zahlungsmittel darstellen würde, welches den Menschen in Afrika eine höhere Unabhängigkeit von der Regierung sichere. Der Name der Kryptowährung soll – in Anlehnung an den Künstlernamen von Aliaume Damala Badara Akon Thiam – „AKOIN“ heißen.

Außerdem interessant für die Entwicklung von Akon City: Die Stadt soll eine steuerliche Sonderstellung im Senegal genießen, um Investitionen attraktiver zu machen.

Der US-Rapper mit senegalesischen Wurzeln hat sich schon in der Vergangenheit für Entwicklungsprojekte in Afrika eingesetzt: etwa 2015 mit dem „Akon Lightning Africa“-Projekt oder seiner fortlaufenden „Konfidence Foundation“, welche Kindern in Not hilft und mit deren Hilfe bereits eine Grundschule gebaut werden konnte. In einem Interview mit dem PV Magazine betonte er, dass er sein Vermächtnis als Musiker und Entertainer dafür einsetzen möchte, die Jugend von Afrika zu unterstützen.

Der Vorbereitungsprozess von Akon City ist der Öffentlichkeit seit 2018 bekannt. Zwei Jahre waren demnach für Akon nötig, um gemeinsam mit Macky Sall, dem Präsidenten des Senegal, und anderen Beteiligten die finanzielle Grundlage für das visionäre Projekt zu sichern.

Akons Erfolge als Rapper, Musikproduzent und Labelbesitzer des Labels „Konvict Muzik“ werden viele Fans noch in guter Erinnerung haben. Sein Hit „Lonely“ mit dem gepitchten Sample aus „Mr. Lonely“ von Bobby Vinton war 2005 auf Platz 1 der deutschen und britischen Charts. "Sweet Escape" mit Gwen Stefanie, "Smack That" mit Eminem und "Sexy B*tch" mit David Guetta machten den heute 47-Jährigen in den 00er-Jahren zu einem Weltstar, an dem auch in Deutschland (7x Gold, 2x Platin) niemand vorbei kam. 

Auch für deutsche Rapper ist Akon auch Unbekannter: 2004 kollaborierte er mit Azad auf dem Track „Locked up“. Im Jahr 2018 hatte er einen Feature Part auf dem Song „Unsterblichkeit“ auf Bushidos Album "Mythos".

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Petition will eine Haftbefehl-Straße in Offenbach erwirken

Petition will eine Haftbefehl-Straße in Offenbach erwirken

Von Clark Senger am 25.06.2020 - 12:11

Was der Tod von George Floyd angestoßen hat, lässt aktuell in etlichen Ländern Menschen über Rassismus in der Gegenwart und der Vergangenheit nachdenken. Denkmäler von kolonialistischen Kriegstreibern werden versenkt, Straßennamen und mehr werden historisch eingeordnet und überdacht. So auch in der Stadt Offenbach am Main, zu deren berühmtesten Söhnen Haftbefehl zählt.

Bismarckstraße in Offenbach soll umbenannt werden

Eine derzeit noch relativ kleine Petition mit etwa 550 Unterschriften möchte nun der Bismarckstraße an den Kragen und wirft die Namen Haftbefehl-Straße oder Erwin-Kostedde-Straße in den Raum. Erwin Kostedde wurde 1974 zum ersten Schwarzen Spieler in der deutschen Fußballnationalmannschaft. Wer Haftbefehl ist, solltet ihr wissen.

Die Kritik am Vermächtnis des ersten Reichskanzlers Otto von Bismarck (1871-1890) liegt wie bei vielen Denkmälern und Straßen in der Kolonialisierung Afrikas. Man sagt zwar ihm zwar nach, persönlich kein Fan des Kolonialismus gewesen zu sein. Dennoch ist er der Gründer des deutschen Kolonialreichs gewesen: Unter seiner Führung wurde durch den Erwerb von Territorien in Afrika und im Pazifik der Grundstein gelegt. Den Menschen dort brachte der weiße Mann aus Deutschland Tod, psychisches, physisches, kulturelles und historisches Leid sowie jahrzehntelange Ausbeutung, deren Folgen diese Länder bis heute mitprägen.

"Die Stadt hat vor ein paar Jahren einen kurzen Weg im Büsingpark in Regina-Jonas-Weg umgetauft. Eine herausragende Frau, die in Offenbach 1935 die erste Rabbinerin weltweit (!) wurde, und 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Otto von Bismarck hingegen hat mit der von ihm 1884/1885 in Berlin organisierten Kongokonferenz die Kolonisierung Afrikas organisiert und ist damit für das Leid und die Ermordung von Millionen von Menschen (mit)verantwortlich. Auch außerhalb dieser Konferenz war er ein Kriegstreiber. Eine der größten und wichtigsten Ost-West-Verkehrsstraßen in Offenbach ist nach ihm benannt." – Auszug aus der Petition

Haftbefehl-Straße direkt am Offenbacher Hauptbahnhof?

Dem Initiator der Petition geht es darum, alle Offenbacher über den neuen Straßennamen abstimmen zu lassen. Die zentrale Ost-West-Verbindung, die aktuell noch Bismarckstraße heißt, liegt direkt am Hauptbahnhof. Hafti und Kostedde sind erstmal nur Vorschläge.

"Bin natürlich für alle Vorschläge offen. Ach, und weil es hier ja um Demokratie geht, sollten natürlich alle Offenbacher*innen über die neuen Namen abstimmen."

Unterschreiben könnt ihr übrigens hier:

HAFTBEFEHL GEGEN BISMARCK | Umbenennung der Bismarckstraße in Erwin-Kostedde- oder Haftbefehl-Straße - Online-Petition

Endlich wird der Kolonialismus kritisch angegangen und Geschichte neu betrachtet. Nein, Kolumbus hat Amerika nicht "entdeckt" und nein, ägyptische Statuen in Nationalmuseen haben nichts von Indiana Jones sondern sind Raub.

Es ließe sich sicher auch darüber diskutieren, ob die Chancen auf eine Aykut-Anhan-Straße nicht höher wären. Das steht aber gar nicht so sehr im Fokus wie ein Umbruch in der Art und Weise, wie man einflussreicher Persönlichkeiten der Vergangenheit gedenkt. Und an diesem Punkt dürfte es – ganz abgesehen vom zu einfach zu ignorierenden Wesen vieler Online-Petitionen – schwierig für das Unterfangen werden.

Wer seinem Hund ein Geschirr mit der Aufschrift "Deutsche Ehre" kauft, rechte Parteien wählt, sich von der Bild mit Panik vor Zuwanderung anstecken lässt oder ähnliches, der wird vermutlich auch Bismarck nicht kritisch gegenüber stehen. Im Geschichtsunterricht hören die meisten von seinen Errungenschaften. Wie er durch Kriege mit diversen Nachbarn das deutsche Reich und geformt habe. Wie toll seine Bündnispolitik gewesen sein soll. Und ja, auch dass er mit Versicherungen die Basis für den Sozialstaat gelegt hat. Solche Sachen. Wie viele Leben durch seine Politik (in Europa und Afrika) ihr Ende fanden, ist in den meisten Lehrplänen maximal eine Randnotiz.

Sollte es zur Umbenennung der Straße kommen, könnte davon eine sehr spannende Signalwirkung ausgehen. Bismarckstraßen und -Plätze gibt es in jedem noch so kleinen Kaff in Deutschland. Dementsprechend werden Imbissbuden, Apotheken und andere Geschäfte ebenfalls nach Bismarck benannt. Der Name ist omnipräsent.

Im Projekt tearthisdown sind diese Straßen, Wege und Plätze gar nicht aufgeführt und trotzdem findet man dort eine Deutschlandkarte, die schon jetzt voller kolonialer Überbleibsel ist. Es gibt einiges zu tun in Deutschland.


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