Das Vorbild übertroffen? "Eine deutsche Rapgeschichte" unter der Lupe

 

Nach seinen abgefahrenen Cover-Versionen von Kay One und Fler hat Jan Böhmermann einen neuen Rap-Kracher auf die Bühne gebracht.

Der Neo Magazin Royale-Moderator hat mit Dendemann eine Performance der deutschen Rapgeschichte hingelegt, die sich innerhalb von drei Tagen über 700.000 Menschen bei YouTube reingezogen haben. 

Wie Böhmermann am Anfang des Auftrittes klarstellt, hat er sich an Justin Timberlakes und Jimmy Fallons Performance der amerikanischen Rapgeschichte orientiert. Böhmi und Dende nehmen sich also eine absolute Meisterleistung zum Vorbild. Zu viel vorgenommen?

Nope! Wie die Kommentare zum Video in diversen sozialen Medien zeigen, sind viele einer Meinung: Die Performance der deutschen Rapgeschichte kann nicht nur mit der amerikanischen mithalten, sie ist sogar besser. Die Beweise sprechen für sich...

Was "Eine deutsche Rapgeschichte" vom Vorbild unterscheidet

Jan Böhmermann und Dendemann haben es sich nicht nehmen lassen, eigene, passende Lines zu den Tracks zu reimen. "Einfach nur nachrappen" wie es Timerlake und Fallon (no Hate – grandiose Nummer!) gemacht haben, ist ja auch langweilig. 

An Einfallsreichtum fehlt es den beiden auf keinen Fall. So werden Zeilen aus Sidos Mein Block locker umgetextet und kriegen eine Torch-Anspielung verpasst:

"Mir und meinen Homies scheint die Sonne aus'm Arsch. In unser'm Block weiß es jeder, wir war'n mal Stars. [...] Mein schöner, weißer Plattenbau wird langsam grau, drauf geschissen, ich werd' auch alt und grau im TV."

Der zweite Pluspunkt für die beiden sind die Überraschungsauftritte. Als man nach Anke Engelkes Rap schon "Haha, wie witzig" denkt, kann man bei der Skype-Konferenz nur noch lachen. Künstler wie Kollegah, Curse, Alligatoah, Samy Deluxe und Jan Delay performen Tracks der deutschen Rapgeschichte. Bushido wird weggedrückt und Kay One vermisst die Moncler-Jacke.

Als Böhmermann seine Fernsehfreunde vermisst, gibt es mal eben einen lockeren Skype-Auftritt von Moderatoren-Legende Thomas Gottschalk, der den Dialog zwischen Smudo und Thomas D aus Die Da nachahmt. Irgendwie war es ja gerade dieser Mr. Gottschalk, der der deutschen Rapgeschichte auf die Sprünge geholfen hat. Stichwort: GLS-United. Lang, lang ist's her.

Hinzu kommt Nicht-Dschungelkönig Walter Freiwald, der ein paar Marteria-Lines vom Stapel lässt und im Moment bekanntlich alles für einen TV-Auftritt, beziehungsweise Job tut. Sei es ihm verziehen, dass er "Kiffen" und "Saufen" durcheinander wirft.

Wer ist dieser Jimmy Fallon? Kenn ich nicht. Soll sich...

...bloß nicht fi*ken. Seine Show bleibt das Vorbild, aber Eine deutsche Rapgeschichte hat dem Vorbild gezeigt, wo der Hammer hängt. In Deutschland! Klar: Die super Idee ist gemopst, aber das ist ja kein billiger Abklatsch, sondern ein komplett eigenständiges Werk mit eigener Finesse.

Neben Dendes Writing-Skills und diversen Feature-Gästen bleibt besonders Böhmermanns Doubletime-Part im Gedächtnis. Locker ein paar Bars von Kolles AKs im Wandschrank wegflexen. Easy! Kann Jimmy Fallon das? – Nein, also Lappen. Auch in Sachen Übergange der Tracks können die Amis noch einiges (eigentlich alles) lernen. 

Zum Schluss wäre da dann noch die Imitation der Rapper. Jimmy Fallon und Justin Timberlake haben das schon drauf, aber wie Böhmermann einen auf Sido, Haftbefehl oder Kollegah macht, ist einfach nur filmreif. 

Welche Rapgeschichte im Endeffekt besser gefällt, ist immer noch Geschmackssache. Allerdings haben Jan Böhmermann, Dendemann und Co. Eine deutsche Rapgeschichte hingelegt, die wohl selbst in die deutsche Rapgeschichte eingehen wird.

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