Die Orsons im 11-Fragen-Tour-Interview

Ihr "Orsons Island" ist aktuell die Bühne: Bartek, Maeckes, Kaas und Tua rollen in den nächsten Wochen quer durch Deutschland. Im Gepäck haben Die Orsons ihr neues Album, zahlreiche Klassiker und einige Live-Überraschungen. Wir haben sie bei ihrem Tourstart in München besucht. Dabei wurden die Fragen geklärt, welches Bühnenoutfit man 2019 trägt, was sich im Vergleich zu früheren Touren verändert hat und ab welchem Zeitpunkt Playstation-Spiele wichtig werden. Die erste Frage gebührt jedoch ihrer neuen Platte. 

------------------------------------------------------------------------------------------------

Euer Album "Orsons Island" ist seit einigen Wochen draußen. Darauf gab es fast ausnahmslos positive Kritiken. Welche Resonanz hat euch am meisten überrascht? 

Maeckes: Ich kann keine spezielle herausfiltern. Dass es durch die Bank weg so positiv war, damit rechnet niemand. Nicht, dass wir nicht denken, dass wir gutes Zeug machen. In der Produktionsphase eines Albums hat man mal viel Selbstvertrauen und mal weniger. Wenn man dann aus diesem Tunnel herauskommt und es alle gut finden, ist das krass. Vor allem auch, wenn uns andere Künstler sagen: 'Ich höre das privat.' Dass unser Album sowohl bei den Fans als auch innerhalb der Szene solch ein Gehör findet, ist das Allerschönste. 

Kaas: Ich fand den Vergleich von Dendemann krass. Er hat getwittert: "Stadtaffe" – "DIY" – "Orsons Island". Da bin ich ganz krass ausgeflippt. 

Jetzt seid ihr seit ein paar Tagen mit genau diesem Album auf Tour. Warum muss man Die Orsons live erleben? 

Maeckes: Es klingt wie das hohlste Gewäsch, aber das ist die beste Show, die wir je gemacht haben. Wir haben es zum ersten Mal geschafft, vorab eine Generalprobe zu machen. Normal war unser erstes Konzert immer die Generalprobe. Wir sind jetzt eine Spur weiter. Wir haben ein neues Setup, wir haben neues Licht, eine neue Bühne, eine neue Performance, wir haben neue krasseste Übergänge und wir haben eben auch neue Songs. 

Die Orsons - Nimm`s Leicht (Official Video)

Nimms leicht Bruder (Erklärung: Take ist easy Bro). Unzufrieden mit dem Ganzen, alles liegen lassen, tanzen! Die Orsons mit der nächsten Single aus ihrem Top10 Album "Orsons Island"! Das neue Album „Orsons Island" gibt's ab JETZT überall: https://umg.lnk.to/OrsonsIsland Form ein O und folge den Orsons: https://www.instagram.com/orsonsdie https://twitter.com/dieorsons https://www.facebook.com/dieorsons Die "Orsons Island" Tour 2019 rollt ab JETZT!

Wie akribisch bereitet ihr euch auf so eine Tour vor? 

Bartek: Ich habe extra einen Monat Alkoholpause gemacht, drei Liter Wasser am Tag getrunken und die letzten zweieinhalb Wochen war ich jeden Tag eine halbe Stunde auf dem Fitnessrad. 

Welches Bühnenoutfit trägt man 2019? 

Kaas: Man trägt Motorradhaube. 2019 ist zudem das Jahr der Strumpfhose, die ist auch wichtig. Ansonsten trägt man auch viele Koffer. 

Was passiert bei euch im Backstage? 

Bartek: Ich dachte ja, man probiert sich gemeinsam durch alle möglichen Biersorten durch, die es gibt. Aber bisher  habe ich da keinen von den Jungs an meiner Seite. Das heißt, ich muss alleine Bier trinken. Das ist sehr traurig. 

Hat sich im Vergleich zu früheren Touren etwas verändert bei euch? 

Kaas: Es ist alles professioneller geworden. Man kann seine Kraft mittlerweile ein bisschen besser einschätzen und verteilen. Ich weiß, wann ich Gas geben kann, aber auch, wann ich mal ein Wasser brauche und mich erholen muss. 

Maeckes: Der Rock 'n' Roll-Grad hat sich ganz klar verändert. Es gab Touren, auf denen Sodom und Gomorrha herrschte. Früher begann die Show erst nach der Show. Da war das Motto: 'Alles erleben, was man erleben kann.' Korrigiert mich, falls es anders ist, aber mittlerweile sind wir doch alle relativ gechillt und müssen nicht mehr alles anzünden, was geht. 

Kann man wirklich bei jedem Song zu 100 Prozent konzentriert sein? 

Bartek: Mit zunehmender Dauer der Tour denkt man auch mal an andere Dinge. So ab Show Nummer neun vielleicht. Wenn es dann mal läuft, macht man sich schon mal Gedanken, welches Spiel man auf der Playstation spielt, wenn man von der Tour nach Hause kommt. Aber in erster Linie sind wir da alle sehr fokussiert. 

Was ist das Must-have, das auf Tour immer dabei sein muss? 

Maeckes: Ein mobiles Studio um Mucke machen zu können. 

Das heißt, dass ihr gerade schon wieder an neuen Songs arbeitet? 

Bartek: Wir wissen es selber nicht. 

Maeckes: Lass mal noch ein paar Tage vorbeigehen, dann schauen wir weiter. Wir machen einfach Mucke und gucken, was dabei rauskommt. 

Die Orsons - Dear Mozart (Official Video)

Entschuldigen Sie bitte mal? Die Orsons mussten für die größten Festivals des Landes proben. Weil so ein Bootcamp die realste Boyband unserer Zeit aber nun mal nicht voll auslastet, wurde zur Entspannung kurzerhand ein "Dear Mozart" Video gedreht. Et voilà!

Wenn ihr so mit dem Tourbus von Stadt zu Stadt fahrt: Was fällt euch da an Deutschland besonders auf? 

Maeckes: Auf Tour ist es schwierig, weil wir ja über Nacht fahren. Wir wachen auf und sind schon in der nächsten Location. Wenn wir dann doch alle noch mit Bartek saufen, wacht man auch sehr spät auf. Manchmal hat man so gute zwei Stunden in der Stadt, da schaffen wir dann auch mal eine kleine Exkursion und gucken uns Dinge an. Oftmals spürt man dafür dann aber das Publikum oder die Mentalität der jeweiligen Stadt – oder aber wie das Bier schmeckt. 

Kaas: Ich merke aber immer wieder, wie unterschiedlich es überall ist und wie jede Region ihre eigenen Spezialitäten, Baustile oder Schwingungen hat. Das ist spannend zu erleben, wie die Leute überall ticken. Wenn man dann eine Chance hat, mal was anzuschauen, ist es auch ein Segen so viele Städte kennenlernen zu dürfen. 

Welche Tour habt ihr selbst zuletzt besucht? 

Kaas: Ich habe zuletzt Trettmann auf dem Highfield Festival gesehen. War sehr schön. 

Bartek: Boah, ich war lange auf keinem Konzert mehr. Ich warte immer auf die Sachen und dann verpasse ich die. Wenn es dann nämlich soweit ist, bin ich irgendwie selbst auf Tour. 

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

OG Keemo landet nach 9 Monaten mit "216" in Modus Mio

OG Keemo landet nach 9 Monaten mit "216" in Modus Mio

Von Clark Senger am 02.06.2020 - 15:57

Am heutigen Dienstag setzen viele Menschen infolge des gewaltsamen Todes von George Floyd durch einen Polizisten ein Zeichen gegen Rassismus. Manche tun es mit schwarzen Profilbildern und einem Social-Media-Blackout, andere wollen die volle Kraft des Movements gerade jetzt auch im Internet weiter nutzen. Die Menschen, denen etwas an Gerechtigkeit in unserer Welt liegt, finden viele Wege, um sich mit Floyd oder rassistisch diskriminierten Menschen ganz generell zu solidarisieren.

OG Keemo landet in Modus Mio

Deutschraps größte Playlist rückt Polizeigewalt und Rassismus heute mit dem Hashtag #BlackLivesMatters, einem schwarzen Cover und auch musikalisch in den Fokus. Selbst wenn der Rest der Playlist die übliche Kost von Mero, Bonez MC, Apache 207, Capital Bra und Co serviert, finden wir nämlich auf Platz 1 einen Künstler, der bislang alles andere als "Modus Mio"-Resident war: OG Keemo.

Dieser veröffentlichte vor knapp neun Monaten als erste Single aus seinem Debütalbum "Geist" den Song "216", in dem es um Angst vor den Cops, strukturellen Rassismus, Racial Profiling und die Form des schwarzen Widerstands geht. Für das untermalende Musikvideo von Breitband und Keemos Skills als Lyricist gab es bei den Hiphop.de Awards 2019 jeweils einen Preis. Auf Spotify ist die Nummer mit aktuell knapp 1,25 Millionen Aufrufen einer der erfolgreichsten Keemo-Tracks – seine Message sollten jedoch viel mehr Leute hören und verinnerlichen.

Dass die Kuratoren bei Spotify den Song heute an die Spitze packen, ist ein gutes Zeichen. Die aufgebaute Reichweite kann für mehr als den Soundtrack des Sommers genutzt werden. Es lohnt sich vor dem aktuellen Hintergrund, noch einmal einen genaueren Blick auf "216" zu werfen.

"216" Lyrics unter der Lupe

Viele Zeilen passen nahezu perfekt auf die aktuelle Situation in den USA und verdeutlichen, dass etwa Racial Profiling auch in Deutschland ein massives Problem ist.

Ich bin gepolt, um bei Sirenenlicht zu bangen /

also red' nicht, wenn du nicht verstehst, weswegen ich so handel', N**ga /

deshalb schrei' ich auch weiterhin: F*ck die Hundertzehn! – Ich /

bin ein junger König /

was weißt du von Polizeikontrollen, wenn ein junger N**ga spät im Dunkeln unterwegs ist /

und allein dein Hautton ist Grund genug, nicht lang rumzureden

Es ist beängstigend, traurig und leider nicht überraschend, dass diese Zeilen nur wenige Monate nach ihrer Veröffentlichung wieder aktuell sind und auch in kommenden Jahren noch aktuell sein werden. Der ohnehin dramatische Track spitzt sich in Bild und Sound zum Ende hin noch weiter zu. Keemo beschreibt eine Situation, in der ein junger Schwarzer von der Polizei kontrolliert wird und ein Gramm in der Tasche dabei hat. Die zwei Optionen, die er in diesem Moment sieht, zeigen deutlich, wie sehr er eine unverhältnismäßige Behandlung aufgrund seiner Hautfarbe zu befürchten hat:

Entweder küsst du die Motorhaube vom Streifenwagen /

oder guckst, wie weit dich deine Beine tragen /

(lauf!)

Diese Zeilen rappt er mit schweren Ketten und Strick um den Hals frontal in die Kamera. Millisekunden danach tritt ein weiß uniformierter und mit diversen Orden behangener Mann (ebenfalls gespielt von ihm selbst) die Kiste unter den Füßen weg und Keemo zappelt am Galgen. Der Mann in Weiß entfernt sich unbeeindruckt einige Meter vom Todeskampf und salutiert danach brav. Im Hintergrund sieht man noch seine Handlanger, die teilnahmslos neben dem Mann stehen, der gerade erstickt.

Die Parallelen zwischen "216" & George Floyds Tod

Die exakte Symbolik der einzelnen Menschen und Gegenstände in Keemos Video kann man sicher diskutieren. Vieles lässt sich aber im Nachhinein auf George Floyds Fall anwenden. Als sein endgültiges Todesurteil, den Tritt gegen die Kiste unter seinen Füßen, kann man das Knie des Polizisten Derek Chauvin in seinem Nacken sehen sowie dessen Ignoranz gegenüber dem Flehen des am Boden liegenden Mannes.

Der symbolische Strick, den die perlweiß gekleideten Helfer Keemo im Video umlegen, war für George Floyd wahrscheinlich schon das Aufeinandertreffen mit der Polizei. Eine falsche Bewegung, ein Satz, ein Blick – es kann dein Todesurteil bedeuten. Das ist die Realität, in der wir leben und die grade weltweit für wütende Proteste sorgt.

Am leichtesten fällt die Parallele zwischen den Helfer im Video von Breitband und den Cops, die Derek Chauvin 8:46 Minuten nicht daran hinderten, George Floyd zu töten. Die Botschaft hier lautet auch: Wer zusieht, macht sich mitschuldig.

Anders als Keemo im Song hatten George Floyd, Rodney King, Terence Crutcher, Trayvon Martin, Eric Garner und Co nicht die Option, einen Fluchtversuch zu starten. In diesem Fall hätten sie wohl auch ihr Leben riskiert. Man muss sich dieses Dilemma vor Augen halten, in dem du Todesangst hast, weil du von einem Polizisten kontrolliert wirst.

Eskalation & Gewalt in den USA: Nicht die andere Wange hinhalten

Bei der jahrhundertelangen Historie der Sklaverei, dem steinigen Weg in die normale amerikanische Gesellschaft und bis in die Gegenwart wurden unzählige friedliche Versuche unternommen, um für wirkliche Gleichberechtigung zu sorgen. Man will es besser machen als diejenigen, die einen unterdrücken.

Jesus' Ansatz mit der anderen Wange mag in Alltagssituationen bei manchen Menschen zur Vernunft führen. Als Schwarzer in Amerika die andere Wange hinzuhalten, wird dir im Zweifel sogar noch als Angriff ausgelegt, wenn grade nicht glücklicherweise eine Kamera mitgefilmt hat. Keemo rappt in "216":

Mein Vater sagte: "Halt ihn'n nie die andre Wange hin /

Martin Luther tat es, und guck, wie sie ihn behandelten, N**ga!"

Und:

Mein Vater sagte: "Ganz egal, wie sanft sie schlagen, geb ihn'n nie die andre Wange /

Mandela tat's und war fast drei Jahrzehnte lang gefangen"

Deshalb ist die gewaltsame Eskalation der Lage in den USA nicht gutzuheißen oder zu feiern. Unschuldige verlieren durch Plünderungen vielleicht ihre Existenz, was die Spirale von Hass und Verzweiflung nur noch weiter antreibt. Man kann aber nachvollziehen, woher diese physischen Reaktionen kommen.

Echte Veränderungen sind längst überfällig

Sich mit extremen Mitteln das Gehör zu verschaffen, das einem offenkundig nicht geschenkt wird, zählt seit mehreren Dekaden zum festen Repertoire der Rapwelt. "F*ck Tha Police" war der berüchtigte Slogan, als die Mitglieder von N.W.A sich nicht anders zu helfen wussten. Kendrick fügte 2015 (über ein Vierteljahrhundert später!) in seinem Song "Alright" bekanntermaßen hinzu: "Wanna kill us dead in the street fo sho'" – das sind nur zwei der prominentesten Beispiele.

Auch in Deutschland engagieren sich neben Keemo etliche MCs. Ganz aktuell wurden Racial Profiling und anderer Rassismus auch beim Hamburger Ansu ins Spotlight gerückt. In seinem Song "Bomberjacken" rappt er:

Schon wieder Kontrolle durch die Polizei /

Na klar hab' ich nichts dabei /

Verhalte mich nicht mal ein bisschen verdächtig, egal, die Hautfarbe reicht

Wer also einen Blick auf die Rapwelt der Gegenwart oder Vergangenheit wirft, bekommt einen intensiven Einblick in die Probleme und die Gefühle, die mit der aktuellen Situation verknüpft sind. In keiner anderen Musik oder Kultur werden diese Themen derart tiefgehend und vielfältig fokussiert.

Keemo hat mit "216" einen der besten deutschsprachigen Beiträge – vielleicht sogar den besten – zu diesem Thema abgeliefert. Die Positionierung an der Spitze von Deutschraps größter Playlist ist sicher eine schöne Geste, wie es auch solidarische, schwarze Profilbilder sind. Dieses kraftvolle Movement darf aber nicht zu temporärer Instagram-Kosmetik verkommen, die als 'chic' gilt. Es braucht echte Veränderungen in der Welt und Cole-Fans wissen: The only real change come from inside ...


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)