Fler leakt "CCN 4"-Verkaufszahlen: Karriereknick für Bushido

Fler macht 2020 da weiter, wo er 2019 aufgehört hat: Er arbeitet weiter daran, dem Ansehen seines ehemaligen "CCN"-Partners Bushido zu schädigen. Sein neuester Streich ist der Leak der vermeintlichen Verkaufszahlen von "CCN 4".

Für einen nicht genau definierten Zeitraum zeigt die Grafik aus Flers Instagram-Story, in der ein Auszug aus Zahlen der GfK zu sehen ist, eine Summe von 17.929 verkauften Einheiten aus Boxen-, CD- sowie digitalen Verkäufen. Was Flizzy damit im Kern sagen will: Läuft trotz Platz 1 in den offiziellen deutschen Charts nicht wirklich bei Animus und Bushido.

"CCN 4" ein Flop? Verkaufszahlen belegen Karriereknick für Bushido

Wir haben die Zahlen überprüft und unsere Recherche zeigt, dass diese These auf einem festen Fundament steht. Die aktuellen Verkaufszahlen belaufen sich laut unserer Quellen auf unter 25.000 – Boxen, CDs, Downloads und Streaming eingeschlossen. Flers Zahlen berufen sich also nicht auf den gesamten Zeitraum, scheinen aber korrekt zu sein und die Botschaft des Berliners zu unterstreichen.

Verglichen mit Bushidos Erfolgen vergangener Alben, lässt sich nun nicht nur ein gefühlter, sondern auch ein messbarer Karriereknick feststellen. "Black Friday" (2017), das letzte Album aus der gemeinsamen Zeit mit Arafat Abou-Chaker, konnte noch Goldstatus erreichen und somit über 100.000 Einheiten absetzen. Bei "Mythos" 2018 war dies bereits nicht mehr der Fall. Das bislang letzte Soloalbum von Bushido machte ebenfalls durch die Verkaufszahlen Schlagzeilen, weil der YouTuber und Singer-Songwriter Fynn Kliemann die angeblichen Zahlen leakte und behauptete, er habe doppelt so viele Einheiten wir Bushido verkauft. Der Berliner Rapper behauptete zudem damals in seiner Promophase, er habe 35.000 Boxen verkauft.

Doppelt so viel verkauft wie Bushido? Fynn Kliemann legt angebliche Verkaufszahlen offen

Mehr verkauft als Bushido habe er, behauptet Kliemann. Wesentlich mehr.

"CCN 4" könnte man aus diesem Blickwinkel durchaus als Flop bezeichnen. Zwar wären knapp 25K für viele Rapper ein großer Erfolg, aber im Kontext von Bushidos Karriere und diverser Goldplatten bis einschließlich 2017 wirkt die Zahl doch etwas unterwältigend. Auch der Blick auf "Mythos" und die kolportierten 35.000 Boxen belegt diese Annahme.

Erklärung: Charts-Ermittlung einschließlich Boxen

Unter den bisherigen Beiträgen, die zum Thema im Netz kursieren, fragen sich einige User, wie man trotz relativ mäßiger Verkaufszahlen auf Platz 1 der Charts landen kann. Ein kleiner Exkurs für diejenigen, die nicht allzu tief in der Materie stecken: Die offiziellen deutschen Charts ("CCN 4" schaffte in der Release Woche Platz 1) werden nur auf Basis des erwirtschafteten Werts einer Veröffentlichung bestimmt.

Genau das ist der Grund, weshalb deutsche Rapper den Trick mit den den Deluxe-Boxen so lieben. Hier wird nämlich nur eine Einheit verkauft, der erwirtschaftete Wert übersteigt den normaler CD oder gar Downloads um ein Vielfaches und boostet damit die Charts-Platzierung.

Im Gegensatz dazu berufen die Charts von Media Control sich auf die blanken Verkaufszahlen. Dort landete "CCN 4" im hart umkämpften Weihnachts-Geschäft nur auf Platz 10 mit lediglich 40 % der verkauften Einheiten, die Robbie Williams ("The Christmas Present") im gleichen Zeitraum erreichte. Die Vorverkäufe aus der fast viermonatigen Promophase stecken bei diesen Zahlen bereits in Bushidos abgesetzten Einheiten.

Fler & Manuellsen über CCN4 und ein mögliches Kollaboalbum #waslos

Manuellsen hat sich vor kurzem mit Rooz zum großen Jahresrückblick getroffen. Der Ruhrpott Rapper erzählt uns, was er über "CCN 4" von Bushido und Animus denkt und wie er zu einem möglichen "CCN" Kollaboalbum mit Fler steht.

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Interview: Fler & Staiger streiten über Demokratie & Verschwörungs-Erzähler

Interview: Fler & Staiger streiten über Demokratie & Verschwörungs-Erzähler

Von HHRedaktion am 10.07.2020 - 15:25

Fler und Marcus Staiger treffen in Spielfilmlänge aufeinander: Die beiden bekanntermaßen starken Charaktere haben sich für das neue Format "Bunkertalk" an einen Tisch gesetzt. Selten musste Fler in einem Interview wohl so um seine Rolle als Lautsprecher kämpfen. Das hängt vor allem mit seinen Darstellungen in den letzten 30 Minuten zusammen. Dort outet sich Fler als großer Fan der YouTube-Bubble, in die man gerät, wenn man sich auf die Suche nach Beweisen für Kinderblut trinkende Promis macht.

Fler fühlt die Verschwörungs-Bubble

Die erste Stunde des Talks verläuft noch einigermaßen harmonisch. Es geht um Hiphop in den Neunzigern, das Verhältnis von Kapitalismus und Kommunismus, Basketball und Flers heutige Sicht auf seine Reaktion auf die #Unhatewomen-Kampagne (Stichwort: Kopfgeld). Nach gut einer Stunde nimmt der unterhaltsame Schlagabtausch eine ungemütliche Wendung.

Dann eröffnet Fler seine Faszination für alternative Medien. Die Gestalten, die sich für die Verbreitung von Verschwörungserzählungen zuständig fühlen, beschreibt Flizzy wahlweise als "geil" oder "lustig". Ihm imponiere, dass es Typen seien, die auf "die Kacke hauen". Sein Konsum der Geschichtenerzähler mit starkem Hang zum Antisemitismus und rechten Weltbildern habe ausschließlich mit den Personen und nicht mit den dort transportierten Inhalten zu tun. Von diesen habe Fler schlichtweg "keine Ahnung". Videos aus der Verschwörungsszene seien für ihn "eine Alternative zum Rap" und eine willkommene Freizeitunterhaltung.

Ganz frei von den Ideologien der Ken Jebsens dieser Welt ist Fler jedoch offenbar nicht. Er betont gleich mehrfach, dass er zu "100 Prozent" an einen Staat im Staat glaube. Also eine Art Schattenregierung, die eigentlich die Geschicke der Republik lenken würde. Hinweise zum Output der alternativen Meinungsmacher streut er auch gerne in seiner Telegram-Gruppe. Von dem oftmals rechten Verschwörungsgeschwurbel scheint für Deutschrap eine gewisse Strahlkraft auszugehen. Beispiele gab es in den letzten Monaten genug.

Fler, Attila Hildmann, Xavier Naidoo & die Meinungsfreiheit

Aus dem Streitgespräch wird schließlich endgültig ein Schreigespräch, als es um die Bewertung von Demokratie und Meinungsfreiheit geht. Fler vertritt dabei den Standpunkt, dass wir nicht in einer Demokratie leben würden. Über sein Verhältnis zur geltenden politischen Ordnung sagt er: "Ich bin auf sowas nicht angewiesen". Einen funktionierenden Rechtsstaat gebe es nicht.

Fler argumentiert für eine Form der Meinungsfreiheit, die keine Grenzen kennt. Eine Freiheit, die es erlauben würde, ohne Konsequenzen die Reichskriegsflagge zu verwenden und sich mit Nazi-Rhetorik Gehör zu verschaffen. Attila Hildmann, Xavier Naidoo und weitere psychotisch agierende Figuren der Verschwörungsszene stilisiert er zu den Opfern des aktuellen Systems. Sie würden zwar nicht juristisch aber sozial für ihre bloßen Meinungen abgestraft werden. Unter diesen Voraussetzungen stuft Fler die Mythen, welche die rechten Ideologen streuen, gar als "mutig" ein. Das, was Fler hier als soziale Ächtung hinstellt, ist jedoch die Essenz von Meinungsfreiheit. Wer höchst fragwürdigen Mist in die Welt posaunt, muss mit dem Echo klarkommen.

Staigers permanente Gegenrede scheint an Fler abzuprallen. Auch Beispiele von Attentätern, die aufgrund von Verschwörungs-Threads in den Untiefen des Internets schießwütig in eine Pizzeria rennen, können Fler nicht von seiner Haltung abbringen. Davon, dass die Verbreitung von fremdenfeindlichen und rassistischen Standpunkten sowie das Geschwurbel darüber, dass die Juden im Zentrum allen Übels stünden, keine angemessene Diskussionsgrundlage bilden, will er nichts wissen. Was jedoch nicht heißt, dass Fler sich diesen Meinungen anschließen würde. Angesprochen auf die wirren Statements von Attila Hildmann und Xavier Naidoo gibt Fler an, dass diese natürlich "Schwachsinn" seien.

Attila Hildmanns Telegram-Gruppe startet "traurigsten Shitstorm aller Zeiten" gegen Fatoni-Video

2020 war bisher ein gutes Jahr für Verschwörungserzählungen. Xavier Naidoo hat endültig seine letzten Hüllen fallen lassen. Ex-Starkoch Attila Hildmann schmeißt regelmäßig alle Verschwörungen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind, mit einer guten Prise Fantasie und drei Esslöffeln maximaler Verwirrung in den Thermomix, um das Ergebnis seiner Telegram-Gruppe vorzusetzen.

Bewusste Desinformation, die ohne tatsächliche Beweiskraft im Internet kursiert, ist gefährlich. Das sieht Fler offenkundig nicht so. Auch, dass die permanente Verfügbarkeit von dererlei Pseudo-Informationen eher ein Beweis für als gegen den Rechtsstaat ist, scheint nicht durchzudringen. Das alles macht Fler zu keinem Vorzeigeträger eines Aluhuts. Jedoch bietet er Rechten, Rassisten und Extremisten allzu leichtfertig an, es sich bei ihm und damit auch bei seiner Fanbase gemütlich zu machen. Letztendlich ist politisches Gequatsche aber eher nichts für Flizzy. Sein Hauptaugenmerk liegt woanders:

"Was interessiert mich? Dicke Autos, geile Weiber, Rap und Pateks"

In der Auftaktsendung des Bunkertalk ging es deutlich entspannter zu. Hier war Rooz zu Gast und gab einige interessante Einblicke in seine Arbeit und sein Leben:


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