Top 30: Die meistgeklickten Deutschrap-Songs 2017 [Stand: Jahresende]

Die Jahresrückblickerei geht weiter. Heute blicken wir ein letztes Mal auf Klicks und nichts als Klicks. Wer hat dieses Jahr auf YouTube dominiert? Was waren die Hits? Pünktlich zu Silvester halten wir die Top 30 des Jahres fest. Und bevor es zu den konkreten Songs geht, können wir einen ersten Gewinner präsentieren: Kein Rapper ist öfter vertreten als RAF Camora.

  • 4x RAF Camora
  • 3x KC Rebell, Summer Cem, Ufo361, Nimo
  • 2x Kollegah, Farid Bang, Kay One, RIN, Zuna, Bonez MC, Miami Yacine, Gzuz
  • 1x Kontra K, Dardan, Veysel, Kurdo, Bushido, Bausa, Capital Bra, Maxwell, Azet, SpongeBozz, Mert

Im Folgenden findest du kursiv hinter den Klickzahlen und dem Release Date der Songs die Veränderung im Vergleich zum 21. November. Der einzige Neueinsteiger kommt direkt zu Beginn ...

30. RIN - Monica Belucci (11,9 Mio | 15. August) Neu

Seit Wochen hat RINs Song über Shawty, die sich im Nightlife Trost und Nähe sucht, einen Platz in den Top 100 der Singlecharts gebunkert. Nach und nach hat sich auch das Video weiter nach oben gemausert. Pünktlich zum Jahresabschluss noch unter die 30 erfolgreichsten Songs gerutscht – Glückwunsch!

29. Ufo361 - Der Pate (12,1 Mio | 27. April) -3

Jajaja, ihr wisst Bescheid.

28. Kontra K - Mehr als ein Job (12,2 Mio | 17. März) -1

Ein goldenes Jahr für Kontra K trägt auch auf YouTube Früchte. "Diamanten" hat sich zwar nach einigen Monaten aus der Bestenliste zurückgezogen, aber ist ebenfalls stark unterwegs. Für Kontra gab es dieses Jahr vier goldene Schallplatten, eine riesige Tour und das zweite Nummer-1-Album. Den Kindern seiner Kinder geht's gut – keine Sorgen mehr.

27. RIN - Bros (12,6 Mio | 6. Mai) +2

Dass RIN gleich zweimal vertreten ist, zeigt, welchen Impact er als noch relativ neues Gesicht gehabt hat. Wenige haben dem Jahr so ihren Stempel aufgedrückt und Neues in der Szene groß gemacht – ob es die Turnups sind, die auch ohne großes Flexen einen Live-Hype kreiert haben, oder der Hang zum Fashion Talk. "Bros" ist eine der Mitsing-Hymnen, die uns in Jahren direkt daran erinnern werden, was 2017 los war.

26. RAF Camora - Andere Liga (12,8 Mio | 17. August) +2

25. RAF Camora ft. Bonez MC - Alles probiert (13,6 Mio | 20. Juli) -1

Wie oben bereits angedeutet: Camora hat rasiert. Wer dachte, nach "Palmen aus Plastik" und "Ohne mein Team" würde der Hype abebben, lag meilenweit daneben. RAF hat dieses Jahr direkt nachgelegt und ist nach der Kollabo auch als Solokünstler erfolgreicher als je zuvor. Was natürlich nicht bedeutet, dass bei der Therapie nach dem Hype der neue Bruder Bonez fehlt. Der gemeinsame Song "Alles probiert" und RAFs Ode an die Balkan-Chicas in West-Wien sind als Singles Highlights von "Anthrazit" gewesen.

24. Kollegah & Farid Bang - Sturmmaske auf (13,6 Mio | 28. September) -1

Kurz vor Jahresende stand für manche Raphörer nur noch "JBG 3" im Kalender. Harter Punchline-Rap, angefeuert vom Konflikt mit Bushido und Cliffhangern in den ersten Singles "Sturmmaske auf" und "Gamechanger" und ohne Rücksicht auf aktuelle Trends wird von den langjährigen Fans als die Offenbarung des Jahres gefeiert. Dementsprechend utopisch sind auch die Verkaufszahlen der Boxen, die alleine fast für Gold gereicht hätten. Auch durch diesen Umstand landet das Album nach nur wenigen Wochen auf Platz 4 der umsatzstärksten Platten des Jahres – genreübergreifend!

23. Mert ft. Soolking - Ajajaj (14,1 Mio | 26. Juni) -1

Mert galt lange auch durch seine Selbstpräsentation als der Typ von YouTube, der tatsächlich rappen und dabei ernst genommen werden kann. Nicht zu Unrecht. Der Erfolg des Debütalbums hat durch den homophoben Rant aber immer noch einen bitteren Beigeschmack. Immerhin hat Mert sich entschuldigt. Und Mert hat einen Hit mit einem grandiosen Soolking.

22. SpongeBozz - SFTB/Apocalyptic Infinity/Payback #forsundiego (14,4 Mio | 9. Januar) -2

Anfang des Jahres lange on top of things und jetzt immer noch in den Top 30. Sun Diego aka SpongeBozz meldete sich im Januar mit einem Rundumschlag in Spielfilmlänge zurück, der besonders Kollegah als Ziel hatte. Die Klickzahlen erinnern daran, was im Januar bei den Gossip-Heads auf der Agenda stand.

21. Kollegah & Farid Bang - Zieh den Rucksack aus (14,4 Mio | 30. September) +4

Der Erfolg dieser Single ist schon kurios und zeigt zudem gut, in welchem Dilemma Deutschrap 2017 steckt: Afrotrap wird geklickt, also wird er auch produziert. Das war eine Zeit lang cool und neu, aber diese Zeit ist jetzt auch schon wieder ein paar Monate vorbei. Aber das sehen offenbar nicht alle so und daher funktioniert "Zieh den Rucksack aus" nicht nur als Parodie, sondern auch als Song, der sogar mehr Klicks sammelt als die ernst gemeinte Single "Sturmmaske auf". Vorgestern wurde dann in bester J Balvin-Manier nachgelegt.

20. Ufo361 ft. Gzuz - Für die Gang (15,0 Mio | 30. März) -1

Anthem! Das Gang/Crew/Bruh-Thema war dieses Jahr mal wieder omnipräsent. Die meisten der Songs darüber werden mit der Zeit verblassen, aber Ufo und Feature-Granate Gzuz haben einen Mumble-Ohrwurm erschaffen, der 2017 überdauern wird. Für die Fam, für die Gang, für die Jungs und für alle, die den Scheiß fühlen!

19. Dardan x Nimo - Telefon (16,5 Mio | 15. September) +2

Dardan ist seit "Mister Dardy" der Liebling von Reaction-YouTubern jenseits des Ärmelkanals und des Atlantiks, Nimo ist dieses Jahr in die Riege von Deutschraps größten Stars aufgestiegen. Der "Kiki"-Tour, auf der Dardy supporten durfte, haben wir den gemeinsamen Hit "Telefon" zu verdanken. Schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen.

18. Adel Tawil ft. KC Rebell & Summer Cem - Bis hier und noch weiter (17,1 Mio | 17. März) -2

Im Vorfeld des Kollaboalbums "Maximum" gaben KC x SC bereits bei ihrem Kumpel Adel Tawil einen gemeinsam Auftritt. Natürlich deutlich poppiger und braver als das, was danach kommen sollte.

17. Zuna ft. Miami Yacine - Cazal (18,1 Mio | 17. Februar) -4

Welcher Rapper geht mit seiner ersten Single Gold?

Die Frage von Miami Yacine in seinem ersten Song nach "Kokaina" war natürlich rhetorischer Natur. "Cazal" ist aber nicht nur die Nummer, mit der das neueste KMN-Mitglied anfing, die One-Hit-Wonder-Rufe verstummen zu lassen. "Cazal" ist auch ein Zeichen dafür, wie KMN generell in den letzten zwei Jahren übernommen hat. Das erfolgreichste Video zu Zunas Album "Mele7" – wohlgemerkt Video und nicht Song.

16. Bushido - Papa (18,2 Mio | 1. Juni) -1

Im einzigen Bushido-Song in den Top 30 zum Jahresende steht der Familienvater und nicht der alternde Gangsta im Mittelpunkt. Eine überwältigende Mehrheit findet das eher herzerwärmend als kitschig und macht den Song zu seinem meistgeklickten Video 2017 und dem erfolgreichsten Song überhaupt des Berliners auf Spotify.

15. Bonez MC & RAF Camora ft. Gzuz & Maxwell - Kontrollieren (18,7 Mio | 26. April) +2

Kaum ein Songtitel beschreibt den Status Quo eines Künstlers so treffend wie "Kontrollieren" das aktuelle Standing von 1RAF7 erfasst.

14. RAF Camora - Primo (19,6 Mio | 23. August) +4

Beweisstück Nummer 4: "Primo" wurde RAFs erste Solo-Single, die Gold ging, und das erste Mal solo in den Top 10 der Single-Charts. Außerdem ist die Nummer ein Statement zum Einfluss, den "Ohne mein Team" auf die Szene ausübt. Er und seine Jungs waren die ersten und auf einmal tanzen alle auf westafrikanische Samples. Sie haben Afrobeat und Dancehall im großen Stil importiert. So wird es in den Deutschrap-Geschichtsbüchern stehen. Eine wohl im wahrsten Sinne unfassbare Zeit für RAF geht weiter und weiter und weiter ...

13. KC Rebell x Summer Cem - Murcielago (20,4 Mio | 11. Mai) -1

KC Rebell und Summer Cem haben vielleicht das überraschendste Kollaboalbum des Jahres abgeliefert. Nicht in seiner Konstellation, aber in seiner Lockerheit. Die Banger zeigten sich erfrischend experimentierfreudig, was im Fall von "Murcielago" einen amtlichen Sommerhit hervorbrachte.

12. Capital Bra - Nur noch Gucci (21,5 Mio | 2. Juli) -1

Noch 2015 stand er bei Rap Am Mittwoch auf der Bühne, zwei Jahre später liefert er einen der meistgeklickten Deutschrap-Songs des Jahres ab – und das ohne Gesang! Nummern mit gerappten Hooks sind ab hier aufwärts Mangelware, aber mit genug Energie, rollendes Rs und dem Gucci-Dresscode ist 2017 einiges möglich. Gucci Gang!

11. KC Rebell x Summer Cem - Nicht jetzt (22,1 Mio | 20. April) -1

KC & SC zum Dritten! "Nicht jetzt" geht brutal nach vorne und war der perfekte Startschuss für "Maximum". Im Gegensatz zu Spotify lässt die Nummer auf YouTube sogar "Murcielago" hinter sich.

10. Veysel - Kleiner Cabrón (22,3 Mio | 3. September) +4

Wenn man nach knapp drei Jahren ohne Album von einem Comeback sprechen kann, dann hat Veysel neben Capo das Comeback des Jahres hingelegt. Schon auf "Audiovisuell" hatte er mit Autotune gearbeitet, aber hier stand auf einmal ein Hook-Monster und ein Experte der Melodien in den Playlist, mit dem in dieser Topform die Wenigsten gerechnet haben dürften. Trotz Abschied von den Azzlackz soll mit Haftbefehl alles cool sein. Man gönnt sich – und zwar reichlich!

9. Ufo361 - Nice Girl 2.0 (22,9 Mio | 15. Juni) +/-0

Kleinere und größere Erfolge innerhalb der Szene konnte Ufo361 bereits vor dem 15. Juni vorweisen. Aber "Nice Girl 2.0", das Liebeslied für seine Tiffany, ließ das Ganze bis über die Grenzen des Genres abheben. Gold-Premiere für Ufo dank des Sommerhits.

8. Nimo - LFR (25,5 Mio | 24. April) +/-0

Apropos Sommerhits: Das kann Nimo auch. Gut gelaunt streckte er allen Hatern die metaphorischen Mittelfinger entgegen, als er die erste Single aus seinem Debütalbum veröffentlichte. Er hätte seinen Hype verschlafen, orakelten Experten auf Facebook – nur etwa ein läppisches Jahr nach "Habeebeee". Aber ey, lass' die Leute reden und hör' ihnen nicht zu.

7. Miami Yacine - Bon Voyage (29,7 Mio | 14. Juli) +/-0

Und auch auf Platz 7 kann man auf sommerlich-tanzbare Vibes zählen. Hier zwar mit deutlich weniger Inhalt als bei Nimo aber dafür mit einer ordentlichen Portion mehr Klicks. Miami Yacine ist dein Vokabeltrainer für die Welt der Designermarken. Und um auf "Cazal" und "Kokaina" zurückzukommen: Welcher Rapper geht mit seiner ersten und der zweiten Single Gold? – Eine rhetorische Frage.

6. Nimo - Heute mit mir (32,7 Mio | 7. Juni) +/-0

Ein Song für die Ladies hat auch von Natur aus mehr Hitpotenzial. Wenn Fresh Nimo dazu auf einem leichten Instrumental poppig-locker seinen Refrain trällert und sein Talent für melodischen Sprechgesang auch in den Parts einsetzt, dann kannst du einen darauf lassen, dass das Ding Gold geht!

5. Kurdo - Ya Salam (35,5 Mio | 26. März) +/-0

Der vielleicht unwahrscheinlichste Hit des Jahres. Kurdo packt statt 11ta-Stock-Sound einen Beat für die Großraumdiskos und Shishabars des Landes aus und trifft voll ins Schwarze. 

4. Zuna ft. Azet & Noizy - Nummer 1 (42,9 Mio | 15. März) -1

Nach wie vor beeindruckend ist es, wie die Jungs von der KMN Gang mit dem albanischen Rapper Noizy auf YouTube astronomisch abräumen ohne ein Musikvideo. Nach "Kokaina" ist "Nummer 1" der erfolgreichste Song der Crew. Aber dieses mal nicht für die Gang, sondern nur für Mama!

3. Kay One - Louis Louis (58,7 Mio | 19. Mai) -2

Kay konnte sich lange nicht so recht entscheiden, ob er nun in der Rapszene stattfinden oder seinem Talent und seinen Vorlieben für den Mainstream nachgeben sollte. "Der Junge von damals" war ein Mittelding mit mäßigem Erfolg, aber 2017 konnte er mit nur zwei Singles alles übertreffen, was er zuvor geschafft hatte. Pop-Rap ist nicht etwas für jeden – für die meisten Fans ist es sogar eher ein rotes Tuch. Aber für Kay ist es offenbar genau das Richtige.

2. Bausa - Was du Liebe nennst (63,0 Mio | 3. Oktober) +2

Und dann haben wir noch Bausa. Dem Musiker aus Bietigheim hatten Experten schon vor seinem Debütalbum "Dreifarbenhaus" eine große Zukunft vorhergesagt. Das Album kam gut an, aber explodiert ist die Sache erst mit "Was du Liebe nennst" – aber dafür so richtig! 63 Millionen Views in drei Monaten – "Kokaina" holte 2016 in der gleichen Zeit die Hälfte. Wie Bausa und sein Produzententeam Subkultur mit massentauglichem Sound verbinden, lässt A&Rs und Managern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Falls 2018 direkt das nächste Album nachgelegt wird, kann man gespannt sein, welche Dimensionen das alles annimmt. Issa Hype!

1. Kay One ft. Pietro Lombardi - Senorita (66,5 Mio | 8. September) +1

Und nochmal Kay One mit einem Hit straight aus dem RTL-Universum. Eine Nummer für Dieter Bohlen, eine mit Pietro Lombardi. Drauf geschissen, wird er sich denken. Die Zahlen stimmen, Kay feiert und lässt das Kapitel bei EGJ endgültig auch zahlentechnisch hinter sich. "Style & das Geld" hat in siebeneinhalb Jahren 45 Millionen Klicks gesammelt. "Senorita" schafft in vier Monaten 65 Millionen. Ein denkwürdiges Jahr für Kay One.

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Kommentare

Das ist nicht mehr normal . Früher waren 5 Mio Klicks eine Ansage heute kommen Rapper mit 60 Mio Klicks an

Und wo ist Fler ?
Ich mag Fler, verfolge ihn seit ndw/Trendsetter, aber wo ist er in dieser Liste ? In Interviews große Klappe aber Hits liefert er keine ab...schade.

Würde mir wünschen er hätte den Erfolg den er verdient und wäre in dieser Liste dabei.

wenn ein song viele klicks hat sagt das absolut nix ueber die qualität des songs aus

fler hat den erfolg ,den er verdient

Er verkauft zu wenig.
Gold müsste einfach mal drin sein für ihn, aber er kommt ja leider nicht mal an die 50.000 Marke, schade.

Ich würde mich übertrieben freuen wenn er endlich 100.000 oder mehr von einer Platte verkaufen würde.

Wo ist Prinz Pi mit 1,40m?

das hat mehr als 12 Millionen Klicks?

der erschien 2016!

mann man doch nicht ansatzweise vergleichen wenn andere videos schon viel länger online sind und so auch mehr klicks haben .... wieder mal ein müllbeitrag

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Wieso Helene Fischers "Echo"-Kritik wertlos ist

Wieso Helene Fischers "Echo"-Kritik wertlos ist

Von Karo Hellmich am 20.04.2018 - 15:40

Die 17-fache Echo-Gewinnerin Helene Fischer hat auf Facebook ein Statement veröffentlicht. Darin äußert sie sich zur Debatte um den Echo-Gewinn von Kollegah und Farid Bang, nennt den Auftritt der beiden "beschämend" und "unangemessen" und ruft ihre Fans dazu auf, die "Stimme zu erheben". Eine Stellungnahme, die unterm Strich wertlos ist.

Zunächst mal hat Helene Fischer natürlich Recht, wenn sie sagt, dass "Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Respekt und Gewaltfreiheit" an oberster Stelle stehen, dass die Hautfarbe egal sein muss und dass der "respektvolle Umgang mit Menschen" für ein friedliches Miteinander unerlässlich ist. Das mag alles etwas blumig formuliert sein, bis hierhin will man der Schlagersängerin aber gerne zustimmen. In ihrem Statement äußert sie schließlich:

"Ich möchte euch sagen, wie unangemessen und beschämend ich es fand, die beiden bei der Preisverleihung auf der Bühne in dieser Art 'performen' zu sehen. Den ECHO zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend. Schade, dass durch diese Provokation so viel Promotion entsteht – auch jetzt wieder, wenn ich diese Zeilen schreibe. Nicht nur, dass man ihren gewaltverherrlichenden, antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten ein Podium geboten hat … auch die Bedeutung des ECHO ist somit komplett in den Hintergrund geraten und von den Negativ-Berichten überlagert worden. Ich hoffe sehr, dass alle Verantwortlichen die Umsetzung des ECHO überdenken, denn für mich wurde in diesem Jahr eine ethische Grenze klar überschritten. Trotzdem ist dieser Musikpreis (vielleicht auch: war) ein Publikumspreis, auf den man über die vielen Jahre auch stolz sein konnte."

Es steht außer Frage, dass man über kritische Textzeilen sprechen muss, sie natürlich auch anprangern darf und sollte. Was Helene Fischer hier aber eigentlich sagt, ist: Man hätte Kollegah und Farid Bang vom Echo ausschließen sollen, weil sie hier nicht hingehören. Dabei spricht Helene Fischer stellvertretend für eine Musikindustrie, deren extrem unpolitisches Aushängeschild sie selbst ist.

Sie gesteht das in ihrem Statement sogar ein: "Es ist eigentlich nicht meine Art mich auf diese Weise öffentlich zu äußern" und "meine Sprache war immer die Sprache der Musik". Nur, dass ihre Musik leider so aussagekräftig ist wie ein Stein. In der Vergangenheit hatten immer wieder Künstler, unter anderem Campino und Udo Lindenberg, von der Sängerin gefordert, sich politisch gegen rechtes Gedankengut zu positionieren.

Die Stellungnahme der Echo-Rekordhalterin kommt nun eine ganze Woche nach dem Auftritt des "JBG"-Teams, nachdem sich bereits diverse Künstler geäußert und zum Teil ihre Preise zurückgegeben haben. Der öffentliche Druck, der auf ihr lastete, hat die Sängerin nun offenbar dazu bewegt, in den allgemeinen Kanon einzustimmen. Einen Anstoß gab sie dabei aber nicht.

Helene Fischer war auf den "Publikumspreis" Echo viele Jahre stolz – weil sie fast 3 Millionen Einheiten von ihrem Album "Farbenspiel" verkauft hat und dafür ausgezeichnet wurde. Die Bedeutung des Echos gerate aber "komplett in den Hintergrund", wenn zwei kontroverse Rapper mit einem Preis ausgezeichnet werden, die in ihrem Genre eben am meisten Einheiten verkauft haben. Das riecht leider nach Doppelmoral.

Dass die Sängerin, die 2014 übrigens selbst die Echo-Verleihung moderierte, am Ende ihres Statements dann "all den Anhängern dieser Musik [...] Licht und Liebe" schickt, verdeutlicht ein weiteres Mal, warum ihre Aussagen wertlos bleiben, verpuffen. Sie schaffen keinen Dialog, sondern stempeln Rapper und Rap-Hörer gleichermaßen als unreflektiert und voll von Hass und Gewalt ab.

Helene Fischer

Ihr Lieben, ich möchte mich heute mit diesem Post an euch wenden und zum ersten Mal die sozialen Medien dafür nutzen, um mein angebliches "Schweigen zu brechen" und um ein paar Dinge ein für alle...


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