Zum Start des neuen Formats "Gangsta Rap International" hat Noisey den polnischen Rapper Popek Monster besucht. Im Titel der Reportage wird der 41-Jährige als "der wildeste Rapper der Welt" bezeichnet und es dürfte schwer sein, Beispiele gegen diese These zu finden.

Noisey stellt den polnischen Rapper Popek vor

In Popek treffen unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander, sagt der Pole über sich selbst. Eine dieser Persönlichkeiten sagte ihm zum Beispiel, dass er sich ohne Betäubung das Gesicht vernarben lassen müsste. Oder dass er sich die Augen tätowieren sollte – für diese Aktion hat er nach eigenen Angaben mit 35 % seiner Sehkraft bezahlt.

Paweł Ryszard Mikołajuw aka Popek trat in einer polnischen Tanz-Show auf, ist seit knapp 20 Jahren Rapper, startete eine MMA-Karriere und beförderte sich während seiner Zeit in Amsterdam zweimal durch wahnwitzige Dosen LSD ins Koma, wodurch er 14 Monate seines Lebens verpasste. Außerdem hat er eine Waffenfaible und ballert seit Anbeginn der Zeit ohne Führerschein über Polens Straßen.

"Seine vielfältige Auswahl an Hobbys reicht von Gesellschaftstanz bis hin zu schwerer Artillerie."

Definitiv ein sehr wilder Kerl! In künftigen Episoden der Show soll der Host Chuckie "überall von Israel bis Irland" MCs vorstellen, die in ihren Länder eine wichtige Rolle für Gangsta Rap spielen oder gespielt haben.

07.12.2019 - 11:52

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Kronkel Dom im Interview: Elektro-Rapszene, Marco Reus, Klickkäufe, Rassismus & Debütalbum "Café Kronkel"

Kronkel Dom im Interview: Elektro-Rapszene, Marco Reus, Klickkäufe, Rassismus & Debütalbum "Café Kronkel"

Von Robin Schmidt am 23.04.2020 - 16:36

In den meisten Fällen dürfte die Musik von Kronkel Dom zu einem Abend voller Ekstase in einem Club oder auf einer Party beitragen. Sein Sound besteht aus einer Mischung aus Rap und Elektro. Momentan können Kronkel Doms Singles wie "Trink", "GQ & TMZ" oder "Giftig" aber überwiegend nur zu Hause oder im Auto gepumpt werden. Dennoch hat sich der Dortmunder Rapper mit polnischen Wurzeln dazu entschieden, sein Debütalbum "Café Kronkel" in dieser wilden Zeit nicht zu verschieben.

Im Interview spricht Kronkel Dom über eine schwierige Phase vor seinem Labeldeal, erklärt, was ihn mit Marco Reus verbindet und was er sich zukünftig für das Musikbusiness wünscht. Doch zu Anfang unseres Gesprächs arbeiten wir erstmal die Auswirkungen der Corona-Krise auf seinen Alltag auf.

Am 24. April erscheint mit "Café Kronkel" dein Debütalbum. Die Promo dafür sieht sicherlich etwas anders aus, als du es vor Wochen geplant hattest. Wie schwer fällt es dir, in diesen Tagen Musik zu bewerben? 

Es sind viele Auftritte ins Wasser gefallen. Das Hauptproblem ist, dass ich nicht großartig Videos drehen kann. Für einige Videos mussten wir uns etwas anderes überlegen. Mein Label hat mir auch vorgeschlagen, das Album zu verschieben. Das wollte ich aber nur ungern machen, denn wer weiß, wie lange diese Krise noch dauert.

Welcher Verzicht fällt dir momentan am schwersten? Ist es das Feiern? Das ist ja ein Motiv, das in deinen Songs häufig auftaucht. 

Ich bin gar nicht so 100 Prozent dieser Clubgänger. Aber mit den Jungs zusammen sind wir eine große Gruppe, haben ein großes Studio, 'Clubhaus' nennen wir das. Da geht immer gut die Post ab. Sowas fehlt mir eigentlich am meisten. Und natürlich, dass ich meine Mutter nicht besuchen kann. Aus Respekt vor ihrem Alter bleibe ich da erstmal fern. Ich will da nichts riskieren.

Welche Chance siehst du, die Corona-Krise positiv für dich und deine Musik zu nutzen? 

Ich habe das Studio mit nach Hause genommen. Meine Produktivität ist gestiegen, seitdem ich nicht mehr so abgelenkt werde. Man hat viel mehr Zeit sich um Dinge zu kümmern, die man vielleicht vorher außer Acht gelassen hat. In meinem Fall war das eventuell auch Musik machen (lacht).

Kronkel Dom x Fraasie - Das ist Dom

"Das ist Dom" hier überall hören: https://kronkeldom.lnk.to/Dasistdom Viel Spaß mit dem Video, lasst ordentlich viele Kommentare + einen Like da, falls euch ...

Du sprichst es gerade schon an: Musik stand bei dir in der Vergangenheit nicht immer an erster Stelle. Du hast in einem Interview bei YouFM davon gesprochen, dass vor einer gewissen Zeit ein landesweiter Haftbefehl gegen dich vorlag. Kannst du uns einen Einblick geben, wie dein Alltag vor der Musik aussah? 

Man hat immer seine Dinger gedreht, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Ich war jetzt nicht der Über-Gangster oder Mafia-Pate oder sowas. Da ich diesen Haftbefehl hatte, habe ich mich komplett aus Deutschland abgemeldet. Ich war auf dem Papier gar nicht in Deutschland, ich hatte keine Wohnungsmeldung, keine Krankenversicherung. Ich habe meist den ganzen Tag bei Kollegen abgehangen und gechillt, um von der Realität ein bisschen wegzukommen. Ich konnte nichts Legales machen, ich wurde ja eine Zeitlang offensiv gesucht. Über einen gewissen Zeitraum war es sehr schwierig bei mir.  

Dein Labeldeal hat dich dann vor dem Knast bewahrt. Woran hast du seit dem Vertrag besonders gemerkt, dass sich Dinge in deinem Leben verändert haben? 

Ich habe keine Sorgen mehr, wie ich den nächsten Tag überstehe. Natürlich habe ich keinen Millionendeal. Aber man kann schon davon leben, das ist viel Wert. Ich versuche mir das immer vor Augen zu halten, wie es vor zwei bis drei Jahren noch bei mir gelaufen ist. So wie es damals war, soll es nie wieder werden. Für mich ist das eine überkrasse Beruhigung mit dem Deal. Meine Mutter kann jetzt endlich wieder ruhig schlafen.

Im Zusammenhang mit dem Haftbefehl und meinem Vertrag gibt es übrigens noch eine kleine Anekdote: Mein erstes Video war damals 'Perignon', dadurch wurde ich entdeckt. Das Witzige ist: Am Ende des Videodrehs hat uns die Polizei angehalten. Der Haftbefehl gegen mich war zu der Zeit noch offen. Ein Kollege hat mir auf die Schnelle seinen Ausweis gegeben, damit ich als er durchgehe. Das war in dem Moment pures Glück. 

Kommen wir zu deinem Debütalbum "Cafè Kronkel": Was ist das für ein Ort für dich? 

'Café Kronkel' soll mich als Person vorstellen. Jeder Song ist anders, jeder Song zeigt eine gewisse Seite von mir. Ich versuche damit, die Leute ein bisschen näher an mich ranzubringen. Egal ob das Clubsongs sind, Anti-Cops-Geschichten oder auch ein bisschen Melancholie – das Album ist sehr facettenreich. Trotzdem findet alles unter dem Dach des 'Café Kronkel' statt. Genau dahin lade ich die Leute ein.  

Kronkel Dom - GQ & TMZ (Prod by MOW MUSIC)

GQ & TMZ hier überall hören: https://kronkeldom.lnk.to/GQTMZ Viel Spaß mit dem Video, lasst ordentlich viele Kommentare + einen Like da, falls euch das Musik...

Du rappst überwiegend auf Tech-House-Beats. Wie kam die Idee, auf elektronische Beats zu rappen? 

Den Sound habe ich in den Niederlanden für mich entdeckt. Dort ist diese Elektro-Rap-Szene viel größer als in Deutschland. Ich versuche, diese Schiene hierzulande ein bisschen festzusetzen. Klar gibt es Rapper wie Capital Bra beziehungsweise Joker Bra oder Finch Asozial, die auch in diese Richtung gehen. Das finde ich auch sehr cool. Dieser Elektro-House-Rap soll mein Markenzeichen darstellen. 

Du hast komplett auf Features verzichtet. Das ist für ein Debütalbum nicht ungewöhnlich, aber im Deutschrap hat sich das Zusammenarbeiten durchs Streaming doch sehr etabliert. Wie war da deine Strategie?

Die Platte sollte zu 100 Prozent Kronkel Dom sein, weil es mein Debüt ist. Für die Zukunft sind aber einige Features geplant. Sobald sich die Corona-Lage etwas entspannt hat, wird es nach dem Album eine Phase geben, in der verschiedene Singles mit Feature-Gästen erscheinen. 

Im Song "Trink" rappst du: "Die Cops haben mich im Fadenkreuz / Dennoch nennen sie mich Deutschraps Marco Reus". Welche außergewöhnliche Eigenschaft kannst du Deutschrap geben?

Die Line ist zunächst dadurch entstanden, dass ich früher auch mal ohne Führerschein gefahren bin (lacht). Ich würde sagen, dass ich frischen Wind in die Szene bringe. Klar gibt es krasse Künstler in Deutschland, die ich auch sehr feiere. Aber die Mehrheit ist so ein richtiger Einheitsbrei. Fast jeder macht das Gleiche, nutzt dieselben Beats. Deutschrap braucht wieder etwas, das frisch ist und die Leute mitzieht.

Kronkel Dom - Trink! (Prod by Jumpa)

Trink hier überall hören: https://KronkelDom.lnk.to/Trink Viel Spaß mit dem Video, lasst ordentlich viele Kommentare + einen Like da, falls euch das Musikvid...

Rapper sein ist mittlerweile ja weitaus mehr als nur Lyrics auf Beats packen. Wie stark bist du rund um ein Release kreativ eingebunden? Gibt’s da etwas, wofür du ein besonderes Auge hast?

Meine Videos plane ich mit den Jungs, die die umsetzen, immer zusammen. Beim Cover bin ich zu 100 Prozent eingebunden. Was für mich ehrlich gesagt schwierig zu verstehen war, war, dass du nicht mehr nur ein Rapper bist. Du bist auch ein Instagram-Star, ein Schauspieler, ein Unterhalter. Ich hatte Probleme damit, Insta-Storys zu machen. Ich habe Selfies gehasst. Und jetzt musst du die Kamera auspacken, wenn du draußen bist oder Fragen beantworten. Das war gar nicht meins. Das war so die schwerste Umstellung, die mich am Anfang beschäftigt hat. 

Du bist die ersten sechs Jahre in Brodnica in Polen aufgewachsen, anschließend nach Dortmund gezogen. Was bedeuten die beiden Städte für dich? 

Es ist immer wieder krass, in meine Heimatstadt zurückzukommen. Du kriegst Liebe vom Bäcker, von der Kassiererin und so weiter. Ich liebe Deutschland, ich liebe Dortmund, aber das ist noch ein bisschen warmherziger. Dortmund steht für meine Cuzis, für Zusammenhalt, für Borussia Dortmund. Wir sind eine Truppe, alle kämpfen für ihren Traum gemeinsam – das macht Dortmund für mich aus.

In einer Instagram-Doku sieht man, dass du die ersten Jahre deines Lebens in Polen in keinen einfachen Bedingungen aufgewachsen bist. Du hast mit deiner Mutter in einem Zimmer mit 8 Quadratmetern gelebt. Kannst du dich noch daran erinnern, wie dich das fürs Leben geprägt hat?

Mich hat es vor allem sehr mitgenommen, als ich aus meiner Heimat ausreisen musste, um nach Dortmund zu ziehen. Dort ging es mir die ersten ein bis zwei Wochen richtig beschissen. Heute bin ich lieber in Dortmund als in Polen, weil hier mein Leben stattfindet. Aber damals hatte ich richtig Heimweh. 

Im Interview mit YouFM hast du auch erwähnt, dass es in Dortmund gewisse Gegenden gibt, in denen viele Nazis unterwegs sind. Wie sehr bist du in Deutschland mit Rassismus konfrontiert worden?

Es ging. Ich war immer groß, ich war immer frech, habe mich zu wehren gewusst. Deswegen war das bei mir nie so das Thema. Ich habe es aber öfter bei anderen Leuten mitbekommen, wo ich auch eingeschritten bin. Bei sowas bin ich sehr empfindlich.

Glaubst du, dass der Song von Azzi Memo und den Kollegen nach der Tat in Hanau genug bewirken kann? Müsste noch mehr getan werden?

Alle Menschen müssten im Endeffekt dagegen ankämpfen. Umso mehr Leute aufstehen, umso mehr Echo hat das Ganze. Ein kleiner schwacher Mann kann nicht viel machen. Aber wenn wir fünf Millionen kleine schwache Männer sind, können wir im Endeffekt doch was ausrichten.

Kronkel Dom - Giftig (Prod by Crime Zcene)

"Giftig" hier überall hören: https://kronkeldom.lnk.to/giftig Viel Spaß mit dem Video, lasst ordentlich viele Kommentare + einen Like da, falls euch das Musi...

Zum Schluss noch drei Fragen mit Zukunftsaussicht: Du hast bei YouFM im Interview gesagt, dass das "Musikbusiness ekelhaft ist". Was genau stößt dir auf? Und wenn sich das Musikbusiness nach Corona aus irgendeinem Grund ändern sollte: Was sollte definitiv anders laufen?

Ich meinte zu großen Teilen damit das Thema 'Vitamin B'. Es ist schwierig, in Deutschland was zu reißen, ohne Vitamin B. Du kannst der überkrasseste Künstler sein, wenn du keine Kontakte hast. Damit meine ich Leute hinter dir, die irgendwelche Leute kennen, die wiederum Leute kennen und so weiter – darum geht es. Was sich auf jeden Fall ändern sollte: Spotify und YouTube sollten diese Klickkäufe verhindern! Es kann nicht sein, dass in Deutschland Künstler releasen und innerhalb von einer Nacht fünf Millionen Streams haben. Nicht mal Travis Scott oder 50 Cent bekommen das hin, wenn sie einen neuen Song rausbringen. Diese Verhältnisse sind nicht mehr normal. Das sind künstlich erzeugte Hypes und die Kids springen auf diesen Zug auf. Sowas stresst mich hart. 

Eine weitere Aussage von dir lautete: "Ich will Deutschrap den Stock aus dem Arsch ziehen". Wo stehst du da aktuell mit diesem Ziel?

Es ist gerade mal ein Viertel von diesem Stock draußen, habe ich das Gefühl. Immer noch werden die gleichen Songs und der gleiche Sound gefeiert. Mir geht’s einfach darum frischen Wind reinzubringen, die Leute sollen lockerer werden.

Außerdem hast du gesagt: "Ich hätte schon gerne ein Label später". Was muss passieren, dass du dieses Ziel erreichst?

Man muss selbst erstmal erfolgreich genug sein. Das soll jetzt auch nicht heißen, dass ich der unerfolgreichste Rapper Deutschlands bin. Man muss sich einfach Step by Step etwas aufbauen, damit es mit solch einem Traum klappt. Dafür gebe ich Gas!


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