The Notorious B.I.G. - The Duets: The Final Chapter

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Veröffentlichungsdatum

15 Dez 2005

Pressetext / Beschreibung

Acht Jahre nach Biggies tragischem Tod in Los Angeles, erscheint bei Bad Boy die zweite große posthume Veröffentlichung nach Born Again. Duets sollen es sein, und das final chapter. Zumindest den ersten Teil zweifelten einige an: können Tracks auf denen so ziemlich jeder außer Biggies originaler Crew gefeatured wird überhaupt Duette sein? Muss man ein solches Projekt nicht schon aus Prinzip ablehnen und als Leichenfledderei bezeichnen?
Mag sein das einigen, die die Tracks des Notorious B.I.G bereits zu dessen Lebzeiten auswendig kannten von diesem Werk enttäuscht sind. Erwartungsgemäß findet sich hier nicht der gleiche Flavour den die Alben der Neunziger hatten. Liebgewonne Verses finden sich plötzlich auf fremden Beats. Aber: all das kann man auch anders sehen. Zum Beispiel indem das Album als das versteht, was es rein künstlerisch betrachtet ist: ein Remix-Projekt, dass Biggies geniale Rhymes ins einundzwanzigste Jahrhundert tragen soll. Genau das ist hier gelungen. Die siebzehn Tracks der Compilation decken nahezu alle Bereiche der aktuellen Rap Welt ab, ohne dabei zusammenhangslos zu wirken. Stellenweise geht Biggie auf den Tracks durchaus unter und nicht jeder Verse des New Yorker Königs sitzt so perfekt, wie er selbst ihn gedroppt hätte. Auf vielen schaffen es die gut gewählten Beats und Features aber definitiv Biggies Lyrics die passende Atmosphäre zu geben. Ein gutes Beispiel dafür ist Hold your Head, auf dem Biggies Suicidal Thaughts von Bob Marley und einem Clinton Sparks Beat begleitet werden. Welchen Grund gibt es hier den Vergleich zum genialen Original zu ziehen? It is what it is, ein sehr guter Song mit genialen Raps und eindringlicher Atmosphäre, geprägt von den Stimmen zweier Legenden.

Andere einfach gute Tracks sind Spit your Game mit Twista und Bone Thugs N Harmony, Whutcha Want mit Jay-Z und Breakin' Old Habits mit T.I. und Slim Thug. Das Aufeinandertreffen mit den Doubletime-Spittern aus Midwest besticht durch einen Beat, der Swizz Beats at his best zeigt und den perfekten Einsatz von (B.I.G.-)Vocal Samples im Hook. Alle drei Parteien passen mit ihrem Flow sehr gut auf den Beat und bieten gemeinsam ein beeindruckendes Rap-Feuerwerk, auch wenn die Gäste dem Helden im Laufe des Tracks weglaufen. Die Eindringlichkeit Biggies lässt sich dennoch nicht in den Schatten stellen, am Ende bleibt es hier sein Song, ergänzt durch Gastauftritte. Ähnlich verhält es sich bei dem Aufeinandertreffen mit Biggies selbst-proklamierten Nachfolger an New Yorks Spitze. Danjas Beat und Biggies Rap sorgen hier für einen Bomben Track und lassen Jigga trotz gewohnter Qualität im Schatten stehen. Um die Reise durch die Staaten zu beenden: das erwähnte Breakin old Habits repräsentiert einen weiteren Song-Typ unter den Duets. B.I.G./ New York-Flavour versprüht dieser Track erwartungsgemäß nicht, Biggie kommt hier eher eine sehr gut performte Gastrolle zu. Ein Biggie Album klänge natürlich anders, dieser high-end Mixtape Cut schaft es aber erneut Notorious in der Gegenwart scheinen zu lassen. Weitere sehr gute Tracks sind 1970 Somethin (feat. The Game und Faith Evans), Just a Memory (feat. The Clipse) und Beef (feat. Mobb Deep). Neben Prodigys idiotischen "wär ich dabei gewesen, wär Biggie nie erschossen worden"-Rhymes ist das einzige, was auf dem letztgenannten Track stört Puffy. Soweit also alles wie zu Lebzeiten...

Als mindestens sehr erwähnenswert wären noch It Has Been Said mit Diddy, [prod]Eminem und Obie Trice, Hustler's Story feat Scarface, Akon und Big Gee (Boyz N Da Hood), Living in Pain (featuring 2Pac, Mary J. Blidge und Nas) und Living the Life (mit Snoop Dogg, Ludacris, Cheri Dennis und Bobby Valentino) und Get your Grind on mit Big Pun, Fat Joe und Freeway zu nennen. It Has Been Said stellt den obligatorischen Eminem-Track, mit Eminem Beat, Eminem Rap, Eminem-Freund Obie und einem Diddy, der wie Eminem rappt. Also nichts nicht-erwartetes, nicht zuletzt da Diddy regelmäßig den Eindruck erweckt, dass man, wenn man den Mann auf einem Track will, nicht nur einen Scheck sondern auch einen Text für ihn schreiben muss. Auf Hustler's Story überzeugt neben dem Beat zumindest Scarface absolut und Living the Life bringt Big Pun das wohl historisch wertvollste Feature an den Staat.

Auch I'm with Whateva ist ein absolut überzeugender Track, was zum einen an Lil Wayne und Juelz Santana und zum anderen an Stevie Js Beat liegt. Etwas seltsam ist allerdings, dass Jim Jones' Aufgabe sich auf Ad-Libs beschränkt und Biggie hier gar nicht vorkommt. Der Name Christopher Wallace in den Credits macht hier also genau so wenig Sinn, wie ihn als Executive anzuführen.

Die einzigen noch ungenannten Tracks sind dann das allgemein bekannte Nasty Girl und drei, die wohl nur einigen gefallen werden. So der uninspirierte R.Kelly Beitrag und der (gelungene) Rock Ausflug mit Korn. Auf Ultimate Rush vermisst Mann dann doch ein Junior Mafia Mitglied und auch ich komme an einen Punkt, an dem mir die (gute) Neuauflage als Beleidigung des Originals erscheint. Durch keine Diät der Welt kann Missy Lil Kim im Drugs Konzept ersetzen.

Bewertung:
4 von 6           

Fazit:
Eine Tribute-Compilation, die es schafft die gesamten Rap Billboard Charts (minus G-Unit) zu featuren, ohne einen einheitlichen Sound vermissen zu lassen. Ein Album wie ein Mixtape in perfekter Qualität. Ein Werk das Biggie nicht mißbraucht sondern gekonnt in die Gegenwart holt. Ein Projekt das auch Tupac mehr als diverse andere Alben gerecht geworden wäre. Aber natürlich kein neues Notorious B.I.G. Album.

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2Pac vs. Biggie: Das Internet diskutiert über Ray Js Rolle im Beef

2Pac vs. Biggie: Das Internet diskutiert über Ray Js Rolle im Beef

Von Michael Rubach am 06.06.2021 - 19:19

Der Beef zwischen East Coast und West Coast erreichte Mitte der Neunziger seinen tragischen Höhepunkt. Die Leben von The Notorious B.I.G. und 2Pac wurden auf brutale Weise beendet. Seit diesen bis heute nebulösen Morden an den beiden Hiphop-Ikonen geistern allerlei wilde Geschichten durchs Netz. Nun kommt eine weitere hinzu.

Gut 25 Jahre nach der Veröffentlichung von 2Pacs Disstrack "Hit 'Em Up" geriet auf Twitter eine Diskussion über den Ursprung des Beefs ins Rollen. R'n'B-Sänger Ray J - auch bekannt durch ein äußerst privates Video mit Kim Kardashian - rückt dabei ins Zentrum.

Warum Menschen denken, dass Ray J den Beef zwischen 2Pac & Biggie ausgelöst hat

Der Twitter-Account, der die Geschichte angestoßen hat, beruft sich zunächst auf das Jubiläum von "Hit 'Em Up". In dem Track, der am 4. Juni 1996 veröffentlicht wurde, deutet 2Pac ziemlich konkret an, mit Biggies damaliger Ehefrau Faith Evans intim geworden zu sein.

"Du behauptest ein Player zu sein, aber ich habe deine Ehefrau gef*ckt"

("You claim to be a player, but I f*cked your wife")

In ihrem Buch "Keep The Faith: A Memoir" (2008) beteuert Faith Evans ihrerseits, dass nichts dergleichen mit 2Pac passiert sei. Sie gibt zwar an, ihren Mann betrogen zu haben, aber unterstreicht, dass 2Pac damit nichts zu tun habe.

"Ich hatte BIG betrogen. Aber nicht mit Tupac"

("I had cheated on BIG. But not with Tupac.")

Auf diesen Standpunkt beruft sich auch der Urheber des viral gegangenen Tweets. Er fügt zudem an, dass der damals 15-jährige Cousin von Snoop Dogg im Death Row Records Umfeld unterwegs gewesen sei. Dieser habe dabei eine Szene beobachtet, die dafür sprechen könnte, dass zwischen Pac und Faith Evans doch etwas mehr gelaufen ist, als diese in ihrem Memoir einräumt. Bei dem Verwandten von Snoop Dogg handelt es sich um Ray J.

In einem Interview mit Rhapsody aus dem Jahr 2008 erinnert sich dieser an eine entsprechende Episode aus seiner Jugend. Dort erzählt er:

"Wir kamen eines Tages rein und Faith saß auf Pacs Schoß, während Pac dabei war, einen Verse zu schreiben. Es war wie: 'Was zum Teufel ist hier los?' Das war einer der verrücktesten Anblicke. Faith war in Pacs Schoß. Ich dachte: 'Was zur Hölle? Ich weiß, ich bin es nicht? Ist das real? Es kann nicht sein?' Drei Wochen später kam 'Hit 'Em Up' kam raus."

("We walked in one day and Faith was sitting on Pac’s lap while Pac was writing a verse. It was like, “What the f*ck is going on?” That was one
of the craziest sights, dog. Faith was in Pac’s lap. I was like, 'What the f*ck? I know I’m not? Is that? It can’t?” Three weeks later, 'Hit 'Em Up' came out.")

So viel zum Inhalt des Tweets, der inzwischen schon über 5000 Mal retweetet wurde. Im Großen und Ganzen will der Ersteller offenbar darauf hinaus, dass Ray J seine Beobachtungen durchgesteckt haben könnte und so maßgeblich zur letztendlichen Eskalation zwischen der Ost- und Westküste beigetragen hat. Manche User scheinen da mitzugehen:

2Pac & The Notorious B.I.G.: Ein Rückblick auf den Beef

Der Beef zwischen 2Pac und The Notorious B.I.G. schaukelte sich hoch, nachdem im Herbst 1994 Unbekannte auf 2Pac Schüsse abgegeben hatten. Im Gebäude der New Yorker Quad Studios wurde 2Pac außerdem ausgeraubt. Der West-Coast-Rapper vermutete dahinter eine Falle. Im Gespräch mit dem Vibe Magazin beschuldigte das Death Row-Signing wenig später öffentlich das Umfeld von Bad Boy Entertainment und Biggie selbst.

Im Februar 1995 erschien Biggies Song "Who Shot Ya?". Der New Yorker bestritt jedoch in einer weiteren Ausgabe der Vibe, dass der Track in irgendeinem Zusammenhang mit 2Pac stehen würde. Diese Vorwürfe seien "crazy" und der Song habe man schon lange vor der Attacke auf 2Pac recordet.

Auf 2Pacs Album "All Eyez On Me" (1996) befindet sich wiederum der Track "Wonda Why The Call U B*tch". In einer ursprünglichen Version des Songs steuert Faith Evans Vocals bei. Zu der Zusammenarbeit soll es inmitten der immer stärker werdenden Rivalität zwischen East Coast und West Coast gekommen sein. Die Sängerin gab 2014 bei VladTV an, dass sie damals nicht registiert hätte, dass 2Pac zu Death Row Records gehört. 

"Ich ging ins Studio und stellte dort fest, dass eine Menge Leute von Death Row da waren, also begann ich in meinem Kopf, es genau dort zu verstehen."

("I went to the studio, I realized there were a bunch of Death Row people there, so kind of in my mind I started figuring it out right there.")

Nachdem diese Zusammenarbeit publik wurde, brodelte die Gerüchteküche. In einem Interview im Februar 1996 tat 2Pac auch wenig dafür, diese zu entkräften. Er ließ die Mutmaßungen im Raum stehen. Ungefähr ein halbes Jahr später am 13. September 1996 erlag er in Las Vegas seinen Schussverletzungen. The Notorious B.I.G. wurde am 9. März 1997 in Los Angeles Opfer eines Drive-by-Shootings.

Den damals 15-jährigen Ray J als Ursache für den eskalierten Konflikt zwischen East Coast und West Coast heranzuziehen, beißt sich mit der zeitlichen Abfolge des Beefs. Falls Ray J tatsächlich drei Wochen vor dem Release von "Hit 'Em Up" von 2Pac und Faith Evans erfahren hat, liegen zu diesem Zeitpunkt die Schüsse auf 2Pac in den Quad Studios fast eineinhalb Jahre zurück. Auch einige Twitter-User*innen scheinen von Ray Js Einfluss auf den Verlauf der Geschichte nicht überzeugt. Allerdings kann sich die Community vorstellen, dass ein redseliger Ray J die Sache weiter aufgeheizt haben könnte.

US-Producer Swizz Beatz ist nicht daran interessiert, nachträglich Öl ins Feuer zu gießen. Er wünscht sich ein musikalisches Battle zwischen Pac und Biggie. Mehr dazu findest du hier:

2Pac vs. Biggie: Swizz Beatz will diesen Traum wahr werden lassen

Seit einiger Zeit gibt es in den USA wohl kaum ein heißeres Format als die Verzuz Battles von Swizz Beatz und Timbaland, in welchem zwei Künstler gegeneinander antreten und ihren Musikkatalog vergleichen. Swizz verriet jetzt, das ganz oben auf seiner Wunschliste das wohl krassest-mögliche Verzuz aller Zeiten stehe: 2Pac gegen Biggie.


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