Die Fantastischen Vier - Vier gewinnt - Jubiläums-Edition

Vier gewinnt - Jubiläums-Edition

Veröffentlichungsdatum

22 Okt 2009

Pressetext / Beschreibung

Tracklist:

1. Vier Gewinnt (Album Version)
2. Die Da!?! (Album Version)
3. Hört Euch Den Hier An (Album Version)
4. Saft (Album Version)
5. Dicker Pulli (Album Version)
6. Na Gut (Album Version)
7. Einen Noch (Album Version)
8. Es wird Regen geben (Album Version)
9. Nenn' Ihn Präsident (Album Version)
10. Plattenspieler (Album Version)
11. Hiphopmusik (Album Version)
12. Lass die Sonne rein (Album Version)
13. Thomas Und Die Fraun (Album Version)
14. Nonixnarretz (Album Version)
15. Jaaa (Album Version)
16. Reich (Album Version)
17. Individuell Aber Schnell (Album Version)
18. Arschloch (Album Version)

Bonus
19. Wer da?!? (Trance Mix)
20. Saft (Dub Version)
21. Nur ein Traum

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Tod des Musikfernsehens: Weshalb VIVA ein wichtiger Wegbegleiter für Deutschrap war

Tod des Musikfernsehens: Weshalb VIVA ein wichtiger Wegbegleiter für Deutschrap war

Von David Büchler am 02.01.2019 - 17:14

Am 1. Dezember 1993 ging VIVA auf Sendung. Gute 25 Jahre später - am 31. Dezember 2018 - hieß es Abschied nehmen. Um 14 Uhr am Silvestertag stellte der Musiksender den Betrieb ein. Damit endete ein Stück popkulturelle Geschichte des deutschen Fernsehens.

VIVA war in den letzten Jahren keine Erfolgsgeschichte mehr. Auch der ehemalige Konkurrent MTV hat nicht mehr den Einfluss auf die Musikindustrie, den die Sender insbesondere in den 90er Jahren zugeschrieben wurde. Dennoch hat insbesondere VIVA entscheidenden Anteil daran, dass deutschsprachiger Rap es mitten in den Mainstream schaffte. Und so hörte VIVA genauso auf, wie es angefangen hatte: mit Hiphop aus Deutschland.

Dezember 1993: VIVA spielt die Fantastischen Vier zum Auftakt

Der erste Clip, den VIVA Anfang Dezember 1993 zeigte, war "Zu geil für diese Welt" von den Fantastischen Vier. Die Stuttgarter liefen mit ihrem Song am Montag auch als Letzte über die Bildschirme des Senders.

Dass es mit deutschem Rap begann, dürfte Zufall gewesen sein. Deutschsprachiger Musik mehr Raum zu geben, gehörte indes zu den erklärten Zielen des Musiksenders, der ab 1993 aus Köln heraus der Weltmarke MTV Konkurrenz machen wollte. Denn MTV hatte Anfang der 90er kaum Platz für Popmusik made in Germany. Die neue Videoverwertungsanstalt (abgekürzt: VIVA) wollte das ändern und hatte genau damit Erfolg. Was in der Folge auch MTV dazu bewegte, deutschsprachiger Musik mehr Sendezeit zu widmen.

In den folgenden Jahren ebnete VIVA mit seiner Strategie, Dinge unbedarft auszuprobieren, nicht nur Moderatorinnen und Moderatoren wie Stefan Raab, Oliver Pocher, Klaas Heufer-Umlauf, Heike Makatsch, Charlotte Roche oder einigen anderen, die in verschiedenen Funktionen teils bis heute die deutsche Unterhaltungsindustrie prägen, den Weg. Der Sender schuf auch Voraussetzungen, unter denen deutscher Hiphop erstmals etwas mehr Aufmerksamkeit im deutschen TV bekam.

VIVA x Deutscher Hiphop: "Get The Clip", "Mixery Raw Deluxe" & der legendäre Taktloss-Auftritt

Denn wer Ende der 1990er oder Anfang der 2000er Videos deutschsprachiger Hiphop-Artists sehen wollte, der musste sich an das Musikfernsehen halten. Selbst in heutigen - für Deutschrap unglaublich erfolgreichen - Zeiten findet deutscher Rap, gemessen am Einfluss des Genres, im Fernsehen noch recht wenig statt. In einer Zeit, in der Rap hierzulande noch nicht regelmäßige Rekorde aufstellte und Hits am Fließband produzierte, hatte die Kunstform es dementsprechend noch schwerer, einen Platz im TV-Programm zu finden. Dass Deutschrapfans nicht vollends in die Röhre gucken mussten, sondern auf Röhrenfernsehern (diese unglaublich sperrigen TV-Geräte mit komischem Bildformat) zumindest ab und an Rap aus Deutschland geliefert bekamen, hatten sie auch VIVA zu verdanken. 

Die etwas Älteren werden sich erinnern, vor dem VIVA-Format "Get The Clip" gesessen zu haben. Immer mit der Hoffnung, zwischen Boybands und Britney Spears-Hits Clips von Aggro Berlin, Samy Deluxe oder anderen Rappern sehen zu können. Zumindest in den Erinnerungen scheint es so, als ob Rap es für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich oft auf den heimischen Fernseher schaffte.

Natürlich war da auch "Mixery Raw Deluxe". Die zu Beginn von MC René und später vom Hiphop-Weisen Falk Schacht moderierte Sendung lieferte regelmäßig Inhalte zu deutschem und amerikanischen Hiphop. Ebenso unvergessen ist Taktloss' legendäre Performance, die man niemals oft genug gesehen haben kann:

VIVA ist TV-Geschichte

All diese Sendungen sind mittlerweile Geschichte. Genauso wie VIVA seit einigen Tagen Geschichte ist. Wer sich die Entwicklung des einstigen VIVA-Konkurrenten MTV anschaut, der wird schnell merken, dass Musikfernsehen wohl nicht mehr wirklich das große Ding ist. Mit dem Internet und spätestens mit Social Media sind Artists nicht mehr darauf angewiesen, dass Programmchefs ihnen Sendeplätze in ausgewählten Shows zugestehen. Wer die neue Generation musikinteressierter Teenies ansprechen möchte, der muss ganz andere Wege gehen. Vor allem das Streaming-Business hat Rap revolutioniert. Die Kids von heute werden VIVA kaum noch kennen.

Viva ist deutsche Fernsehgeschichte, weil es das deutsche Fernsehen nachhaltig verändert hat, vor allem das Jugendfernsehen

Und trotzdem hat VIVA eben nicht nur ein Stück (pop-)kulturelle TV-Geschichte in Deutschland geschrieben, sondern mit seiner unkonventionellen Art Rap eine Plattform geboten, zu der das Genre gesellschaftlich noch weit weniger anerkannt und im Mainstream verankert war. Kaum jemand, der das ikonische VIVA-Logo nicht unmittelbar vor Augen hat. Nach 25 Jahren voller Höhen und Tiefen ist Schluss. Irgendwann ist gut. Mit den Fantastischen Vier lief zum passenderweise ein Act über die Bildschirme, der eher für Historie als für zeitgeistigen Sound junger Leute steht. VIVAs Zeit it vorbei. Und dennoch hat marcus S. Kleiner - ein Berliner Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft" Recht, wenn er VIVA gegenüber dem Focus als "deutsche Fernsehgeschichte" bezeichnet. 

VIVA war zur richtigen Zeit da, um deutschsprachigem Rap etwas Öffentlichkeit zu geben. Heute ist das Genre darauf nicht mehr angewiesen. Deshalb hatte auch Sarah Kuttner Recht, als sie zum Ende der Abschiedsshow sagte "Jetzt ist auch mal gut". 


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