Rappende Fußballer – Özil, Benzema und Co. kicken Lines

Kaum ein Berufsstand wird dermaßen vergöttert, wie der des Profifußballers. Millionen verehren sie, sie sind Vorbild und Hassobjekt zugleich und in den Stadien dieser Welt liegen ihnen die Massen zu Füßen. Manchen scheint diese Art der Verehrung allerdings nicht auszureichen und so versuchen sie, abseits des Platzes auf sich aufmerksam zu machen. Einige Kicker greifen dabei zum Mic und dabei häufig leider auch daneben. Wir stellen dir nun im Folgenden die populärsten Fußballer vor, die sich im Laufe ihrer Karriere als Rapper versucht haben.

Deutsche Nationalmannschaft (1994)

Im Jahr 1994 reiste die deutsche Nationalmannschaft als einer der absoluten Topfavoriten auf den Titelgewinn zur Weltmeisterschaft in die USA. So war das Team mit Weltstars wie beispielsweise Lothar Matthäus, Rudi Völler oder auch Jürgen Klinsmann gespickt, die ihre Klasse bereits beim Titelgewinn vier Jahre zuvor unter Beweis stellen konnten. Als Einstimmung auf das Turnier performte die Mannschaft mit den Rappern von 4 Reeves den Song Everybody's going to the USA und bewies dabei, dass die Jungs am Mic eine deutlich traurigere Figur abgeben als auf dem Platz. Das Turnier verlief zudem ebenso unglücklich wie dieser Auftritt und Deutschland schied im Viertelfinale gegen Bulgarien aus. 

Asamoah Gyan

Krachend klatscht das vom Elfmeterpunkt abgefeuerte runde Leder ans Aluminium, während Kevin Prince Boateng entkräftet zu Boden geht und ganz Ghana in Tränen ausbricht. Aber der Reihe nach: In der letzten Spielminute der WM-Partie Ghana gegen Uruguay drängen die Ghanaer auf den entscheidenden Treffer. Dieser wäre auch gefallen, hätte Uruguays Stürmer Luis Suarez den Ball nicht in der letzten Minute mit der Hand von der Linie des eigenen Tores gekratzt. Rot für Suarez und Elfmeter für Ghana war die Folge. Was dann geschah, ist Geschichte: Gyan vergab und das Spiel ging ins Elfmeterschießen, das die Uruguayer für sich entscheide konnten. Der damalige Schütze des entscheidenden Strafstoßes, Asamoah Gyan, könnte diese herbe Niederlage möglicherweise durch seine musikalischen Tätigkeiten kompensiert und den Frust über den verschossenen Elfmeter einfach weggetanzt haben.

Clint Dempsey

Clint Dempsey verbrachte einen Großteil seiner recht erfolgreichen Karriere in London beim FC Fulham und glänzte dort insbesondere in wichtigen Spielen mit entscheidenden Aktionen, was ihn zum Liebling der britischen Fans machte. Seit seinem Weggang aus Fulham bleiben die großen, öffentlich wirksamen Momente im Vereinsfußball für den variablen Offensivspieler aus. Möglicherweise schielt Dempsey bereits auf eine Karriere nach der Karriere in der Musikbranche. Für Nike stellte er zumindest schon mal seine raptechnischen Fähigkeiten unter Beweis.

Mesut Özil

Der erste amtierende deutsche Nationalspieler in unserer Liste ist der Edeltechniker und Vorlagenspezialist in Diensten des großen FC Arsenal, Mesut Özil. Zu seinen Madrider Zeiten gar mit dem großen Zidane verglichen, tauchte er in wichtigen Spielen zu häufig ab und wurde folgerichtig versilbert, um Gareth Bale verpflichten zu können. Gemeinsam mit Jan Delay stellte der ehemalige Schalker Jugendspieler seine Fertigkeiten am Mic unter Beweis und droppte dabei einige Punchlines. Mit dem angekündigten Pokal in Südafrika hat es leider nicht geklappt. Diesen konnte Özil allerdings vier Jahre später in Brasilien erobern.

Jesé Rodríguez

Jesé Rodríguez ist ein echtes Multitalent. So spielte der dynamische Flügelspieler als Backup der Superstars Gareth Bale und Cristiano Ronaldo seinen Gegenspielern reihenweise Knoten die Beine, bevor es ihn mangels Perspektive zu Paris Saint-Germain und schließlich zum UD Las Palmas zog. Abseits des Platzes verfolgt der junge Spanier zudem eine recht professionelle Rapkarriere. Profi-Fußballer und gefeierter MC in einer Person? Also ich würde tauschen!

Christian Pander

Christian Pander galt gemeinsam mit Lahm lange als bester Außenverteidiger der Liga und nach seinem Traumtor beim 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft über England klopften gar die Königlichen von Real Madrid an und boten einen zweistelligen Millionenbetrag für die Dienste Panders. Diverse schwere Verletzungen sorgten allerdings dafür, dass der Linksfuß nie die Karriere machen konnte, die seinen Anlagen entsprochen hätte. Hätte er die langen Verletzungspausen genutzt, um an seinen Rapskills zu feilen, hätte er sich möglicherweise für sein sich abzeichnendes Karriereende vorsorgen können.


Fredi Bobic, Gerhard Poschner und Marco Haber

Geplagte Fans des ruhmreichen VfB Stuttgart müssen sich nach dem Abstieg in der vergangenen Saison derzeit mit biederem Zweitliga-Fußball zufriedengeben. Schuld an dieser Misere ist nach Meinung einiger Anhänger der mittlerweile geschasste Sportdirektor Freddy Bobic. Sollten sich dessen Fähigkeiten in dieser Funktion im ähnlichen Bereich wie seine musikalischen Fertigkeiten bewegt haben, kritisieren ihn die Anhänger trotz einiger ablösefreier Transfercoups wohl zurecht.

Ryan Babel

Als Wunderkind des niederländischen Fußballs wechselte der technisch starke Offensivspieler Ryan Babel einst zum FC Liverpool, um von dort aus die Fußballwelt zu erobern. Allerdings geriet die Karriere des wendigen Dribblers hier gehörig ins Stocken. Nachdem er sich über Jahre hinweg nicht in England etablieren konnte, flüchtete er schließlich nach Hoffenheim. Aber auch in der Bundesliga war Ryan Babel die große Karriere nicht vergönnt und so kickt dieser mittlerweile in Istanbul. Möglicherweise bremsten zu hohe Erwartungen auch eine mögliche Rapkarriere des ehemaligen Wunderkindes aus. Die Anlagen für diese sind durchaus vorhanden.

Ümit Davala

Der in Mannheim geborene Defensivspezialist Ümit Davala ordnete jahrelang die Defensive des türkischen Spitzenclubs Galatasaray Istanbul, bevor er seinem damaligen Trainer nach Italien folgte und damit den sicheren Stammplatz in heimischen Gefilden aufgab. Über AC und Inter Mailand führte sein Weg schließlich zu Werder Bremen, wo er die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gewann. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete der ehemalige türkische Nationalspieler als Co-Trainer. Außerdem veröffentliche er ein Rap-Album, das allerdings wenig Anklang fand. Wir können nicht nachvollziehen, warum.

Royston Drenthe

Royston Drenthe galt einst als das größte Talent des niederländischen Fußballs, was ihm einen gut dotierten bei Real Madrid einbrachte. Nachdem er sich trotz seines Potentials bei den Spaniern nicht durchsetzen konnte, begann eine Odysee durch die Untiefen des Weltfußballs. Schließlich schlitterte er über Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate in das unausweichliche Karriereende. Dieses begründete er damit, dass er sich nun eine Rapkarriere aufbauen möchte. Wie die Chancen dafür stehen? Hör dir seine ersten Kostproben an und bilde dir selbst eine Meinung:

Andy Cole

Andy Cole, einer der größten britischen Stürmer aller Zeiten, ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Image eine Karriere beeinflussen kann. So handelt es sich bei Cole um den zweiterfolgreichsten Schützen in der Geschichte der Premier League und auch seine Tore-pro-Spiel-Quote übertraf kaum ein anderer Angreifer. Allerdings haftete Cole stets das Image an, ein egozentrischer Chancentod zu sein, was dazu führte, dass kein englischer Nationaltrainer auf die Dienste des Angreifers setzte. Aus diesem Grund erklärte der ehemalige Weltklassestürmer in Diensten Manchester Uniteds 2002, dass er nie wieder für die englische Nationalmannschaft auflaufen wolle. Ähnlich aussichtslos wie seine Nationalmannschafts-Karriere verlief auch Coles Rapkarriere. Möglicherweise lässt er sich hier von einigen Profis erklären, wie man ein Image karrierefördernd einsetzen kann.

Karim Benzema

Karim Benzema, der französische Stürmerstar in Diensten des amtierenden Champions League-Siegers Real Madrid, spielte 2013/2014 die wohl beste Saison seiner Karriere. Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo und Gareth Bale bildete der wuchtige Angreifer mit algerischen Wurzeln den wohl stärksten Angriff der Welt, was auch die deutschen Vereine Schalke, Bayern und Dortmund schmerzlich zu spüren bekamen. Gemeinsam mit dem Rapper Rohff stellte der französische Nationalspieler bereits unter Beweis, dass er nicht nur auf dem Platz eine gute Figur abgibt.

Marc Schleichert

Autoreninfo

Marc Schleichert ist seit Anfang 2014 ein Teil von Hiphop.de und leitet hier den Textinterview-Bereich. In dieser Funktion spricht er regelmäßig sowohl mit hungrigen Newcomern als auch mit alteingesessenen Künstlern.

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Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Fußballverein Olympique Marseille gründet Rap-Label

Von Clark Senger am 26.09.2020 - 14:45

Der französische Fußballverein Olympique Marseille geht einen möglicherweise zukunftsweisenden Schritt ins Musikgeschäft. Gemeinsam mit BMG gründet der neunmalige Ligue-1-Meister das Label OM Records, dessen Fokus auf Rap und R&B liegen soll.

Olympique Marseille & BMG gründen OM Records

Was diese Kombination wichtiger Player aus der Kultur an Vorteilen für alle Beteiligten mitbringen könnte, kann man sich bereits ausmalen. Spieler*innen sowie Musiker*innen haben eine enorme Reichweite in den sozialen Medien und die Verbindung zwischen Fußball und Rap oder R&B ist ohnehin sehr eng, wie man immer wieder auf beiden Seiten beobachten kann. Sylvain Gazaignes, General Manager Frankreich von BMG, sagt zu dieser Connection:

"Die kulturelle Verbindung zwischen Hiphop und Fußball ist sehr stark, ganz besonders in einer Stadt wie Marseille mit einer so lebhaften und kreativen Musikszene. Die Partnerschaft mit OM bietet neue Möglichkeiten für etablierte Acts, aufstrebende Talente und Künstler*innenkollektive aus Marseille, Südfrankreich und Afrika."

Neben dem Großraum Paris ist Marseille Frankreichs wichtigster Hotspot für Hiphop. Mit IAM kommt eine der legendärsten französischsprachigen Rapformationen aus der Metropole an der Côte d'Azur. Einige der aktuell erfolgreichsten Acts wie Jul, SCH, Naps oder Alonzo stammen ebenfalls von dort und representen ihre Stadt häufig mit Leidenschaft.

Mitte August erschien der von Jul ins Leben gerufene Marseille-Possetrack "Bande organisée", der mit 36 Millionen Plays auf Spotify und über 80 Millionen Views bei YouTube schon jetzt einer der größten französischen Songs des Jahres ist. Jul, SCH, Naps, Kofs, Elams, Solda, Houari sowie Soso Maness tragen im Video das klassische Hellblau, das Verein und Stadt im jeweiligen Wappen zeigen. Dabei performt die "organisierte Bande" auf Bolzplätzen sowie im Stade Vélodrome, der Heimat von Olympique Marseille:

Was die Partnerschaft bedeutet

Der Deal macht BMG zum Exklusivpartner für musikalische Projekte und Aktivitäten von Olympique, wie die Musikwoche berichtet. Der Vereinspräsident Jacques-Henri Eyraud beschwört den Spirit der Stadt:

"Olympique de Marseille ist in erster Linie ein Fußballclub, aber seine Wirkung geht weit über die Spielfelder hinaus, insbesondere bei den jungen Menschen in Marseille. L'OM ist ein starker Hebel, um das große künstlerische Potenzial der Bevölkerung freizusetzen. Marseille ist seit der Gruppe IAM eine Wiege des französischen Rap und HipHop, und die Verbindungen zwischen OM und den lokalen Künstler*innen sind seit Jahren stark. Die Gründung von OM Records stärkt diese Verbindung und symbolisiert den Wunsch des Clubs, die einzigartige Energie, die von Marseille und seinen Leuten ausgeht, in der ganzen Welt voranzubringen."

Konkret dürfte das bedeuten, dass der Verein mit seinem Einfluss und seinen Möglichkeiten so gut wie möglich Künstler*innen des Labels unterstützt. OM bekennt sich mit dem Move ganz eindeutig zur Kraft, der Attitude und der Ästhetik des einflussreichsten Genres der Gegenwart.

Haaland, Alaba & Co: 7 Fußball-Stars, die rappen

Der weltweite Fußball-Zirkus sollte sich eigentlich in der verdienten Sommerpause befinden. Doch Corona macht es möglich: Der Ball rollt die nächsten Wochen in nahezu leeren Stadien. Champions League und Europa League müssen noch zu Ende gespielt werden. Sobald es die Zeit erlaubt, gehen manche Ballkünstler aus den Elite-Ligen auch ganz anderen Hobbys nach.

Wenn der Plan aufgeht, dürften die Musiker*innen im Gegenzug dabei helfen, die Marke Olympique Marseille nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, dem aussichtsreichen Wachstumsmarkt in Westafrika und über die Grenzen der französischsprachigen Welt hinaus zu stärken. Hinter den schönen Worten der Verantwortlichen über das "künstlerische Potenzial der Bevölkerung" oder die "einzigartige Energie" der Stadt steckt natürlich auch der Wunsch nach finanziellen Vorteilen für alle Beteiligten.

Ein Move mit Signalwirkung?

Die unweigerlichen Verbindungen und Sympathien aus den Welten der Musik und des Sports zusammenzubringen, ist natürlich nichts gänzlich Neues. Wenn MoTrip für den FC Bayern rappt, der FIFA-Soundtrack mal wieder vor Hiphop nur so strotzt oder Spieler wie Haaland, Alaba und Sergio Ramos sich als Rapper versuchen, erscheint eine Labelgründung unter dem Dach eines Fußballvereins nicht abwegig, sondern fast schon logisch.

Andere Vereine aus Frankreich, Deutschland, England, Spanien und womöglich auch den USA werden genau verfolgen, ob und wie OM Records sich etabliert und auszahlt. Man kann sich vorstellen, wie Vereine aus Hamburg, Berlin, London, Madrid, Barcelona oder auch kleineren Städten, die bereit für die Nische sind, profitieren könnten.

Dass Fußball und Rap nicht nur wirtschaftlich ein passendes Paar abgeben, sondern auch in der Mentalität der Protagonisten viele Überschneidungspunkte bieten, haben wir beispielweise in diesem Artikel gezeigt:

Was Rapper an Fußballern fasziniert - und umgekehrt

Rap und Fußball - da wächst etwas zusammen. Vor allem Straßenrapper supporten Spieler und Clubs. Sie tragen Trikots, nutzen die Namen berühmter Spieler als Tracktitel und widmen sich auch sonst gerne textlich dem Volkssport Nummer eins. Auf der Seite der Sportler läuft es fast spiegelverkehrt.


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