Deutschrap 2014: Ein verkaufstechnischer Meilenstein

 

Was haben die 257ers mit Bushido gemeinsam? Oder Die Fantastischen Vier mit Kollegah? Auch Marteria und Farid Bang haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Alle genannten Künstler landeten in diesem Jahr auf Platz 1 der deutschen Albumcharts.

Und es waren nicht die einzigen Deutschrapper, die die Pole Position erlangten. Auch Shindy, KC Rebell, Cro und Majoe konnten es sich auf dem ersten Rang gemütlich machen. Damit war Deutschrap 2014 bereits zehnmal die Nummer 1.

Den Anfang machte Marteria mit Zum Glück in die Zukunft II, es folgte Bushidos Sonny Black. Nach Farid Bang mit Killa räumte Kollegahs King alles ab und brach zahlreiche Verkaufsrekorde. Im Mai startete KC Rebell seine Rebellution, bevor es mit Cros Melodie etwas sanfter zuging. Majoe zeigte dann, dass er Breiter Als Der Türsteher ist und die 257ers drehten mit Boomshakkalakka am Rad. Es folgte Shindys FvckB!tche$GetMone¥ und den vorläufigen Schlusspunkt setzten Die Fantastischen Vier mit Rekord.

Mit Marteria, Bushido, Kollegah, Cro und Shindy gab es sogar fünf goldene Schallplaten für über 100.000 verkaufte Platten. Kollegah erreichte mit King nach vier Wochen sogar den Platinstatus.

Mit Nummer-1-Platzierungen und Gold-Auszeichnungen in den Nachbarländern Schweiz und Österreich wollen wir gar nicht erst anfangen. Geschweige denn von Top-10-Platzierungen in Deutschland. Ob Al-Gear, die 187 Strassenbande oder zuletzt Curse - fast jede Woche schafft ein Deutschrapalbum den Sprung unter die besten Zehn.

Doch wie sah das Ganze eigentlich in den letzten zehn Jahren aus?

Was soll man groß sagen, es war tote Hose.

Im Jahre 2004 konnte lediglich Max Herre mit seinem gleichnamigen Album auf Platz 1 der Albumcharts landen. Ansonsten gab es mit Eminems Encore nur noch einen amerikanischen Hiphop-Lichtblick. Wie auch im Jahr darauf. 50 Cent war mit The Massacre der einzige Nummer-1-Rapper in den deutschen Charts. 2006 ging Hiphop sogar komplett leer aus. Ein Jahr später sah es schon etwas besser aus. Die Fantastischen Vier landeten mit Fornika auf Rang 1, Bushido hielt sich mit 7 sogar zwei Wochen an der Spitze und erreichte den Platinstatus. Auch 2008 chartete Bushido mit Heavy Metal Payback auf Platz 1 - ebenso wie Sido mit Ich und meinen Maske. Außerdem gab's für Bushido 'ne Goldene. 2009 sah es wieder recht düster aus, mit Peter Fox' Stadtaffe stieg zumindest ein Album mit Rapeinflüssen auf Platz 1 ein und räumte inzwischen sechsmal Platin ab. So auch 2010, als Fanta 4 mit Für dich immer noch Fanta Sie ein weiteres Mal die Spitze erklommen.

Dann kam das Jahr 2011 und es ging langsam aber sicher bergauf. Die Phase des extremen Downloadens schien vorbei, die Kaufbereitschaft stieg, es begann die Zeit der Youtube-Blogs, Promo wurde immer wichtiger.

So folgte 2011 auf Bushidos Jenseits von Gut und Böse unter anderem Casper, der mit XOXO zudem Platin abräumte. SchwarzWeiss von Samy Deluxe sowie Aura von Kool Savas landeten ebenfalls auf dem ersten Rang und erlangten beide den Goldstatus.

Im darauffolgenden Jahr gab es erneut vier Deutschrap-Alben, die sich die 1 sicherten: Zum einen Max Herre mit Hallo Welt!, zum anderen Bushidos AMYF. Dann gab es noch Kool Savas im Duo mit Xavier Naidoo. Xavas erreichten mit Gespaltene Persönlichkeit sogar den Platinstatus. Noch einen drauf setzte Cro mit Raop. Das Album blieb gleich fünf Wochen die Numero Uno und hat inzwischen über 500.000 Einheiten abgesetzt.

Letztes Jahr gelang dann der endgültige Deutschrap-Durchbruch in charttechnischer Hinsicht. Kollegah und Farid Bang räumten nicht nur eine goldene Schallplatte ab, sondern gaben mit dem mittlerweile indizierten Jung Brutal Gutaussehend 2 den Startschuss zu einem Chartmarathon. Es folgten neun weitere Rapper auf der 1: Prinz Pi (Kompass ohne Norden), Genetikk (D.N.A.), RAF 3.0 (Hoch 2), Shindy (Nie Wieder Arbeiten), Alligatoah (Triebwerke), Eko Fresh (Eksodus), Casper (Hinterland), Prince Kay One (Rich Kidz) und schließlich Sido mit 30-11-80, welches außerdem eine goldene Schallplatte erhielt. Gleiches gilt auch für Alligatoahs Triebwerke. Für Casper gab es inzwischen eine Platinplatte für Hinterland.

2013 erreichten also zehn Rapkünstler Platz 1 in den Charts. Diese Marke kann nun geknackt werden. Sie wird sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit geknackt. Am Montag werden wir erfahren, ob sich Kool Savas, Eko Fresh und Summer Cem die ersten drei Plätze schnappen und sich gegen zahlreiche Rock- und Popbands durchsetzen konnten.

Und dann kommt ja bald auch noch Haftbefehl mit Russisch Roulette um die Ecke, eine Woche darauf soll Crackstreet Boys 3 von den Trailerpark-Jungs erscheinen.

Das Deutschrap-Jahr 2014 kann also noch würdig abgerundet werden. Die Künstler scheinen erkannt zu haben, dass etwas Promo und Fannähe nicht schaden. Und die Fans scheinen erkannt zu haben, dass Künstler nun mal von der Musik leben müssen.

Charts sind zwar nicht mit Verkaufszahlen gleichzusetzen, jedoch kann man von den Charts einiges auf jene Zahlen schließen. Letztere sind nun mal nicht öffentlich einsehbar.

In der Breite hat sich jedenfalls einiges getan. Das hat auch die Öffentlichkeit mitbekommen.

Berichte und Interviews in Tageszeitungen sind längst keine Seltenheit mehr, auch Fernsehauftritte mehren sich. Doch da geht sicher noch mehr.

Auch wenn all diese Zahlen nicht an erster Stelle stehen sollten, um Musik zu bewerten: Deutschrap mutiert zum FC Bayern der deutschen Charts.

Zumindest wenn man Helene Fischer außen vorlässt.

Die hat dieses Jahr mit Farbenspiel locker-flockig zehn Platz-1-Wochen hinter sich. Aber die darf das auch. Die sieht gut aus.

Quellen: www.chartsurfer.de, www.wikipedia.de

P.S.: Wir wissen, dass in den zehn behandelten Jahren unter anderem Jan Delay, Seeed und Kraftklub einige Platz-1-Alben rausbrachten und diverse Auszeichnungen abräumten.

Wir haben uns für diesen Artikel jedoch hauptsächlich an Rap im klassischen Sinne ohne allerlei Rock-,Soul- und Funk-Einflüssen orientiert.