Weshalb man sich heute durchaus die ECHOs gönnen kann

Yaaay, die ECHOs (alle Infos und Nominierungen) werden heute verliehen! Du weißt, in deinem Freundeskreis gibt es schon seit Tagen kein anderes Thema mehr. Mit Spannung erwarten wir die Entscheidung, ob Pop-Gedudel Nr. 1, Pop-Gedudel Nr. 2, die rechte Rockband Frei.Wild (keine Nazis, sondern brave Deutsche) oder Pop-Gedudel Nr. 5 die begehrte Trophäe mit nach Hause nimmt.

Ok, zur Seite mit der Ironie. Anscheinend ist der ECHO ja doch interessant genug, dass wir euch darüber abstimmen lassen und im Endeffekt auch berichten. Weshalb man sich dieses Jahr tatsächlich auch als Rap-Fan für die Preisverleihung interessieren kann, erfährst du hier...

1. 187 goes ECHO

Der regelrechte Hype um die 187 Strassenbande schlägt sich auch in Verkaufszahlen nieder: LX und Maxwell sind mit Obststand als Newcomer des Jahres nominiert. Gegen die Radio-Lieblingsmenschen Namika, Philipp Dittberner, Gestört aber geil und Joris dürfte es wohl schwer werden (oder?), aber das ist relativ egal.

Die Präsenz der Hamburger Crew reicht für viele Rap-Fans schon als Grund, sich das Event heute ausnahmsweise mal zu geben. Im Lacoste-Jogginganzug und mit HaifischNikez wollen die Jungs den roten Teppich zwischen all den aufgetakelten Pop-Sternchen rocken, die bloß darauf bedacht sind, einen guten Eindruck zu machen. Welten treffen aufeinander. Das wird ein Anblick!

Das Sahnehäubchen wäre natürlich, wenn wir wirklich eine Dankesrede von Maxwell zu hören bekommen würden. Falls es dazu kommt, hat man sich bestimmt etwas Nettes für den inhaftierten LX und die komplette Veranstaltung einfallen lassen.

Außerdem sind wir gespannt, was die Jungs in den kommenden Tagen (vielleicht in einem Monsta Blogg?) zur Veranstaltung und der Aftershow-Party zu erzählen haben. Hier geht's zum Livestream.

Beim Videopreis haben wir auch einen heißen Anwärter...

2. Der Videopreis

Wie auch immer die Nominierungen für das Bestes Video (national) zustande kommen – irgendwas läuft da besser als in den anderen Kategorien. Das Video zu SSIOs Nullkommaneun hat in der Rap-Szene einen bleibenden Eindruck hinterlassen und anscheinend auch in der zuständigen Jury (weitere Nominierungen u.a. für Sido).

Vincent Pfäfflin rappt Baba Hafts Ihr H*rensöhne, das jetzt schon legendäre Schaf mit Windel revolutioniert das Kopfnicker-Game, Jeff ist am Start – die Pointen sitzen einfach, aber wem erzähle ich das? Du weißt ja eh Bescheid.

Wie die Chancen stehen, ist schwer zu sagen. In der Vergangenheit konnten oft Clips von Acts gewinnen, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen (2015: Kraftklub, 2014: Y-Titty, 2012: Sido & Bushido, 2010: Sido).

Wenn SSIO und Xatar (Regie und Drehbuch) das Ding nicht holen, kann immer noch Siggi die Hiphop-Fahne hochhalten. Überhaupt: Läuft richtig bei ihm und Deutschrap...

3. Exemplarisch für Deutschraps Entwicklung: Sido kann groß abräumen

Genre-übergreifend stand die Szene wohl nie so gut da, wie dieses Jahr. 18 Nummer-1-Alben waren 2015 eine echte Ansage.

Als Die Fantastischen Vier 2005 den Hiphop-ECHO gewannen, sagte Thomas D, sein Award gehöre eigentlich Sido. Seiner Zeit war es nämlich Aggro Berlin, das Deutschrap wieder richtig auf die Bildfläche der Öffentlichkeit brachte.

Über ein Jahrzehnt später trumpft dieser Sido mit gleich vier Nominierungen (drei davon genre-übergreifend) auf: Hiphop-Künstler (national), Bestes Video (national), Hit des Jahres und Radio-ECHO. Besonders die beiden letzten Nominierungen zeigen, was in den vergangenen elf Jahren so passiert ist: Rap ist der Boss im Haus – mittlerweile auch im Mainstream. Hate it or love it...

Die genre-übergreifenden Nominierungen für Rap-Acts:

Kritikerpreis: K.I.Z.

Radio-ECHO: Cro, Sido

Hit des Jahres: Sido

Newcomer (national): LX & Maxwell

Video des Jahres: SSIO, Sido

Next Stop: Album des Jahres...

4. Kein Preis für Eminem oder 50 Cent

"BLASPHEMIE! EMINEM VERDIENT DEN PREIS AUCH, WENN ER NICHTS VERÖFFENTLICHT!", schallt es aus einer fiktiven Kommentarspalte. Wir beruhigen uns und checken die Fakten.

Seien wir mal ehrlich: Es wird dem internationalen Hiphop-Geschehen ganz einfach nicht gerecht, wenn bei dem vielleicht größten deutschen Musikpreis bisher exakt drei nicht deutschsprachige Rap-Acts gewinnen konnten:

6x Eminem

3x 50 Cent

1x D12 (warum wohl?)

Natürlich wissen wir, dass dieser Preis auf Grundlage der Verkäufe verliehen wird. Dadurch entstehen auch so lustige Nominierungen wie 2011, als in der Kategorie Hiphop/Urban Eminem (Sieger), Bushido, Culcha Candela (WTF!?), Sido und Gentleman nominiert waren. Vielleicht ist es an der Zeit, dieses Konzept zu überdenken, um Deutschlands bekanntesten Musikpreis international attraktiver zu machen. Vielleicht sind das auch bloß utopische Gedankenspiele eines kleinen Rap-Fans.

Wir wünschen uns jedenfalls sehr, dass die deutsche Käuferschaft mit ihrem Konsumverhalten im vergangenen Jahr dem Album Respekt erwiesen hat, das es wohl am meisten verdientKing Kendrick muss das Ding holen. Punkt.

Die Nominierten in der Kategorie Hiphop/Urban (international): Kendrick Lamar, Dr. Dre, The Weeknd, Tyga & Chris Brown, Macklemore & Ryan Lewis.


Eventuell konnten wir dir ja ein bisschen Bock auf das Abendprogramm im Ersten (Livestream) machen. Könnte ab und zu unterhaltsam werden.


So lief der ECHO 2015

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"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

Von Till Hesterbrink am 18.10.2020 - 13:37

Der YouTube-Kanal History of Berlin macht seinem Namen alle Ehre und hat ein Interview mit Maxim aus dem Jahre 2001 veröffentlicht. Attila Murat Aydın, wie Maxim mit bürgerlichem Namen hieß, war einer der Hiphop-Pioniere der Hauptstadt. Er gründete zahlreiche Breaker-, Sprayer- und MC-Crews und war einer der ersten, die Hiphop in Deutschland nach amerikanischem Vorbild verstanden hatten.

Maxim nimmt HoB mit auf eine Zeitreise

In dem Interview erzählt Maxim von seinen Anfängen und wie er zum Breaken und Beatboxen gekommen ist und wie sich die Hiphop-Szene in Berlin mit den Jahren veränderte. Die Faszination begann für Aydın mit 12 Jahren, als ein bodenturnender Cousin aus Manchester ihn besuchte und ihm die ersten Moves zeigte. Nachdem er dann den Film "Wildstyle" gesehen hatte, war er endgültig begeistert. Neben dem Breaken entdeckte Maxim schnell auch das Beatboxen und Malen für sich und begann, sich einen Namen in Berlin zu machen.

Mit den Jahren galt Maxim als einer der Ersten, der den West-Berlin-Hiphop-Style etabliert hat und wurde so zu einer der bekanntesten Figuren in der Hauptstadt. Er war zwar Breaker, Sprayer, Beatboxer und Rapper, doch sein größtes Talent scheint das connecten von Leuten gewesen zu sein. So schreibt History of Berlin über ihn:

"Das wahre Talent von Maxim, war allerdings das vernetzen und verknüpfen von Leuten aus der Hip Hop Szene, denn er kannte wirklich jeden aktiven Tänzer und jeden relevanten Berliner Sprüher persönlich."

Aydın gründete Ende der 80er Jahre die legendäre Berliner Crew 36 Boys, welcher unter anderem auch der heutige Starkoch Tim Raue angehörte. Wie vieles, was Maxim machte, gelten die 36 Boys mittlerweile als Vorreiter für Crews und Gangs der nachfolgenden Generationen.

Auch die Glorious Five Artists wurden von Maxim gegründet, welche von der Backspin als eine der besten Writer Crews Europas bezeichnet wurde. Der Tagesspiegel nannte die GFA mal "die bekannteste deutsche Writer Verbindung".

Maxim: Viel zu früh gestorben

Wohl am Tag dieser Videoaufnahmen, seinem 33. Geburtstag, starb Maxim, als er einen Streit zwischen seiner Ehefrau und einem Rentner klären wollte. Der 76-Jährige zog jedoch ein Messer und erstach Aydın. Maxim hatte sich zeit seines Lebens gegen Gewalt eingesetzt und war ein berühmter Streitschlichter.

Auf der Aggro Ansage Nr.4 widmeten Fler, Sido und B-Tight der Straßen-Legende mit "Maxim ist King" einen ganzen Song.

"Der erste Beatboxer, erste Writer, erste B-Boy, er war die erste Eins" (Fler auf "Maxim ist King")

Des Weiteren wurde der "Maxim Memorial Day" ins Leben gerufen, bei welchem viele Berliner Künstler dem Verstorbenen ihren Respekt zollten. Außerdem erschien der "Maxim Memorial Sampler", auf dem unter anderem Kool Savas, Eko Fresh, Fler, Sido, Taktloss und B-Tight vertreten waren.

Bis heute findet Maxim immer wieder Erwähnungen in deutschen Raptexten:

"Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)/
Hoff', ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)" (Fler auf "Vermächtnis")


Maxim (Zeitreise 1982-2001) Hip Hop Legende, Graffiti, Break Dance, Beatbox - HISTORY OF BERLIN

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