Song-Konzept des Jahres? "I'm Not Racist" kämpft gegen die Spaltung der Gesellschaft

In den letzten 24 Stunden ist ein Video viral gegangen, das keine süßen Katzenbabies oder einen überdreisten Prank zeigt. Joyner Lucas hat mit I'm Not Racist ein todernstes Thema auf den Tisch gepackt, das momentan allzu präsent erscheint. Seitdem Donald Trump es zum Präsidenten geschafft hat, ist die Stimmung in Übersee maximal angespannt. Schwarze und weiße Bevölkerungsgruppen haben sich immer weniger zu sagen und konfrontieren sich stattdessen mit gegenseitigen Vorwürfen. Trauriger Höhepunkt dieser gesellschaftlichen Spaltung ist der Anschlag in Charlottesville, bei dem ein wohl rechtsgesinnter Attentäter in eine Menschentraube aus Demonstranten gerast ist.

Aber zurück zur Musik – wobei es Musik nur ungefähr trifft. Joyner Lucas bietet auf einem The Cratez-Beat (ja, die deutschen Produzenten) einen circa siebenminütigen Konzeptsong, der wieder ins Bewusstsein ruft, was eigentlich schief läuft:

Bereits der Beginn ist derart eindringlich, dass man als Zuschauer kurz erschrickt und sich fragt, ob der weiße Mann mit der Make-America-Great-Again-Kappe das gerade wirklich von sich gegeben hat. Alle gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung bündelt Lucas in der Figur des Trump-Fans. Das tut er so eindrucksvoll, dass es fast körperlich wehtut:

"You motherf*ckas needa get your damn priorities straight / Wait, it's like you're proud to be fake / But you lazy as f*ck and you'd rather sell drugs / Than get a job and be straight, and then you turn around and complain"

Dann übernimmt der schwarze Protagonist und rappt die Geschichte aus seinem Blickwinkel. Auch hier wird deutlich, was in den Staaten augenscheinlich für kulturelle Unterschiede bestehen. Die Strophe gerät nicht minder eindringlich und beleuchtet die andere Seite der gleichen Medaille. Dazu ertönt ständig die Line "I'm not racist", obwohl beide permanent rassistische Klischees bedienen. Stereotype, wohin das Auge schaut:

"All you do is false sh*t, this the sh*t that I'm forced with / And you don't know sh*t about my people, that's what bothers you / You don't know about no fried chicken and no barbeque / You don't know about the two-step or no loose change / You don't know about no 2 Chainz or no Kool-Aid, you don't know!"

Als die Darsteller schlussendlich ihre Standpunkte klargemacht haben, erkennt der Zuschauer, dass zum gegenseitigen Verstehen eigentlich gar nicht so viel fehlt. Die argumentative Haltung der beiden ist nämlich nahezu identisch und verbindet über das Menschsein hinaus. Die Letzte Zeile des Tracks ist daher wieder für das Statement "I'm not racist" vorgesehen – nur mit dem Unterschied, dass kein Platz mehr für ein "aber" bleibt. Dass sich die beiden Darsteller dann in den Armen liegen, unterstützt diesen Gedanken.

Wer jetzt meint, dass dieses Video nichts mit unseren Verhältnissen in Deutschland gemein hat, der liegt falsch. Beliebte Sätze wie "Ich bin kein Nazi, aber ..." lassen sich leider relativ mühelos auf den Rap von Lucas übertragen. Das ist die große Leistung hinter diesem Konzeptsong, der mit nur einem Setting und zwei Schauspielern eine globale Fragestellung aufwirft: Wie kommen wir trotz aller Unterschiede miteinander klar, ohne uns an die Gurgel zu springen?

Dass eine künstlerische Antwort aus dem Hiphop heraus entsteht, ist irgendwie logisch. Kaum eine andere Kulturform wirkt so integrativ. Unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Rasse kann sich einfach jeder einbringen, der Bock darauf hat. Wer malen will, der malt, wer rappen will, der rappt und wer breaken will, der breakt und so weiter – es zählen nur Skills. Was gesamtgesellschaftlich hingegen wohl am meisten zählt, ist der Wille zum Dialog. Das hat dieses Werk von Joyner Lucas vorgeführt.

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Kommentare

Unglaubliche Stimmung in dem Song. Seit langem mal wieder ein Song mit Gänsehaut-Effekt.Leider wird man nie komplexere Themen ausdiskutieren können in einem Song, aber der Denkanstoß passt. Danke auch für den schönen zugehörigen Artikel!

Dachte erst, es geht wieder darum das die weißen die bösen sind und schwarze immer Opfer. Aber die message ist sehr gut und letztendlich sehe ich es auch so... Wir müssen aufeinander zugehen und dürfen uns von der Politik nicht spalten lassen. In meinen bekanntenkreis gibt es afd Wähler und hardcore Linke. Komischerweise kommen die auch miteinander zurecht solange es nicht mal wieder um Politik geht. Deswegen juckt mich das Thema auch nicht. Wie bogy sagt: ich weiß das der ******haufen stinkt, da brauch ich nicht auch noch meine Nase reinhalten!

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US-Rapper wirft Cardi B vor, seine Lyrics geklaut zu haben

US-Rapper wirft Cardi B vor, seine Lyrics geklaut zu haben

Von Djamila Chastukhina am 21.07.2021 - 13:38

Cardi B (jetzt auf Apple Music streamen) ist bekannt für ihre catchy Lyrics, mit denen sie oft Ansagen macht. Nun wird ihr und ihrem Team jedoch von einem Rapper vorgeworfen, dass einige dieser Lyrics geklaut seien. Montana of 300, der bereits seit einigen Jahren im Rap-Game aktiv ist, äußert sich dazu auf Twitter und stellt fest, dass einige von Cardis Texten eine große Ähnlichkeit zu seinen aufweisen.

Cardi B soll sich Lyrics bei Montana of 300 abgeguckt haben

Der 32-jährige Rapper behauptet auf Twitter, dass Cardi Bs Team bei seinen Texten "sehr genau" zuhöre. In Tracks wie "Bodak Yellow" und "Best Life" soll sie nämlich seine Reime verwendet haben:

"Wer auch immer für Cardi B schreibt, hört bei meiner Musik sehr genau zu. Von 'blood on my shoes... that's red bottoms' bis hin zu meinem 'You a p*ssy and a b*tch ni**a, Cat Dog'. Und ich habe sie gerade sagen hören:'You P*ssy and a Rat, Tom and Jerry'."

Er scheint jedoch nicht wütend zu sein, sondern sich eher geehrt zu fühlen. Seiner Meinung nach werden seine Texte nämlich "wenigstens gut ausgeführt". Er beendet den Tweet mit einem Gruß und überlässt seinen Followern den Rest: Er bekommt viel Zuspruch und wird von einigen auch als einer der besten Songwriter bezeichnet, der mehr Respekt verdient habe..

Nicht das erste Mal, dass Cardi B Lyrics von anderen Rappern kopiert haben soll

Bereits Anfang Februar wurde stark über die Lyrics von Cardi diskutiert. Nach Release ihrer Single "Up" wurde ihr vorgeworfen, die Hook von Mir Pesos und Mir Fontane kopiert zu haben, ohne ihnen dafür die Credits zu geben. Im 2020 veröffentlichten Song "Stuck" der beiden Rapper, konnte man die Hook wiederfinden:

"Well, if it's up, then it's stuck"

Cardi äußerte sich auf Twitter zum Thema. Sie stellte klar, dass sie Künstler*innen, von denen sie sich inspirieren lassen hat, auch an ihrem Gewinn teilhaben lassen würde. Dies soll jedoch nicht der Fall gewesen sein:

"Ich bin ein Mensch, der Probleme und Gerichtstermine vermeidet. Wenn ich von einem Song inspiriert werde, würde es mich nicht stören, [dem Künstler] einen Prozentsatz oder ein paar Tausend zu geben, aber ich habe noch nie von diesem Mann gehört."

Zu den Vorwürfen von Montana of 300 hat Cardi bisher keine Stellung genommen, jedoch zweifeln viele ihrer Fans an seiner Behauptung.


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