Was ist heute dein besserer Weg? Die Herkunft der Vorfahren als Teil der eigenen Persönlichkeit nehmen, aber darauf achten, dass einen das nicht von Menschen anderer Abstammung trennt?
Ich habe auch heute als bekennender Jude und Israeli kein Problem damit, mit Menschen anderer Religionen und Nationalitäten gut klar zu kommen. Ich bin noch der gleiche Mensch, den die Jungs von Berlin Crime , die Freunde aus Spandau oder die aus dem Wedding von früher kennen. Ich freunde mich mit jedem an, der cool mit mir ist, egal wo er herkommt. Ich finde es sogar interessanter, Leute aus ganz anderen Kulturkreisen kennenzulernen. Aber es gibt auch religiöse Fanatiker mit denen man nicht sprechen kann. Das habe ich erfahren und das erfahren auch andere in solchen Bezirken.

Über die Zeit, in der du zum bekennenden Juden wurdest, schreibst du: "Plötzlich drehte sich mein Leben wieder ganz um meine jüdische Identität. Wie schon während meiner Jugendjahre, doch um 180 Grad gewendet." Hattest du anschließend die gleichen Beweggründe dafür, zur israelischen Armee zu wollen, wie damals im Wedding, als du in eine Gang wolltest?
Ich glaube nicht. In Israel ist das eine Institutionen über die man als jemand, der neu im Land ist und die Sprache kaum kann, in die Gesellschaft kommt. Den Grundwehrdienst zu machen hat mir geholfen Freunde zu finden, darum ging es.

Dann ging es doch auch um Zugehörigkeit, wie früher im Wedding. Du wolltest ja in einer Gang sein um ein echter Weddinger zu werden.
Ich bin in Israel aber nie ausgeschlossen worden, im Gegenteil zu der Zeit im Wedding bevor ich in einer Gang war. Ich konnte mich vom ersten Tag an zugehörig fühlen. Das war auch der Grund, warum ich nach Israel wollte und nicht nach Los Angeles oder Paris. In Israel hat man mich nie als Fremden angesehen - erst wenn ich angefangen habe zu sprechen. Und auch dann wurde meine Herkunft aus dem Iran und Deutschland positiv aufgefasst.

Hattest du nie ein Problem damit, Soldat zu werden? Du bist unter Muslimen aufgewachsen, hättest du in einem Gefecht mit Libanesen oder Palästinensern nicht das Gefühl gehabt, als würdest du auf Leute schießen, die im Wedding deine Freunde hätten sein können?
Jemand, der den Terror gegen Israel unterstützt, hätte sicherlich nicht mein Freund sein können. Ich hatte nie viele arabische Freund und die, die ich hatte, haben sich gegen mich gewendet, sobald es einen Grund gab. Der einzige wirkliche arabische Freund war Hüsseyn. Aber es gibt eben auch Leute wie ihn und ich bin froh, dass ich das Glück hatte, so jemanden kennenzulernen.

Vom Wedding ging es nicht direkt nach Israel, du hast auch in Deutschland den Grundwehrdienst abgeleistet und zu der Zeit keine Probleme mit Ausgrenzung gehabt. Du bist in Deutschland geboren und aufgewachsen, auch vom Selbstverständnis her Deutscher zu sein, war nie eine Option für dich?

Nein, alleine wegen meinem Aussehen nicht. Ich bin hier geboren und groß geworden, ich hatte kein anderes Land. Aber ich wurde nie als Deutscher gesehen. Bis heute ist es so, dass man als etwas anderes gesehen wird, auch wenn man hier groß wurde. Das ist auch okay, das ist überall so.

Wie siehst du denn als ehemaliger Berliner die Integrationsdebatte, die es zurzeit in Deutschland gibt?

Die finde ich interessant, sie kommt aber zu spät. Ich erzähle in meinem Buch von den Neunzigern - bis heute hat sich das ja alles weiter zugespitzt. Man hätte das Thema schon vor 20 Jahren auf den Tisch bringen müssen. Heute musst du in Neukölln und im Wedding ums Überleben kämpfen. Jetzt hört man verschiedene Meinungen, vor allem ist aber gut, dass geredet wird. Man muss damit umgehen, dass es solche Gegenden gibt, in denen eben auch viele radikale Ansichten haben. Terror muss nach Deutschland auch nicht erst importiert werden, das ist alles schon da.

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