Virgil Abloh prophezeit das Ende von Streetwear

Wenn man sich nach den stilprägendsten Modeschöpfern der Gegenwart umschaut, landet man schnell bei Virgil Abloh. Der aktuelle Chef-Designer von Louis Vuitton und Gründer des Labels Off-White, setzte in den letzten Jahren die Ausrufezeichen in der Fashion-Industrie. Nicht zuletzt hat er auch dazu beigetragen, dass Streetwear auf den großen Laufstegen der Welt gelandet ist. In einem Interview mit dem Portal Dazed beschreibt er nun, dass er das Ende dieser Mode-Ära gekommen sieht.

Virgil Abloh glaubt, dass Streetwear sterben wird

Auf die Frage, was mit Streetwear in naher Zukunft passieren werde, antwortet Abloh klar und bestimmt. Für ihn dankt der urbane Dressode sehr bald ab.

"Ich würde sagen, dass es definitiv aussterben wird. Die Zeit wird abgelaufen sein. Aus meiner Sicht: Wie viele T-Shirts, Hoodies und Sneakers können wir noch mehr besitzen?"

("I would definitely say it’s gonna die, you know? Like, its time will be up. In my mind, how many more t-shirts can we own, how many more hoodies, how many sneakers?")

Abloh hat eine Übersättigung mit klassischen Streetwear-Artikeln ausgemacht. Hier sei das Ende der Konsumspirale erreicht. 2019 sind Sneakers jedoch offensichtlich noch zeitgemäß. Auf seinem Instagram-Profil teast Abloh seit Tagen eine Kollabo von Off-White und Nike an, die am 20. Dezember erscheinen soll.

@off____white c/o @nike 12/20/19

94.8k Likes, 455 Comments - @virgilabloh on Instagram: "@off____white c/o @nike 12/20/19"

Diesen Trend sieht Virgil Abloh voraus

Doch was kommt nach der Streetwear? Auch hier hat Abloh eine sehr konkrete Vorstellung. Die kommende Mode-Dekade werde von einer Rückbesinnung auf Vergangenes bestimmt sein.

"Ich denke, wir werden einen Punkt erreichen, an dem du dein Wissen und deinen persönlichen Style mit Vintage ausdrückst – da sind so viele Klamotten, die cool sind und die in Vintage Shops herumliegen und es geht nur darum, sie zu tragen. Ich denke, dass Fashion sich von Neuanschaffungen wegentwickeln wird. Es wird eher so sein: 'Hey, ich schaue in meinem Archiv nach'".

("I think that like we’re gonna hit this like, really awesome state of expressing your knowledge and personal style with vintage – there are so many clothes that are cool that are in vintage shops and it’s just about wearing them. I think that fashion is gonna go away from buying a boxfresh something; it’ll be like, hey I’m gonna go into my archive.")

Mit dieser Haltung schließt sich Abloh dem allgemeinen Trend zur Nachhaltigkeit an. Was man beim Stöbern irgendwo entdeckt, muss nicht mit neuen Ressourcen produziert werden. Bei einem Blick auf besonders Fashion-affine Deutschrapper scheint Ablohs Vorhersage bereits teilweise die Realität abzubilden.

RIN surft im Zuge seines Releases "Nimmerland" sowohl musikalisch als auch optisch auf einer "Vintage"-Wave. Ebenso gönnt sich Shindy neben Designerware auch mal ein rares Shirt von US-Rapper Mase, das er kürzlich prominent ins "Tiffany"-Video eingebaut hat.

Shindy - Tiffany [Video]

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Palm Angels-Chef widerspricht Virgil Abloh: Streetwear ist nicht tot

Palm Angels-Chef widerspricht Virgil Abloh: Streetwear ist nicht tot

Von Alina Amin am 11.02.2020 - 18:43

Hemden weg und Hoodies wieder aus dem Altkleidercontainer holen, denn: Streetwear ist doch nicht tot! Nach Virgil Ablohs großer Prophezeiung über den Tod von Jogginganzug und Co im Dezember können wir nun alle getrost aufatmen und das graue Jackett ganz hinten in Vaters Kleiderschrank verstauen. Das versichert uns zumindest der Palm Angels-Chef Francesco Ragazzi.

Das Ende der Streetwear: Palm Angels-Chef widerspricht Virgil Abloh

Auf seiner Modenschau am vergangenen Sonntag erzählte dieser nämlich dem Magazin Highsnobiety im Backstage-Interview, dass Streetwear definitiv lebendig sei. 

Auf die Aufforderung, seine Meinung zur allseits entfachten Diskussion zu äußern, sagte er: 

"Ich hasse es zu sagen, dass Streetwear tot sei. Streetwear ist nicht tot. Man sieht hier niemanden, der einen Anzug trägt."

("I hate to say streetwear is dead. Streetwear is not dead. You don’t see anyone here wearing a suit.")

Und damit hat er (für den Moment) wohl ziemlich Recht. Nach der Prophezeiung von Abloh für die neuen 20er-Jahre hat sich sichtlich wenig verändert – Jogginghosen, Pullis und Sneakers sind nach wie vor der Go-to-Standard für jeden, der fresh aussehen will. Zugegebenermaßen ist in den letzten zwei Monaten auch nicht viel Zeit vergangen, aber: Die Laufstege sagen fürs kommende Jahr, ganz nach dem Streetwear-Spirit, lockere Schnitte und viel Unisex voraus.

Palm Angels als Streetwear-Botschafter

Francesco Ragazzi ist einer der Visionäre, die Jugendkultur laufstegfähig gemacht haben. Seine Marke Palm Angels ist gerade mal knapp fünf Jahre alt und spielt ganz weit oben am Fashion-Himmel mit. Vor einigen Jahre fotografierte er als damals neuer Chef des Labels noch Skater in Los Angeles, jetzt bekleidet er mit Palm Angels Rapper, Stars und die, die so aussehen wollen.

Dabei sucht er sich stets Inspiration im echten Leben – also auf der Straße. So bringt er T-Shirts, Jacken und Jogginghosen raus, die sich getreu der Ursprünge an Szene, Sport und Skater-Kultur orientieren. Und das ziemlich erfolgreich, denn seine Modenschau war trotz laufender Oscars mehr als gut besucht. 

Und auch hierzulande ist Raggazis Kleidung längst angekommen. Dafür reicht ein kurzer Blick auf die Outfits unserer Lieblingsrapper. Hatte Virgil Abloh also Unrecht? Mit Sicherheit wird man das erst in ein paar Jahren sagen können. Denn seine Aussage bezog sich bestimmt nicht auf die unmittelbare Zukunft, sondern auf die langfristige Entwicklung in der Modewelt.

Tatsächlich ist Nachhaltigkeit nach wie vor der führende Trend in der Modeindustrie. Vintage ist hot und Second-Hand Läden werden bei Modefans stets beliebter. Ein genauer Blick zeigt aber: Sportkleidung von Nike, Adidas und dergleichen dominiert immer noch die Kleiderstangen – besonders die der Gebrauchtwaren-Fans. Denn gerade Vintage-Sportkleidung steht ganz hoch im Kurs. Das große Ende der Streetwear-Ära wird wohl vorerst vertagt.


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