US-Rapper Tay-K wegen Mordes zu 55 Jahren Haft verurteilt

Ein texanisches Gericht hat den US-Rapper Tay-K zu einer Haftstrafe von 55 Jahren verurteilt, wie Fort Worth Star Telegram berichtet. Der 19-Jährige wurde unter anderem des Mordes für schuldig erklärt.

Deanna Boyd on Twitter

Rapper @tayk sentenced to 55 years in prison for his role in the 2016 murder of Ethan Walker, 21. https://t.co/tU8phV9c80

Tay-K plädiert im Fall des Mordes auf nicht schuldig

Die Staatsanwaltschaft warf Tay-K mehrere Verbrechen vor. So soll er 2016 zusammen mit sechs weiteren Personen in ein Haus eingebrochen sein. Dabei ist der 21-jährige Ethan Walker ermordet worden. Neben dieser Tat wurde Tay-K schwerer Raub in drei Fällen zur Last gelegt. In zwei der zuletzt genannten Anklagepunkte bekannte sich der angeklagte Rapper für schuldig. Den Mord und einen Raubüberfall stritt er ab.

Zum Zeitpunkt des Mordes war Tay-K gerade 16 Jahre alt. Laut Star Telegram argumentierte sein Anwalt, dass der Rapper "nicht bewaffnet" gewesen sei und keine "Idee davon hatte, dass Leute erschossen werden" würden. Diese Strategie war nicht erfolgreich. Das Gericht verurteilte Tay-K bereits vergangene Woche wegen Mordes.

Die Dauer Strafe steht seit gestern fest. Für den Mord sowie die Raubüberfälle wurde eine Haftstrafe von insgesamt 55 Jahren angeordnet.

Tay-K veröffentlicht Platin-Single "The Race" auf der Flucht

Tay-K gelangte vor allem dadurch zur Berühmtheit, dass er sich von seiner vorläufigen Festnahme nach dem Überfall nicht von seiner Rapkarriere abhalten ließ. Er wurde zwar zum Hausarrest verurteilt, aber durchtrennte seine Fußfessel. Im Frühjahr 2017 rannte vor den Behörden davon und machte weiterhin Musik. Während seiner dreimonatigen Flucht droppte er den Track "The Race". Dort rappt er, dass er einem Prozess entkommen möchte:

"Fu-fu-f*ck a beat, I was tryna beat a case / But I ain't beat that case, b*tch, I did the race"

Am Tag der Veröffentlichung des Musikvideos konnte Tay-K schließlich erneut von der Polizei gestellt werden. Das Video und die Lyrics von Tay-K führte die Staatsanwaltschaft während des Prozesses als Beweismittel an, wie unter anderem The Fader schreibt.

Der Track hat inzwischen Platin-Status erreicht und wurde zudem vielfach geremixt. Im Internet finden sich Versionen von Tyga, Lil Yachty, Fetty Wap und 21 Savage zusammen mit Young Nudy.

Die Single ist zugleich auch Teil einer weiteren Klage gegen Tay-K. Die Eltern der Opfer des Einbruchs forderten 1.000.000 Dollar Schadenersatz von dem Rapper und seinem Label 88 Classic. Ihr Anwalt sagte dazu:

"Das Prinzip hinter diesem Fall ist, dass Menschen und Unternehmen nicht von Gewaltverbrechen gegen Unschuldige profitieren dürfen"

Mit dem nun verhängten Urteil sind die Tage vor Gericht für Tay-K wohl noch nicht abgeschlossen. Ihm wird ein weiterer Mord an einem 23-jährigen Fotografen angelastet. Auch ist in US-Medien von einer Klage wegen eines anderen schweren Raubüberfalls zu lesen.

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Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Von Clark Senger am 01.02.2020 - 14:41

Der iranische Rapper Amirhossein Maghsoudloo aka Amir Tataloo ist mehreren Medien wie der New York Times und ZDF Heute zufolge in der Türkei festgenommen worden. Der Iran soll den regierungs- und gesellschaftskritischen Musiker per "Rote Ausschreibung" von Interpol mit dem Ziel der Auslieferung suchen lassen haben. Die türkischen Sicherheitskräfte haben offenbar auf diese Ausschreibung reagiert und Tataloo in Istanbul in Gewahrsam genommen.

Iranischer Rapper Amir Tataloo: Festnahme in der Türkei

Wie geht es weiter für Amir Tataloo? Laut Informationen der NY Times befindet er sich derzeit in einer Haftanstalt für Immigranten ohne Papiere in Ost-Istanbul. Die nächsten Schritte sind unklar, aber die Auslieferung und ein Prozess im Iran, dem er schon länger ein Dorn im Auge ist, wäre sicherlich die schlechteste Option für den Rapper.

Der offizielle Vorwurf der iranischen Behörden lautet, Maghsoudloo würde in seinen Texten zum Drogenkonsum aufrufen. Laut Produzent MarG Lotfabadi, der bei der Festnahme vor Ort war, sei dies kein Thema gewesen – die türkischen Sicherheitskräfte hätten sich lediglich auf die "Rote Ausschreibung" bezogen.

Eine Petition auf change.org fordert die Türkei auf, Tataloo freizulassen und ihm seine Papiere zurückzugeben. Im Sekundentakt kommen neue Unterschriften dazu, aktuell liegt die Petition bei über 460.000 Supportern. Seine Fans und Unterstützer befürchten, dass ihn im Iran kein fairer Prozess erwarten würde. 2016 berichteten wir bereits, als der Rapper zu fünf Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Damals gab es keine nähere Begründung der iranischen Nachrichtenagentur, aber bei der Festnahme wurden ihm laut ORF "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" vorgeworfen.

Urteil gegen iranischen Rap-Star Amir Tataloo gefällt

Für die Festnahme durch die Moralpolizei, die bereits im Sommer erfolgte, nennt ORF die "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" als Grund.

Der 2019er-Bericht von Human Rights Watch über den Iran füttert die Annahme mit konkreten Beispielen. So sollen zum Beispiel am 8. September drei kurdische Männer durch die Autoritäten exekutiert worden sein, nachdem sie in "unfairen Prozessen" verurteilt wurden. Außerdem sollen mindestens 208 Mitglieder der religiösen Minderheit der Derwische in Prozessen veruteilt worden sein, die ihre Grundrechte verletzen.

Petition auf change.org will Prozess im Iran verhindern

Der Iran unterdrückt unbequeme Meinungen gegen das strenge, konservative Regime mit besonderer Härte. Für Amir Tataloo, der mit 2,6 Millionen Abonennten auf Instagram zu den bekanntesten iranischen Influencern gehört, bedeutet das nichts Gutes. Obwohl der Rapper 2015 mit einem nationalistischen Song den Staatsapparat zu unterstützen schien und 2017 während des Präsidentschaftsrennens sogar an der Seite von Ebrahim Raisi zu sehen war, war es immer höchst zweifelhaft, ob diese Moves aus freien Stücken passierten. Immerhin wurden ihm danach Konzerte im Ausland erlaubt – offenkundig im Rahmen einer ungeliebten Allianz zweier Streitparteien, die durch Gefälligkeiten voneinander profitierten.

Nachdem er den Iran 2018 Richtung Türkei verließ, verfasste er wie schon einige Jahre zuvor kritische Songs und Beiträge in den sozialen Medien. Beispielsweise mit einer feministischen Botschaft:

Nahid Siamdoust, Dozentin an der Yale University und Autorin eines Buches über politische Musik im Iran, sprach mit der NY Times über den Fall Tataloo. Sie sagt:

"Er war mittendrin und machte danach sehr beleidigende Kommentare über das gesamte Establishment. [...] Eines seiner neuesten Musikvideos zeigt ihn, wie er vor einem iranischen Gericht erklärt, warum er niemals zurückkehren wird."

Die Rede ist vom Video zu "Jahanam", das erst gut zwei Wochen alt ist und heute wie eine bittere Vorahnung wirkt. Die Lyrics des Songs sind depressiv, pessimistisch und verzweifelt. Im Clip wird der Rapper von einem iranischen Gericht verurteilt und baumelt nach knapp fünf Minuten am Strick. Kein Happy End.


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