Deutschrap solidarisiert sich mit Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete

Wir leben im 21. Jahrhundert und die Gesellschaft diskutiert darüber, ob es legal sein sollte, ertrinkende Menschen aus dem Mittelmeer zu retten. Die Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" hat diese Frage mit einem klaren "Ja" beantwortet und rettete über 50 Geflüchtete, die ohne ihre Hilfe vermutlich im Mittelmeer ertrunken wären.

Nachdem die "Sea-Watch 3" mehr als zwei Wochen keine Erlaubnis bekommen hatte, die Menschen an Land zu lassen, entschied sich Carola Rackete, den Hafen in Lampedusa auch ohne eine Genehmigung anzusteuern.

Das Ergebnis ihres mutigen Einsatzes war ihre direkte Festnahme, nachdem Carola Rackete von Bord gegangen war. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe. Unterstützung für ihren Kampf gegen unmenschliche Gesetze und Europas fortschreitende Entwicklung zu einer Festung der Reichen und Glücklichen bekommt Rackete unter anderem aus der deutschsprachigen Rapwelt.

Carola Rackete lässt sich nicht unterkriegen

Die Kapitänin der "Sea-Watch 3" bleibt mutig und schlagfertig. Sie entgegnet dem italienischen Innenminister Matteo Salvini, der sie zu seiner Haupgegnerin erklärt hat, dass sie für 60 Menschen auf ihrem Schiff verantwortlich sei, deren Sorgen sie Tag und Nacht beschäftigen. Die komplizierte Kommunikation mit den Regierungen frustriere sie, da diese keine Verantwortung übernehmen wollen. Für Matteo Salvini bleiben ihr diese Worte:

"Mr. Salvini might just get in line."

Deutschrap solidarisiert sich

Nach der Europawahl scheinen einige Menschen mit dem Europa-Hoodie auch ihre Empathie und ihre Menschlichkeit in die Ecke gepfeffert zu haben. Einige Künstlerinnen und Künstler aus der Rapwelt haben sich jedoch dafür entschieden, auf das Thema aufmerksam zu machen.

Böhmermann, Nura, Deichkind & viele mehr: Spendenaufrufe von allen Seiten

Wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher! Lasst uns die Seenotretter retten!!

HIER SPENDEN: ----------- http://www.leetchi.com/de/c/wpV8ag0r ------------------------------------------------ Hey Leute, hier schreiben Euch Kommerzfernseh-Klaasi und Zwangsgebühren-Janni. Eigentlich haben wir ja Sommerpause, aber die bedrückenden Ereignisse um Carola Rackete, die Kapitänin der "Sea Watch 3", die gestern von den italienischen Behörden festgenommen wurde, weil Sie 53 Menschen das Leben gerettet hat, lassen uns keine Ruhe.

Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf sammelten bereits im letzten Jahr Geld, um die Prozesskosten des Lifeline-Kapitäns Clausch Reisch zu decken. Damals kamen rund 500.000 Euro zusammen. Die aktuelle Spendensumme liegt bereits bei knapp 800.000 Euro.

Der Satiriker macht auf Twitter zudem darauf aufmerksam, dass ein Engagement in der Kirche und in karitativen Verbänden möglich ist, falls jemandem "Spenden sammeln im Internet zu unseriös ist".

Auch Nura macht auf eine Möglichkeit aufmerksam, Carola Rackete zu helfen. Sie teilt in ihrer Instagram-Story einen Spendenaufruf von Sea-Watch, die einen Rechtshilfefond gegründet haben, der es ihnen trotz ihrer Gemeinnützigkeit ermöglicht, die juristisch verfolgten Seenotretter*innen zu unterstützen.

"Leute, ich will gar nicht, dass Leute ein schlechtes Gewissen davon bekommen wegen meiner Story. Wer spenden kann, der soll spenden. Und wer nicht spenden kann und keine Kohle hat, soll einfach einen Screenshot machen und meine Story teilen."

Mine folgt diesem Aufruf und teilt Nuras Story. Des Weiteren zeigt sie eine andere Möglichkeit des Spendens auf, die ganz einfach vom Smartphone zu erledigen ist. Eine SMS-Spende von fünf Euro leistest du, indem du "seawatch5" an die 8 11 90 sendest. Möchtest du 10 Euro spenden, sendest du "seawatch10" an ebendiese Nummer.

Auch Deichkind teilen die Möglichkeit der SMS-Spende. Die Band setzt sich schon jahrelang für Geflüchtete ein und zeigte sich im Jahr 2015 bei der Echo-Verleihung beispielsweise in Refugees-Welcome-Anzügen, die sie in ihrem Shop zudem für einen guten Zweck verkauften.

Fatoni teilt eine Petition, in der Freiheit für die Kapitänin gefordert wird.

"Carola Rackete gehört nicht ins Gefängnis. Sie gehört in die Geschichtsbücher."

Das Sammelziel ist mit knapp 98.000 Unterstützenden bereits zu 65% erreicht.

Politik ist sich nicht einig

In der Politik ist man sich über die Bewertung der Verhaftung noch nicht einig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußert im ZDF-Sommerinterview Solidarität mit der Kapitänin.

"Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein."

Der Bundesaußenminister Heiko Maas schwieg auffällig lange nach der Verhaftung. Nun äußert er auf Twitter, dass er Italien verdeutlichen möchte, dass "am Ende eines rechtstaatlichen Verfahrens nur die Freilassung von Carola Rackete stehen" könne.

Die Aussagen der Befürworter*innen von Racketes Verhaftung sollen aufgrund der absolut nicht diskussionswürdigen Frage, ob ertrinkende Menschen gerettet werden sollten, an dieser Stelle nicht zitiert werden. Sie finden sich aber im konservativen Lager der CDU, bei der AfD und auch in der FDP gibt es Äußerungen, die fordern, dass Carola Rackete Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müsse.

Aber auch hier bekennt die Hiphop-Community Farbe und zeigt sich solidarisch mit der Kapitänin.

"Die Urbane. Eine Hiphop Partei" geht dabei sogar den drastischen Schritt der Selbstanzeige aufgrund von Beihilfe zu ziviler Seenotrettung.

"Sie mag das Schiff befehligt und gelenkt haben, aber ich unterstütze dieses Vorgehen auch zu 100% und habe dies auch öffentlich zum Ausdruck gebracht."

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Mask on statt "Mask off": Future spendet Masken gegen Corona

Mask on statt "Mask off": Future spendet Masken gegen Corona

Von David Molke am 30.03.2020 - 18:57

Future dreht den Spieß um und propagiert jetzt #Maskeauf statt "Mask off". Der Künstler spendet in Kooperation mit einer Näh-Firma Atemmasken an ein Krankenhaus. So können sich die dortigen Patienten und Mitarbeiter gegenseitig besser schützen. Durch die Coronavirus-Pandemie herrscht aktuell vielerorts großer Mangel an Atemmasken.

#Maskeauf: Future kooperiert mit Näh-Firma, um Masken an Krankenhaus zu spenden

Mask on statt Mask off: Future hat 2017 einen seiner vielleicht größten Hits mit "Mask off" gelandet. Aktuell gilt durch die Coronavirus-Pandemie aber das Gegenteil. Wer eine Gesichtsmaske trägt, schützt sich damit zwar zu einem gewissen Grad auch selbst, vor allem aber seine Mitmenschen. Darum wird auch hier in Deutschland von immer mehr Menschen propagiert, aus Rücksichtnahme auf die anderen im Idealfall stets eine Atemmaske zu tragen.

Ärgerlicherweise herrscht in vielen Ländern aber ein großer Mangel an Atemmasken, der sich vor allem in Krankenhäusern und Arzt-Praxen bemerkbar macht. Das verdanken wir zum Teil den Menschen, die so egoistisch und gedankenlos waren, in großen Mengen Gesichtsmasken für den Privatgebrauch zu horten und zu kaufen. Obwohl sie sie gar nicht so dringend brauchen, wie es zum Beispiel auf einer Intensivstation der Fall ist.

Future startet Spendenaktion: Wie unter anderem CNN berichtet, hat sich die von Future, seiner Mutter und seiner Schwester gegründete The FreeWishes Foundation mit der Atlanta Sewing Style-Näh-Organisation zusammengetan. Ein Team von 500 Menschen mache sich nun daran, Masken herzustellen und diese anschließend an Krankenhaus-Mitarbeiter*innen und Patient*innen zu spenden. So soll zumindest ein bisschen gegen COVID-19 geholfen werden.

In den USA formieren sich aktuell mehrere solcher Initiativen, die gemeinsam daran arbeiten, der Masken-Knappheit etwas entgegen zu setzen. In Texas werden laut CNN jetzt auch Gefängnis-Insassen damit beauftragt, Masken zu nähen. Auch in Deutschland, ganz Europa oder Asien gibt es ähnliche Aktionen.

Adidas: Corona-Strategie sorgt für Boykott-Aufrufe & Unverständnis

Adidas hat kürzlich inmitten der Corona-Krise angekündigt, die Mietzahlungen für ihre Filialen für den April auszusetzen. Auch wenn das Unternehmen diesen Schritt bereits relativiert hat, trägt das Image einen unübersehbaren Schaden davon. Im Internet wird zum Boykott der Weltmarke mit den drei Streifen aufgerufen.

Wieso Masken tragen? Mittlerweile scheint sich glücklicherweise nicht nur die Erkenntnis durchzusetzen, dass es durchaus sinnvoll wäre, wenn in der Öffentlichkeit alle Masken tragen würden (immerhin können wahrscheinlich die Wenigsten zu hundert Prozent garantieren, dass sie sich bisher noch nicht mit COVID-19 angesteckt haben. Da wir auch ohne Symptome bereits infiziert und ansteckend sein können, sollten wir uns im Idealfall vorsichtshalber einfach alle so verhalten, als hätten wir den Coronavirus).

Mittlerweile entstehen auch immer mehr Initiativen von Leuten, die selbst Hand anlegen: Im Netz kursieren nun schon eine ganze Reihe an hilfreichen Anleitungen und Einladungen zum online gemeinsam Masken nähen. Selbst wenn es keine passenden Filtermaterialien und offizielle Masken mehr gibt, können auch einfache Baumwoll-Kreationen zumindest ein bisschen dabei helfen, die Verbreitung des Coronavirus' zu verlangsamen.

Mehr Infos, Anleitungen und Promis, die die Sache unterstützen, findet ihr unter anderem hier bei maskeauf.de oder in diesem Kommentar von Samira El Ouassil:

Samira El Ouassil on Twitter

Die DIY-Maske wird nicht aus Angst vor dem anderen, sondern aus Rücksicht getragen, um das Gegenüber vor den eigenen Tröpfchen zu schützen. Es ist ein sichtbarer Gesellschaftsvertrag, eine offen gelebte wie demonstrative Fürsorge." #maskeauf @maskeauf https://t.co/tZ6WhTzrjt

Falls euch die Decke auf den Kopf fällt, haben wir hier eine Reihe an Streams, Spielen, Lesungen, Online-Konzerten und vielem mehr gesammelt:

Die besten Streams, Spiele, Dokus & Co gegen den Corona-Blues

Um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, isolieren sich die meisten Menschen zuhause. Wer nicht in Quarantäne muss, betreibt im Idealfall trotzdem Social Distancing. Egal, ob ihr im Home Office arbeitet oder nicht: Wahrscheinlich habt ihr plötzlich viel mehr Zeit, die ihr irgendwie zuhause rumkriegen müsst.

Verlässliche sowie hilfreiche Informationen zu Corona und COVID-19 stellen zum Beispiel die WHO oder die Webseite der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung. Aktuelle Entwicklungen und Daten finden sich zudem auf der Page vom Robert Koch Institut.


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