Rheinkultur: Randale nach Abbruch
Das Programm auf der Hiphop-Bühne des Rheinkultur -Festivals am vergangenen Samstag endete im Chaos. Der Auftritt von Haftbefehl wurde wegen zu großem Andrang abgesagt. Mehrere Dutzend Besucher stürmten anschließend den Backstage-Bereich. Die Polizei setzte Hunde und Pfefferspray ein. Drei Personen wurden festgenommen. Die Hiphop-Bühne auf dem diesjährigen Rheinkultur-Festival war zuerst offensichtlich ein Erfolg: Der Andrang war groß, die Stimmung positiv. Das Line-Up reichte von F.R. bis zu Haftbefehl oder der New Yorker Legende Jeru the Damaja . Einige Minuten nach Beginn des Auftritts von Favorite wurde das Programm dann wegen Überfüllung des Geländes unterbrochen. Einzelne Besucher hatten aus dem Publikum befreit werden müssen. Außerdem hatte sich eine Gruppe von Fans zunehmend aggressiv verhalten. Der Veranstalter erklärte später, man habe "zur Entspannung und Entleerung des Bereiches das Programm vorübergehend unterbrochen."  Die Besucher wurden aufgefordert, für mehr Platz im Besucherraum zu sorgen. Auch Haftbefehl s Bruder Capo Azzlack  sprach mit dem Publikum. Der Aufruf hatte ebenso wenig Erfolg, wie der Versuch des Ordnungs-Personals, für weniger Gedränge zu sorgen. Im kritischen Bereich vor der Bühne wurde es nicht leerer, stattdessen wurde die Stimmung aggressiver. Nach mehr als 90 Minuten Unterbrechung, wurde dem Publikum mitgeteilt, dass der Auftritt von Haftbefehl nicht stattfinden würde. Einige Besucher stürmten daraufhin die Bühne und begannen zu randalieren. Unter anderem wurden die Boxentürme ins Publikum gekippt. Die Ordner zogen sich zurück, der Backstage-Bereich hinter der Bühne wurde gestürmt. Der Veranstalter berichtet von "leichte[n] Verletzungen bei einigen Sicherheitskräften" . Viele Musiker verließen den Backstagebereich fluchtartig. Im Backstagebereich suchten die Fans vor allem Kontakt mit Haftbefehl , auf dessen Auftritt sie zuvor gewartet hatten. Die herbeigerufene Hundertschaft der Polizei stellte schließlich unter Einsatz von Pfefferspray und Hunden die Ordnung wieder her. Laut Polizei wurden drei Personen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs verhaftet. Die verbliebenen Musiker konnten das Gelände verlassen. Die Bühne blieb geschlossen. Ob die Ereignisse Auswirkungen auf die Zukunft der Hiphop-Bühne haben werden, ist noch offen. Auf Seite Zwei findest du ein Blitzinterview mit Elvir "Slick One" Omerbegovic von Selfmade Records , ein Statement des Managements von Haftbefehl und die Mitteilung der Bonner Polizei:

>> Zu den Statements von Selfmade Records, Haftbefehls Management, der Veranstalter und der Bonner Polizei

Blitzinterview mit Elvir Omerbegovic von Selfmade Records

Wie kam es eurer Auffassung nach zu dem Abbruch während Favorites Auftritt? Lag es daran, dass es zu voll war oder an Auseinandersetzungen zwischen "aggressiven" "rivalisierenden" Fan-Gruppen - womit die Veranstalter in ihrer Pressemitteilung wohl Selfmade- und Haftbefehl-Fans meinen?
Keiner der Künstler ist dafür verantwortlich. Es hat niemand dazu aufgerufen. Wir hatten in den letzten sechs Jahren auf circa 250 eigenen Konzerten nie Probleme.

Wie habt ihr die Situation von der Bühne aus erlebt?
Ich denke man kann das Verhalten der Fans auf einigen Videos gut erkennen. Bestimmte Fangruppen tolerieren nichts außer ihren eigenen Act und das gestaltet so ein Line-Up sehr schwierig. Das werden die Veranstalter in Zukunft sicher berücksichtigen. Von der Bühne aus konnte ich einige Problemzonen gut erkennen. Es war sehr voll und eng und so war die Reizbarkeit hoch. Aggressionen gingen ganz klar von einzelnen Gruppen aus. Da verstehe ich nach dem Vandalismus auch das harte Vorgehen der Polizei.

Schade, dass so etwas auf einem Gratis-Festival passiert. Die Kids denken nicht daran, dass sie ihrer Musik und ihren Lieblingsacts mit diesem Verhalten dauerhaft schaden. Der Abbruch war in diesem Fall leider die richtige Entscheidung.

Mitteilung des Managements von Haftbefehl

"Haft durfte nicht die Bühne betreten weil die Veranstalter nicht mehr für die Sicherheit der Besucher garantieren konnten. Nachdem auch die Polizei ein Auftrittsverbot für Haft erteilte blieb für die Veranstalter und uns nichts anderes übrig als den Auftritt abzusagen." (Quelle: Facebook )

Pressemeldung der Bonner Polizei vom 3. Juli 2011

"Überwiegend verlief das Festival in fröhlicher und ausgelassener Feierstimmung. Vor der Blauen Bühne, der Roten Bühne und der Grünen Bühne sowie rund um den Tanzberg verzeichnete die Bonner Polizei einen insgesamt ruhigen und störungsfreien Einsatzverlauf. 

Zunächst galt dies auch für die HipHop Bühne. In den frühen Abendstunden jedoch begaben sich dort zahlreiche, teils stark alkoholisierte Personen unmittelbar vor die Bühne und stürmten in einer Programmpause auch auf die Bühne. Unter ihnen befanden sich mehrere Personen, die äußerst aggressiv auftraten, randalierten und sich nicht beruhigen ließen. 
(siehe hierzu auch die Pressemeldung des Veranstalters)

Um eine weitere Eskalation zu verhindern, räumten Polizeibeamte zusammen mit den Sicherheitskräften des Veranstalters die Bühne frei. In Einzelfällen mussten die Polizeibeamten dabei Pfefferspray einsetzen. Sie nahmen drei Personen vorläufig fest und legten Strafanzeigen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs gegen sie vor.

Aus Sicherheitsgründen sagte der Veranstalter das weitere Programm auf der HipHop-Bühne ab.
Zum Schutz des anschließenden Abbaus der Bühne wurden auch Polizeidiensthundführer eingesetzt." (Quelle: polizei-nrw.de )

Offizielles Statement der Veranstalter

[...]
Andererseits erlebten wir ein trauriges Ereignis an der HipHop-Bühne. Im eh schon vollen Publikumsbereich hatten sich in den frühen Abendstunden zwei rivalisierende Gruppen eingefunden, dort aggressive Stimmung schürten und so angespannte Verhältnisse im Bereich direkt vor der Bühne verursachten. Wir haben daraufhin zur Entspannung und Entleerung des Bereiches das Programm vorübergehend unterbrochen. Da sich nach mehrfacher Aufforderung der Bereich der HipHop-Bühne nicht in einer Form leerte, dass man das Konzert entsprechend hätte fortsetzen können, wurde in Absprache mit dem Künstler „Haftbefehl" dessen Auftritt abgesagt. Die Sicherheit des Publikums während des Auftritts wäre nicht zu gewährleisten gewesen. Eine Gruppe von „Fans" reagierte gewalttätig auf die Absage und stürmte die Bühne, worauf Sicherheitskräfte von Polizei und Festival-Security den Bereich der HipHop- Bühne sicherten und dann räumten. Das weitere Programm auf der HipHop-Bühne wurde abgesagt. Bis auf leichte Verletzungen bei einigen Sicherheitskräften kamen keine Personen zu Schaden. [...]

(Quelle: Rheinkultur-Festival.de )

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