In den 10 Jahren ihrer Bandgeschichte hat das Kollektiv um Publikumsliebling Max Herre Höhen und Tiefen erlebt. Der Unterschied zu anderen Bands: Bei Freundeskreis kann man die Tiefen an einer Hand abzählen. Seit ihrem Debüt ging es für die drei Stuttgarter geradeaus nach oben, angefangen mit einem vergoldeten Erstlingswerk, weiter zu einem platinen Multilingual-Klassiker, hin zu einem Nummer 1 Solo-Album des unbestrittenen Team-Kapitäns. Jetzt ist Stuttgart auch noch deutscher Meister in der Bundesliga. Kurzum: Besser geht eigentlich gar nicht. Da darf man auch mal feiern.

Habt ihr manchmal das Gefühl, dass ihr mit eurer Abwesenheit ein Loch in der deutschen HipHop-Landschaft hinterlassen habt, was nicht wieder ganz gefüllt werden konnte? Oder seht ihr jemanden, der in die Fußstapfen von 'Freundeskreis' getreten wäre?

Max: So was wie Freundeskreis gibt es nicht mehr. So etwas wie die Fugees gibt es aber auch nicht mehr. Die Geschichte ist mehr dahin gegangen, dass es jetzt so ein Solo-Künstlertum gibt und weniger dieses Cliquen- und Band-Ding. Inhaltlich gibt es bestimmt Leute die so etwas noch machen, aber die Sichtweise auf Rap hat sich einfach verändert. Früher waren Sachen wie unsere erfolgreich und jetzt gerade ist es eben Street-Rap. Conscious ist nicht das Ding der Stunde. Die Leute, die noch was sagen, sind die Beginner wenn sie wiederkommen. Von den jungen Leuten gibt es auf jeden Fall niemanden, der erfolgreich ist und gleichzeitig Inhalte transportiert. Insofern ist da schon ein Loch, aber ich glaub, dass das wieder kommen wird. Ich glaube auch, dass der nächste Rapper der large wird, zwar auch street ist und die Strasse spiegelt, aber dazu eine Perspektive hat.

Also ein deutscher Nas?

Max: Ja, genau. Jemand der positiv ist. Der den Struggle kennt, aber das nicht nur abfeiert, sondern auch kritisch betrachtet.

Ich würde euch allen dreien jetzt einfach mal unterstellen, dass ihr sehr musikalische Menschen seid, stehen euch bei den momentanen Produktionen aus den USA die Haare zu Berge oder fühlt ihr diese Art der Musik genauso?

Max: Also mein Lieblingsrapper gerade ist Lil' Wayne. Das T.I. Album mag ich auch. Diese ganzen Preset-Sounds sind jetzt nicht so mein Ding, aber wenn es gut gemacht ist, kann ich mir das anhören. In Amerika gibt es immer guten Rap. Seitdem ich Rap höre, kommt mindestens jeden zweiten Monat irgendwas, was mich wegbläst.

Friction: Das muss man auch so sehen, dass es halt immer ein regionales Phänomen ist. Es gibt ja auch schon seit Jahren in San Francisco und dieser Ecke den ganzen Hyphy-Sound oder Gogo in Washington. Es gibt immer solche Phänomene, die regional unglaublich viel verkaufen, dadurch einen Hype generieren und sich so auf der ganzen Welt ausbreiten. Von vielen Menschen ausserhalb der Region und Community wird es dann eben oft einfach nicht verstanden. Down South hatte ja schon immer sehr slowes Tempo und diese 808-Bässe, die stehen auch total auf diese 808-Drumcomputer-Sounds. Ich selber mag auch die 808. Irgendwie mag eigentlich jeder, der HipHop hört die 808... Was mir dann aber eben nicht gefällt, ist dieses Arbeiten mit Preset-Sounds. Es sind immer dieselben Sounds, ohne dass jemand Wert darauf legen würde, sie auch mal zu verändern.

Wie groß ist denn bei 'Freundeskreis' der Einfluss von Friction und Philippe auf Max' textliche Themenwahl gewesen, haben sie manchmal Anstöße wie "mach mal das" oder Themen für einen Song gegeben oder haben sie das komplett Max überlassen?

Philippe: Die Texte kommen zu 100% von ihm. Alle textliche Konzeption kommt rein von Max. Am Anfang waren es ja zuerst auch nur Max und ich, Friction war da noch nicht dabei. Wir haben uns musikalisch sofort gut verstanden, weil er eben auch aus einem sehr musikalischen Background kam und Jazz und solche Sachen auch alle schon kannte. Er hat mir den Hiphop eigentlich erst nahe gebracht Ich kam ja ursprünglich aus einer anderen Richtung, ich hab in den 80er Jahren schon Soul, Rock, Singer & Songwriter und solche Sachen gemacht. Er hat mir Anfang der 90er Jahre HipHop, Acid Jazz und so etwas näher gebracht.

Wie groß war andersrum der Einfluss von Max auf die Instrumentale?

Philippe: Er schreibt nie ohne Musik. Er braucht Musik, damit er inspiriert ist und schreiben kann. Ich und Friction haben eine große Bandbreite an Sachen, die er entweder gut findet oder dann eben auch manchmal sagt 'Da kann ich nicht drauf schreiben'.

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