Eminem erklärt, warum er GOAT-Diskussionen schwierig findet

Eminem hat sich mit Zane Lowe von Apple Music verabredet, um kurz nach Release von "Music To Be Murdered By - Side B" über seine Leidenschaft zu sprechen: Hiphop. In dem Talk geht es nicht nur um Eminems imposante Tape-Sammlung, sondern auch um die ewige Frage, wer denn der größte Rap-Künstler beziehungsweise Rap-Künstlerin aller Zeiten sei. Eminem hat hier seine ganz eigene Antwort gefunden.

Eminem fühlt sich nicht so einflussreich wie andere Rap-Größen

Aus Eminems Sicht verhalte sich Hiphop viel zu dynamisch, um einen einzelnen Menschen über mehrere Dekaden Rap-Geschichte zu stellen. Die Evolution der Musik mache es quasi unmöglich, einer Person den Titel Greatest Of All Time (GOAT) zuzuschreiben.

"Hiphop hat zu viele verschiedene Übergänge durchlaufen, als dass jemand wirklich der beste Rapper oder die beste Rapperin aller Zeiten wäre. Es hat sich weiterentwickelt. Jetzt machen die Leute Dinge mit Flows, die habe ich nie kommen sehen. Aber gleichzeitig bedeuteten Rapper*innen aus einer früheren Phase so viel mehr für ihre Ära, einfach weil sie Innovator*innen waren."

("Hip-hop's went through too many different transitions for anyone really to be the best rapper of all time. It's evolved. Now people are doing things with flows that I never could have seen happening. But at the same time, rappers from that era meant so much more to that era, just because there were so many innovators and there were so many rappers.")

Es gibt sicher nicht wenige Rapfans da draußen, die Eminem als GOAT ansehen. Er selbst glaubt jedoch nicht, dass er in seiner bisherigen Karriere mehr Einfluss auf die Kultur genommen habe, als andere Künstler*innen, die ihm den Weg ebneten.

"Ich weiß, dass ich schon eine Weile am Start bin, aber es fühlt sich ernsthaft und vom ganzen Herzen nicht so an, als ob ich etwas getan habe, das bisher einflussreicher als das ist, was andere Künstler*innen in ihrer Ära bewirkt haben. Für mich steht fest, dass ich nie bedeutender sein werde als diese Artists für ihre Ära."

("I know I’ve been around for a minute, but I don’t feel like honestly, in my heart of hearts, I don’t feel like anything I did, anything I’ve done up to this point is more influential than they were to their era. To me, I will never mean more than they meant to their era.")

Das heißt natürlich nicht, dass Eminem das Game nicht als Competition betrachtet. Er rappe, um der beste Rapper zu sein. Mit dieser Einstellung sei er nicht allein. Aktuell würden J. Cole, Kendrick Lamar, Joyner Lucas oder auch Lil Wayne mit der gleichen Haltung an die Sache herangehen.

Wenn er selbst eine Liste seiner Lieblingsrapper*innen erstellen müsste, würde er das Ganze wohl in Zeiträume aufteilen. Doch auch dann würde es ihm schwerfallen, seine Favorit*innen klar zu benennen, da es "so viele großartige Rapper*innen gibt, die großartig waren und weiterhin großartig sind."

Das komplette Interview mit Eminem kann man sich bei Apple Music anhören. Ein Zusammenschnitt wurde auf YouTube hochgeladen:

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TikToker*innen wollen Eminem canceln – seine Fans antworten

TikToker*innen wollen Eminem canceln – seine Fans antworten

Von Michael Rubach am 04.03.2021 - 11:50

Kontroversen sind für Eminem nichts Neues. Nun bekommt er überwiegend aus der Welt von TikTok Gegenwind. User*innen der Plattform sind auf alte Lyrics von Slim Shady gestoßen, die als problematisch eingestuft werden könnten. Die Forderung lautet daraufhin: Eminem canceln. Dieses Vorhaben trifft auf reichlich Widerstand. Fans von Em schießen mit Memes und Videos gegen die angeblich übermäßig woken TikToker*innen.

Eminem im Konflikt der Generationen

Im Zentrum der aktuellen Debatte stehen Lines von Eminem bei der Rihanna-Kollabo "Love The Way Your Lie". Wie der US-Rapper in dem Track aus dem Jahr 2010 Beziehungsprobleme angeht, ist den Kritiker*innen offenbar ein Dorn im Auge. Eminem beschreibt aus der Ich-Perspektive, dass er seine Partnerin nie mehr gehen lassen werde. Zur Not fessele er sie ans Bett und zünde das Haus an. Dieses Szenario schildert er in seiner Kunst.

"If she ever tries to f*cking leave again / I’mma tie her to the bed and set this house on fire"

Zumeist junge Hörer*innen von Eminems Musik stufen diese Aussagen nun als problematisch ein. Sie fordern ihre Follower*innen dazu auf, Eminem wegen solcher Passagen nicht weiter zu supporten. Allein das nachfolgende Video wurde über eine Million Mal aufgerufen. Inzwischen schreibt die TikTokerin von "Todesdrohungen", die sie wegen ihres Clips erhalten habe und erklärt, dass ihr Cancel-Aufruf eigentlich ein "Witz" gewesen sei. Doch die Online-Diskussion über Eminem ist schon nicht mehr zu stoppen.

TikTok

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Menschen, die Eminem schon ein wenig länger verfolgen, ergreifen auf Twitter und anderen Social-Media-Plattformen Partei für den Rap-Star. Es läuft dort auf ein Battle zwischen der Generation Z (um und nach der Jahrtausendwende auf die Welt gekommen) und Generation Y (Kinder der Achtziger und Neunziger) hinaus.

Wie Eminem verteidigt wird

Eminem löst nicht zum ersten Mal mit seinen Lyrics eine Debatte darüber aus, wo Kunstfreiheit eigentlich beginnt. Anfang 2020 warf ihm der Bürgermeister von Manchester vor, sich in seinem Song "unnötig verletzend und zutiefst respektlos" gegenüber den Betroffenen eines Terroranschlags verhalten zu haben. Auch das Thema Homophobie zieht sich durch Eminems Karriere. All das führte bisher nicht dazu, dass Slim Shady von der breiten Öffentlichkeit gecancelt worden wäre. 

Nach dem Vorstoß aus der TikTok-Welt reagieren einige Fans von Eminem fast schon ermüdet auf die neue Cancel-Debatte. Vor allem auf Twitter zeigen User*innen wenig Verständnis für so ein Vorhaben und stürzen sich auf die Generation Z.


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