"Ehrenmann/Ehrenfrau" ist Jugendwort des Jahres 2018

Der Langenscheidt-Verlag erreicht mit der Wahl zum Jugendwort des Jahres mal wieder das Gegenteil der eigentlichen Absicht – sofern es am Ende nicht doch nur um Aufmerksamkeit gehen sollte. Ehrenmann/Ehrenfrau hat den mäßig beliebten Titel gewonnen – Jahre nachdem es tatsächlich so etwas wie einen Hype für den Ausdruck gab.

"Ehrenmann" Jugendwort des Jahres 2018

Da der Begriff ab 2013 besonders durch deutschsprachigen Rap populär in der breiten Masse wurde, lohnt sich ein Blick zurück. Damals, am 22. November, erschien Bushidos Disstrack "Leben und Tod des Kenneth Glöckler". Vor aktuellen Hintergründen ist nicht nur die allerletzte Zeile des Songs interessant:

"Ich mach' das hier nicht mal für mich – bei mir läuft, du Sp*st / Ich mach' das für die Leute, den'n du was bedeutet hast / Für jeden, der dich jemals unterstützt hat / Damit du N*tte heute sagen kannst, du bist was / Für Arafat, ohne den man dich gefressen hätte / Für Shindy, er schrieb dir deine besten Texte / Für Eko, der Freund in deiner schwersten Zeit / Für Staiger, er hat dich zuerst gesignt / Für Jaysus und Crime Payz, deine Jungs im Süden / Menschen, die dir einfach nicht genügten / Für meine Tochter, der ich später mal erzählen kann / Ihr Vater war ein Ehrenmann"

Bushido - Leben und Tod des Kenneth Glöckler

►Bushido Channel abonnieren: http://fty.li/AboBushido ►Bushido bei Spotify: http://sptf.li/Bushido ►„Leben und Tod des Kenneth Glöckler" (Single): http://bushido.fty.li/LUTDKG ►„Auch wir sind Deutschland" http://amazn.li/AWSDbuch Der lang erwartete Kay Diss „Bushido - Leben und Tod des Kenneth Glöckler".

"LuTdKG" war zum Ende des Deutschrapjahres 2013 ein Event, über das die ganze Szene sprach. Einige von Kay Ones Antworten darauf haben durch die Trennung von Bushido und Arafat Abou-Chaker sowie den Song "Mephisto" nachträglich sehr viel Zuspruch bekommen und den gesamten Beef von damals mittlerweile in ein anderes Licht gerückt – das ist jedoch ein anderes Thema. Neben dem Trend, Disstracks in Überlänge zu veröffentlichen, trug "LuTdKG" auch zu einem Anstieg der Ehrenmann-Quote in Kommentarspalten, Foren und auf Schulhöfen bei.

Dieser Hype gehört allerdings schon länger der Vergangenheit an. In den letzten Jahren wurde das Wort immer seltener benutzt und noch seltener im ursprünglichen Sinne verwendet. Es bekam mehr und mehr eine negative oder zumindest eine ironische Konnotation und geriet zu einer Art sprachlichem Meme. Langenscheidt beschreibt den Begriff wie folgt: "Gentleman, Lady, jemand, der etwas Besonderes für dich tut". Ja, manch einer mag es auch heute noch so benutzen. Nein, der Titel "Jugendwort des Jahres 2018" passt nicht.

Überraschend kommt ein Titelträger, der irgendwie fehl am Platz wirkt, jedoch nicht. Seit der ersten Wahl 2008 – damals gewann Gammelfleischparty (!!) – gab es einige merkwürdige Begriffe in den Top 10, den Top 3 und auf Platz 1 der Liste. Oft scheinen diese nicht nur fernab jeglicher Sprachrealität der Jugend stattzufinden, sondern erwecken gelegentlich auch den Eindruck, von älteren Menschen konstruiert worden zu sein. Welcher Jugendliche, den du kennst, hat jemals ernsthaft Wörter wie merkeln, guttenbergen oder lindnern benutzt, die auf den öffentlichen politischen Diskurs anspielen?

Einigen wird noch ein Manuellsen-Zitat aus der allseits bekannten Folge #waslos aus dem Juni 2017 einfallen, als er meinte: "Ehrenmann ist das neue H*rensohn!" Ganz so zynisch ist es zwar eher selten gemeint, aber im Grundtenor wird deutlich, welche Entwicklung des Wortes Manu skizziert. Auch abseits seines bekanntermaßen angespannten Verhältnisses zu Bushido hat der Begriff längst einen Großteil der positiven Konnotation in den letzten Jahren auf der Strecke gelassen.

Manuellsen: Beef, Bushido, Fler, Arafat, PA Sports, SpongeBozz, Farid, AK & Capo (Interview) #waslos

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Aber am Ende freut man sich bei Langenscheidt sicher mal wieder, Kontroversen losgetreten zu haben. Sowohl alte als auch junge Leute dürften sich fragen, warum ausgerechnet 2018 Ehrenmann/Ehrenfrau gewonnen hat. Parallel dazu lacht der Verlag sich ins Fäustchen und wir haben auch noch brav mitgespielt. Well played, Langenscheidt. Well played ...

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Was die Politik von Hiphop lernen kann: Toxik im Stern-Interview

Was die Politik von Hiphop lernen kann: Toxik im Stern-Interview

Von Till Hesterbrink am 13.02.2021 - 13:42

Toxik war kürzlich (virtuell) zu Gast beim Stern. Thema des Interviews: wie Politik mit Hiphop-Kultur interagieren kann, um junge Menschen zu erreichen und positive Veränderungen herbeizuführen.

"Menschen merken, wenn man sie verarschen will"

Zu dem Interview kam es im Zuge der Gründung der Consulting Agency The Ambition, die gesellschaftlichen Akteuren das Potential der Hiphop-Kultur aufzeigen und zugänglich machen will. Ziel ist es dabei, Talenten aus unserer Kultur Zugang zu neuen Betätigungsfeldern zu ermöglichen und die Hiphop-DNA weiter zu tragen.

Der Ansatz zielt auf Nachhaltigkeit ab: Dass Hiphop boomt, ist mittlerweile bekannt. Doch viele ließen ehrliches Interesse vermissen und seien lediglich auf der Suche nach schneller Reichweite, so Toxik. Nachhaltig sei das nicht, weder für die eine, noch für die andere Seite. Denn: "Menschen merken, wenn man sie verarschen will".

Politiker*innen müssten verstehen, dass es sich bei Zusammenarbeiten um ein Wechselspiel handele. Man müsse der Kultur etwas anzubieten haben. In allererster Linie politische Antworten auf die Bedürfnisse der Menschen, die man erreichen will.

Auch die letztlich gescheiterte Zusammenarbeit des einstigen Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel (SPD) mit Farid Bang wurde vom Stern angesprochen. Farid hatte sich im Zuge der Zusammenarbeit 2020 für die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen eingesetzt. Nach starker Kritik zog Geisel das Video zurück. Wohl gegen seinen eigene Willen und mit dem Hinweis, sich nicht für die Kooperation entschuldigen zu wollen – der positive Effekt der Handreichung war aber dahin. Toxik:

"Man hat mit einem Rapper zusammengearbeitet, der in seinen Texten auch provoziert. Und nachdem es dann Kritik gab, ist man wieder von ihm abgerückt, was so ziemlich das falscheste ist, was man machen kann, wenn man authentisch und glaubwürdig mit Menschen kommunizieren will. Ich glaube, wenn man Jugend in Düsseldorf erreichen will, ist man bei Farid Bang absolut richtig."

Das ganze Interview seht ihr hier:

"Menschen merken, wenn man sie verarschen will": Warum unsere Politiker Hip-Hop-Nachhilfe brauchen

Unternehmen und Parteien nähern sich popkulturellen Strömungen oft mit überschaubarem Erfolg. Im stern-Interview erklärt Hip-Hop-Journalist Tobias "Toxik" Kargoll, was die deutsche Politik im Umgang mit der Hip-Hop-Kultur lernen kann - oder besser sollte.

Auch wir hatten damals darüber berichtet und erklärt, warum Farid Bang trotz seiner Lyrics ein Vorbild ist:

Kritik an Corona-Video: Wieso Farid Bang ein Vorbild ist [Kommentar]

Farid Bang hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Düsseldorf ein Video zur Einhaltung der geltenden Corona-Vorschriften gedreht. In dem etwa 40-sekündigen Clip appelliert Farid an die Bürger*innen von Düsseldorf und erklärt: "Haltet euch an die Regeln und bleibt vernünftig". So weit, so gut? Das sieht längst nicht jeder so.


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