" Das sich Rap mit Elektro verbindet, okay, das ist so, aber man sah ja damals schon mit Crossover die ersten Vermischungen. " Hiphop State of Mind eines Veteranen

Gerade in den letzten fünf Jahren seh ich auf dem europäischen Markt eine andere Orientierung. Über Bushido könnte man eine Doktorarbeit schreiben, über die Art und Weise, wie er Frankreich nach Deutschland geholt hat. Ich stell es einfach mal in Frage, ob es tatsächlich das amerikanische Vorbild ist, das deutschen Hiphop in den letzten Jahren prägt, obwohl die USA natürlich das Mutterland ist. 
Amerika ist das Ur-Vorbild, da haste schon recht. Es lassen sich mehr Parallelen zwischen Bushido und 113   (Französische Formation - Anmerkung der Redaktion) herstellen, weil beide orientalische Wurzeln haben. Das ist dann natürlich naheliegender als vielleicht der Bezug, den schwarze Rapper in den USA zu Afrika haben.

 
Nehmen wir mal die Elektroeinflüsse: das war doch in den letzten Jahren sehr beeinflussend. The Streets, Kano und so Leute wie Marteria oder Frauenarzt sind doch in letzter Instanz irgendwie europäisch geprägt.
Sorry, aber wir reden aneinander vorbei. Du redest von Hiphop und meinst die Musik. Ich aber meine, wenn ich Hiphop sage, nicht nur die Musik, sondern die ganze Kultur, die Bewegung und du redest jetzt von musikspezifischen Sachen. Das sich Rap mit Elektro verbindet, okay, das ist so, aber man sah ja damals schon mit Crossover die ersten Vermischungen. Es hat sich sogar schon so weit entwickelt, dass du die Leute nicht mehr anhand der Kleidung unterscheiden kannst. Früher konntest du sagen, das ist ein Hiphopper, das ist ein Metaler, das ist ein Punker, das ist ein Nazi, das kannst du heutzutage nicht mehr so richtig einschätzen.

 

Zwischenzeitlich soll es ja sogar so was wie Nazi Rap gegeben haben.
Ja, ich finde aber auch, dass das die logische Konsequenz ist. Rap ist ein gutes Instrument seinen Senf los zu werden. Dafür muss man ja nichts können. Man muss nur halbwegs im Rhythmus einen Reim machen. Wenn du Gitarre spielen möchtest, musst du Gitarre spielen können und das muss man üben. Deswegen ist es ja auch klar, dass jeder der seinen Scheiß loswerden will, Rap als Instrument dafür nutzt. Du stellst dich hin, machst ein paar Reime über Mütter von anderen und deinem großen Schwanz, suchst dir dann noch ein Feindbild und dann bist du halt cool. Das ist ja auch nichts Rapspezifisches, aber so läuft es immer. Bei den Nazirappern sind es die Ausländer, bei den Gangsterrappern die Schwuchteln und die Bitches oder sonst was. Anschließend hast du die ganzen Jungs auf deiner Seite. Das ist aber keine große Kunst, auf diese Art und Weise die Leute hinter sich zu scharren. Das hat der Führer auch schon so gemacht und damit gezeigt, dass es funktioniert. Letztendlich ist Rap schon sehr floskelhaft geworden. Es wird beschimpft, es ist immer dasselbe Gelaber, keiner erzählt was neues. Die einen bringen es cool, die anderen technischer, dafür dann aber nicht so cool, aber es ist halt überall nur wenig Botschaft. Wobei Sido zum Beispiel ja schon ein bisschen Message mit rein bringt. Er will den Leuten etwas vermitteln und es macht Spaß bei ihm zuzuhören. (...)
Dieses ganze Floskel- und Phrasenhafte ist ausgelutscht. Deswegen ist Rap für die breite Masse ja auch uninteressant geworden, weil es immer dasselbe Gelaber war und kein neuer Input mehr da war.

Weiter: "Wenn es ein Problem gibt und einer meint, er müsse das jetzt ausrappen, dann rappen wir das halt aus." - und: was war mit Raptile?

 

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