Das geht grade in Frankreich: Rap-Français-Rundumschlag Woche 7

Was geht in Frankreich? Recap #1

Die französische Rap-Szene ist so breit aufgestellt, wie nie zuvor. Der immer stärker werdende Einfluss auf Deutschland ist offensichtlich und das Interesse an Frankreichs Hiphop-Kosmos ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. In Kommentaren auf YouTube und Facebook haben uns viele nach mehr Berichterstattung über Rap aus Frankreich gefragt und wir werden natürlich versuchen, dieses Verlangen zu stillen: In unserem ersten Recap liefern wir dir hier in mehreren Parts (Singles, Newcomer, Releases, Live-Auftritte, Erwähnenswertes) die wichtigsten Ereignisse der ersten Februar-Hälfte. Amusez-vous bien!

Die 10 relevantesten Singles der letzten zwei Wochen

06.02.2017

Deen Burbigo – Me Réveiller

Den Anfang macht Deen Burbigo. Me Réveiller ist die zweite Single aus dem kommenden Album Grand Cru, welches am 17. März erscheinen wird. Mit Me Réveiller bleibt Deen Burbigo seinen Wurzeln treu und behält seinen stilvollen und ruhigen Sound bei. Das Ganze ist qualitativ gewohnt hochwertig.

08.02.2017

Médine – Nour

Auf Médines fünftem Soloalbum Prose Élite, welches am 24.02.17 Release feiert, wird auch “Nour” zu hören sein. Der “arabische Panther” - so lautet Médines Spitzname - liefert mit Nour straighten Rap auf einem orientalischen Beat.

10.02.2017

PNL – Bené

Mit Béné liefern die beiden Brüder aus dem Problemviertel Les Tarterêts den heiß ersehnten dritten Teil ihrer Musikvideo-/Kurzfilmreihe. Nachdem im Video zu Naha, dem ersten Teil der Reihe, die Titel Onizuka und Béné (ebenfalls aus dem Album Dans La légende) auf zwei Fussballshirts zu lesen waren, hatten viele detailverliebte Fans eine Theorie: Die Tracks, welche die Filmreihe weiterführen und somit als nächstes visuell untermalt werden, müssen Onizuka und Béné heißen!

Fünf Monate nach Naha wird diese Theorie tatsächlich Realität. Mit der Verfilmung von Béné haben die PNL-Rapper Ademo und N.O.S. stilistisch einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie bei den zwei vorausgehenden Teilen. Jedoch gibt es eine Neuerung, die von den Fans in den Kommentaren diskutiert wird: Zum ersten Mal sind kürzere Dialoge im Film zu hören.

Sehenswert ist das Video auf jeden Fall. Ob es eventuell noch einen vierten Teil geben wird, ist noch offen. Wer sich die ersten beiden Teile noch nicht zu Gemüte geführt hat, sollte dies unbedingt zuerst nachholen! Die Links zu den ersten beiden Kurzfilmen findet ihr hier:

Naha - Part. 1

Onizuka - Part. 2

Sianna – Ailleurs

Sianna zeigt einmal mehr, was für eine vielseitige Künstlerin in ihr steckt. Aus dem kommenden Album Diamant Noir ist jetzt die Single Ailleurs zu hören. Der Langspieler wird ab dem 24. Februar erhältlich sein.

IAM – Grands rêves, grandes boîtes

Legends never die! Die Hiphop-Gruppe aus Marseille ist zurück und veröffentlicht ihr mittlerweile zwölftes Album Rêvolution am 03. März. Mit dabei sind selbstverständlich auch die Altmeister Shurik’n und Akhenaton. Speziell zu empfehlen ist die Single und das Album für Fans der “alten Schule”.

13.02.2017

Djadja & Dinaz – Déstabilisé

Djadja & Dinaz sind wie viele zur Zeit aufstrebende Rapper stark vom PNL-Sound inspiriert, was in diesem Fall in erfolgreicher und guter Musik mündet. Das Album, auf welchem Déstabilisé zu hören sein wird, trägt den Namen Dans l'arène und erscheint am 17. März.

Rim’K – Personne

Die mittlerweile 38-jährige Rap-Legende Rim’K kommt am 03. März mit ihrem sechsten Soloalbum um die Ecke und gibt dir mit Personne einen vielversprechenden Vorgeschmack auf Fantôme. Das Mitglied der Gruppe 113 liefert dir modernen Sound mit überzeugendem Video.

15.02.2017

Ixzo – Killer Instinct

Ixzo ist vielleicht das nächste große Ding in Frankreich. Der Junge macht seit drei Jahren Musik und hat auf seinem YouTube-Channel bereits über 10.000.000 Klicks gesammelt. Killer Instinct wird auf dem kommenden Album L'Ennemi gelistet sein. Das Album ist ab dem 03. März in voller Länge zu hören.

16.02.2017

La Fouine – Chargée

Chargée ist das erste Lebenszeichen von La Fouine (Boobas Erzfeind) seit einem ganzen Jahr. Die Single stammt aus dem kommenden Release Capitale Du Crime Censuré. Der fünfte Teil der Mixtape Reihe Capitale Du Crime hat noch kein offizielles Releasedate.

Mac Tyer – Pour les vrais

Pour les vrais ist ein einwandfreier Freetrack. Bekannt geworden ist Mac Tyer gemeinsam mit Mac Kregor und ihrem Duo Tandem Anfang der 2000er. Als Solokünstler sorgte er zuerst mit Beatproduktionen unter anderem für Booba, Kery James, Akhenaton und Nessbeal für Aufsehen. Mittlerweile hat er aber auch mehrere erfolgreiche Soloalben im Kasten.

Weiter geht's mit einem empfehlenswerten Newcomer und den Releases der Woche...

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Kommentare

Was ist da los? Sie standen mal für echt guten Rap und jetzt nur noch Trap! Ich hoffe, dass bleibt Deutschland erspart.

Vielleicht solltest du langsam akzeptieren, dass sich Hiphop laufend weiterentwickelt?

Trap für mich ist das kein Rap, kann es ruhig geben, solange Rap nicht vernachlässigt wird.

Hallo, finde das echt super dass ihr das macht. Rap aus Frankreich ist nun mal sehr geil, sehr stark und auch wichtig. Es wäre echt traumhaft wenn ihr regelmäßig über neue Tracks berichtet. Vielen Dank

Lacrim/Lacrim/Lacrim. Das geht ab in FR. Der Typ ist gerade wieder zurück zuhause und haut sogar eine shortseries im stile Gomorrah raus:

youtu.be/CvtQkprxprI

Falls ihr einen FR Rap Journalisten braucht meldet euch. Keep up with the good work.

Hey, danke fürs Lob und den Tipp. Die Webserie ist auf der dritten Seite des Artikels ein Thema ;-)

CHIEF TEXTREDAKTION

Wirklich sehr coole und gelungene Sache!
Würde mir das auch noch für die britische Szene wünschen, falls dies möglich wäre.

richtig gut, dass ihr die rubrik gestartet habt. endlich brauch ich mich nicht durch die tausenden gleich klingenden artists auf 13or-du-hiphop durchzuklicken.
aber versucht bei der auswahl auch darauf zu achten, dass das nicht nur die ganz großen namen sind, sondern gern auch außergewöhnlicheres und dadurch unbekanntes zeug. weil wenn wir mal ehrlich sind, ist gefühlt 95% , was in frankreich seit jahren geht, trap musik.

Ok sorry hatte es nicht gesehen auf der 3rd Seite, Danke Clark Seger. Die Story von Lacrim ist halt schon fast Xataresque.

gerne mehr

Hamza's Mixtape ging durch die Decke. Genauso wie Kalash Criminel, mit einem extrem strarken Mixtape - hör rein Clark.

Trap kann halt jeder Spast - rappen halt nicht alles cool die BEats an sich sind ja ganz fresh

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Ein kleiner Moment Openair Frauenfeld 2020 trotz Corona

Ein kleiner Moment Openair Frauenfeld 2020 trotz Corona

Von Clark Senger am 15.07.2020 - 16:42

Die einen haben Rock Am Ring, die anderen das Summerjam, Wacken, Hurricane oder was auch immer. Für manchen Leser*innen dürfte es das Splash! sein. Für die Hiphop.de-Crew ist das Openair Frauenfeld jedes Jahr das Highlight der Festival-Saison. Im Summer of Coroni ist aber alles anders.

Es ist Donnerstag Nachmittag. Eigentlich würde grade Jamule oder ein ähnliches Kaliber die ersten Gäste auf das Gelände vor der riesigen Skyline Stage locken. Bei 29° und praller Sonne spielen ein paar unfair gut trainierte Dudes vorm SNIPES Store Basketball. Leute stehen Schlange für frisches Bier, das diesjährige Frauenfeld-Merch und kaltes Wasser aus den Zapfstationen, die überall über das Gelände verteilt sind. Endlich geht's wieder los!

Ich schlendere vorbei an Gruppen, die auf dem Boden sitzen und Joints durch die Runde wandern lassen. Ein Kerl sieht für diesen frühen Zeitpunkt des Tages und Festivals schon eindeutig zu rot aus. Ein anderer ext das zweite 0,5er Piwo in Folge. Für beide wird es morgen ein böses Erwachen geben.

Während meine Kollegen entweder ausgeschwärmt sind, um Interviews mit Fans für unsere Insta Story zu machen oder ihre Laptops aufbauen, um News und Artikel übers Festival zu schreiben, bilde ich mir ein, mein Eröffnungsspaziergang sei Vorbereitung auf "Release Friday". Dann erschüttern aus den Boxen eines Standes diese gefährlichen 808 Slides den Boden, die man aktuell jeden Freitag bei einem neuen Rapper hört.

"She like the way that I dance, she like the way that I move" – 2018 stand XXXTentacion wenige Wochen nach seinem Tod im Fokus vieler DJs und Artists beim Frauenfeld, dieses Jahr werden Pop Smokes und Juice WRLDs Geister über vielen Sets und Moshpits schweben. Pop Smoke wäre sogar leibhaftig hier gewesen, sein Slot war für Freitag geplant und wie gemacht für einen dieser legendären Abrisse in der La Fabrik Area.

Ein Blick in die OAF App: Vor A$AP Rocky und seinem Homie Ferg sind gleich noch DaBaby, Royce Da 5'9'' und Saint JHN am Start, die ich aus unterschiedlichen Gründen sehen möchte. Generell hat das wie gewohnt prominente Lineup 2020 einige Volltreffer für mich parat. Kendrick Lamar, Meek Mill, Apache 207, die Earthgang, Ski Mask The Slump God, Rico Nasty, IDK und Maxo Kream – alle kenne ich mehr oder weniger gut von Spotify, aber noch nicht in natura. Das will korrigiert werden.

Besonders gespannt dürfte nicht nur ich auf das Konzert von PNL sein. Die französischen Gebrüder Andrieu schaffen es, dass selbst fünf Jahre nach ihrem Debütalbum "Le Monde Chico" noch ein mysteriöser Schleier über ihrem Schaffen hängt. "Deux frères" war 2019 eins der besten Alben, auch wenn ich kein Wort verstanden habe.

Ihr legendäres Bühnenbild, das RAF und Bonez inspiriert haben dürfte, werden sie wohl kaum mitgebracht haben. Ich frage mich trotzdem, wie die riesige Bühne bei den beiden Perfektionisten aussehen wird. Und wie geben sie sich im Backstage? Kommen sie mit einer Armee an Securitys oder ist die Devise eher Understatement? Vermutlich werden sie – wie Busta Rhymes damals beim Out4Fame in Hünxe – mit dem Auto direkt an die Bühne gebracht und sind dann so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.

Dass außerdem die Kölner Homeboys Lugatti & 9ine dieses Wochenende auf Europas größtem Rapfestival auftreten, fühlt sich fast wie ein persönlicher Sieg an. Der Weg von wilden Gigs im Kölner AZ oder im Grüngürtel bei Yelms Bday Bash bis hin zum millimetergenau geplanten Openair hier in der Schweiz war lang, der heutige Spot der beiden ist mehr als verdient.

Als ich mir grade im Kopf ein paar Smalltalk-Fragen zurechtlege, mit denen man in ein Festival-Interview einsteigen könnte, reißt mich ein Anruf aus den Gedanken. Toxik. Aria soll einen Ami interviewen und unserem Backstage-Team fehlt jemand für den Ton. Jetzt!

Erst widerwillig trabend, dann immer schneller manövriere ich mich an sehr vielen sehr schönen Menschen vorbei und fühle mich wie Ezio Auditore. Ohne die Waffen, versteht sich. Ausweichen, beschleunigen, abbremsen, Kopftuch nass machen, wieder beschleunigen, Backstage-Pass für die Securitys aus dem Hemd friemeln, freundlich lächeln, aber nicht anhalten.

Diese sportlichen Einlagen gehören genauso zum Frauenfeld wie die Suche nach jemandem, der die Rückfahrt zum Hotel übernehmen kann. Für andere Leute gibt es andere Momente, in denen die monatelange Vorfreude zur Gewissheit wird, endlich wieder angekommen zu sein: Zum Beispiel das erste Bier nach dem Zeltaufbau.

Für die Besucher bedeutet so ein Festival: Drei Tage Urlaub, die vor einem liegen und sowohl schnell vergessene als auch unvergessliche Momente mit sich bringen werden. Neue Menschen, die man kennenlernt. Neue Künstler, die man entdeckt. Diese Vorfreude auf den beginnenden Trip in eine andere Welt – und da lasse ich gerne mit mir diskutieren – ist der beste Moment auf so einem Festival.

Am portablen Nachbau des Tischs aus unserem Büro sitzt Aria neben einem Kerl, der mit (vermutlich teurer) Sonnenbrille auf der Nase und Dior-Seidentuch auf dem Kopf in sein Handy guckt. Zwei Securitys, die breiter als hoch sind, lassen die Umgebung ihres Schützlings nicht aus den Augen.

"You're the audio guy, right?", sagt die unverwechselbare Stimme unter dem Seidentuch, die ich grade noch irgendwo gehört habe. Seinem mäßig überzeugenden "Let's go" lässt er schnell ein aufrichtiges "Woo!" folgen, mit dem er sich motiviert und mich aus meinem Gedankekonstrukt reißt.

Das passt nicht. Der Mann ist eigentlich tot und eigentlich sollten die Leute auf dem Gelände auch gar nicht so eng aneinander stehen.

Diesen Sommer versuchen wir vergeblich, etwas zu ersetzen, das man sich nicht so einfach mit einem Artikel herbeischreiben kann. Uns fehlen die Festivals, den Festivals fehlen die Einnahmen, den Künstlern fehlen ebenfalls die Festivals. Ja, für die meisten von uns hat Corona größere Probleme mit sich gebracht als den Verzicht auf einen Kurzurlaub mit Musik und Exzess. Wer sich aber irgendwo in diesen Zeilen wiedergefunden hat, wird unterschreiben: Die Festivals sind vielleicht die Highlights jeden Sommer. Sie fehlen!

(Wer von Covid-19 getroffenen Unternehmen der Kulturbranche helfen will, behält bestenfalls seine Tickets. Auch große Festivals wie das Openair Frauenfeld sehen sich in dieser Krise existenziellen Gefahren ausgesetzt. Wie du in dieser Situation aktiv werden und supporten kannst, haben wir in diesem Artikel erklärt. Das Openair Frauenfeld beispielsweise geht 2021 einen Tag länger – mit dem #OAForever-Upgrade kann man ein bestehendes Ticket auf diese Dauer erweitern und den Veranstaltern des Festivals (finanzielle) Planungssicherheit geben.)


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