Die Kinder der (Rhein-)Küste: Im Kölner Süden passieren Dinge

Wenn wir darüber sprechen, aus welcher Gegend die heißesten Rapper zurzeit kommen, dann reden wir oft über den neuen Süden. RIN, Bausa und Dardan haben sich mit unterschiedlichen Ausprägungen modernen Raps auf die Bildfläche gespittet und gesungen. Berlin, Hamburg und OFFFM sind sowieso am Start. Aber auch in Köln passieren Dinge.

Gestern fand im Jungle in Ehrenfeld sowas wie ein kleines Untergrund-Familientreffen statt. Dirty South and Friends. Heißt: Lugatti & 9ine, Kahbalife und Dennis Dies Das laden ihre Homies von beiden Seiten des Rheins zum letzten Turnup im auslaufenden Kalenderjahr ein. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich mir hauptsächlich die Schälsick-Jungs geben. Aber genau an diesen Tagen macht man die unerwarteten Entdeckungen.

Nachdem ein paar ambitionierte Acts aus dem Kölner Raum (teilweise erste) Bühnenerfahrung vor einer wachsenden Crowd gesammelt hatten, füllte der Raum sich mit ein paar hundert Leuten und die Hitze stieg nicht nur in der Luft. Nach und nach enterten die Jungs aus den Veedeln Sürth und Rodenkirchen die Bühne. Beim Zuschauen bekam ich noch nicht ganz den Überblick darüber, wer jetzt wer war. Das lag auch daran, dass der Auftritt dieses Crew-Feeling vermittelte, bei dem man einfach mitfeiern muss.

Im Nachhinein weiß ich jetzt, dass der kräftige Kollege Lugatti ist. Er und sein Partner 9ine rappen fast ausschließlich auf Instrumentals ihres Homies TRAYA, der unter anderem mit seiner eigenen EP "Auf der Suche nach dem goldenen Sample" sein Talent und seine Vielfältigkeit unter Beweis gestellt hat. Hier kommt die offenkundige Liebe für das richtige Sample zur Geltung wie auch ein Faible für sphärische bis treibende elektronische Sounds. Eben Dinge, die man feiert, wenn man seine freie Zeit zwischen den Stränden am Rheinufer, den Büdchen im Veedel und Parties in Ehrenfeld verbringt. In "Rot & Weiß" wird sogar LGoonys "Sosa"
gesampelt:

Auf der Suche nach dem goldenen Sample by Kinder der Küste

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In der Konsequenz ist es auch schwer, Lugatti & 9ine mal eben einen Genre-Stempel aufzudrücken. Umso besser. "808-Bass und paar leckere Samples" nennen sie den eigenen Style im Track "Besser isses". Das trifft's ganz gut. Scheppern sollte es schon, damit man live mit der Crowd einen der geliebten Turnups zelebrieren kann.

Die Texte, die Attitude und die oft humorvolle Art, auf die hier Adlibs gesetzt werden, erinnern stellenweise an RIN. RIN mit weniger Liebessongs, in asozialer, kölsch und ohne das exzessive Zelebrieren viel zu teurer Klamotten – "eigentlich perfekt", lese ich heute in meinem Whatsapp-Verlauf als Zwischenfazit. Einen groben Eindruck bekommt man im Song "Vino" aus der "Late Night EP", die vor knapp einem Monat erschienen ist:

LUGATTI & 9INE - VINO (prod. by TRAYA)

LATE NIGHT EP OUT NOW! Soundcloud: https://soundcloud.com/oderwieoderwat/sets/late-night-ep Spotify: https://open.spotify.com/album/3f0PDxlfPLDBSKD6GFrxmk Deezer: http://www.deezer.com/album/52370472?utm_source=deezer&utm_content=album... Apple Music: https://itunes.apple.com/de/album/late-night-ep/1317612630 prod. by TRAYA film&edit by OutCut https://soundcloud.com/oderwieoderwat https://facebook.com/oderwieoderwat1312/ https://www.instagram.com/kinderderkueste/ https://www.instagram.com/_lugatti_/ https://www.instagram.com/9ine_99/ https://www.instagram.com/808felix

TRAYA, Lugatti und 9ine beanspruchen aber nicht für sich alleine den Titel Dirty South. Der Kerl mit dem Oberlippenbart als Erkennungszeichen – das habe ich heute im Nachhinein festgestellt – ist Dennis Dies Das. Er ist noch etwas experimentierfreudiger unterwegs. Verspulte Kopfnicker, 808-Sample-Hybriden, Future Bounce à la GoldLink und Techno auf Basis von Mobb Deep hat er bereits im bunten Repertoire:

Dennis Dies Das - Bounce (Official Video)

DENNIS DIES DAS Facebook: https://facebook.com/dennisdiesdas44 Instagram: https://instagram.com/dennisdiesdas YouTube: https://YouTube.com/dennisdiesdas44 SoundCloud: https://soundcloud.com/user-870642854 Snapchat: dennisdiesdas13 Contact: info@dennisdiesdas.de Titel: Bounce Beat by Origami recorded & mixed by Sascha Urlaub ► https://www.youtube.com/saschaurlaubmusikhttps://www.facebook.com/saschaurlaubmusikhttps://www.instagram.com/saschaurlaub Video Production by CRBN ► https://www.facebook.com/crbnlife/ Directed by Carlo Carbone ► https://www.facebook.com/carlocrbnhttps://www.instagram.com/carlocrbn/ Story x Director of Photography x Drone x Edit x Color by Carlo Carbone 2nd Camera x Assistant by Eduard Petrosyan ► https://www.facebook.com/eddy.petrosyan Credits: Taynara Joy Silva Wolf ► https://www.instagram.com/taynarajoy.silvawolf/ Kahbalife ► https://www.instagram.com/kahbalife/ Kinder der Küste ► https://www.instagram.com/kinderderkueste/ Felix "Traya" ► https://www.instagram.com/808felix/ AND FRIENDS!

Eine andere, rohere Facette der Domstadt deckt Kahbalife mit seinem Sound zwischen Grime und Trap ab. Er veröffentlichte am 17. November seine neueste EP "Südstadt bleibt dreckig", auf der neben TRAYA auch ein bekannteres Gesicht für die Instrumentierung gesorgt hat: Sascha Urlaub. Er gehört auch zur Crew, ist oft in den Musikvideos der Dirty-South-Jungs zu sehen. Mancher wird sich vielleicht noch an sein "Halt die Fresse" bei Aggro.tv von 2012 erinnern. Inzwischen gibt's auch ruhigere Nummer wie diesen "Kölner Sunshine Reggae":

SASCHA URLAUB x LUGATTI & 9INE - an die Küste (official video)

SASCHA URLAUB Facebook: https://facebook.com/saschaurlaubmusik Instagram: https://instagram.com/saschaurlaub YouTube: https://YouTube.com/saschaurlaubmusik SoundCloud: https://soundcloud.com/saschaurlaub Snapchat : saschaurlaub Contact: info@saschaurlaub.de LUGATTI & 9INE Instagram: https://instagram.de/kinderderküste Facebook: https://facebook.com/oderwieoderwat1312 Spotify: https://open.spotify.com/artist/4eZg2h2Qez5XuD6PQAqGie SoundCloud: https://soundcloud.com/oderwieoderwat Titel: ,,an die Küste'' Produced by SASCHA URLAUB Video Produktion: Halfway Crooks filmed by Dennis Dies Das & Traya edited Dennis Dies Das & Kahbalife directed by Dennis Dies Das, Traya, Sascha Urlaub, Lugatti & 9ine DANKE FÜR DAS TEILEN & VERBREITEN !!

Im Kölner Süden braut sich seit diesem Jahr etwas zusammen und den sympathischen Jungs ist es zu wünschen, auch überregional wahrgenommen zu werden. Das habe ich vom gestrigen Abend mitgenommen. Das Zeug dazu haben Lugatti, 9ine und Co. dank humorvoller Lyrics, einer ordentlichen Portion Live-Energie und eines Produzenten, von dem man sicher noch mehr hören wird. Check die "Late Night EP" und das Album "50999" ab und lass uns wissen, ob du 2018 mehr davon hören willst!

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Rhein, Main, Berlin: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Rhein, Main, Berlin: 5 Tipps aus dem Untergrund unter 25.000 Klicks

Von Clark Senger am 15.04.2021 - 13:26

 

Es ist eine Weile her, dass wir in einem 5er-Pack einige unserer persönlichen Favorites vorgestellt haben, die nicht in Deutschraps Großraumdisko das Tanzbein schwingen. Während der Mainstream von Erfolg zu Erfolg sprintet und viele langweilt, tummelt sich im Untergrund nach wie vor eine ganze Reihe talentierter Menschen, deren Musik mehr Aufmerksamkeit verdient. Fünf Beispiele bringen wir euch hier näher. Die einzige Regel: Unter 25.000 Klicks bleiben!

 

Binho x Lukees x Jakepot – Beyblade (prod. Jakepot)

Wir starten unsere kleine Reise in Mannheim am Rhein, wo ein gewisser Zonkeymobb behandelt wird, als wär'n sie allesamt Apostel. Dort liefern Binho und Lukees schon seit geraumer Zeit Rap, der gute Technik, Humor und Echtheit unter einen Hut bringt. Frische Punchlines, wilde Reimstrukturen – teils kreuz und quer über komplette Parts verteilt – und ein Ohr für interessante Produzenten.

Ende März erschien die EP "Southside" mit Producer Jakepot, der zuletzt immer wieder mit seiner guten Arbeit im Rhein-Main-Gebiet auf sich aufmerksam machen konnte (Gianni Suave, Para Yok Mob, Rafiki PZK und mehr). Der Gute knallt einem in "Beyblade" direkt ein paar üble Bässe vor den Latz, die gleich zum Einstieg ein vielversprechender Vorbote auf die Boshaftigkeit des Beats sind.

Auf "Southside" geht es soundtechnisch generell eher düster zu, während Luke und Binho sich die Bälle zuspielen und sich gegenseitig mit ihren ganz eigenen Styles ergänzen. In die knackige 8-Minuten-EP sollte man definitiv mal reinhören.

 

Kulturerbe Achim x CGN Untergrund – Oh nää (prod. Priesemut & Jorry)

Wenn wir dem Rhein über Mainz und Koblenz von der "Southside" in Nordwest-Richtung folgen, sehen wir irgendwann zur linken die zwei imposanten Türme des Kölner Doms. Die Stadt am Rhing hat es nicht nur den Lokalpatrioten aus der Südkurve angetan, sondern offenbar auch dem Berliner Kulturerbe Achim. Der fühlt sich nämlich sichtlich wohl zwischen den CGN-Untergrund-Allstars Fresse, Benni Bandito, Lugatti sowie Benyo und Fly von Schälsick.

Auf einem Beat von Priesemut und Jorry mit leckeren UK-Vibes gibt's in Form von "Oh nää" einen abwechslungsreichen, kleinen Possetrack, bei dem die Pumpe ordentlich auf Action kommt. Während Fresse und Benni mit rasanten Flow-Passagen das Tempo anziehen, sorgen beispielsweise Gatti und Fly für andere Akzente. Das Ding ist rough, wuchtig und macht einfach Bock. 

 

Gianni Suave x Jakepot – Newcomer Forever (prod. Jakepot)

Dass Jakepot auch in FFM seine Beats parkt, hatte ich schon bei Lukees und Binho erwähnt. Das kann gleichzeitig modern und ein Kopfnicker sein, wie ihr etwa bei "Newcomer Forever" von Gianni Suave hört – das Verschmelzen unterschiedlicher Ären gehört auch zu den Stärken des Rappers. Der macht dem zweiten Teil seines Künstlernamens ("suave" span. = sanft, geschmeidig) übrigens alle Ehre, wenn er scheinbar maximal zurückgelehnt die Schwächen der schillernden Rapwelt aufzeigt:

"2 Millionen Follows, bist auf Insta bisschen witzig / was machst du mit Power, flexen mit Chayas und Jibbits / meine Vision anders, uns're Vision different / währenddessen zwanzig-zwanzig, halbe Welt ist noch rassistisch"

Nur scheinbar zurückgelehnt? Sí. Was beim Frankfurter allzu leichtfüßig klingt, offenbart dem geübten Ohr eine reimtechnische und lyrische Komplexität, die im sehr runden Vibe fast untergehen könnte. Nach dem Beatswitch bei 1:20 Minuten zeigen sowohl Gianni als auch Jake dann noch eine andere Facette, es wird spürbar aggressiver. Auch das sitzt wie angegossen.

 

Argonautiks – 25 [Meine Welt] (prod. Donnie Bombay)

Part 1

Part 2

 

Die Argonautiks waren schon 2018/2019 Stammgäste in unserer Artikelreihe unter 25.000 Aufrufen. Erfreulich für die Jungs und für deutschsprachigen Rap: Die meisten Videos auf YouTube knacken mittlerweile die 100K oder gehen grade auf diese Marke zu. Erfreulich für diesen Artikel: Zwei der aktuellen Auskopplungen aus dem kommenden Album "Paroli Pop" liegen derzeit bei knapp 3.000 (Part 2) beziehungsweise 11.000 Klicks (Part 1).

Paul Uschta und Timmy Tales blicken in ihren Solotracks "25 (Meine Welt)" – der Titel bezieht sich auf die Linie 25, die die Berliner Innenstadt mit Zehlendorf und Teltow verbindet – unabhängig voneinander auf die Jugendzeit zwischen 2006 und 2010 zurück. Gegelte Frisur und kitschiger Duft. Liebeskummer. Mama schiebt Hass. Breitgeboxte Nasen. Mit Fünfern und Cans in den Taschen irgendwo zwischen S-Bahnhof und Block. Inhaltlich schon mal einer sehr spannende Geschichte.

Auch was den Sound angeht: Argonautiks-Stammproduzent Donnie Bombay liefert den beiden für ihre verschiedenen Perspektiven auf eine ähnliche Zeit die wie immer passenden Beats. Man kann die Liebe zu Detail an allen Ecken raushören. Und was hier raptechnisch passiert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich habe es in unserem Podcast schon einige Male versucht, aber für hier und jetzt müsst ihr nur wissen: Das ist unbeschreiblich dope!

 

Die P – Ein Schritt (prod. TVL)

Und am Ende landen wir doch wieder am Rhein bei Die P. In ihrer Hood 53 werden Realness und ein gewisses Faible für den zeitlosen Vibe der 90er seit jeher groß geschrieben – SSIO und Xatar lassen grüßen. Wo die AON-Jungs eher Richtung Westcoast und G-Funk tendieren, meint man bei der Rapperin eher den Flair des Big Apple herauszuhören. Darauf reduzieren lässt sie sich aber ohnehin nicht.

"Dieses Leben schenkt dir nix, komm erzähl mir nix von Glück / ein Schritt nach vorn', aber zwei Schritte zurück" 

Ihr Debütalbum "3,14" erschien im März und unterstreicht die starke Entwicklung der vielleicht roughsten Rapperin in DE. Anders als der Hustle, den Die P in "Ein Schritt" beschreibt, gab es da zuletzt nur Schritte nach vorne. Es ist gleichzeitig das erste Album, das über das all-female Label 365XX erschienen ist.


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